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Bürger:innenkonferenz „Robotik in der Altenpflege?“: Methodische und Praktische Reflexion eines Beteiligungsverfahrens in der Bioethik
Marc Bubeck, Corinna Klingler, Ruben Sakowsky, Joschka Haltaufderheide, Robert Ranisch
Fakultät für Gesundheitswissenschaften Brandenburg, Universität Potsdam, Deutschland
In diesem Vortrag analysieren wir die Bürger:innenkonferenz (BüKo) als deliberatives Beteiligungsformat im bioethischen Kontext. Unsere Untersuchung basiert auf einer BüKo zur sozialen Robotik in der Altenpflege, die wir im Frühjahr 2024 durchgeführt haben. Dabei reflektieren wir sowohl die theoretische Konzeption als auch die praktische Durchführung, um die Eignung der Methode für die bioethische Politikberatung zu bewerten.
Die zentrale Frage lautet: Ist die BüKo ein geeignetes Verfahren, um Bürger:innen in bioethische Diskurse und Entscheidungsprozesse einzubinden?
Unsere Analyse bezieht sich auf das Potential der Methode, Bürger:innen unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Prinzips der Arbeitsteilung in den Dialog über normative Positionen und politische Entscheidungen einzubeziehen. Wir zeigen auf, wo und in welchem Umfang Bürgerbeteiligung unter Berücksichtigung von Wissens- und Machtasymmetrien sinnvoll ist.
Unsere methodologische Reflexion basiert auf der vorhandenen Literatur und der Analyse unserer Konferenz, einschließlich der Auswertung von Felddokumenten und teilnehmender Beobachtung. Wir beleuchten die Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen partizipativer Verfahren und fokussieren auf das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung der Beteiligten und methodischen sowie politischen Restriktionen. Darüber hinaus wird auf normativer Ebene untersucht, wie deliberativ gewonnenes Wissen in bioethischen Fragen Geltung beanspruchen kann.
Unsere Ergebnisse zeigen, dass BüKo wertvolle Perspektiven in bioethische Diskussionen einbringen und Handlungsempfehlungen formulieren können. Allerdings bedarf es spezifischer Anpassungen, um den Anforderungen der bioethischen Politikberatung gerecht zu werden.
Gemeinsames Forschen ermöglichen: Einblicke in den multimethodischen Aufbau eines Jugendbeirats für psychische Gesundheit an der Freien Universität Berlin
Celia Bähr
Freie Universität Berlin, Deutschland
Der Vortrag wird Einblicke in den multimethodischen Prozess zur Etablierung eines Jugendbeirats für den Arbeitsbereich Kinder- und Jugendpsychologie und -psychotherapie an der Freien Universität Berlin (FUB) geben. Seit März 2024 erarbeiten sechs Jugendliche in Kooperation mit Mehr als Lernen ein Konzept für einen Jugendbeirat zu psychischer Gesundheit. Die Schritte sowie Methoden der Beteiligung werden skizziert. Zentrale Fragen in diesem Prozess waren: Was motiviert junge Menschen, sich an universitärer Forschung zu psychischer Gesundheit zu beteiligen? Wie wollen Jugendliche sich einbringen? Wie muss ein Beirat aussehen, um nachhaltige Partizipation sicherzustellen? Was sind hierbei die Erwartungen und Befürchtungen? Die Perspektiven der sechs Jugendlichen zur Gestaltung des Beirats inspirierten eine Online-Studie mit dem Titel: "Perspektiven von Kindern und Jugendlichen zur Beteiligung an der psychischen Gesundheitsforschung". Diese erweitert den qualitativen Forschungsansatz mit quantitativen Daten, um ein umfassendes Verständnis der Bedürfnisse und Präferenzen möglichst vieler Jugendlicher zu gewährleisten. Der Fragebogen deckt ein breites Themenspektrum ab, einschließlich persönlicher Informationen, Erfahrungen mit psychischer Gesundheitsunterstützung und Interesse an Forschungsteilnahme. Durch zahlreiche soziodemografische Fragen können moderierende und mediierende Variablen analysiert werden. So kann das Verständnis darüber, welche Jugendlichen Interesse an Forschungspartizipation haben, datenbasiert verbesserr werden. Ergebnisse der quantitativen Studie sowie der aktuellen Arbeitsschwerpunkte des im Dezember existierenden Jugendbeirats werden vorgestellt. Insgesamt zielt dieser Vortrag darauf ab, neue Erkenntnisse zur Jugendbeteiligung in der klinisch-psychologischen Forschung zu unterstreichen und die praktischen Schritte zur Umsetzung einer partizipativen Einrichtung eines Jugendbeirats an der FUB hervorzuheben. Der Vortrag soll basierend auf den quantitativen Daten einen interdisziplinären Dialog über Herausforderungen bei der Umsetzung inklusiver Partizipationsgremien anstoßen.
Making Fair Participation A Matter of Conceptual Justice; Three Arguments for Patient Participation in Defining the Concept of Disease
Ozan Altan Altinok
Leibniz University of Hannover, Deutschland
Participation of the patients in medical decision making has increasing importance in Western medical settings. There has been strong progress at various levels of patient and non-expert participation in medical structures. Medical settings are no longer seen as a domain where decisions are made only by the experts. As patients can be involved in many distinct levels and stages of medical decision making, the limitations of the existing frameworks of participation are also becoming an important field of inquiry. Despite all progress, amongst the limitations of participation, patients’ self-definition at the level of individual concept of disease is a neglected issue. The standard view of disease sees the patient’s expertise involved in relationship to concept of disease. However, this involvement is limited to the concept of illnesses with a certain kind of translation relationship. Against the idealized understanding of disease, evolutionary medicine tells us that what we have evolved is disease vulnerability, not particularly disease itself. Recent work in philosophy of medicine argues that disease can be seen as a secondary property. Combining these two perspectives, through the employment of disease vulnerability understanding of evolutionary medicine as well as disease seen as a second property account, the concept of disease can epistemically as well be seen to allow patients’ epistemic participation within epistemic division of labor. This way, the paper aims to fill the lacuna where the patients can be seen as guiding actors in the making of meaning on the concept of disease.