Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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6.3: Gesund altern: Neue Wege für Prävention und Versorgung (Kurzvorträge)
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Gesundheit älterer Menschen in Österreich Gesundheit Österreich GmbH, Österreich Hintergrund: Die steigende Lebenserwartung ermöglicht es lange aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Gleichzeitig steigt mit zunehmendem Alter das Risiko für chronische Erkrankungen, Multimorbidität, Demenz und funktionale Einschränkungen, was zu Unterstützungs- und Pflegebedarf führen kann. Um ein selbstständiges und gesundes Leben im Alter zu fördern aber auch eine bedarfsgerechte Versorgung der wachsenden älteren Bevölkerungsgruppe zu stärken braucht es daher einen gezielten Fokus auf die Gesundheit und Bedarfe der älteren Generation. Methode: Der Gesundheitsbericht stellt Sekundärdaten zu Verhältnis- und Verhaltensbezogenen Determinanten, dem Gesundheitszustand und der Versorgung von Menschen ab 65 Jahren nach diversen Parametern dar. Zudem beschreibt er Gesundheitsförderungsstrategien und -initiativen sowie von Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft im Rahmen von Online-Gruppendiskussionen diskutierte Maßnahmen für verschiedene Versorgungssettings. Ergebnisse: Die fernere Lebenserwartung beträgt mit 65 Jahren 18,4 Jahre für Männer und 21,6 Jahre für Frauen, jedoch wird nur etwa die Hälfte davon in guter Gesundheit verbracht. 70 Prozent der ab 80-Jährigen leiden an mehreren (chronischen) Erkrankungen zugleich, entsprechend komplex sind die gesundheitlichen Bedürfnisse, doch die Versorgung in Österreich ist oft fragmentiert und reaktiv. Negative Altersbilder kommen erschwerend hinzu und können zu altersdiskriminierenden Verhaltensweisen aber auch internalisierten Stereotypen führen. Geringe formale Bildung, oftmals verbunden mit niedrigem Einkommen, erhöht zudem u. a. das Risiko für chronische Erkrankungen, funktionale Einschränkungen und Depression und verringern die gesunden Lebensjahre. Schlussfolgerungen: Im Gesundheitsbericht werden Handlungsbedarfe auf mehreren Ebenen und Maßnahmenempfehlungen aufgezeigt, um ein gesundes Altern zu fördern und eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen – stets mit dem Fokus der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit. Zentral sind integrierte, interprofessionelle Versorgungsmodelle, die reibungslose Übergänge zwischen Versorgungsebenen sicherstellen und die funktionale Gesundheit und Selbstbestimmung fördern. Viele altersrelevante Erkrankungen können durch Gesundheitsförderungsmaßnahmen vermieden, verzögert oder positiv beeinflusst werden. Besonders wirksam ist etwa die Förderung positiver Altersbilder und die Stärkung sozialer Teilhabe, da Einsamkeit Morbidität und Mortalität erhöht und soziale Beziehungen schützend wirken. Selbstbestimmt Altern in der Steiermark – vom Konzept zur Umsetzung 1: EPIG GmbH - Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit; 2: Gesundheitsfonds Steiermark Hintergrund Die Gestaltung von Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Altern erfordert ein koordiniertes Zusammenspiel unterschiedlicher Politik- und Handlungsfelder. In der Steiermark wurde 2021 die Strategie „Selbstbestimmt Altern in der Steiermark“ (SASt) entwickelt, die einen ressortübergreifenden Ansatz verfolgt und neben Gesundheits- und Pflegeaspekten, Mobilität, Wohnen, Raumplanung, soziale Teilhabe und gesellschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigt. Ziel ist die nachhaltige Steigerung der Lebensqualität älterer Menschen in ihrem Lebensumfeld durch eine bessere Abstimmung bestehender Strategien, Programme und