Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Sitzungsübersicht |
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Poster: Postersession mit Kaffeepause
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Podcasts als Kanal politischer Kommunikation. Chancen und Risiken eines neuen Mediums. Ludwig-Maximilians-Univerisität München, Deutschland Podcasts haben sich als wichtiger Kanal politischer Kommunikation etabliert, da sie Zielgruppen jenseits klassischer Medien erreichen. Sie wurden im US-Wahlkampf 2024 von der demokratischen und der republikanischen Partei strategisch eingesetzt, und vor allem Donald Trumps Auftritt bei Joe Rogan wird als relevanter Faktor seiner Wiederwahl diskutiert. Über diese unmittelbare Kampagnenwirkung hinaus haben Podcasts ein breites Potenzial für politische Kommunikation, finden in der Forschung jedoch wenig Beachtung. Dieser Beitrag systematisiert verschiedene Podcast-Typen und Wirkmechanismen und fragt nach dem Einfluss auf politische Variablen wie Wissen und Partizipation. (1) Nachrichtenpodcasts fördern den Wissenserwerb durch längere Episoden, vertiefte Behandlung von Inhalten und fokussierte Rezeptionssituationen, was politische Wissensgenerierung und Partizipation begünstigen kann. (2) Als Alternativmedium wirken Podcasts authentisch und können besonders dort Partizipation steigern, wo traditionelle Medien weniger glaubwürdig wahrgenommen werden; zugleich bergen sie das Risiko, Misinformation zu verbreiten. Begeistert gesucht oder wütend vermieden? Wie Emotionen das Informationsverhalten nach den Landtagswahlen 2024 in Brandenburg, Thüringen und Sachsen beeinflussten Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Deutschland Der Schwerpunkt der politischen Kommunikationsforschung lag lange auf der zielgerichteten politischen Informationssuche, für die die Rolle von Emotionen empirisch bestätigt wird (Funck & Lau; 2024; Hoewe & Parrott, 2019). Bislang fehlen Studien, die das politische Informationsverhalten ganzheitlich betrachten und intentionale sowie unintentionale Formen der Informationssuche und -vermeidung gleichzeitig berücksichtigen. Ziel dieser Studie ist es daher, die Rolle von Emotionen für das Informationsverhalten im Kontext der Landtagswahlen im Herbst 2024 in Brandenburg, Thüringen und Sachsen zu untersuchen. Alles eine Frage der Darstellung? Ein Scoping-Review zur Wirkung von Terrorismusberichterstattung Ludwig-Maximilians-Universität München Terrorismus stellt weiterhin eine erhebliche globale Bedrohung dar, wobei die Berichterstattung das Risiko birgt, die negativen Effekte und somit die Ziele der Terrorist:innen zu verstärken. Eine systematische Analyse der Auswirkungen der Merkmale der Berichterstattung über Terrorismus fehlte bislang. Dieses Scoping-Review zielt darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen, indem sowohl die Manipulation von Ereignismerkmalen als auch die Manipulation von Berichterstattungsmerkmalen in experimentellen Studien sowie deren Effekte untersucht werden. Durch eine umfassende Suche in vier Datenbanken wurden 94 seit 2000 veröffentlichte, peer-reviewte Studien ausgewählt und analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass hauptsächlich Ereignismerkmale manipuliert werden, während Berichterstattungsmerkmale nur eine untergeordnete Rolle spielen. Zu den zentralen manipulierten Merkmalen der Anschläge zählen Ideologie, Opfermerkmale und der Ort des Anschlags, während die zentralen manipulierten Merkmale der Berichterstattung Differenzierung, Tonalität und Visualität umfassen. Die Befunde unterstreichen die Verantwortung von Journalist:innen und verdeutlichen bestehenden Lücken im Verständnis, wie spezifische Merkmale der Berichterstattung Reaktionen auf Terrorismus beeinflussen. Hate Speech - Love Speech: Demokratische Resilienz in politischen Diskursen am Beispiel von Online-Petitionen Universität Hamburg, Deutschland Auf der Grundlage qualitativer Interviews zeigt der Beitrag, dass unterstützend-solidarische Kommunikation im Kontext von Online Petitionen trotz z.T. erheblicher Hate Speech keine Silencing Effekte nach sich zu ziehen scheint. Es finden sich also nicht nur Gleichgesinnte im Hass (Sponholz 2021) sondern mit Hilfe der Petitionen finden sich auch an gesellschaftlicher Gestaltung Interessierte und stützen sich gegenseitig. Zu diskutieren ist, ob dies spezifisch für Online Petitionen ist oder ob insgesamt auch mit Blick auf Kommunikationsformen anderer Plattformen love speech, unterstützender Kommunikation mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte und darüber hinaus als solidarische kommunikative Praxis empfohlen werden sollte. Polarisierungsdiskurse in europäischen Zeitungen: Eine vergleichende Inhaltsanalyse