PartWiss 26
Konferenz zur Vernetzung und Stärkung
von Partizipation in der Wissenschaft
18. bis 20. November 2026 in Berlin
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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Vorträge: Ressourcen und Überwindung – Wie individuelle Stärken institutionelle Defizite kompensieren
Sitzungsthemen: 3. Subjektivität & Strukturen – Unter welchen individuellen und institutionellen Bedingungen forschen wir?
Wie können individuelle Ressourcen – wie Empathie, Kreativität oder Lebenserfahrung – institutionelle Defizite kompensieren, deren Fehlen ausgleichen oder normative Grenzen überwinden? | ||
| Präsentationen | ||
Digital dabei? Bürger*innen als Co-Forschende 1: Grenzenlos Digital e.V., Deutschland; 2: Grenzenlos Digital e.V., Deutschland Citizen Science wird oft so umgesetzt, dass Bürger*innen Daten sammeln - aber nicht forschen. Im Projekt „Digital dabei? - Digitale Inklusion in der öffentlichen Daseinsvorsorge gemeinsam gestalten" haben wir einen anderen Weg eingeschlagen: Menschen mit eigenen Erfahrungen digitaler Ausgrenzung haben als gleichberechtigte Co-Forschende mitgeforscht. Mehrere Citizen Scientists aus Berlin wurden in qualitative Methoden eingeführt: Interviewführung, Dokumentation und Inhalsanalyse. Dabei war von Anfang klar, dass unterschiedliche Kompetenzen, Sprachen und Zugänge mitgedacht werden müssen. Die Erhebung konnte per Audioaufnahme, strukturiertem Google-Formular oder abfotografierten handschriftlichen Notizen erfolgen und die Einführungsmaterialien wurden auf Deutsch und Englisch bereitgestellt. Diese Offenheit war eine bewusste methodische Entscheidung, um die Arbeitslast gering zu halten und Anforderungen von Co-Forschenden mit geringen Deutschkenntnissen oder Sehbehinderung gerecht zu werden. Die Citizen Scientists haben Interviews in ihren Communities geführt und sind in die gemeinsame Auswertung eingebunden. Der Forschungsgegenstand sind digitale Barrieren in der öffentlichen Verwaltung. Dieser ist auch unmittelbar Teil der Lebenswirklichkeit unserer Co-Forschenden, da wir Menschen mit Behinderung, mit Fluchtbiographie, mit Migrationshintergrund und geringen Deutschkenntnissen für das Projekt gewonnen haben. Unser Ansatz wirft grundlegende Fragen auf: Welche Datenqualität entsteht, wenn Menschen ohne Forschungserfahrung qualitative Methoden anwenden? Wie verändert gelebte Erfahrung den Blick auf das Material? Die strukturelle Bedingung, dass Citizen Scientists Erfahrung und Community-Zugänge mitbringen, aber keine Forschungsbiographie und keine Forschungszeit, erfordert Anpassungen im gesamten Prozess, beispielsweise vereinfachte Interviewleitfäden und Überführung von Rohmaterial in analysierbare Formate. Im Vortrag reflektieren wir theoretische Vorannahmen, methodische Entscheidungen und die Spannungsfelder zwischen wissenschaftlichem Anspruch, Empowerment und dem Wunsch, strukturelle Veränderungen anzustoßen. WissenschaftlerInnen in der transformativen Forschung: Zwischen Transformationsdruck und Personaler Nachhaltigkeit Karlsruher Institut für Technologie, Deutschland Die Beschleunigungsdiagnose des Soziologen Rosa (2013) beleuchtet die Auswirkungen der Steigerungslogiken in modernen Gesellschaften: Sie führten zu einer fortschreitenden Entfremdung, da Menschen den Kontakt zu sich selbst, anderen und zur Welt verlieren. Als Antwort stellte Rosa (2016) die Resonanztheorie auf. Auch die transformative Wissenschaft kann sich der Beschleunigung nicht entziehen; vielmehr wird eine Große Transformation (WBGU 2011) hin zu Nachhaltigkeit immer dringlicher und damit auch der Anspruch an eigene transformative