Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Tagung.
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Sitzungsübersicht
Session
S07: Atlanten
Zeit:
Donnerstag, 08.03.2018:
14:00 - 15:30

Chair der Sitzung: Frank Dickmann
Ort: Hörsaal 2760
96 PLÄTZE

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Präsentationen
14:00 - 14:20

Geschichten erzählen mit verlinkten Visualisierungen – ein Review des Alters-Atlas Konzepts

S. Bleisch1, A. Zanda1, S. Korkut2

1FHNW Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut Geomatik, CH-4132 Muttenz/Basel, Schweiz; 2FHNW Fachhochschule Nordwestschweiz, Institut für Wirtschaftsinformatik, CH-4052 Basel, Schweiz

Der Alters-Atlas bereitet eine Vielzahl von Themen und Informationen rund um das Alter und Altern auf. Dafür wurde das neuartige Story-Network-Konzept von miteinander verlinkten und kurz erläuterten Visualisierungen entwickelt. Entlang der Verlinkungen im Netzwerk verlaufen sogenannte Geschichtenlinien. Die Nutzenden erkunden den Atlas frei oder navigieren entlang dieser Linien zu interessanten Atlas-Inhalten. Ziel dieses Reviews ist, das Konzept und seine Umsetzung im Alters-Atlas zu diskutieren und evaluieren. Zuerst werden das Konzept und die Inhalte des Alters-Atlas sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Navigation und Interaktion im Atlas eingeführt. Dann erläutern wir die verwendete visuelle Sprache und wie die Visualisierungen aufgebaut und miteinander verknüpft sind. Die Evaluation der Rückmeldungen zeigt, dass die verlinkten Visualisierungen funktionieren und die Geschichtenlinien Gefallen finden. Allerdings ist das Kartenprinzip noch zu starr umgesetzt. Die Navigation wird unterschiedlich beurteilt, es bedarf noch zusätzlicher Erläuterungen.


14:20 - 14:40

Die neue Wirtschaftskarte Schweiz im «Schweizer Weltatlas»: Ein innovativer synthetischer Ansatz zur Darstellung der nationalen Wirtschaftskraft

C. Häberling, H.-R. Bär, L. Hurni

ETH Zürich, Schweiz

Im vergangenen Juni ist der «Schweizer Weltatlas» in einer vollständig überarbeiteten Neuausgabe erschienen. Dieser meistverbreitete Schulatlas in der Schweiz vermittelt den Schülerinnen und Schülern auf 256 Seiten ein umfassendes Bild der Erde. Auch wenn er sich an den bisherigen Atlasausgaben der vergangenen Jahrzehnte orientiert, so ist er doch von seiner Struktur, seinem Karteninhalt und seiner äusseren Erscheinung her komplett neugestaltet worden. Erstmals ist im «Schweizer Weltatlas» eine doppelseitige Wirtschaftskarte der Schweiz im Massstab 1:800000 enthalten. In diesem Beitrag soll eingehend auf die konzeptionellen Überlegungen, den neuartigen Inhalt sowie den Mehrwert für die Lehrpersonen und deren Schülern eingegangen werden.

Die neue Wirtschaftskarte der Schweiz enthält eine detaillierte Aufschlüsselung der Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente) nach einzelnen Branchen in den drei Wirtschaftssektoren, und dies aggregiert innerhalb von Agglomerationen oder Regionen. Dabei werden nur die zahlenmässig bedeutsamen Wirtschaftszweige in drei Abstufungen mittels abstrakt-geometrischen, farbigen Symbolen gezeigt. Innovativ an dieser Karte ist vor allem, dass ein Berechnungsmodell hinter diesen Symbolen steckt, welches die Symbole und ihre Grössenklasse aus datenbankgestützten wirtschaftlichen Branchenzahlen ableitet. Das vereinfacht die Nachführung enorm. Es wurde bewusst auf die Darstellung von Einzelstandorten von grösseren Unternehmen verzichtet, auch dort, wo sie eine grosse regionale Bedeutung haben. Denn gegenüber dem lokalen Gewerbe oder der Summe der kleineren Produktionsunternehmen haben sie eine geringere Bedeutung.

