Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppe
„Kommunikation und Politik“
Demokratische Resilienz als Aufgabe für die politische Kommunikation in einer instabilen Welt
4. - 6. Februar 2026 | Hamburg
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Sitzungsübersicht |
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Session 6: Medieninhalte und demokratische Resilienz
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Demokratische Resilienz in der Kommunikation über Migration? Migration als Wedge Issue im digitalen Bundestagswahlkampf 2025 1Universität Leipzig, Deutschland; 2Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland Der Bundestagswahlkampf 2025 war stark von Debatten über Migration geprägt. Insbesondere radikale Akteure setzen das Thema ein, um starke emotionale und moralische Reaktionen in der Bevölkerung hervorzurufen und dadurch Spaltungen unter Anhänger:innen demokratischer Parteien zu provozieren. Bisherige Arbeiten zeigen, dass im Migrationsdiskurs auch zentrale Prinzipien liberaler Demokratie angegriffen werden. Unklar ist bislang, wie die verschiedenen Parteien das Thema in ihrer direkten Online-Wahlkampfkommunikation aufgreifen und inwieweit demokratische Parteien im Migrationsdiskurs die Werte liberaler Demokratie verteidigen. Daher untersucht der Beitrag, wie deutsche Parteien und ihre Spitzenkandidat:innnen das Thema Migration im Online-Wahlkampf auf Facebook, Instagram und TikTok kommunizieren. Dazu haben wir eine manuelle quantitative Inhaltsanalyse von 4.057 Social-Media-Posts durchgeführt, die in den vier Wochen vor der Wahl veröffentlicht wurden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Parteien hinsichtlich der Aufmerksamkeit für und in ihren Positionen zu Migration voneinander unterscheiden. Während AfD, CSU und BSW überwiegend migrationskritische und teils illiberale Positionen kommunizierten, vertraten SPD, Grüne und Linke mehrheitlich migrationsfreundliche und werteorientierte Haltungen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass demokratische Parteien unterschiedlich auf die migrationsbezogene Diskurshoheit populistischer Akteure reagieren: Während linke Parteien liberale Werte aktiv verteidigen, tragen konservative Parteien durch eine Übernahme illiberaler Elemente zur Normalisierung rechter Diskurse bei. Zwischen Medienkritik und Meinungsvielfalt: Der Diskurs über deutsche Waffenlieferungen in die Ukraine 1Universität Hamburg, Deutschland; 2Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) Medienkritik gilt als zentrales Instrument demokratischer Öffentlichkeit, um Journalismus in seiner Rolle für die politische Meinungsbildung zu überprüfen. Gleichzeitig kann sie jedoch zu Informationsunsicherheit beitragen und Medien als legitime Informationsquelle infrage stellen. Häufig werden Vorwürfe einseitiger Berichterstattung auch strategisch genutzt, um Aufmerksamkeit für eigene Positionen zu erzeugen, unabhängig von empirischen Belegen – ein Phänomen, das sich beispielhaft im Diskurs über deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine zeigt. Unterschiedliche normative Konzepte von Demokratie prägen, wie Vielfalt in Medien bewertet wird, ein Ideal demokratischer Öffentlichkeit existiert jedoch nicht, weshalb „ausreichende“ Vielfalt schwer zu definieren ist. Empirisch werden 54.965 Artikel aus 14 deutschen Leitmedien (2023–2024) analysiert. Mittels hierarchischem Argument-Mining und einem Open-Source-LLM (ChatGPT OSS) wurden Positionen für oder gegen Waffenlieferungen und 15 argumentative Frames analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass trotz überwiegender Positionen FÜR Waffenlieferungen eine relative Ausgewogenheit zwischen FÜR- und GEGEN-Positionen besteht. Die Analyse legt nahe, dass der Diskurs weniger kontrovers war als wahrgenommen. Wahrgenommene Einseitigkeit könnte eher Ausdruck unterschiedlicher Erwartungen an das Mediensystem sein als ein Mangel an Vielfalt, beeinflusst durch emotionale Aufladung und andere bestehende Diskursdynamiken. Skandalberichterstattung und politische Rechenschaft. Eine Analyse politischer Konsequenzen in Deutschland (2001-2023) Universität Hohenheim, Deutschland Skandale sind ein fester Bestandteil des politischen Alltags in Deutschland. Enthüllungen über Amtsmissbrauch, sexuelle Übergriffe oder illegale Spenden führen regelmäßig zu öffentlicher Empörung und können gravierende Auswirkungen auf das politische System haben – etwa durch Gesetzesänderungen, Rücktritte oder parteiinterne Sanktionen. Durch journalistische Skandalberichterstattung wird normverletzendes Verhalten öffentlich sichtbar