PartWiss 26
Konferenz zur Vernetzung und Stärkung
von Partizipation in der Wissenschaft
18. bis 20. November 2026 in Berlin
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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Vorträge: Mensch-Natur-Koexistenz – kreative Räume der Zusammenarbeit
Sitzungsthemen: 2. Stadt, Land & Natur – Wo und mit wem forschen wir?
Welche Rolle spielen lokale Gemeinschaften, nicht-menschliche Akteur:innen oder kreative Koexistenzen für ein zukunftsfähiges Mensch-Natur-Verhältnis in der Stadtplanung, Raumgestaltung und beim Bauen? | ||
| Präsentationen | ||
Hitzestressmodellierung und sozioökonomische Herausforderungen auf Quartiersebene – Ergebnisse und Erfahrungen einer transdisziplinären Fallstudie in Bremerhaven Climate Service Center Germany (GERICS) - Helmholtz-Zentrum Hereon, Deutschland Die Auswirkungen des Klimawandels erzeugen miteinander eng verflochtene ökologische, ökonomische und gesundheitliche Herausforderungen, die die Lebensbedingungen in urbanen Räumen wesentlich beeinflussen. Während kommunale Anpassungsstrategien physische Betroffenheiten wie Hitze, Überflutungen und Dürre adressieren, bleiben soziale Aspekte oftmals unterrepräsentiert, obwohl die Folgen des Klimawandels vulnerable Bevölkerungsgruppen besonders stark treffen. Vor diesem Hintergrund diskutiert der Fachvortrag Erfahrungen und Ergebnisse einer Fallstudie zur Modellierung der Hitzebelastung im Quartier Goethestraße in Bremerhaven – einem Quartier, das neben einer starken Hitzebelastung auch erhebliche sozioökonomische Herausforderungen aufweist und dessen soziale Verwundbarkeit auch im Rahmen des Sozialraummonitorings der Stadt Bremerhaven aufgezeigt wurde. Die Fallstudie nutzt methodisch einen Top‑down‑Ansatz zur Berücksichtigung wissenschaftlicher Daten, wie meteorologische Parameter, regionale Klimaänderungsinformationen oder Geoinformationen, als Eingangsdaten für Hitzestressmodellierungen unter Nutzung der „Tygron Platform“. Ergänzt wird dies durch einen Bottom‑up‑Ansatz unter Einbindung zentraler Akteure der Stadtverwaltung und des Quartiersmanagements, um Expert:innenwissen sowie lokale Einschätzungen und die im Rahmen der Klimaanpassung vorrangig zu adressierenden Herausforderungen berücksichtigen zu können. In diesem transdisziplinären und ko‑kreativen Prozess werden alle wesentlichen Entscheidungen – etwa die Festlegung von zu modellierenden Klimaszenarien und die Identifikation potenzieller Anpassungsmaßnahmen zur Verbesserung des thermischen Komforts – gemeinschaftlich getroffen. Über in Deutschland standardmäßig genutzte Ansätze der Stadtklimamodellierung und darin verwendeter Indizes hinaus gehend, bezieht die Fallstudie auch Planungsprinzipien aus den Niederlanden mit ein. Hier kommen – basierend auf der 3-30-300-Regel – Indikatoren wie „Schattenanteil auf öffentlichen Verkehrsflächen“ und „Laufabstand zu nicht hitzebelasteten, öffentlichen Erholungsflächen“ zur Anwendung. Neben der Darstellung der Modellergebnisse werden auch Anpassungsoptionen für eine verbesserte Ausgestaltung sozial inklusiver Klimaanpassungsstrategien diskutiert. KI-gestützte Auswertung von Bürgerfeedback in der Stadtplanung Scenerii GmbH, Deutschland Digitale Bürgerbeteiligung in Stadtplanungsprozessen generiert zunehmend große Mengen unstrukturierten Textfeedbacks. Hunderte bis tausende Kommentare entstehen, die sich manuell kaum systematisch auswerten lassen. Dieser Beitrag reflektiert Erfahrungen mit dem Einsatz von KI-gestützten Auswertungsmethoden im Rahmen konkreter Beteiligungsprojekte und diskutiert ihre Potenziale sowie