Als flächenhaftes Thema sind die Schweizer Gemeinden generalisiert abgebildet und eingefärbt sowie gemäss ihrer offiziellen Wirtschaftstypisierung charakterisiert worden. Damit werden den Schülerinnen und Schülern ihre eigene Wohnortgemeinde nähergebracht und ihnen aufgezeigt, welche Grundfunktion sie im Wirtschaftsgefüge der näheren Umgebung oder auf nationaler Ebene hat (z.B. «Ländliche Pendlergemeinde» oder «Suburbane Gemeinde»).

Auf die landwirtschaftliche Bodenbewirtschaftung, die in anderen Schulatlanten in solchen nationalen Wirtschaftskarten üblicherweise dargestellt wird, wird ebenfalls bewusst verzichtet. Denn meist orientiert sie sich nur an der Bodenbedeckung, die bereits in einer Übersichtskarte dargestellt ist. Der Mehrwert ist also gering. Im Übrigen wird die agrarische Bodennutzung im «Schweizer Weltatlas» in einer separaten, kleinmassstäbigen Detailkarte «Landnutzung und Pflanzenbau» präsentiert.

Einige gesamtschweizerische Diagramme und Kennzahlen zu diversen Wirtschaftsthemen vervollständigen diese nationale Gesamtsicht. Vor allem die Informationen zu Gesamtarbeitsplätzen nach Branchen sowie Anzahl Unternehmen nach Grössen und Arbeitsplätzen umrahmen diese doppelseitige Inselkarte.

Ergänzend zu dieser gesamtwirtschaftlichen Sicht durch diese neue Wirtschaftskarte Schweiz sind im Atlas zudem spezifische thematische Detailkarten zu den Themen «Landwirtschaft», «Industrie und Gewerbe», «Dienstleistungen», «Tertiäre Bildung», «Energiewirtschaft» und «Verkehr» vorhanden. Somit soll die allgemeine Wirtschaftskarte Schweiz lediglich die vernetzte Gesamtwirtschaft aufzeigen. Auf standortgebundene Details oder Informationen auf Kantonsebene wird an anderer Stelle im Atlas eingegangen.

Die neue Wirtschaftskarte Schweiz ist eine weitere Neuheit im Kartenteil des «Schweizer Weltatlas», um den heutigen gestiegenen Ansprüchen eines modernen Geografieunterrichts auf Sekundarschulstufe zu begegnen. Spätere Evaluationen bei Lehrpersonen werden sicherlich aufzeigen, dass sie diesen gerecht werden kann.


14:40 - 15:00

virtuell und/oder gedruckt – medienübergreifende Geometrien im Produktionsprozess

C. Hanewinkel, J. Moser

Leibniz-Institut für Länderkunde, Deutschland

Den Nationalatlas Bundesrepublik Deutschland haben wir als Leibniz-Institut für Länderkunde parallel sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form erarbeitet und herausgegeben. Bei Fragen zum kartographischen Produktionsprozess mussten wir eingestehen, dass wir mit zwei unterschiedlichen Geometrien für die jeweiligen Medienauflösungen gearbeitet haben. Diese wiederholten Fragen zeigen uns zum einen, dass es offensichtlich nur Teillösungen für die unterschiedlichen Ansprüche und Anforderungen der Medien im Hinblick auf Darstellungsqualität und Datenvolumen gibt, andererseits aber ein großes Interesse an möglichen Lösungsansätzen besteht. Mit Blick auf verfügbare Ressourcen, und im Hinblick auf die geforderte und inzwischen fast selbstverständlich scheinende Schnelligkeit, mit der auch hochwertige Karten erzeugt werden (sollen), ist es unumgänglich, mit nur einer, für beide Medien ausgelegten, Geometrie zu arbeiten.

