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Sitzungsübersicht
Sitzung
Positioning Training zur Reflexion der eigenen Positionalität als partizipativ & transdisziplinär Forschende
Zeit:
Mittwoch, 04.12.2024:
17:00 - 18:30

Ort: Atelier 3

Personen: 27

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Präsentationen

Positioning: Training zur Reflexion der eigenen Positionalität als partizipativ & transdisziplinär Forschende

Rabea Sorka Sophie Tzschabran, Ina Opitz

TD-Lab der Berlin University Alliance, Deutschland

Grundsätzlich und besonders im Zuge partizipativer und transdisziplinärer Zusammenarbeit setzt eine ethische Forschungspraxis voraus, sich mit der eigenen Positionalität zu befassen. Diese ist ein Brennglas auf das Verhältnis zu weiteren beteiligten Akteur*innen, Forschungsthemen, -modi, und -ergebnisse und die Kontextualisierung von Outcomes (Holmes & Gary 2020). Positionalität ist im partizipativen und transdisziplinären Forschen bedeutsam, da die Integration der Forscher*innen und Praxispartner*innen bedingt, dass alle Beteiligten als Expert*innen und Subjekte anerkannt werden. In der Zusammenarbeit in transdisziplinären Forschungsprojekten navigieren Teammitglieder zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Interessen die es zu integrieren gilt. Sie akkumulieren verschiedene Wertesysteme, persönliche Einstellungen und Erfahrungen (Freeth & Vilsmaier 2019).

Positionalität speist sich aus unseren Privilegien, Werten und multiplen, intersektionalen sozialen Identitäten, wie politischem Standpunkt, Alter, sozialer Klasse, Religiosität, Geschlecht, Sexualität, historischem und geografischem Standort, persönlichem Lebensweg, Erfahrung von Rassismus, ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität, Status, Behinderung und weiteren (Holmes & Gary 2020). Dabei berührt die Selbstreflexion sowohl die individuelle als auch die zwischenmenschliche Ebene der Arbeit im transdisziplinären Team (Aisling O’Boyle 2018).

Kritisches Positionieren erfordert Reflexivität, die die folgenden Ebenen fokussiert: Subjektivität, selbst-soziologische Analyse und Forscher*innen-Akteur*innen-Beziehungen. Als zentrale Funktion ermöglicht die Reflexion den bewussten Umgang mit asymmetrischen Machtdynamiken sowie deren Konsequenzen in der Begegnung wissenschaftlicher und nicht-wissenschaftlicher Akteur*innen (Marguin et al. 2021). Die Reflexion der Positionalität wird somit zum Qualitätskriterium für verantwortungsbewusste, partizipative Forschung. Ihre Relevanz erstreckt sich über alle Phasen transdisziplinärer Kollaboration und beeinflusst maßgeblich die Qualität des gesamten Forschungsprozesses.

Kritisches Positionieren ist zudem ein dynamischer Prozess - die Wirkung des Selbst im Forschen entfaltet sich kontextabhängig und relational. Sich verändernde Konstellationen von Forscher*innen/ Praxispartner*innen und teilweise fluide soziale Identitäten erfordern in der transdisziplinären Forschung eine stetige Neuaushandlung der sozial situierten Positionalität, die durch kontinuierliche Selbstreflexion gelingt (Marguin et al. 2021).

Im 90-minütigen Workshop „Positioning“ laden wir Teilnehmer*innen ein, sich durch individuelle und kollektive Methoden in kritischer Selbstreflexion in Bezug auf die eigene partizipative oder transdisziplinäre Forschung zu üben. Nach einem theoretischen Impuls werden Übungen angeleitet, die die Reflexion der eigenen Positionalität sowie Rolle im transdisziplinären Forschungsteam anregen. Mithilfe kreativer Zeichen- und Visualisierungsmethoden werden die eigenen Werte, persönlichen Einstellungen und sozialen Identitäten der Teilnehmer*innen erkundet und verortet. In Kleingruppen wird das Begegnen und die intentionale Bezugnahme aufeinander anhand eines Kommunikationsleitfadens geübt. Der Workshop möchte als safer space dienen, um Teilnehmer*innen zu ermutigen, ihre Erkenntnisse über sich selbst miteinander zu teilen. Ziel ist es, praktische und methodengeleitete Beiträge zur Erarbeitung von Leitlinien für das Positionieren in der transdisziplinären Forschung zu leisten.