Beiträge. Gleichzeitig wirken auch hier die Be- und Entlohnungsmechanismen der optimierten, verwertungsorientierten Wissenschaft. Vor diesem Hintergrund hat das interdisziplinäre Forschungsteam des Karlsruher Transformationszentrum (KAT) für das Jahr 2024 eine Entschleunigungsprogrammatik ins Leben gerufen, um sich diesem Spannungsfeld anzunähern und das eigene beschleunigte Tun im Selbstexperimenten zu erspüren, erforschen und hinterfragen. Die analog eines Aktionsforschungszyklus strukturierte Programmatik beinhaltete die Umsetzung einzelner Interventionen im KAT-Team. Zudem wurden im Rahmen einer Begleitforschung Erfahrungen dokumentiert, Daten erhoben, analysiert und reflektiert. Die analytischen Ebenen der Reflexion waren: Individuum, Teamdynamiken und das KAT als Teil des Wissenschaftssystems. Eine Hypothese war, dass Entschleunigung geeignet sein könnte, um Raum für Reflexion zu ermöglichen und Resonanzachsen zu etablieren, die das Erfahren von Resonanz wahrscheinlicher machen. Eine weitere Hypothese war, dass Resonanz gleichsam als Bedingung und Bestandteil für Nachhaltige Entwicklung angesehen werden könnte und damit für die transformative Arbeit essenziell ist. In unserem Vortrag präsentieren wir die gemachten Erfahrungen und leiten übergreifende Lessons Learned ab. Zudem reflektieren wir diese im Kontext unserer eigenen Involviertheit in der transformativen Forschung und beleuchten sie unter dem Konzept der Personalen Nachhaltigkeit (Parodi & Tamm 2018). Methoden und Meta-Kompetenzen für transdisziplinäre Forschung und Praxis 1: Technische Universität Berlin, Deutschland; 2: Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation; 3: Museum für Naturkunde Transformationsprozesse zeichnen sich durch hohe Komplexität, widersprüchliche Interessen und offene Zielhorizonte aus. Wie sich solche Vorhaben produktiv strukturieren lassen, ist daher eine zentrale Frage für transdisziplinäre Forschung und praxisorientierten Transfer. Der Fachvortrag stellt ein methodisch fundiertes und zugleich niedrigschwelliges Vorgehen vor, das Akteur:innen dabei unterstützt, von einer unklaren Herausforderung zu einem bearbeitbaren Problem und ersten Lösungsansätzen zu gelangen. Ausgehend von Erfahrungen aus dem TransformLabs und dem Verbundprojekt Transferkompetenzen werden ausgewählte Methoden wie Challenge Framing, Stakeholder-Analyse, Empathy Mapping und How-might-we-Fragen vorgestellt und Erfahrungen mit ihren Anwendungslogiken erläutert. Im Zentrum steht dabei nicht allein die jeweilige Methode, sondern die Erfahrungen aus den Projekten mit den dahinterliegenden Meta-Kompetenzen, d.h. wie unterschiedliche Perspektiven systematisch einbezogen, Bedarfe strukturiert und die Ansätze eigenständig auf transdisziplinäre Forschungs- und Praxiszusammenhänge übertragen werden können. Der Vortrag verbindet konzeptionelle Überlegungen zu Transfer, Kollaboration und Co-Kreation mit praxisnahen Einblicken in Transformationsarbeit mit Wissenschaft, KMU, Verwaltung und weiteren gesellschaftlichen Akteur:innen. Er zeigt, wie aus einem methodisch gestützten Problemverständnis ein anschlussfähiger Raum für Kooperation, Lösungsentwicklung und gemeinsame Verantwortung entsteht. Damit bietet der Beitrag einen Zugang zu transdisziplinärer Forschung, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern Handlungsfähigkeit in Transformationsprozessen stärkt. Partizipative Entwicklung und Implementierung einer Lehrveranstaltung zur Förderung der Kommunikation von Medizinstudierenden mit Menschen mit Behinderung 1: Universität Augsburg, Medizinische Fakultät, Augsburg, Bayern, Deutschland; 2: Universitätsklinikum Augsburg, Institut