Maßnahmen auf Landes- und Gemeindeebene. Damit wird auch dem aktuellen Arbeitsübereinkommen der Steiermärkischen Landesregierung in diesem Punkt Rechnung getragen. Methode Die Umsetzung der Strategie erfolgt über ein strukturiertes Governance-Modell und wird wissenschaftlich begleitet. Zentrale methodische Elemente sind die Identifikation und Bündelung bestehender Maßnahmen in definierten Handlungsfeldern, die Erprobung der Umsetzung in ausgewählten Modellgemeinden bzw. -regionen mit einem partizipativen Ansatz. Dieser umfasst sowohl die Einbindung relevanter Institutionen (Landesabteilungen, Sozialversicherungsträger, Gemeinden, lokale Akteur*innen) als auch die aktive Beteiligung der Zielgruppe älterer Menschen mittels Interviews, Fokusgruppen und Mitwirkung in Arbeitsgruppen. Die Maßnahmenentwicklung erfolgt iterativ und orientiert sich an regionalen Bedarfen. Ergebnisse Die bisherige Arbeit zeigt ein hohes institutionelles Commitment sowie zahlreiche konkrete Anknüpfungspunkte zu bestehenden Strategien und Programmen auf Landes-, Bundes- und regionaler Ebene. Durch die Bündelung von Aktivitäten in thematischen Teilprojekten werden Synergien zwischen Bereichen wie Wohnen, Mobilität, Gesundheitsförderung, Betreuung und Pflege sowie Generationenarbeit sichtbar. Die Modellregionslogik ermöglicht eine evidenzbasierte Erprobung, Evaluation und Weiterentwicklung von Maßnahmen unter realen Bedingungen. Schlussfolgerung/Empfehlungen Die Umsetzung der Strategie Selbstbestimmt Altern in der Steiermark verdeutlicht das Potenzial eines ressortübergreifenden, partizipativen und ressourcenschonenden Ansatzes zur Förderung selbstbestimmten Alterns. Modellgemeinden und -regionen erweisen sich als geeigneter Rahmen für Lernen, Evaluation und Transfer. Für eine nachhaltige Wirkung wird empfohlen, partizipative Strukturen weiter zu stärken, die wissenschaftliche Begleitung zur Wirkungs- und Transferanalyse konsequent zu nutzen und erfolgreiche Maßnahmen schrittweise in die Regelstrukturen zu überführen. Associations between the American Heart Association’s Life’s Essential 8 and major aging-related health outcomes: a systematic review and meta-analysis 1: Medizinische Universität Innsbruck, Österreich; 2: Ignaz Semmelweis Institut, Österreich; 3: Department of Public Health and Primary Care, University of Cambridge, Vereinigtes Königreich Background: Cardiovascular disease (CVD) is the leading cause of death worldwide, with most cases attributable to modifiable risk factors. The American Heart Association’s Life’s Essential 8 (LE8) provides a comprehensive measure of cardiovascular health, but its associations with major health outcomes have not yet been systematically synthesized. Methods and results: We searched PubMed, Web of Science, EMBASE, ScienceDirect, and the Cochrane Library for prospective cohort studies published up to September 2025 evaluating LE8 in relation to health outcomes. Thirty-six publications from ten cohorts met inclusion criteria. Eight studies (N = 471,397; mean age 57.4; 54.2% female) contributed to the primary all-cause mortality analysis and seven to CVD mortality. The pooled hazard ratio per 10-point higher LE8 score was 0.82 (95% CI 0.79–0.84; I² = 58.1%) for all-cause mortality and 0.76 (95% CI 0.70–0.82; I² = 86.5%) for CVD mortality. Results were robust in sensitivity analyses. Across outcomes with limited studies precluding meta-analysis, higher LE8 scores were consistently associated with lower risks of CVD, coronary heart disease, myocardial infarction, stroke, heart failure, atrial fibrillation, diabetes, and vascular dementia, while in studies on Alzheimer’s dementia reported no significant associations. Conclusion: Higher