gemacht und in einem komplexen Zusammenspiel politischer und gesellschaftlicher Akteure verhandelt. Skandale fungieren damit als Prüfsteine demokratischer Resilienz: Sie können zur Sanktionierung von Fehlverhalten beitragen und politische Verantwortung erzwingen. Der Vortrag untersucht politische Skandale auf Bundesebene in Deutschland zwischen 2001 und 2023. Datengrundlage ist eine eigens aufgebaute Datenbank, die auf einer standardisierten Inhaltsanalyse von über 3.000 journalistischen Beiträgen aus vier überregionalen Medien basiert und 198 Skandalfälle umfasst. Für jeden Fall wurde systematisch recherchiert, ob und welche politischen Konsequenzen folgten, darunter Mandatsniederlegungen, Ministerrücktritte, Parteiaustritte oder der Verlust von Parteiämtern. Ausgangspunkt des Vortrags ist die Frage, wie es sich erklären lässt, dass Skandale in manchen Fällen zu Rücktritten führen, in anderen jedoch folgenlos bleiben. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass Umfang und Intensität der medialen Berichterstattung hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Der Beitrag liefert damit erste empirische Anhaltspunkte für das Verständnis von Skandalen als Mechanismen demokratischer Rechenschaft und politischer Verantwortungsübernahme. Wie steht’s um die Demokratie? Eine vergleichende Inhaltsanalyse rechtspopulistischer Alternativmedien und etablierter Online-Medien Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland Viele westliche Demokratien leiden unter einem Vertrauensverlust in die Demokratie oder in politische Institutionen. Im Vortrag gehen wir deshalb der „Vorfrage“ nach, inwiefern rechtspopulistische Alternativmedien die Demokratie und demokratische Prinzipien vergleichend zu etablierten Medien häufiger darstellen und negativer bewerten. Theoretisch greifen wir auf die Konzeption rechtspopulistischer Medien zurück und verstehen Demokratie als Konzept mit einer liberalen, einer wahlbezogenen, einer direktdemokratischen und einer sozialen Dimension. Wir vermuten, dass sich rechtspopulistische Alternativmedien und etablierte Medien sowohl in den Häufigkeiten als auch Bewertungen der vier Demokratiedimensionen unterscheiden. Wir untersuchen unsere Annahmen mit einer quantitativen Inhaltsanalyse von 487 Online-Beiträgen in den vier deutschen Zeitungen Junge Freiheit und Achse des Guten (beide rechtspopulistisch) sowie Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung (beide etabliert). Die Ergebnisse bestätigen im wesentlichen unsere Annahmen: Liberale und wahlbezogene Demokratieelemente wurden in rechtspopulistischen Alternativmedien signifikant häufiger dargestellt und negativer bewertet als in etablierten Medien. Die Darstellung und Bewertung direktdemokratischer und sozialer Elemente zeigte keine Unterschiede zwischen den Medientypen. Die Studie zeigt, dass rechtspopulistische Alternativmedien in Deutschland deutlich kritischer über die Demokratie und ihre Prinzipien berichten als etablierte Medien. Inwieweit diese Kritik für Verbesserung der demokratischen Performance oder zur Abschaffung demokratischer Systems beitragen will und welche Effekte diese Darstellung auf Nutzer:innen haben kann, wird im Vortrag diskutiert. Wenn Parteien fremdgehen: Issue trespassing auf Instagram im Bundestagswahlkampf 2025 1Ludwig-Maximilians-Universität München; 2Universität Leipzig Die Studie analysiert Themenstrategien von Parteien im Bundestagswahlkampf 2025 auf Instagram. Angesichts drängender gesellschaftlicher Herausforderungen und neuer politischer Mitbewerber:innen nutzen Parteien gezielt Plattformen wie Instagram, um relevante Themen anzusprechen. Dabei kommunizieren Parteien ebenfalls zu Themen, bei denen bereits anderen Parteien die Problemlösungskompetenz (issue ownership) zugeschrieben wird (issue trespassing). Bislang ist jedoch unklar, wie häufig Parteien Themengrenzen überschreiten und welche diskursiven Strategien sie dabei einsetzen. Um diese Forschungslücken zu schließen, kombinieren wir quantitative und qualitative Inhaltsanalysen der Wahlkampfkommunikation zur Bundestagswahl 2025 auf Instagram. Die quantitative Analyse zeigt, dass Parteien häufig (39 % der Beiträge) Themen ansprechen, für die sie kein ownership besaßen. In der qualitativen Analyse wurden 12 diskursive Strategien identifiziert, wie Parteien beim issue trespassing vorgehen und die in vier Dimensionen strukturiert wurden: Leistungsbewertung, Positionierung, Zeit sowie Bezugsgruppe. Diese Ergebnisse bieten wichtige Erkenntnisse darüber, wie Parteien ihre Position gegenüber den issue owners stärken und potenziell selbst Themen etablieren. | ||