PartWiss 26
Konferenz zur Vernetzung und Stärkung
von Partizipation in der Wissenschaft
18. bis 20. November 2026 in Berlin
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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Vorträge: Normen und Diskriminierung – Wie Forschungsräume gesellschaftliche Normen reflektieren und mit Diskriminierung umgehen
Sitzungsthemen: 3. Subjektivität & Strukturen – Unter welchen individuellen und institutionellen Bedingungen forschen wir?
Wie spiegeln partizipative und/oder transdisziplinäre Forschungsdesigns gesellschaftliche Normen wider, beispielsweise durch Abhängigkeiten und Grenzen? Wie wird mit Diskriminierung umgegangen? | ||
| Präsentationen | ||
Inclusivity and Diversity in living lab research Hochschule Eberswalde, Deutschland The energy transition has not benefited all segments of society equally, raising critical questions about the design of just energy policies and projects. This inequity highlights the need for inclusive approaches, especially within living labs piloting sustainable energy solutions. A key challenge for living labs is achieving broad societal impact, which is fundamentally tied to inclusivity. Living lab research must prioritize diversifying participants and stakeholders to effectively scale solutions across diverse communities. Individual characteristics, such as gender, ethnic identity, level of education, wealth, and income, strongly influence the ability to participate in energy projects. As spaces for co-production and transformation, living labs should fully embrace diversity as a key principle, fostering deliberative exchange connecting actors from different backgrounds. The European Green Deal prioritizes a “just transition,” signaling the political demand to develop transdisciplinary research projects that address issues such as energy poverty, the gender pay gap, and social segregation. To investigate this disparity, we designed and implemented four citizen action labs in Germany, Norway, Switzerland, and Türkiye, experimenting with different notions of inclusivity and diversity. Based on our findings, we explore the concept of inclusivity at the sociopolitical context (scaling up), stakeholder, and population locality (scaling deep and scaling out). In particular, we focus on the role of recruitment as a bottleneck for diverse public engagement. Leveraging the knowledge gained from the research process, this article provides evidence for setting up living labs in the energy transition, targeting distinctive social groups to create a meaningful impact across society. Raum für Transformationen: SGN Synthesis & Solutions Labs 1: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; 2: Institut für Sozial-ökologische Forschung (ISOE); 3: Senckenberg Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrum; 4: Goethe Universität Frankfurt, Fachbereich Biowissenschaften Der Verlust biologischer Vielfalt findet seine Ursachen überwiegend in gesellschaftlichen Entscheidungsräumen, die Wissenschaft allein nicht verändern kann. Doch wie können Forschungsinstitutionen strukturell dazu befähigt werden, Wissen und gesellschaftliches Handeln näher zusammenzubringen? Für die Entwicklung nachhaltiger Handlungsoptionen und Lösungsmöglichkeiten ist es notwendig, Wissen aus der Forschung mit Praxis- und Erfahrungswissen zu verknüpfen. Hierfür sollten Wissenschaftler*innen über Fähigkeiten und Kompetenzen verfügen, mit Akteur*innen aus der Gesellschaft gemeinsam Forschung zu betreiben, während (natur)wissenschaftliche Forschungsinstitutionen transdisziplinäre und partizipative Forschung stärken sollten. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) hat gemeinsam mit dem Institut für Sozial-ökologische Forschung (ISOE) eine strukturierte Plattform für den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft geschaffen – die Senckenberg Synthesis & Solutions Labs. Diese Plattform bildet die institutionelle Infrastruktur als Voraussetzung für transdisziplinäres Arbeiten: Sie stellt Mechanismen zum Kapazitätsaufbau und zur Förderung einer integrativen Forschung auf individueller und institutioneller Ebene bereit. Innerhalb dieser Plattform dienen einzelne Projekte, sogenannte „Labs“ als „Scharnierstellen“ zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. In diesen experimentellen Räumen arbeiten Forscher*innen, begleitet von TD-Expert*innen, gemeinsam mit Akteur*innen aus der Gesellschaft an konkreten Fallbeispielen. Eine kontinuierliche Evaluation wird durchgeführt, um Prozesse zu verbessern und anzupassen. Weitergehende Aktivitäten der Plattform beinhalten Angebote zu TD-Forschung und Capacity-Building sowie zur Vernetzung über die Institution hinaus. Zudem sollen Möglichkeiten geschaffen werden, die Aktivitäten der einzelnen Labs auch nach deren Ende „weiterzuführen“. In diesem Fachvortrag stellen wir die institutionelle Etablierung der Plattform vor und reflektieren unsere Erfahrungen beim Aufbau der dafür notwendigen institutionellen Strukturen, Prozesse und Ressourcen zur Stärkung und Förderung transdisziplinärer Forschung an einem naturwissenschaftlich geprägten Forschungsinstitut. Auf Augenhöhe – oder doch