Grenzen für transdisziplinäre Forschungsprozesse. Am Beispiel einer 3D-basierten digitalen Beteiligungsplattform für Stadtplanung, entwickelt als Spin-off der TU Dresden, zeigen wir, wie Large Language Models eingesetzt werden können, um Bürgerfeedback zu clustern, thematisch zu strukturieren und in handlungsorientierte Berichte zu übersetzen. Dabei übernimmt die KI auch eine Übersetzungsfunktion zwischen alltagssprachlichem Bürgerfeedback und fachlicher Planungssprache. Wir vergleichen verschiedene KI-Anbieter einschließlich lokal betriebener Modelle hinsichtlich ihrer Eignung für sensible kommunale Kontexte. In einem Stadtplanungsprojekt in München haben rund 500 Teilnehmende über 800 Kommentare und mehr als 8.000 Reaktionen eingebracht, innerhalb von sechs Wochen. Die KI-gestützte Auswertung ermöglichte eine strukturierte Synthese, die manuell nicht leistbar gewesen wäre. Gleichzeitig stellen sich kritische Fragen. Welche Stimmen gehen bei der Automatisierung verloren, wie transparent sind KI-generierte Kategorisierungen, und wie lässt sich Datensouveränität auf kommunaler Ebene gewährleisten? Der Vortrag positioniert KI-Auswertung nicht als Ersatz für partizipative Prozesse, sondern als technologische Ressource, die kritisch reflektiert neue Räume für transdisziplinäre Wissensproduktion zwischen Stadtplanung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft eröffnen kann. Multisensorische und interaktive Exponate als Ressource für Räume der Partizipation Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden, Deutschland Im Transferverbund Saxony⁵ erprobt ein interdisziplinäres Team aus Designer*innen und Forschenden an der HTW Dresden, wie multisensorische und interaktive Formate genutzt werden können, um Perspektivwechsel in der Wissenschaftskommunikation anzuregen und sichtbar zu machen. Wir knüpfen an Konzepte des Embodied Cognition an, in denen körperliche Interaktion und räumliche Erfahrung als Teil von Lern- und Verstehensprozessen betrachtet werden. Entlang unseres Entwicklungspfades erörtern wir, wie sich dabei Räume für partizipative Beteiligungsprozesse verändern. Wir reflektieren, wie sich unsere Labor- und Experimentierräume vom analogen Abstimmungssetup über Extended Reality (XR) gestützten Vermittlungstool bis zur digitalen Datenerhebung schrittweise verändert und welche methodischen Entscheidungen sich als wertvoll erwiesen haben. Ausgangspunkt ist ein analoges Abstimmungstool, mit dem wir in einem Veranstaltungsraum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Haltungen der Besuchenden zu den Rechten der Natur vor und nach dem Austausch zwischen Expert*innen und Bürger*innen erfassten. Auf diese Weise wurden Perspektivwechsel direkt im Dialograum sichtbar. Dieses Tool wurde im Zuge einer Netzwerkveranstaltung um digitale Elemente erweitert. Ausgehend der gewonnenen Erkenntnisse entstand für das Senckenberg Naturmuseum Dresden eine Kombination aus digitalen und analogen Elementen, mit der Haltungen zu Insekten vor und nach dem Ausstellungsbesuch erfasst und die Daten digital ausgewertet werden können. Parallel dazu entstand ein XR-gestütztes Vermittlungstool zur ökologischen Gewässerentwicklung, das frühe Stufen der Partizipation, Information und erste Aktivierung adressiert und als experimenteller Raum auf Konferenzen und Ausstellungen erprobt wird. Aktuell wird das XR-Vermittlungstool so weiterentwickelt, dass unsere bisherigen Erkenntnisse einfließen. Der Fokus liegt stärker auf Beteiligungsformen und Mitgestaltungsmöglichkeiten, um Partizipation über Information und Dialog hinaus zu erweitern. | ||