Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Session
S14: Webkartographie
Zeit:
Freitag, 09.03.2018:
11:15 - 12:45

Chair der Sitzung: Dennis Edler
Ort: Hörsaal 2750
360 PLÄTZE

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Präsentationen
11:15 - 11:35

Datenhandling vs. Visualisierung: was Prosumer bei der Erstellung partizipativer Webkarten beschäftigt

J. Moser

Leibniz-Institut für Länderkunde, Deutschland

Das World Wide Web öffnete in den vergangenen Jahren zunehmend Möglichkeiten, mit einfachen Mitteln Webkarten für eigene Ziele zu erstellen und zu verbreiten. Schnell wurde aus wissenschaftlicher Perspektive die Schnittmenge des sogenannten Prosumers ausgemacht, und immer wieder stand die Demokratisierungsthese im Raum: Praktisch jeder sei heute in der Lage, leicht zugängliche Kartierungstools zu nutzen und die Welt mit seinen kartographischen Beiträgen zu bereichern.

Daraus entstanden in der letzten Dekade auch zahlreiche partizipative Karten. Manche von ihnen können als Citizen-Science Projekte angesprochen werden, die wertvolles Material für wissenschaftliche raumbezogene Erhebungen und Auswertungen verfügbar machen. Vor allem Projekte aus dem Bereich der Biodiversitätsentwicklung, aber auch bürgerorientierte Kartierungen von Stadt- und Umweltaspekten sowie Mensch-Natur-Beziehungen haben das Medium Karte für sich entdeckt. Jenseits von OSM sind gerade hier sind Veränderungen der Rolle der kartographischen Darstellung im Vergleich zum traditionellen Verständnis von Karte zu erkennen. Statt der traditionellen Funktion einer Karte, analytische oder gar synthetische Aussagen bzw. Auswertungen einer Thematik visuell aufzubereiten sind in Webkarten vorwiegend bis ausschließlich koordinatengenaue Verortungen (Punktbezug) zu beobachten.

Auf der Grundlage qualitativer leitfadengestützter Interviews wurden Produzenten von partizipativen und interaktiven Webkarten befragt, welche Produktionsbedingungen bei der Erarbeitung eines solchen Projekts bestehen, welche personellen, technischen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung stehen und welche Verantwortlichkeiten bestehen. Besonders interessant war zu erfahren, welcher Stellenwert dem Datenhandling im Vergleich zur graphischen Umsetzung der Daten beigemessen wird. Dabei wurde deutlich, dass Aspekte der visuellen Kommunikation, also der graphischen Darstellung bestimmter Sachverhalte mit bestimmten graphischen Variablen kaum berücksichtigt werden.

Der Vortrag nimmt eine systematische Auswertung der Interviews vor. Die Ergebnisse werden in einerseits Bezug gesetzt zu Möglichkeiten und Herausforderungen im Umgang mit den Verantwortlichen von Webkarten und andererseits im Hinblick auf weitere Forschungen im Bereich partizipativer Webkartographie bewertet.


11:35 - 11:55

Inklusive Web-Kartographie: Ausgewählte Methoden und Ansätze zur Erfüllung (gesetzlicher) Forderungen nach Barrierefreiheit

S. Hennig

Uni Salzburg, Deutschland

Seit jeher spielen Karten für Kommunikations- und Informationszwecke eine wichtige Rolle: Karten unterstützen bei Orientierung und Navigation, bei der Routenplanungen, beim Erwerb räumlichen Wissens und der Entwicklung eigener mentaler Karten. Heute werden vermehrt Online-Karten genutzt. Sie sind allgegenwärtigen im Internet. In vielen Webanwendungen sind sie ein wesentliches Element. Ein Beispiel hierfür ist die Integration von Google Maps in zahlreichen Websites.

Für jeden in unserer Gesellschaft sollte es möglich sein, (Online-)Karten zu nutzen. Dabei ist weithin akzeptiert, dass Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) inkl. Online-Karten von besonderer Bedeutung für Menschen mit Behinderung sind. IKT kann dazu beitragen, Barrieren, die diesen die Teilhabe am alltäglichen Leben verwehren, abzubauen. So eröffnet IKT die Möglichkeit für mehr Unabhängigkeit und bessere Lebensqualität. Unbestritten ist jedoch, dass IKT Menschen mit Behinderung nicht per se Vorteile bieten. Dafür müssen digitale/ web-basierte Lösungen (inkl. Online-Karten) den Anforderungen dieser Nutzergruppe entsprechend, d.h. vor allem barrierefrei (accessible), gestaltet sein.

