Veranstaltungsprogramm

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Sitzungsübersicht
Sitzung
Kulturerbe
Zeit:
Mittwoch, 02.02.2022:
13:30 - 15:15

Chair der Sitzung: Heidi Hastedt, Jade Hochschule

Die Sitzung wird in Zusammenarbeit mit Dr. Ursula Warnke, Landesmuseum für Natur und Mensch, gestaltet.


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Präsentationen

Close to the Original-Erfassung archäologischer Objekte und ihre webbasierte semantisch modellierte Bereitstellung zur fachwissenschaftlichen Analyse

Florian Thiery2, Laura Raddatz1, Frank Boochs1

1i3mainz, Hochschule Mainz, Deutschland; 2Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz, Deutschland

*HINWEIS* Dieser Vortrag hat eine Länge von 30 Minuten

Das Potential und der Nutzen moderner 3D Messverfahren zur Digitalisierung archäologischer Objekte sind unbestritten. Entsprechend werden sie inzwischen aktiv in vielfältiger Weise zur Dokumentation eingesetzt. Infolge des breiten Merkmalsspektrums von Messverfahren gibt es dabei fallbezogen einen engen Zusammenhang zwischen Methodik und Eignung zur Bedienung bestimmter fachwissenschaftlicher Fragestellungen. Geht es um eine dem Original möglichst nahe kommende Digitalisierung sind entsprechend hohe Anforderungen der Methodik zur Erfassung von Geometrie und Erscheinungsbild zu erfüllen. Derart hochwertig erfasste Objekte haben das Potential, das Original in der digitalen archäologischen Forschung inhaltlich und geometrisch zu ergänzen und durch den digitalen Charakter in unbegrenzter und offenzugänglicher Form Fachanwendern im Web zur Verfügung zu stellen. Hierzu werden webbasierte Werkzeuge zur Interaktion und Visualisierung benötigt, die Anwender*innen bei Interpretationsarbeit unterstützen. Archäologische Forschung benötigt jedoch auch fachliche Informationen (z.B. Material, Fundort, Zeitperiode, Typologie- und Ikonografieverweise), die in den Interpretationsprozess einfließen. Entsprechend sollten diese nach aktuellen Standards in den Cultural Heritage (z.B. CIDOC CRM, Thesauri und Normdaten wie Getty AAT, IconClass, Wikidata, ChronOntology) erfasst und möglichst nach FAIR[1]- und Linked Open Data Prinzipien[2] verfügbar gemacht werden. Somit beinhaltet eine offene, nachvollziehbare und transparente Bereitstellung der Daten semantische Strukturierung archäologischer Fachinformationen, sowie die Verknüpfung und Modellierung von Beobachtungen und Interpretationen. Im Sinne einer nachhaltigen und übertragbaren Vorgehensweise sind dabei existierende Standards in der Cultural Heritage- und Semantic Web Domain, wie CIDOC-CRM[3] oder PROV-O[4], und neue community-driven Vorschläge (z.B. Ontologie zu 3D Metadaten) zu berücksichtigen.

All diese Aspekte waren Gegenstand des vom BMBF geförderten Forschungsprojektes "African Red Slip Ware digital", das sich mit einer speziellen Gattung römischer Keramik - African Red Slip Ware - befasste. Dieses Paper zeigt Ergebnisse und Best-Practices aus dem ASR3D-Projekt bezüglich der 3D-Messverfahren und Metadatenmodellierung[5], sowie der semantischen Fachdatenmodellierung[6], fachlichen Analyse[7] und Datenvisualisierung[8] und Datenbereitstellung[9].

Referenzen

[1] https://doi.org/10.1038/sdata.2016.18

[2] https://www.w3.org/DesignIssues/LinkedData.html

[3] https://cidoc-crm.org

[4] https://www.w3.org/TR/prov-o/

[5] https://doi.org/10.1186/s40494-021-00561-w

[6] https://doi.org/10.5281/zenodo.5642891

[7] https://doi.org/10.5281/zenodo.5646897

[8] http://ars3d.rgzm.de

[9] https://doi.org/10.5281/zenodo.5722941



Zur Erstellung von historischen Welten in Virtual Reality

Simon Deggim, Thomas Kersten

HafenCity Universität Hamburg, Deutschland

Geschichte wieder zum Leben zu erwecken, ist das große Ziel vieler Akteure im Bildungsbereich. Dies gilt nicht nur für Schulen, sondern auch für die Erwachsenenbildung: Immer mehr Museen entdecken digitale Tools für sich, da es immer einfacher wird, mit ihrer Hilfe Vergangenes wieder sichtbar zu machen. Visualisierungen von historischen Gebäuden, Denkmälern und Stätten geben Besucher/innen einen begreifbaren Eindruck, wie es einst aussah. Mit der virtuellen Realität (VR) lässt sich dieser Effekt verstärken. Anstatt die Rolle eines Betrachtenden einzunehmen, können die Besucher/innen dank der hohen Immersivität nun im wahrsten Sinne des Wortes in die Geschichte eintauchen. Diese Kombination zwischen Technologie und Wissensvermittlung bietet eine Menge neuer Möglichkeiten, Themengebiete erfahrbarer und zugänglicher zu machen sowie Anreize zu schaffen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