nicht? Was Patient:innen-Beteiligung über partizipative Forschung verrät 1: Universität Heidelberg, Medizinische Fakultät, Institut für Medizin- und Datenethik; 2: Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), NCT Heidelberg, eine Partnerschaft zwischen DKFZ und dem Universitätsklinikum Heidelberg, Deutschland, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg Patient:innen stärker in die Forschung einbeziehen – was auf dem Papier selbstverständlich klingt, trifft in der onkologischen Praxis auf gewachsene Routinen, Zeitdruck und klare Hierarchien. Wie gelingt unter diesen Bedingungen Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“ und wo stößt sie an Grenzen? Diesen Fragen geht ein Begleitforschungsprojekt am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg nach. Grundlage für diesen Beitrag ist die Auswertung von rund 40 qualitativen Interviews mit Patient:innen ohne Forschungserfahrung, Patient:innen-Vertretenden, Forschenden und Koordinator:innen von Beteiligungsprozessen. Die Auswertung zeigt: Partizipation ist kein Selbstläufer, sondern ein Aushandlungsprozess voller Spannungen. Unterschiedliches Wissen, knappe Zeit und unklare Rollen prägen die Zusammenarbeit. Während einige Forschende die Beteiligung von Patient:innen vor allem als Vorgabe „von oben“ erleben, entdecken Patient:innen-Vertretende mitunter neue Handlungsspielräume – etwa wenn sie über die Durchführung von Projekten mitentscheiden. So entstehen Situationen, in denen klassische Machtverhältnisse gleichzeitig bestehen bleiben und sich verschieben. Der Beitrag macht diese Ambivalenzen sichtbar und fragt, was sie über die Bedingungen partizipativer Forschung aussagen – auch vor dem Hintergrund unterschiedlicher Erwartungen an Ziel und Funktion von Beteiligung. Er zeigt, wie bestehende Strukturen nicht nur herausgefordert, sondern auch fortgeschrieben werden, und welche konkreten Ansatzpunkte es gibt, um Zusammenarbeit tatsächlich anders zu gestalten. Gerade weil die Medizin traditionell stark hierarchisch organisiert ist, lassen sich aus diesem Beispiel übertragbare Einsichten gewinnen: etwa dazu, wie institutionelle und gesellschaftliche Vorgaben, Erwartungen, individuelle Motivationen und vorhandene Ressourcen das Gelingen von Beteiligung beeinflussen. Der Vortrag lädt dazu ein, diese Erfahrungen auch auf andere Felder partizipativer und transdisziplinärer Forschung zu übertragen und kritisch zu reflektieren. Wer spricht für wen? Vielfalt und Repräsentation bei partizipativer Forschung (Kurzbeitragstitel: Wer spricht für wen?) Palliativmedizin, Medizinische Fakultät, Universität Augsburg, Deutschland Durch partizipative Forschung sollen viele unterschiedliche Sichtweisen einbezogen werden. In der Palliativversorgung, in der es um die sensiblen Themen lebenslimitierende Erkrankung, Sterben und Trauer geht, ist es besonders wichtig, dass alle Menschen gehört werden und eine Stimme haben. In unseren Interviews mit Mitwirkenden an Forschung in der Palliativversorgung zeigt sich jedoch eine wichtige Frage: Für wen können oder sollen sie sprechen? Oft sind Gruppen wenig vielfältig zusammengesetzt und bestimmte Erfahrungen und Sichtweisen fehlen. Gleichzeitig kann die Erwartung entstehen, dass einzelne Personen zum Sprachrohr werden und auch für andere mitsprechen. Der Beitrag greift dieses Spannungsfeld auf und fragt: Wie gehen wir damit um, dass nur ein Teil der Sichtweisen sichtbar wird? Und wo stößt „für andere sprechen“ an Grenzen? Am Beispiel von Interviews mit Mitwirkenden mit Krebserkrankung, psychischer Erkrankung, Demenz oder Behinderung diskutieren wir, wie Vielfalt in partizipativer Forschung gestaltet werden kann, ohne Mitwirkende zu überfordern oder Sichtweisen zu verallgemeinern. Partizipation: theoretisch gut! ... aber in der Praxis und auf Augenhöhe? Charite Berlin, Deutschland Die PartWiss-Konferenz steht jährlich mit vielseitigen Kongressprogrammen an der Spitze bedarfs- und praxisorientierter Wissenschaft. Gleichzeitig ist sie in der (inter-)nationalen Kongresslandschaft verhältnismäßig ‚klein‘. Auf ‚großen Bühnen‘ ist Partizipation weiterhin eher Fernziel als greifbare Zukunft. Methodologisch ist der Partizipationsgedanke in vielen wissenschaftlichen Disziplinen selbstverständlich. Medizin orientiert sich seit 20 Jahren am Shared Decision Making (SDM). Positivbespiele zeigen messbare Verbesserungen der Versorgungsqualität. Wird SDM jedoch ‚abgewürgt‘, müssen sich Patienten oft mittellos damit abfinden. Partizipative Forschung ist weiterhin auf einzelne Disziplinen (Onkologie) beschränkt und andererorts (Kardiologie) nonexistent. Mit gut organisierten Patientenvertretungsverbänden gäbe es dort vielleicht längst eine Zuckersteuer. Mit Erfahrungen als (partizipativ) Forschende und Patientenvertreterin untersucht dieser Vortrag kulturelle, strukturelle und rechtliche Herausforderungen auf dem Weg zu mehr Partizipation mit internationalen Vergleichen. Es ist ein Erfolg, dass der Partizipationsgedanke in Wissenschaft und Vergabeverfahren angekommen ist. Jetzt müssten politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Potentiale von Partizipation in der Breite zu verankern und zu nutzen. | ||