Web Accessibility bezieht sich auf die Beseitigung technischer Hindernisse, um Menschen mit Behinderung den Zugang zu Webinhalten zu ermöglichen. Andere Aspekte, die damit im Zusammenhang stehen und ebenso wichtig sind, werden durch Web Accessibility nicht adressiert. Ein Beispiel ist Usability: Auch wenn Usability und Accessibility verschiedene Punkte fokussieren, überschneiden sich ihre Zielsetzungen, Ansätze und Empfehlungen vielfach. Es gilt, ein Produkt ist nicht nutzbar, wenn es nicht auch zugänglich ist. Des Weiteren gilt, dass Webseiten/ -applikationen nicht nur zugänglich und über eine entsprechende Usability verfügen müssen, sondern sie müssen auch Utility-Aspekte beachten. Inhalte und Funktionalitäten sowie Zugang zu Ein-/ Ausgabegeräten und Assistiven Technologien müssen den Anforderungen der Nutzer gerecht werden. So verlangen Menschen mit Behinderung bspw. zusätzlich zu Informationen, die in Online-Karten generell verfügbar sind (z.B. Straßen, Gebäude, Grünflächen), auch Angaben zu speziellen Infrastrukturen (z.B. Leitsysteme, barrierefreie Parkplätze). Infolge greift Web Accessibility (im engeren Sinn) zu kurz: Das Konzept muss in einem weiteren Kontext bzw. Sinn gesehen werden: Außer Accessibility- sind Usability- und Utility-Kriterien zu berücksichtigen.

Grundsätzlich werden im Kontext dieser Konzepte, d.h. Web Accessibility i.w.S., Kriterien bereitgestellt, die als Rahmen für die Entwicklung von Anwendungen dienen können, die es ermöglichen, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen. Für die Umsetzung barrierefreier Online-Karten ist dies bedeutsam, da hierfür spezielle Richtlinien und Empfehlungen noch weitgehend fehlen.

Doch wie kann die Entwicklung barrierefreier Online-Karten konkret unterstützt werden? Hier bietet der Einsatz von Methoden der nutzerzentrierten Anforderungserhebung (inkl. partizipativen Ansätzen), die Berücksichtigung relevanter Standards und Guidelines (bzgl. Web Accessibility i.w.S.), und (3) die Erstellung und Verwendung von Design Patterns (inkl. Best-Practice-Beispielen) entsprechendes Potential. Die Berücksichtigung dieser Methoden und Ansätze ist jedoch mit einer Reihe von Herausforderungen verbunden.

Die Bereitstellung von barrierefreien Lösungen mit Online-Karten ist insbesondere wichtig, da neben gesellschaftlichen und ökonomischen Gründen v.a. Gesetze und Richtlinien (u.a. Behindertengleichstellungsgesetz, EU Web Accessibility Richtlinie) die digitale Inklusion aller Bürger verlangen. Die genannten Methoden und Ansätze können einen Beitrag zu einer inklusiven Internetkartographie leiten, d.h. zur Erarbeitung von Grundlagen für die Entwicklung generell barrierefreier Online-Karten. Die vorgestellten Ergebnisse beruhen auf Arbeiten in einer Reihe von Projekten (AccessibleMap, senTour, Geomedia 55-PLUS), deren Ziel die Entwicklung barrierefreier Online-Karten war.


11:55 - 12:15

Supporting Community Oriented Primary Care (COPC) in the City of Tshwane (South Africa) with a web mapping application for gaining spatio-temporal insight into localised health care needs

L. Friesen1,2, G. Schaab1, V. Rautenbach2, S. Coetzee2

1Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft, Deutschland; 2University of Pretoria, South Africa

The rapid rise in the South African population combined with the worldwide trend of moving to urban areas in hope of a better life has resulted in an increasing number of people in poor living conditions. Poverty is a major barrier to accessing health care when needed. In response, Community Oriented Primary Care (COPC) was re-introduced in the Tshwane health district. COPC is an internationally recognised approach for providing comprehensive health care services to people in defined geographical spaces. Health information is collected from individuals and families and analysed so that services can be tailored to equitably address the specific needs in different geographical spaces. To implement COPC, one needs to know where and when is what kind of health care service required.

On their daily visits to households, the Tshwane community health workers use AitaHealthTM, a mobile application, to record not only the condition of individuals, but also of their homes and the environment. Direct health care service providers at health posts review this information on maps for planning and managing the work of COPC teams in their wards. For overall COPC management, web reports provide aggregated information for the entire district in the form of graphs and tables. Spatio-temporal analysis of the continuously growing dataset would help to understand, review and improve the provision of COPC services. However, (web) maps for this are not yet available.

