PartWiss 26
Konferenz zur Vernetzung und Stärkung
von Partizipation in der Wissenschaft
18. bis 20. November 2026 in Berlin
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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Vorträge: Praxis und Transformation – Wie Forschungsräume normative Grenzen überwinden und transformative Potenziale entfalten
Sitzungsthemen: 3. Subjektivität & Strukturen – Unter welchen individuellen und institutionellen Bedingungen forschen wir?
Wie können Forschungsräume normative Grenzen überwinden und transformative Potenziale entfalten? | ||
| Präsentationen | ||
Universitäre Dynamik und partizipative Forschung Universität Bielefeld, Deutschland Das Projekt „JustHEALTH – Junge Stimmen für Gesundheit“ richtet sich an Menschen im Alter von 16–21 Jahren – mit und ohne Fluchtgeschichte, die in 2 unterschiedlichen Kommunen leben. Der Schwerpunkt des partizipativen Forschungsprojektes liegt auf fotografischen Perspektiven psychosozialer Alltagsbelastungen und dem damit verbundenen Gesundheitszugang junger Menschen. Ziel des Projektes ist die Erstellung einer digitalen Bilderausstellung mit mehrsprachiger Kommentierung, um auf gesundheitliche Herausforderungen aufmerksam zu machen und jungen Menschen eine Stimme zu geben. Der Beitrag reflektiert den im Rahmen des Projektes entstandenen partizipativen Forschungsraum als Spannungsfeld zwischen individueller Positionalität und institutioneller Rahmung. Im Rahmen des Vortrags wollen wir daher die Fragen in den Blick nehmen, welche Rolle es spielt als universitäre Einrichtung partizipativ zu forschen, welche Rahmenbedingungen in der „Behörde Universität“ das partizipative Arbeiten erschweren und welche Perspektivwechsel als empirische Wissenschaftler*innen notwendig sind, um sich auf partizipative Forschungsansätze einzulassen. Denn: Administrative Abläufe, Förderregularien, ethische Prüfverfahren und methodische Standards strukturieren, ermöglichen und begrenzen gleichermaßen Handlungsspielräume und werden insbesondere im universitären Setting sichtbar. Unsere ersten Erkenntnisse zeigen, dass a) der Einbezug von externen Akteur*innen und Verwaltungspersonal, b) der Austausch mit anderen partizipativ Forschenden und c) das Lösen von methodischen Zwängen essenziell für das Gelingen partizipativer Forschungsansätze ist. Partizipation verlangt mehr als methodische Anpassungen: Sie erfordert eine reflexive Auseinandersetzung mit Macht, Verantwortung und institutionellen Strukturen. Regionalentwicklung durch Astrophysik? Das Fallbeispiel des DZA-Ideenwettbewerbs im Transformationsprozess der Lausitz Deutsches Zentrum für Astrophysik, Deutschland Das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) verfolgt den Auftrag, naturwissenschaftliche Spitzenforschung in der Lausitz sowie weltweit zu betreiben. Als Maßnahme des Strukturwandels – finanziert vom Bund und Freistaat Sachsen – ist die im Aufbau befindliche Einrichtung zugleich mit gesellschaftspolitischen Dimensionen verknüpft. Sie soll u.a. die Entwicklung der Lausitz hin zu einer Wissenschaftsregion fördern. Voraussetzung dafür ist, dass sich das DZA gut in der Region verankert, um nicht nur exogener Anstoß auf Grundlage staatlicher Förderung zu sein, sondern endogene und integrative Entwicklung zu fördern. Dieses Anliegen ist erheblich mit Akzeptanzfragen verknüpft. Das DZA ist dafür auf die Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren und deren Unterstützung angewiesen. Ein Bestandteil dieses Zusammenwirkens ist ein regionaler Ideenwettbewerb, der Anfang 2026 ausgelobt wurde. Damit soll die ideelle Beteiligung unterschiedlicher Zielgruppen (Kommunen, Bildungsträger, Zivilgesellschaft) am Aufbau des DZA gefördert werden, indem das Format Impulse an der Schnittstelle von Region, Strukturwandel und DZA erzeugt. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung werden zudem Sichtweisen aus der Region erfasst, die als analytische Grundlage für die am DZA angesiedelte Abteilung "Transformationsforschung und Regionalentwicklung" dienen. Der Ideenwettbewerb verfolgt gleichermaßen gesellschaftliche und wissenschaftliche Ziele. Der Vortrag wird zum einen das konkrete Format "Ideenwettbewerb" vorstellen: Dafür werden konzeptionelle Überlegungen und erste Ableitungen aus dem bis dato abgeschlossenen Wettbewerbsverfahren erläutert, z.B. zur Frage, welche Impulse durch dieses Instrument erzeugt werden. Zum anderen ist auch das inter- und transdisziplinäre Verständnis der DZA-Abteilung "Transformationsforschung und Regionalentwicklung" insgesamt Gegenstand des Vortrags, die als sozialwissenschaftlich arbeitende Einheit innerhalb eines Großforschungszentrums der Natur- und Technikwissenschaften wirkt. Training der Kollaboration: lehrbasierte Dritte Orte als neue Basis design- und aktionsforschender Living Labs? Brandenburgische Technische Universität Cottbus - Senftenberg, Deutschland Engaged Learning (Chmelka et al. 2023) sowie Live Projects (Harriss et al. 2014) nutzten als Challenge based Learning (Gallagher, S. E.; Savage, T. 2023) die Auseinandersetzung mit Praxis-Fragestellungen und erarbeiten eigene Positionen oder Lösungsansätze. Einen eigenen offenen Freiraum als Dritten Ort mit und durch Studierende mitten in der Stadt/Region zu organisieren geht einen Schritt weiter: in selbstorganisierten Living Labs design- und aktionsforschend arbeiten. Anhand der Projekte ‚in:takt – Freiraum für alle‘ in Magdeburg (in:takt 2026) und ‚COCO – Commoning Cottbus‘ in Cottbus (COCO 2026) werden Rahmenbedingungen, Ko-Prozesse, Chancen und Herausforderungen dieser Freiräume für die Beteiligten, für die Lehre und Forschung sowie die Stadtgesellschaft reflektiert. Die Projektorte verankern Studierende im Stadtraum, bauen neue Beziehungen auf, ermöglichen Selbstwirksamkeit: Studierende werden zu eigenständigen, lernenden Akteuren, die im Team in offenen Prozessen zusammenarbeiten und darauf zielen, einen gemeinschaftlichen Raum als Dritten Ort organisieren. Mit Bürger:innen, der Zivilgesellschaft und Institutionen initiieren sie offene, kollaborative Arbeits- und Forschungprozesse. Als neue öffentliche Infrastruktur beziehen diese Orte und Akteure öffentlich Position für demokratische Werte und eine offene Gesellschaft. In Wechselwirkung von Theorie und Praxis bieten sie Einstiege ins Engagement, einen neuartigen Erfahrungs- und Trainingsraum für Kollaboration und damit die Chance inter- und transdisziplinäre Arbeitsweisen sowie Ko-Gestaltungsprozesse zu entwickeln. Orientiert an Design- und Aktionsforschung (Smith et al. 2024, Chevalier et al. 2013, Kindon et al. 2008) fragen sie: Inwiefern bieten lehrbasierte Dritte Orte durch aktionsforschende Lehrprojekte hybride Settings, in denen möglichst viele Arten von Wissen einbezogen und gemeinsam in praxi geforscht wie auch gestaltet werden kann? Partizipative Forschung am Nachhaltigkeitslabor der JMU Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Deutschland Mit Transformationsexperimenten fördert das Nachhaltigkeitslabor WueLAB der Universität Würzburg inter- und transdisziplinäres wissenschaftliches Denken, Dialogräume, sowie die Partizipation aller Universitätsmitglieder und Praxispartner*innen an Forschungsprozessen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der aktiven Beteiligung von Studierenden an der wissenschaftsbasierten Gestaltung von Transformationsprozessen. Transformationsexperimente verbinden Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft, um gemeinsam Lösungen für komplexe sozial-ökologische Herausforderungen zu entwickeln. Innerhalb zweier Förderlinien können sich alle Universitätsmitglieder, inklusive Alumni mit Ideen zur sozial-ökologischen Transformation der Universität oder darüber hinaus bewerben. Forschende, Studierende und Praxispartner*innen arbeiten dabei von der Idee bis zur Umsetzung auf Augenhöhe zusammen. Das WueLAB unterstützt die Projekte durch ein transdisziplinäres Netzwerk, partizipative und co-kreative Methoden der Datenerhebung, sowie beim Social-Impact-Monitoring von Transformationsprozessen. Das Format eröffnet Räume für Aushandlungsprozesse, respektvollen Dialog und die Partizipation aller Statusgruppen an Forschung und gesellschaftlicher Gestaltung. | ||