21st Annual Conference of the
Society for Higher Education Research (GfHf)
18.-20. March 2026 | Paderborn University, Germany
Conference Agenda
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Session Overview |
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Session 1.03: Wissens(Transfer)
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Messung von Digitalisierung, sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit an Hochschulen 1Justus-Liebig-Universität Gießen, Deutschland; 2University of Aveiro, Portugal; 3CIPES, Portugal; 4IPAM Porto, Portugal; 5PAAET, Kuwait; 6IEED, Frankreich Gesellschaften ändern sich, daher sind auch Änderungen im Hochschulsystem zu erwarten, die über traditionelle Aufgaben in Forschung und Lehre hinausgehen. Neben wissenschaftlicher Exzellenz und Beschäftigungsfähigkeit rücken neue programmatische, normativ gesetzte Dimensionen in den Vordergrund: Digitalisierung, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Diese Themen sind in internationalen bildungspolitischen Rahmenwerken wie den UN Sustainable Development Goals (SDGs) verankert und prägen institutionelle Strategien, und sind eine wertebasierte Setzung. Der Beitrag präsentiert die Entwicklung von Indikatoren zur Erfassung der drei Dimensionen. Die Ergebnisse basieren auf der Arbeit des HESPRI-Projekts, das im Rahmen des EU Horizon Programms gefördert wird (Grant Agreement nº 101086224). Hierfür wurden zunächst durch eine systematische Literaturrecherche 216 Indikatoren identifiziert und klassifiziert (Bouckaert & Halligan, 2008; Melo & Sarrico, 2015). In einem international besetzten Expert:innenworkshop wurde die Liste der Indikatoren auf 94 reduziert, welche anschließend von 74 Hochschulangehörigen aus sieben Ländern nach Klarheit, Relevanz und Erhebungsaufwand bewertet wurden, woraus ein finales Set von 28 Indikatoren entstand. Die Ergebnisse spiegeln einen wachsenden Konsens wider, dass Hochschulen ihr Verständnis von Qualität über traditionelle akademische Leistungen hinaus erweitern, um institutionelle Möglichkeiten von programmatisch gesetzten Themen prüfen, in unserem Fall von Chancengleichheit, digitaler Transformation und nachhaltiger Entwicklung (Leal Filho et al., 2019; Žalėnienė & Pereira, 2021). Jedoch stellt die Datenerhebung mit den Indikatoren eine Herausforderung dar, was praktische Bedenken hinsichtlich der institutionellen Eignung zur Überprüfung der Qualität aufwirft. Auch wenn einige Indikatoren tatsächlich neue Formen der Datenerhebung erfordern, ist es möglich, dass institutionelle Akteure – insbesondere Wissenschaftler:innen ohne Führungsaufgaben – möglicherweise keine Kenntnis von bestehenden Datensystemen oder Berichtsmechanismen haben (Loukkola et al., 2020). In dem Beitrag wird sowohl das Set an Indikatoren vorgestellt, als auch Implikationen für die Steuerung von Hochschulen, dem Hintergrund wertebasierter Indikatoren, diskutiert. Wissenschaftler*innen zwischen Wirkungserwartung und Erkenntnisinteresse – Normative Aushandlungen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft DZHW, Deutschland Wissenschaftler*innen sind (zunehmend) mit der Erwartung konfrontiert, gesellschaftlich relevantes Wissen zu produzieren. Dies spiegelt sich in verschiedenen Entwicklungen wider, wird jedoch besonders deutlich in der neuen Kernaufgabe „Transfer“ zum Ausdruck gebracht, die neben Forschung und Lehre Teil eines neuen Dreiklangs der akademischen Kernaufgaben markiert. Obgleich disziplinäre Differenzen in den Transferverständnissen und -praktiken bestehen und der Transferanspruch weder durchgängig noch gleichförmig formuliert wird, wird damit eine zentrale Verhältnisbestimmung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft markiert. Diese Verhältnisbestimmung wirft zugleich grundlegende Fragen der Normativität auf: Wie positionieren sich Wissenschaftler*innen in hochgradig gesellschaftlich relevanten – und damit nicht selten politisierten – Forschungsfeldern? Wie tarieren sie wissenschaftliche Zielbestimmungen mit externen (Relevanz-)Erwartungen aus? Und wie wird dabei – implizit oder explizit – ausgehandelt, was gute Wissenschaft ist und wer hierüber entscheiden kann (Grenzen integrativer/transdisziplinärer Forschung, Umgang mit Öffentlichkeit und Medienlogiken)? Wir zeigen anhand empirischer Befunde, wie