Die interdisziplinäre Sicherheitsforschung beschäftigt sich mit Krisen- und Katastrophenszenarien, deren Komplexität und kaskadierende Folgen eine ganzheitliche Perspektive auf die Problemlagen erfordern. Daraus ergibt sich der Wert und die Notwendigkeit, anwendungsorientiert und transdisziplinär zu forschen sowie die Zivilgesellschaft in ihrer Bandbreite aktiv miteinzubeziehen.
Unter der BMBF-Förderrichtlinie SifoLIFE werden in einer jetzigen zweiten Projektphase sechs Projekte gefördert. Fünf davon demonstrieren innovative, vernetzte Sicherheitslösungen für unterschiedliche Krisenszenarien. Das Begleitforschungsprojekt BeLIFE unterstützt diese Arbeit, indem es den transdisziplinären Austausch über die Projektgrenzen hinweg fördert und das in den Projekten generierte Wissen mithilfe dialogischer, interaktiver und immersiver Formate an unterschiedliche Zielgruppen vermittelt.
Die vier Beiträge dieses Panels thematisieren den Wissenstransfer des BeLIFE-Projekts und diskutieren die zentrale Rolle der Transdisziplinarität und Partizipation. Das theoretische Modell, das BeLIFE dem Wissenstransfer zugrunde legt, begreift den Transferprozess nicht als unilaterale Vermittlung, sondern als multidimensionalen Austausch, in dem die Zielgruppen aktiv mitwirken.
Der erste Beitrag beleuchtet, wie ein übergreifendes Wissensmanagementsystem für alle SifoLIFE-Projekte sowie diverse interaktive Arbeits- und Dialogformate nicht nur ein gegenseitiges Lernen ermöglichen, sondern auch die Potenziale der Verstetigung und der Übertragbarkeit der individuellen Projektlösungen darlegen.
Im zweiten Beitrag geht es um den Wissenstransfer an politische Entscheidungskräfte. Das Zukunftslabor Sicherheit am Einstein Center Digital Future bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse zur zivilen Sicherheit multimodal auf, sodass visuelle, narrative und interaktive Elemente den Wissenstransfer begünstigen und die geschilderten Themen erlebbar machen. Dieser partizipative Ansatz basiert auf der Social Representations Theory, welche nicht nur kognitive, sondern auch emotionale Faktoren in den Wissenstransfer miteinbezieht.
Ein Beispiel der Anwendungen im Zukunftslabor Sicherheit wird im dritten Beitrag mit der Augmented Reality Troubled Water vorgestellt. Besucher:innen können mit der AR eine Hochwasserkatastrophe simulieren, diese virtuell erleben und so ihre eigene Lebenssituation in den Lernprozess miteinfließen lassen. Dies soll die Bedrohungs- und Bewältigungswahrnehmung fördern und die Bereitschaft zur aktiven Einbringung in sicherheitskritische Prozesse stärken.
Der vierte Beitrag zeigt, wie die Zivilgesellschaft im SifoLIFE-Programm im Wissenstransferprozess mitwirken kann. Eine Wanderausstellung der IMAGINARY gGmbH lädt ein allgemeines Publikum dazu ein, zentrale Fragen der zivilen Sicherheit durch interaktive Ausstellungsexponate intuitiv zu erfahren und auch mitzudiskutieren.
Ein transdisziplinärer und partizipativer Wissenstransfer eröffnet der zivilen Sicherheitsforschung neue Möglichkeiten, um alle Menschen in den Umgang mit komplexen Herausforderungen einzubeziehen, die jede:n betreffen. Zugleich zeigt der zivile Sicherheitsbereich den Partizipationswissenschaften spezifische Herausforderungen auf, die es bei einem verantwortungsvoll gestalteten Wissenstransfer zu komplexen und angstbehafteten Fragen zu bedenken gilt.