Aufgrund dieser Ausgangslage haben wir ein Projekt begonnen, an dessen Ende die gemeinsame Nutzung einer Basisgeometrie für beide Ausgabeformen steht. Aus kartographischer Sicht lässt sich feststellen, dass trotz großer Fortschritte in der digitalen Kartographie und zahlreicher Programm(weiter)entwicklungen Kartographen weiterhin vor der Herausforderung stehen, die Ansprüche und unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen von Druck- und Bildschirmkartographie so miteinander zu vereinbaren, dass mit möglichst geringem Bearbeitungsaufwand eine hohe Qualität in verschiedenen Medien gewährleistet werden kann. Natürlich wird der Anspruch an die graphische Qualität von Projekt zu Projekt in Abhängigkeit vom Zweck, Ziel und Publikum der Karte unterschiedlich sein (müssen).

Zunächst haben wir auf der Grundlage unserer bisherigen und potentiell zukünftigen Palette an kartographischen Visualisierungen für Publikationen, Internetanwendungen, aber auch für die Forschung für die verschiedenen zu bedienenden Medien Bedingungen und Anforderungen definiert. Als Zielvorstellung für die graphische Ästhetik der neuen Basisgeometrie diente unsere für das Nationalatlasprojekt in Macromedia FreeHand entwickelte und seither durch Aktualisierungen in Adobe Illustrator weiterentwickelte Grundlagenkarte, die bisweilen durch die fehlende Datenanbindung auch als „dumme“ Grundlagenkarte bezeichnet wird. Um eine solche Datenanbindung zukünftig zu gewährleisten und aus Verfügbarkeitsgründen entschieden wir uns für die Arbeit mit ESRI ArcGIS.

In Kooperation mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) nutzten wir deren Produktionsdatenbank des DLM 1000 aus dem Jahr 2011 als Grundlage für unsere Arbeiten. Die für die Printproduktion verwendeten und auf Papiergrößen ausgelegten Maßstäbe wurden aufgegeben. Stattdessen werden nun die Geometrien in den drei Maßstäben 1 zu 1, 2,5 und 5 Millionen entwickelt, um damit zwischen Posterdruck und Präsentation am Desktop-Monitor variabel zu sein. Zunächst wurden das Gewässernetz und die Verwaltungsgrenzen inkl. der im DLM 1000 nicht vorhandenen Gemeindegrenzen für den Maßstab 1:1.000.000 generalisiert. Die halbautomatische Generalisierung berücksichtigte die Minimaldimensionen, insbesondere der Flächen für eine Bildschirmdarstellung unter gleichzeitiger Hervorhebung unserer Ansprüche an die graphische Qualität. Auf der Grundlage der Ergebnisse des Maßstabs 1:1.000.000 wurden die weiteren Maßstäbe abgeleitet. Anschließend wurde die jährliche Fortschreibung der Geometrien mittels der Änderungsdatensätze des BKG getestet und als halbautomatisierter Workflow festgelegt. Abschließend werden weitere, in unserer Arbeit häufig genutzte Elemente, wie Siedlungsflächen, Verkehrsnetz und Waldflächen integriert.

Zukünftig wird, sofern uns entsprechend kodierte Datensätze vorliegen, die Umsetzung der Daten im ArcGIS erfolgen. Für Druckprodukte werden die Karten anschließend über das Programm MaPublisher mit Adobe Illustrator verknüpft. Dort werden unter Bewahrung der Datenanbindung die notwendigen Anpassungen und Weiterbearbeitungen (Freistellungen, Schriftsetzung usw.) vorgenommen.