An der HafenCity Universität Hamburg wurden in den letzten Jahren viele Projekte dieser Art umgesetzt, insbesondere die Erstellung von historischen digitalen Städten (z.B. Bad Segeberg, Stade) und Stätten (z.B. Kaiserdom Königslutter). Dieser Beitrag ist ein Erfahrungsbericht und bietet eine Übersicht über den Workflow, der für die Erstellung der VR-Anwendungen angewandt wurde, angefangen bei der Datenbeschaffung über die Modellierung bis zur finalen Visualisierung und Programmierung der Anwendung und die Implementation in den Museen. Dabei werden verschiedene Konzepte vorgestellt und auf Fragestellungen eingegangen, die bei einer solchen VR-Entwicklung berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören u.a. die Abwägung zwischen wissenschaftlich-historischer Genauigkeit und der Erwartungshaltung an eine komplette, als real empfundene Welt, der Umgang mit großen Datenmengen und deren Auswirkung auf die Performance sowie Überlegungen zu den Anforderungen unterschiedlicher Zielgruppen.



Neue Untersuchungen der Weser-Runenknochen mittels Makrophotogrammetrie

Paul Kalinowski1, Both Frank2, Luhmann Thomas1, Warnke Ursula2

1Jade Hochschule, Oldenburg; 2Landesmuseum Natur und Mensch, Oldenburg

Die sogenannten Weserrunenknochen sind 1927 und 1928 vom Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg erworben worden. Es handelt sich dabei um sieben Tierknochen mit Bilddarstellungen und zum Teil auch Runeninschriften. Pieper (1991) stellte mit kriminaltechnisch-naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden einige Unterschiede zwischen verschiedenen Knochen fest. Die Ritzungen in den runenlosen Knochen – z. B. der mit Jagdszene oder Stierbild – erwiesen sich als Fälschung, wobei der echte Knochen als Vorlage gedient haben könnte, wie inhaltliche Vergleiche der Jagdszene bei Fälschung und Original verdeutlichen. Mit Hilfe photogrammetrischer Methoden werden die Weser-Runenknochen erneut untersucht. Die Ritzungen in den Knochen wurden mittels Makrophotogrammetrie dreidimensional rekonstruiert. Es lassen sich geometrische Unterschiede erkennen, die Piepers Untersuchungen hinsichtlich Original und Fälschung bekräftigen.

Im Vortrag wird zunächst auf den geschichtlichen Hintergrund der Weser-Runenknochen eingegangen. Anschließend wird die Aufnahme und Modellierung der Knochen aus technischer Sicht dargestellt. Abschließend erfolgt der geometrische Vergleich zwischen originalen und gefälschten Einritzungen in den Knochen.



Auswertung historischer Messbilder für die Bauforschung über Laserscannerdaten – St. Pantaleon in Köln

Jost-Michael Broser

Technische Hochschule Köln, Deutschland

St. Pantaleon ist eine der ältesten romanischen Kirchen in Köln. Die letzte große Umbauphase vor der teilweisen Zerstörung im 2. Weltkrieg erfolgte um 1890. Nach der Besetzung der Rheinlande durch Preußen diente sie als Garnisonskirche der Militärverwaltung, einige Jahrzehnte zusätzlich auch als Telegraphenstation. Die Unterlagen über den Umbau sind verloren gegangen, es existieren aber einige Messbildaufnahmen der 1885 gegründeten Preußischen Messbild-Anstalt. Einige dieser Bilder von 1889 (in dieser Zeit wurde auch der gerade fertiggestellte Kölner Dom mit über 170 Messbildern erfasst) zeigen die Kirche vor dem Umbau teilweise in einer barocken Formensprache, andere von 1892 ein rein (neo)romanisches Bauwerk. Besonders der westliche Teil hat die Kriegszerstörungen nahezu unbeschadet überstanden und stellt sich heute noch in dem Zustand von 1892 dar. Anstehende Sanierungsarbeiten führten 2018 zu der Dokumentation der Kirche mit Laserscanning und SfM. In diesem Vortrag wird untersucht, inwieweit sich die historischen Messbilder anhand der Laserscans orientieren lassen und ob sich die Abmessungen betreffende Aussagen über die vorherige Baugestalt aus den Messbildern von 1889 treffen lassen.



 
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