in DE/UK/SE/ES/PL zu Salienz, Emotionalität und Systemlogiken Universität Hamburg „Polarisierung“ beschreibt nicht nur Prozesse politischer Spaltung, sondern stellt selbst ein thematisches Phänomen in Nachrichtenmedien dar. Es ist zentral, diese Prozesse zu untersuchen: ‚Polarisierungsdiskurse‘ können demokratische Resilienz stärken, indem sie gesellschaftliche Spannungen und Reibungspunkte sichtbar machen – sie könnten aber ebenso zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden und Spaltungsprozesse vorantreiben. Die vorliegende Arbeit repliziert und erweitert eine vergleichende Inhaltsanalyse zu polarisierungsbezogener Berichterstattung in Deutschland, Großbritannien und Schweden (Farjam et al. 2024), indem zusätzlich Spanien und Polen untersucht und der Untersuchungszeitraum auf die 2020–2025 Periode erweitert wird. Ziel ist eine Gesamtschau über fünf europäische Länder und Mediensystemtypen hinweg, die Systemlogiken, Emotionsprofile und thematische Einbettungen polarisierungsbezogener Berichterstattung vergleichbar macht. Radikaler Konstruktivismus und Radikalisierung der Gesellschaft Projekt "Geschichte erfahrbar machen", Deutschland Der Beitrag untersucht, wie konstruktivistische und systemtheoretische Perspektiven helfen können, aktuelle Radikalisierungstendenzen als Reaktion auf gesellschaftliche Komplexität zu verstehen. Er zeigt, dass die Erosion gemeinsamer Wirklichkeitsannahmen die Anschlussfähigkeit demokratischer Kommunikation gefährdet und damit die Resilienz demokratischer Systeme schwächt. Psychisches Wohlbefinden, Formen der Nachrichtenvermeidung und die demokratische Resilienz junger Erwachsener Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Deutschland Die Arbeit untersucht, wie junge Erwachsene (18–24 Jahre) journalistische Nachrichten vermeiden und inwiefern ihr psychisches Wohlbefinden damit zusammenhängt. Auf Grundlage einer Online-Befragung (N = 402) wurden Nutzung, Vermeidungsintention und psychisches Wohlbefinden (MHI-5) erhoben. Eine Clusteranalyse identifizierte vier Typen der Nachrichtenvermeidung: engagierte Vielnutzer:innen, kritisch reflektierte Vielnutzer:innen, gleichgültige Wenignutzer:innen und überforderte Vermeidende. Besonders die kritisch reflektierten Vielnutzer:innen, die Nachrichten selektiv und bewusst konsumieren, zeigten das höchste psychische Wohlbefinden, während intensive oder beiläufige Nutzung mit geringerer Stabilität verbunden war. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nachrichtenvermeidung kein Defizitverhalten ist, sondern zwischen Selbstschutz und Überforderung variiert. Ein ausgewogener, reflektierter Umgang mit Nachrichten kann somit als Form psychischer und demokratischer Resilienz verstanden werden. Trends der Klimaberichterstattung im internationalen Vergleich: Konservative Medien geben weniger Informationen, die zum Handeln anregen Universität Hamburg Politik und Gesellschaft reagieren bisher nur unzureichend, um die Risiken der Klimakrise einzudämmen und sich an den Klimawandel anzupassen, wie die Berichte des Weltklimarats wiederholt beklagen. Kommunikation könnte Handlungen motivieren, wenn sie einerseits die drohenden Risken und andererseits Handlungsmöglichkeiten intensiv thematisiert (Witte 1992). In einer vielzitierten Studie in den USA, haben Feldman et al. (2015) für die Jahre 2006-2011gefunden, dass konservative Zeitungen weniger über Risiken des Klimawandels und Handlungsmöglichkeiten berichteten. Wir knüpfen an die US-Studie an, erweitern den Zeitraum, die geographische Reichweite und das Mediensample. Analysiert werden nun über 29 000 Zeitungsartikel aus den USA und Deutschland nach automatisierter Codierung mit Large Language Models (LLMs). Wie bei der Feldman-Studie untersuchen wir die Erwähnung von Klimafolgen (impacts), Akteuren, und Informationen zur Handlungswirksamkeit (response efficacy, self-efficacy). Zudem vergleichen wir linke und konservative Medien und prüfen, ob sich die Unterschiede zwischen Redaktionen mit unterschiedlicher Blattlinie im Zeitverlauf vergrößert haben. Feldman et al. (2015) gingen von einem Polarisierungsprozess aus, der dynamisch weiterläuft. Unsere Studie zeigt: 1.) Die Impact-Erwähnungen nehmen allgemein zu; 2.) Konservative Zeitungen in beiden Ländern berichten weiterhin weniger verhaltensförderlich; 3.) Die Differenzen zwischen Medien mit unterschiedlicher Redaktionslinie weiten sich nicht aus und fallen in Deutschland schwächer aus als in den USA. Theorie Das theoretische Fundament bildet das Extended Parallel Process Model (EPPM): Wirksamkeits- (response/self-efficacy) und Bedrohungsinformationen (severity/susceptibility) müssen demnach ausbalanciert sein, damit Rezipient:innen vom fear-control in danger-control-Modus