Consequently, a web mapping application was developed for COPC managers to visually compare the health care needs with conditions recorded by community health workers, to analyse spatial patterns in these, and to interrogate the efficiency of health care provision. The user interface allows flexible data aggregation and data privacy protection. The web application was developed using JavaScript (i.e. Leaflet JS and JQuery) and PHP with GeoServer. Scripts were written to regularly add data collected by health workers to a database in PostgreSQL with PostGIS, and to prepare the data for visualisation by time period, by administrative area and by grid cell.

To reveal spatio-temporal patterns and correlations in the data, the user can choose between choropleth maps, segmented proportional circle maps, or a combination of these. The data is aggregated by administrative unit or by regular grid cell, and as the user zooms in, the aggregation level automatically changes to smaller aggregation units. Spider diagrams reveal the distances between health posts and households visited by community health workers during a user specified period. These are valuable for improving the efficiency of COPC teams. In order to assist users with understanding the thematic maps, the application is rather flexible in supporting the user with base map content.

The proof of concept web application has already demonstrated that it facilitates spatio-temporal understanding of the localised health care needs and associated COPC service delivery in Tshwane. As such it is a valuable addition to the mobile applications and web reports, and could effectively support COPC management and teams in providing health care services that more efficiently address specific localised health care needs.


12:15 - 12:35

NLGA-Map: Web-gestützte thematische Karten mit JavaScript und Leaflet

T. Hurtig, H. Scharlach

Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Deutschland

Am Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) sind in den vergangenen 15 Jahren verschiedene interaktive webbasierte teils datenbankgestützte Anwendungen zur Darstellung raumbezogener Gesundheitsdaten entwickelt worden. Technisch wurden die Anwendungen mit Adobe (ursprünglich Macromedia) Flash unter Einsatz der softwareeigenen Scriptsprache ActionScript umgesetzt.

Da der Flash-Player in den letzten Jahren zunehmend Sicherheitsprobleme verursachte und die Einstellung von Flash absehbar wurde, mussten die Anwendungen auf eine neue Technik portiert werden. Das Ziel lag darin, eine zukunftsorientierte offene Lösung in Form eines Baukastensystems zu schaffen, das eine Grundfunktionalität bereitstellt, aber individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Anwendung zugeschnitten ist und flexibel erweitert werden kann.

Die Entscheidung fiel zugunsten einer Open Source-Lösung unter Verwendung von JavaScript-Bibliotheken. Für die Erstellung interaktiver thematischer Karten wurde mit NLGAMap eine eigene Bibliothek auf Basis der JavaScript-Bibliothek Leaflet sowie weiterer Bibliotheken entwickelt. Leaflet ist eine sehr schlanke Bibliothek für interaktive Karten im Web und auf mobilen Geräten, die im Hinblick auf thematische Karten jedoch nur eine begrenzte Funktionalität bereitstellt.

NLGAMap versucht diese Lücke zu schließen, indem verschiedene thematische Darstellungsmethoden (Flächenkartogramm, Diagrammsignaturen, Punktsignaturen) zur Verfügung stehen. Durch die Konfiguration verschiedener Optionen kann jede Kartendarstellung den individuellen Bedürfnissen angepasst werden. Beispielsweise kann ein topographischer Layer eingeblendet, das Farbschema, die Klassifizierungsmethode und Anzahl der Klassen festgelegt und Diagramme hinzugefügt werden. Auch die Darstellung von Zeitverläufen durch animierte Karten ist über die Einbindung einer Zeitleiste möglich.

Das in Leaflet implementierte Ebenenkonzept erlaubt die flexible Einbindung von Basiskarten wie OpenStreetMap. Durch Nutzung der Geodatenformate GeoJSON bzw. TopoJSON lassen sich auch alternative Darstellungsmöglichkeiten wie Tile-Maps sehr einfach umsetzen.
Der Vorteil von NLGAMap liegt in der Bereitstellung einer Basisfunktionalität. Damit wird der Programmieraufwand für die einzelnen Anwendungen, die eine ähnliche Funktionalität nutzen, deutlich reduziert. Dennoch erlaubt der offene Quelltext individuelle Anpassungen, z.B. ob die Daten über eine JavaScript-Datei oder direkt aus einer Datenbank eingelesen werden sollen.

Anhand der Beispiele "Gesundheitsindikatoren", "Interaktiver Impfreport" und "Interaktiver ARE-Report" werden die Funktionalität von NLGAMap vorgestellt, die Vor- bzw. Nachteile dieser Lösung diskutiert und ein Ausblick zur weiteren Entwicklung gegeben.



 
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