Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung. Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
Reflexion von Handlungsleitlinien partizipativer Forschungsprozesse in Qualifizierungsphasen: Gemeinsamkeiten und Herausforderungen mit der partizipativen Gesundheitsforschung (PGF)
Zeit:
Donnerstag, 05.12.2024:
11:00 - 12:30
Ort:Atelier 3
Personen: 27
Präsentationen
Reflexion von Handlungsleitlinien partizipativer Forschungsprozesse in Qualifizierungsphasen: Gemeinsamkeiten und Herausforderungen mit der partizipativen Gesundheitsforschung (PGF)
Tabea Böttger1, Bernadette Gruber2, Imke Heuer3, Azize Kasberg4, Konstantin Korn5, Maja Kuchler6, Catharina Münte7
1HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen; 2CODE University of Applied Sciences; 3UKE/ Universität Hamburg; 4Alice Salomon Hochschule Berlin; 5JLU Gießen; 6HS Gesundheit Bochum; 7Medizinische Hochschule Hannover
Partizipative Forschung erhebt den Anspruch, dass lebensweltliche Expert:innen in eigener Sache an den unterschiedlichen Forschungsphasen mit Entscheidungsmacht beteiligt werden. Das partnerschaftliche Miteinander soll zu lebensweltrelevanten und anwendungsorientierten Erkenntnissen führen und gleichzeitig Veränderungen anstoßen (PartNet, o.J.).
In der Praxis stellt dieser Ansatz Wissenschaftler:innen und alle weiteren Beteiligten, wie Fachkräfte und Expert:innen aus Erfahrung, häufig vor diverse Herausforderungen (von Unger, 2014). Hierzu zählen unter anderem Anerkennung im Wissenschaftsbetrieb, strukturelle Barrieren, Beziehungsgestaltung und Rollenkonflikte sowie ungleiche Machtverhältnisse (Fine et al., 2021; Arnold et al., 2022). Empirische und normative Fragen sind dabei oft so eng miteinander verknüpft, dass der Umgang mit ihnen nur gelingt, wenn partizipativ Forschende eine kritisch-reflexive und ethische Haltung ausbilden.
Im Rahmen von Qualifikationsarbeiten bedarf es Leitlinien und Gütekriterien für partizipative Forschungsprozesse, die klare Handlungsempfehlungen in Bezug auf Entscheidungsfindungsprozesse, Qualitätssicherung, Schaffen oder Aufrechterhalten von Schutzräumen für beteiligte Akteur:innen, Standardisierung, Ressourcenmanagement und Transparenz geben.
In diesem Panel bringt die PartGroup, eine Gruppe wissenschaftlich Forschender in Qualifizierungsphasen, die Teil des Netzwerks Partizipative Gesundheitsforschung (PartNet) ist, Impulse aus ihren Diskursen zum Thema und Perspektiven aus ihren Forschungsprojekten in den Bereichen der Gesundheits-, Sozial- und Bildungswissenschaften ein. Theoriegestützt beleuchten die (Nachwuchs-) Wissenschaftler:innen die Frage, welche Gütekriterien für sie handlungsleitend im partizipativen Arbeiten und Forschen sind.
Im ersten Beitrag werden die zentralen Aspekte der PartNet Definition von partizipativer Gesundheitsforschung herausgearbeitet, welche mit den drei zentralen Komponenten Beteiligung, Empowerment und doppelter Zielsetzung nach von Unger (2014) einhergehen. Anhand verschiedener Beispiele wird veranschaulicht, wie diese Aspekte in der Forschungspraxis der verschiedenen Disziplinen handlungsleitend sind.
Ethische Fragestellungen haben vor dem Hintergrund des gemeinsamen Forschens einen besonderen Stellenwert, da Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen, Kompetenzen und Involviertheit in die Forschungsthemen vertrauensvoll und gleichberechtigt zusammenarbeiten wollen. Der zweite Beitrag widmet sich daher der Relevanz von kontinuierlicher Reflexion ethischer Fragestellungen in partizipativen Forschungsprojekten. Die PartGroup, die sich in den letzten Jahren fokussiert mit der Reflexion ethischer Herausforderungen auseinandergesetzt hat, stellt dazu verschiedene Instrumente und Formate dar (Eiperle et al., 2023). Die Nachwuchswissenschaftler:innen teilen ihre Erfahrungen und formulieren Forderungen für deren Weiterentwicklung.
Darauf aufbauend beleuchtet der dritte Beitrag die aktuellen Rahmenbedingungen partizipativer Forschung im Kontext von Qualifizierungsphasen/-arbeiten und das Spannungsfeld zwischen Projekten mit partizipativen Elementen und von Beginn an partizipativ entwickelten und auch derart umgesetzten Forschungsprojekten.
Abschließend wird gemeinsam mit dem Plenum diskutiert, welche Schnittmenge es zu Leitlinien in partizipativen Forschungsprozessen der verschiedenen Anwendungsfelder gibt und ob die zentralen Aspekte der partizipativen Gesundheitsforschung eine Orientierung für andere Disziplinen bieten können.