Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Sitzungsübersicht |
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Session 3: Konstruktiver Blick auf demokratische Resilienz
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Online-Petitionen - Instrumente resilienter individueller politischer Kommunikation und Handlungsfähigkeit Dr. Kathrin Voss - Beratung, Recherche, Evaluation, Deutschland Der vorgeschlagene Beitrag beschäftigt sich mit Petitionen als Ausdruck einer komplexen, kommunikativen, personalisierten Praxis des Aktivismus und der politischen Partizipation von Bürger:innen. Das Einreichen von Petitionen basiert auf einem aktiven Verständnis von Staatsbürgerschaft und der Rolle der Bürger in der Demokratie. Petitionen können daher zur Stärkung liberaler Demokratien beitragen. Sie erweitern die politische Handlungsfähigkeiten auf individueller Ebene und können neue Formen des vernetzten Engagements und kollektive Handeln entstehen lassen – von fluiden einmaligen Engagement bis zur Organisationsbildung. Die Digitalisierung ermöglicht die notwendige Vernetzung und kann durch virale Dynamik weitergehende Prozesse auslösen. Petitionen haben daher das Potenzial innerhalb bestehender demokratischer Strukturen unterschiedlichen Anliegen Gehör zu verschaffen und öffentlichen Diskurs und kollektives Handeln zu fördern. News-Literacy-Interventionen als Möglichkeit zur Abschwächung von Hostile-Media-Wahrnehmungen Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutschland Wir untersuchen, ob News-Literacy-Interventionen die verzerrte Wahrnehmung ausgewogener Berichterstattung als zuungunsten der eigenen Position (Hostile Media Perception), abschwächen können. Zur Prüfung der Hypothesen wurde eine präregistrierte Experimentalstudie mit 901 Proband*innen zum Nahost-Konflikt durchgeführt. Neben dem Nachweis einer klassischen HMP im Hinblick auf einen ausgewogenen Beitrag zum Thema wurde die Effektivität zweier vorab präsentierter Interventionsbotschaften getestet: News-Creation (Informationen über die Entstehung/Produktion journalistischer Nachrichten) und News-Consumption (Informationen über verzerrte menschliche Wahrnehmung von Medieninhalten). Die News-Creation-Intervention schwächte HMP kaum ab. Die News-Consumption-Intervention hingegen eliminierte sie hingegen nahezu vollständig. Hohe kognitive und affektive Reaktanz infolge der Interventionsbotschaft verstärkte die HMP in der News-Creation-Gruppe, die Effektivität der News-Consumption-Intervention bliebt davon hingegen unbeeinflusst. News-Consumption-Interventionen scheinen daher zur HMP-Reduzierung am vielversprechendsten. Werden Lösungen nur ausgewählt, wenn sie ins Weltbild passen? 1Hochschule Düsseldorf, Deutschland; 2Johannes Gutenberg-Universität Mainz; 3Johannes Gutenberg-Universität Mainz Die Studie untersucht, ob Rezipierende konstruktive Nachrichtenbeiträge unabhängig von ihrem politischen Weltbild auswählen oder ob die Anschlussfähigkeit der präsentierten Lösungen an eigene Überzeugungen die Nutzung maßgeblich bestimmt. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass konstruktiver Journalismus – verstanden als sachliche, lösungsorientierte und ausgewogene Berichterstattung – Vertrauen in Medien stärken und demokratische Resilienz fördern kann. Bisherige Forschung vernachlässigt jedoch die ideologische Rahmung von Lösungen. Auf Basis einer quotierten Onlinebefragung (N = 1.825) mit experimentellem Design wurden den Teilnehmenden sechs fiktive journalistische Beiträge zu den Themen Klimawandel und Migration präsentiert, die systematisch in Sachlichkeit, Lösungsorientierung