Overview and details of the sessions of this conference. Please select a date or location to show only sessions at that day or location. Please select a single session for detailed view (with abstracts and downloads if available).
„Ökologien der Partizipation“ in Transformationsprozessen
Time:
Thursday, 05/Dec/2024:
5:00pm - 6:30pm
Location:Atelier 2
Personen: 64
Presentations
„Ökologien der Partizipation“ in Transformationsprozessen
Julia Backhaus1, Fabian Jacobs2, Cindy Rentrop3, Barbara Grimpe1, Philipp Neudert1, Stefan John1, Lena Lübbe1, Gudrun Rohde1, Ulrike Sasse-Zeltner1, Yannick Schöpper1, Mareike Smolka1,4, Stefan Böschen1
1RWTH Aachen University; 2Sorbisches Institut; 3Technische Universität München; 4Wageningen University and Research
Basierend auf drei Impulsvorträgen zu Transformationsprozessen in verschiedenen Gebieten Deutschlands gehen wir regionalen Unterschieden, Gemeinsamkeiten und Besonderheiten, vor allem in Bezug auf Partizipationsprozesse, nach. Im Anschluss versuchen wir in Zusammenarbeit mit Teilnehmenden in einem strukturierten Diskussionsformat die Frage zu beantworten, ob und wie sich regionale „ecologies of participation“ (Chilvers et al. 2018) unterscheiden lassen.
Transformationsprozesse in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung führen zu einer Fülle an Projekten auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene, welche mit unterschiedlichen (Governance-)Problemen einhergehen. Diese betreffen beispielsweise das Spannungsverhältnis zwischen kurz- bis mittelfristigen Projekten im Rahmen langfristiger Transformationsprozesse; fragmentierte Entscheidungs- und Partizipationsprozesse; sowie unterschiedliche Bewältigungsstrategien. So werden verschiedene Zukunftsbilder skizziert, ausprobiert und teilweise realisiert. In den Projektvorhaben geht es um unterschiedliche Infrastrukturen, „Zukunftstechnologien“ und „soziale Innovationen“. Im Rahmen des Kohleausstiegs sind (ehemalige) Reviere auf besondere Weise betroffen, doch auch in anderen Regionen vollziehen sich Transformationsprozesse, die mit Herausforderungen verbunden sind. Grundsätzlich sehen sich sämtliche Transformations- und Strukturwandelprojekte mit Partizipationsanforderungen konfrontiert.
Im Rheinischen Revier wurde die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) mit der Aufgabe betraut, die regionale Bevölkerung in den Prozess einzubinden. Des Weiteren verfolgen sämtliche mit dem Strukturwandel betrauten Programme und Projekte eigene Partizipationsansätze und Ziele. Der Impulsvortrag zum Rheinischen Revier fokussiert eine Auswahl regionaler Projekte in den Bereichen Wasserstoff, Halbleitertechnologie, flexible Stromnetze, Bioökonomie, Energie- und Wärmeversorgung sowie lokale Unternehmensinitiativen für Innovation und adressiert die Frage nach möglichen Synchronisationspotentialen und -notwendigkeiten von Partizipationsmethoden und -prozessen sowie die Möglichkeit einer einsetzenden Partizipationsmüdigkeit auf regionaler Ebene.
Ein Impuls zum Lausitzer Revier fokussiert die Phase bis zum Inkrafttreten des Strukturstärkungsgesetzes und stellt dar, wie die Sorben das Gelegenheitsfenster genutzt haben und sich intern mobilisierten, Allianzen bildeten, Strategien entwickelten und schließlich über das Gesetz erfolgreich Projektförderungen inkl. wissenschaftlicher Begleitung einwarben. So lassen sich mögliche Auswirkungen auf lausitzspezifische Ökologien der Partizipation vor dem Hintergrund einer durch wachsendes Diversitätsbewusstsein neu zugeschriebenen/zugestandenen Rolle der Sorben bei der Transformation der Lausitz zur Nachhaltigkeit diskutieren.
Auch in anderen, nicht direkt vom Ausstieg aus dem Kohleabbau betroffen Regionen vollzieht sich ein Wandel, der nicht spurlos an der lokalen Bürger*innenschaft vorbeigeht. In der urbanen Region Heilbronns lässt sich ein Streben nach einem neuen Innovationsverständnis ausmachen, das nicht nur die regionale Innovationskultur adressiert, sondern auch das sozioökonomische Gefüge umfasst. Partizipative Praktiken sollen hierbei zu einer gelungenen Transformation beitragen, die allerdings bei näherem Hinsehen gewisse soziokulturelle Partikularitäten übersehen. Die konzeptuelle Brille der ‚regionalen Innovationskulturen‘ kann hierbei unterstützend wirken, um Partizipation in Transformationsprozessen aus einer neuen Perspektive zu betrachten.