15:00 - 15:20

Die Zukunft von Atlanten: Einige Überlegungen zu ihrer Weiterentwicklung

F. Harvey, E. Losang

Leibniz-Institut für Länderkunde, Deutschland

Die Anzahl der tatsächlich publizierten Atlanten der letzten fünf Jahren überrascht angesichts des über viele Jahre prognostizierten Niedergangs der Publikationsform Print-Atlas. Über Jahre beschränkte sich die Veröffentlichung gedruckter Referenzatlanten im Wesentlichen auf Schulatlanten während ihren digitalen Pendants eine blühende Zukunft zugeschrieben wurde und vor allem die Fülle an Internetkarten-Diensten eine einfachere ubiquitäre Zugänglichkeit garantierten. Im Nachhinein betrachtet scheinen diese Entwicklungen jedoch nicht das Ende der Atlanten, sondern einfach das Ende einer Ära zu sein. Wenn heute ein klassischer Referenzatlas auf dem Tisch liegt, erregt er bei den Anwesenden genauso große Aufmerksamkeit wie von 20 Jahren. Der bescheidene Schulatlas ist für viele ein kostbarer Schatz und häufig das einzige Schulbuch, das im Buchregal verblieben ist. Atlanten werden von einer breiten Leserschaft weiterhin geschätzt, sie haben sich jedoch thematisch und inhaltlich verändert. Die Aufgabe des schnell verfügbaren Karten-Nachschlagewerks haben mittlerweile GoogleMaps und ähnliche Online-Angebote für viele übernommen. Für andere eröffnen hochwertige Print-Atlanten neue Perspektiven mit Eigenschaften, die bestimmte Leserschaften ansprechen. Die anhaltende thematische Diversifizierung und eine neuerliche Rückkehr zu Printmedien hat neue Atlanten hervorgebracht: den Atlas der abgelegenen Inseln (Schalansky 2010), An Atlas of Countries That Don't Exist (Middleton 2015), oder Mapping it out: An Alternative Atlas of Contemporary Cartographies (Obrist 2014).

Wie wird sich das Konzept „Atlas“ den Herausforderungen der Entwicklung von Visualisierungsmodellen, der Verschiebung der Nutzeranforderungen und der sich verändernden Finanzierung und Verteilung stellen? Mit diesem Beitrag bieten wir eine vorläufige Analyse dieser Entwicklungen an, die sich auf die Frage konzentriert, wie Atlanten als hoch geschätztes Medium gestärkt wurden und wie die Herstellung von Atlanten in den letzten 20 Jahren eine rasche Transformation erfahren hat, die vom Verschwinden kompletter kartographischer Unternehmen bis hin zur Neuentwicklung traditioneller Produkte reicht.

Aufgrund der Vielschichtigkeit der Probleme schlagen wir vor, Überlegungen aus medienbezogenen Diskussionen aufzugreifen, um wichtige Herausforderungen wie die Rolle der Kuration, der Nutzer-/Leser-Interaktion, der Transparenz und Offenheit genutzter Daten sowie die neuerliche Diskussion um den Atlas als Narrativ zu berücksichtigen. Zum besseren Verständnis lohnt ein Blick in die Entwicklungsgeschichte des Atlaskonzeptes, um herauszufinden, wie sich die Produktionsmilieus von Atlanten verändert haben – meist angetrieben von Transformationen in der Produktion, den Wandel von Nutzung und Nutzern sowie Entwicklungen in den Medien- und Visualisierungstechniken und der Inhalte.

Hier bietet das, den Sozialwissenschaften entlehnte Milieu-Konzept einen Ansatzpunkt für die Kontextualisierung der Grundlagen und Prozesse der Atlasproduktion und -nutzung. Es ermöglicht das Verständnis der Diversifizierung von Atlanten vor dem Hintergrund des Wandels von Medien und Gesellschaft zu betrachten.

Als Fazit, halten wir in der Präsentation fest, daß Atlanten weiterhin als räumliche Referenzwerke und Wissensspeicher produziert werden – gedruckt und digital. Der Begriff jedoch wird eine Umdeutung erfahren und Produkte generieren, die es spezifischen Gruppen ermöglichen, ihr Verständnis der Welt zu entwickeln. In diesem Sinne sind wir weit entfernt vom Aussterben der Atlanten – im Gegenteil, wir konstatieren einen evolutionären Prozess, der noch viele unerwartete Arten hervorbringen wird.



 
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