und in der Art der Lösung (sozialstaatlich-integrativ vs. marktliberal-abgrenzend) variierten. Anschließend wurde die Auswahlwahrscheinlichkeit der Beiträge in Abhängigkeit von soziodemografischen, psychologischen und politischen Merkmalen analysiert. Die Befunde belegen, dass konstruktive Berichterstattung nicht automatisch integrativ wirkt, sondern selektiv genutzt wird, wenn die angebotenen Lösungen mit bestehenden Weltbildern übereinstimmen. Konstruktiver Journalismus besitzt somit demokratieförderndes Potenzial, kann dieses jedoch nur einlösen, wenn Redaktionen Lösungen ausgewogen und multiperspektivisch darstellen. Qualität oder Quantität? Wie Nachrichtennutzungsmuster und Klimaschutz-Argumentrepertoires in den Vereinigten Staaten, Spanien und Deutschland zusammenhängen 1Universität Zürich; 2Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf In dieser Studie untersuchen wir, wie unterschiedliche Nachrichtennutzungsmuster im Kontext des Themas Klimaschutzmaßnahmen die Größe und inhaltliche Zusammensetzung individueller Argumentrepertoires – also die Menge an Gründen, die Individuen für oder gegen politische Maßnahmen oder Positionen kennen – zusammenhängen. Auf Grundlage einer länderübergreifenden Online-Befragung in den Vereinigten Staaten, Spanien und Deutschland (N = 4.706) identifizieren wir mittels latenter Profilanalysen unterschiedliche Nachrichtennutzerprofile und analysieren, wie die Zugehörigkeit zu einem Profil mit der Anzahl der genannten Begründungen sowie den darin enthaltenen thematischen Bezügen zusammenhängt. Unsere Analysen basieren auf einer manuellen quantitativen Inhaltsanalyse von 15'612 offenen Antworten, in denen spontan bis zu fünf Begründungen für und gegen Klimaschutzmaßnahmen genannt wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass qualitätsorientierte Nachrichtennutzer:innen sowie Bürger:innen, die regelmäßig eine Vielzahl journalistischer Nachrichtenquellen nutzen, in allen drei Ländern konsistent breitere Argumentrepertoires aufweisen. Demgegenüber zeigen alternativmedienorientierte Nachrichtennutzer:innen vergleichsweise einseitigere Repertoires und verweisen in ihren Begründungen häufiger auf Klimawandelleugnung oder Verschwörungsmythen. Diese Befunde unterstreichen die Bedeutung von Nachrichtennutzungsmustern für die argumentativen Fähigkeiten der Bürger:innen liberaler Demokratien und legen nahe, dass eine zunehmende Abhängigkeit von alternativen und qualitätsschwachen Medien die deliberative Qualität öffentlicher Diskurse beeinträchtigen und rationale Entscheidungsfindung im Kontext der Klimawandelmitigation erschweren kann. Motivation schlägt Minuten: Interesse und Pflichtgefühl als Schlüsselfaktoren mobilen Nachrichtenlernens 1GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Deutschland; 2ZeMKI, Universität Bremen, Deutschland Die Studie untersucht, wie Motivation und Pflichtgefühl die mobile Nachrichtennutzung und das politische Wissen beeinflussen. Basierend auf App-Tracking- und Umfragedaten zeigt sich, dass Informationsmotive die Nutzung von Nachrichten-Apps verlängern, während das Bedürfnis, „mitreden zu können“, diese verringert. Bei Social-Media-Nutzenden ohne Nachrichten-Apps erklärt das Pflichtgefühl zur Informiertheit die Nutzungsintensität. Politisches Wissen hängt jedoch ausschließlich mit dem politischen Interesse zusammen – nicht mit der Häufigkeit oder Dauer der App-Nutzung. Die Ergebnisse verdeutlichen: Motivation schlägt Minuten – politisches Lernen hängt weniger von der Nutzung selbst als von den dahinterliegenden kognitiven und motivationalen Dispositionen ab. | ||