Forschende zwischen Autonomie und Wirkungserwartung navigieren, das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft bestimmen und es in ihrer Transfer- und Kommunikationspraxis konkret umsetzen. Hierzu greifen wir auf qualitative und quantitative Befunde eines laufenden Forschungsprojektes zurück, welches sich mit den fachspezifischen Erwartungen, Praktiken und Effekten des Wissenstransfers befasst. Auf der Grundlage unserer Ergebnisse lässt sich feststellen, dass Forschende einerseits die gesellschaftliche Relevanz ihrer Forschungsleistungen reflektieren, das Potenzial gesellschaftlicher Verwertbarkeit in die Entwicklung wissenschaftlicher Fragestellungen einbeziehen und Transfer nicht zuletzt als Mittel sehen, gesellschaftliche Akzeptanz und Vertrauen in Forschungsleistungen zu stärken. Andererseits zeigt sich, dass sie dabei stets auch die Grenzen zwischen gesellschaftlich legitimen Nutzenerwartungen auf der einen und wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse und der Wahrung wissenschaftlicher Qualitätsmaßstäbe auf der anderen Seite austarieren. Schließlich wird deutlich, dass normative Positionierungen in öffentlichkeitswirksamen Kontexten auch die Gefahr von Anfeindungen und Skepsis bergen, sodass ein Rückzug auf objektive, unparteiische Positionen auch als Reaktion auf dieses Spannungsfeld zu lesen ist. (Die Debatte um) ‚Engagierte‘ Wissenschaft wird damit zu einem Politikum. Einflüsse auf den individuellen Wissenstransfer: Disziplinäre Unterschiede im Vergleich Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, Deutschland Die Erwartung an Wissenschaftler*innen, sich neben Lehre und Forschung im Wissenstransfer zu engagieren, sind gestiegen. Die aktuelle Transferforschung berücksichtigt individuelle Wissenschaftler*innen zunehmend, jedoch geschieht dies selten systematisch, relevante Einflussfaktoren werden selten miteinander verknüpft (Landry et al. 2010; Moutinho et al. 2007; Boardman & Ponomariov 2009; Olmos-Penuela et al. 2014; Hayden et al. 2018). Besonders die Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften (GSK) sind im Vergleich zu technologieorientierten Fächern bislang weniger erforscht (Froese et al. 2016; Wutti & Hayden 2017). Unzureichend verstanden bleibt, welche Faktoren die Entscheidung von Wissenschaftler*innen beeinflussen, sich auf welche Weise im Wissenstransfer zu engagieren. Zentrale Forschungsfrage ist: Was beeinflusst die individuelle Entscheidung von Wissenschaftler*innen, Wissenstransfer zu betreiben? Der Beitrag untersucht Wissenstransfer als Ergebnis eines mehrstufigen Entscheidungsprozesses. Zentral ist das Modell der Wissenstransferprofile, bestehend aus Transferpartnern, -mechanismen und -verortung (Berghäuser et al. 2025). Die empirische Grundlage bilden leitfadengestützte Online-Interviews mit 29 Professor*innen aus Politikwissenschaft, Soziologie und Informatik an fünf Hochschulen, erhoben im BMFTR-geförderten Projekt WIDEN. Die Interviews wurden inhaltsanalytisch ausgewertet (Mayring 2018; Kuckartz 2018). Transfer in der Politikwissenschaft ist eher gesellschafts- und politiknah geprägt (Politikberatung, Wissenschaftskommunikation, zivilgesellschaftliche Kooperationen). Motivation entsteht aus intrinsischem Legitimationsdruck und externen Erwartungen. Strukturell fehlt Anerkennung in Karrieren. Transfer konkurriert oft mit der Publikationslogik, innerhalb der Disziplin ist seine Bedeutung umstritten. In der Informatik ist Transfer anwendungsorientiert und eng mit Forschung und Drittmittelakquise verknüpft (Unternehmenskooperationen, Patente, Ausgründungen, Weiterbildung). Motivation speist sich aus gesellschaftlichem Nutzen und Reputationsgewinn. Transfer gilt als selbstverständlicher Teil der Forschung. Das Transferverständnis in der Soziologie ist heterogen, von Wissensvermittlung bis zu dialogisch-kreativen Formaten. Motivation ist meist gesellschaftlich und ethisch geprägt, weniger karriereorientiert. Zentrale Hemmnisse sind disziplinübergreifend Bürokratie, Zeitmangel und Arbeitsüberlastung. In Politikwissenschaft und Soziologie wirken zudem Ängste vor negativen Reaktionen hemmend. Die Lehre wird dagegen als selbstverständliche Form des Transfers verstanden und zeigt, dass trotz struktureller Hindernisse Synergien zwischen Forschung, Lehre und Transfer bestehen. | ||