für Allgemeinmedizin, Augsburg, Bayern, Deutschland Hintergrund Trotz des in der UN-BRK festgeschriebenen Rechts auf eine Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderung in der Gesundheitsversorgung weisen einige Studien und Berichte bis heute auf Defizite und Benachteiligungen in der Gesundheitsversorgung hin. Ein wesentlicher Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass es medizinischem Fachpersonal an der Kompetenz mangelt, adäquat mit Menschen mit Behinderungen zu kommunizieren. Aus diesem Grund ist es für Medizinstudierende essenziell, diese Fähigkeit zu trainieren. Zielsetzung und Methode Ziele des Projekts ist die Konzeptionierung einer Lehrveranstaltung, in der Menschen mit Behinderungen als Schauspielpatient*innen eingesetzt werden, um die individuellen Ressourcen von Medizinstudierenden hinsichtlich einer besseren Versorgung von Menschen mit Behinderung zu fördern. Die Ziele und das Konzept der Lehrveranstaltung wurden in einer Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit Personen mit Behinderung, Dozierenden und Medizinstudierenden entwickelt und wird im Rahmen einer Beobachtung und anschließenden Interviews evaluiert. Ergebnisse Im Rahmen der Lehrveranstaltung erfolgt eine Simulation einer Situation in einer Arztpraxis. Die Medizinstudierenden verkörpern dabei die Rolle des Arztes. Die Person mit einer kognitiven, mobilitäts- oder Sinnesbeeinträchtigung nimmt die Rolle der/des Patient*in ein. Anschließend an das Gespräch erfolgt ein Feedback sowie die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ausgehend von bisherigen Erfahrungen in der Entwicklung und dem Innovationscharakter dieser Lehrveranstaltung werden eine hohe Akzeptanz der Veranstaltung sowie einzelne Herausforderungen in der Machbarkeit erwartet. Diskussion Mit der Lehrveranstaltung soll ein Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen geleistet werden, indem Medizinstudierende auf die Kommunikation mit Menschen mit Behinderung vorbereitet und so Defizite in der Versorgung von Menschen mit Behinderung zukünftig verringert werden. Persönliches Vertrauen an institutionellen Leerstellen: Vertrauensbedarfe und organisationale Schwerpunktsetzungen in Citizen Science Museum für Naturkunde Berlin, Deutschland Partizipative Forschung steht unter widersprüchlichen Anforderungen: epistemische Qualität und partizipative Offenheit sollen gleichermaßen gewährleistet werden, während externe Legitimationserwartungen und Ressourcendruck kumulieren. Unter diesen Bedingungen verschiebt sich die Absicherung der Kooperation auf persönliche Beziehungen zwischen den verschiedenen Akteuren. Die dafür nötige Beziehungsarbeit gilt meist als natürlicher Bestandteil partizipativer Forschung; der Vortrag führt die zugrunde liegenden Vertrauensbedarfe dagegen auf Schwerpunktsetzungen und Leerstellen in der organisationalen Ausgestaltung wissenschaftlicher Einrichtungen zurück. Grundlage ist eine laufende Studie zur Institutionalisierung von Citizen Science in verschiedenen Typen wissenschaftlicher Einrichtungen. Auf Basis von Interviews und Dokumenten wird gezeigt, welche Zonen der Kooperation organisationale Form erhalten und welche nicht. Vertrauensbedarfe erweisen sich dabei als Effekte organisationaler Schwerpunktsetzungen; Vertrauen erscheint als produktives Element, das Forschungsarbeit ermöglicht, die Spannungen der Partizipation jedoch als persönliche Anforderung erscheinen lässt. Der Vortrag zielt auf eine reflexive Auseinandersetzung mit Institutionalisierungsprozessen und den organisationalen Schwerpunktsetzungen, die Projektleitungen zu Adressaten dieser Anforderungen machen. | ||