wechseln und ins Handeln kommen. Medien, die Klimawandel lediglich als fern und abstrakt rahmen und keine Efficacy-Informationen liefern, mindern die Handlungsbereitschaft. Umgekehrt fördern die Nennung konkreter, naher Folgen des Klimawandels und die Thematisierung von erreichbaren Lösungen die Handlungsbereitschaft. Daten & Methode Unsere Studie analysiert den Zeitraum 2012–2023 (d. h. der Phase nach Feldman et al., 2015). Der Datensatz umfasst mehr als 29 000 Artikel aus denselben vier US-Zeitungen wie bei Feldman et al. (The New York Times, The Washington Post, USA Today, The Wall Street Journal) sowie aus vier deutschen Tageszeitungen (taz, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt). Einschlusskriterium ist die Erwähnung von „climate change“/„global warming“ im Titel bzw. Lead. Die Datensammlung erfolgte primär über Factiva; für die FAZ wurden Artikel über deren API erhoben. Basierend auf einer Erweiterung des ursprünglichen Codebuchs von Feldman et al. wurden alle Zeitungsartikel mithilfe von LLMs kodiert. Diese LLMs wurden zuvor systematisch durch menschliche Annotator:innen instruiert und für beide Sprachen validiert. Während Feldman et al. lediglich 642 Artikel analysierten, ermöglicht unser automatisierter Ansatz die Auswertung einer deutlich größeren Stichprobe mit höherer statistischer Power und einer feineren Granularität, die belastbare Zeitverlaufsanalysen erlaubt. Konkret messen wir: • Impacts: Nennung/Anzahl; inländisch vs. international; gegenwartsbezogen vs. zukünftig/abstrakt. • Akteure: Regierung, Zivilgesellschaft, Individuen (Anteile). • Efficacy-Informationen: Valenz und Häufigkeit wirksamkeitsbezogener Aussagen. Unterschiede zwischen (a) Ländern und (b) ideologischer Ausrichtung von Zeitungen werden mithilfe von Mixed-Effects-Modellen getestet (Zeittrend als Fixed Effect; Random Slopes je Zeitung). Ergebnisse (1) Impacts. In den USA erwähnen Artikel zunehmend Impacts; inländischen und gegenwartsbezogenen Folgen werden immer noch selten, aber häufiger erwähnt als früher. Das konservative Wall Street Journal nennt Folgen signifikant seltener, fokussiert weniger auf nahe Folgen und rahmt den Klimawandel häufiger als internationales und zukünftiges Problem. In Deutschland ist das Muster ähnlich, jedoch abgeschwächt: Die Welt weicht von den anderen untersuchten Medien ab; ideologische Unterschiede sind vorhanden, aber kleiner als in den USA. (2) Akteure & Handeln. In beiden Ländern werden Regierungen häufiger erwähnt als Individuen/Zivilgesellschaft; konservative Medien nennen Regierungsakteure häufiger als andere Titel. In den USA ist die Akteursasymmetrie zwischen konservativen und liberalen Medien noch ausgeprägter. (3) Efficacy. In den Artikeln amerikanischer Medien (insbesondere im WSJ) wird Handlungswirksamkeit seltener erwähnt, beziehungsweise sogar bezweifelt. In Deutschland ist die Valenz der Efficacy-Informationen insgesamt positiver und weniger ideologisch gespalten. (4) Zeitliche Dynamik. Insgesamt geben die Medien mehr Informationen, die Handeln potentiell motivieren: größere Nähe der Klimafolgen, etwas mehr individuelle Agency, etwas positivere Efficacy Informationen. Ideologische Abstände zwischen den Redaktionen bleiben jedoch relativ stabil und weiten sich nicht aus. Diskussion und Fazit Methodisch zeigen wir, dass LLM-Kodierungen manuelle Inhaltsanalyse validieren und ergänzen können. Die vorgestellte LLM-Pipeline zeigt die Machbarkeit validierter Großstichproben-Codings und liefert damit eine replizierbare Grundlage für vergleichende Risikokommunikationsforschung. Inhaltlich bestätigen wir Befunde der Studie von Feldman et al. Auch für Deutschland und die heutige Zeit: Immer noch liefern insbesondere konservative Medien weniger Informationen, die laut EPPM zum Handeln anregen würden. Trotz einer Polarisierung gesellschaftlicher Debatten vor allem in den USA, sehen wir aber keine weiter auseinanderlaufenden Trends in der Berichterstattung. Auch zeigt der Vergleich mit Deutschland, das in weniger polarisierten Gesellschaften auch die Medien weniger ideologisch geprägt berichten. Die zunehmenden Klimafolgen auch in westlichen Ländern schlagen sich nun auch in der Berichterstattung nieder: der Klimawandel rückt auch in der Berichterstattung näher. Sie ist eher dazu geeignet zum Handeln anzuregen. Nach wie vor ist zu diskutieren, ob die Medienberichterstattung dem Ausmaß der Krise, gerecht wird. Forderungen nach intensiverer Thematisierung von Klimafolgen und Handlungsmöglichkeiten erscheinen nach wie vor gerechtfertigt. Konservative Redaktionen sind besonders gefragt, hier aufzuholen. Andernfalls besteht das Risiko, dass die Publika weiterhin in fear-control verharren, statt ins Handeln zu kommen. | ||