adherence to LE8 was consistently linked to lower risks of all-cause and cardiovascular mortality and several major non-communicable diseases, underscoring its value as a comprehensive framework for prevention. Future research should focus on diverse and underrepresented populations and clarify the contributions of individual LE8 components to guide targeted interventions. PROSPERO registration: CRD420251005997 Digitale Innovationen in der Langzeitpflege - Lessons Learned aus dem EU-Projekt DigiCare4CE 1: Geriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz, Albert Schweitzer Institut für Geriatrie und Gerontologie; 2: Niederösterreichische Landesgesundheitsagentur, Initiative Healthacross Hintergrund: Der demografische Wandel stellt die Langzeitpflege vor Herausforderungen: Die Zahl der pflegebedürftigen älteren Menschen steigt, gleichzeitig fehlt qualifiziertes Personal. Digitale Innovationen haben das Potenzial Pflegekräfte zu entlasten sowie die Qualität der Versorgung zu verbessern, werden jedoch durch Ressourcenknappheit, unklare Verantwortlichkeiten und fehlende Innovationsstrukturen gehemmt. Das Interreg CENTRAL EUROPE Projekt „DigiCare4CE“ (03/2023 – 02/2026) untersuchte, wie Pflegeeinrichtungen neue Technologien erfolgreich auswählen, implementieren und nachhaltig in den Pflegealltag integrieren. Methode: Ausgehend von einer Literaturrecherche und der Analyse von Best-Practice-Beispielen aus Studienbesuchen wurde ein Modell zur Einführung digitaler Innovationen in der Langzeitpflege entwickelt. In acht Pilotaktionen (09/2023 – 02/2025) in sechs Ländern wurden Anwendungen wie digitale Informationssysteme, intelligente Sensoren, Wearables, Virtual Reality-Anwendungen oder mobile Applikationen in Pflegeheimen erprobt. Der Implementierungsfortschritt wurde durch Peer-Reviews begleitet. Das Monitoring und die Evaluation erfolgten mittels qualitativer und quantitativer Methoden unter Einbezug von Pflegekräften und Managementpersonal. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden in Leitfäden, praktischen Hilfsmitteln und Aktionsplänen zur Skalierung aufbereitet. Ergebnisse: Der erfolgreiche Einsatz digitaler Innovationen erfordert eine frühzeitige Bedarfsanalyse sowie kontinuierliche Einbindung relevanter Stakeholder (Pflegepersonal, Management, End-User, technische Partner). Co-Creation und iterative Pilotierungen fördern eine kontextsensitive Anpassung und erleichtern die Integration in bestehende Arbeitsabläufe. Förderliche Faktoren für Akzeptanz und nachhaltige Nutzung sind Bedienungsfreundlichkeit, Interoperabilität mit bestehenden Systemen sowie Berücksichtigung heterogener digitaler Kompetenzen der Mitarbeitenden. Peer-Learning Formate und transparente Kommunikation stärken das Vertrauen der Nutzenden. Digitale Lösungen, welche institutionell verankert sind, klare operative und strategische Ziele unterstützen und komplementär zur menschlichen Pflege eingesetzt werden, sind vielversprechend. Technologien, die den Betreuungsalltag abwechslungsreicher gestalten, ältere Menschen kognitiv und körperlich aktivieren, die Sicherheit erhöhen und administrative Prozesse effizienter gestalten stoßen auf hohe Akzeptanz. Schlussfolgerungen: Digitalisierung in der Langzeitpflege erfordert eine sozio-technische Herangehensweise. Neben adäquater technischer Infrastruktur ist ein strukturierter Change-Management-Prozess für nachhaltige Implementierung zentral. DigiCare4CE liefert Empfehlungen sowie praxisbasierte Instrumente, die Pflegeeinrichtungen bei zukünftigen Digitalisierungsprojekten unterstützen und eine Übertragbarkeit auf weitere Versorgungskontexte ermöglichen. Lust auf Reden. Gemeinsam für sexuelle Gesundheit! Sexuelle Gesundheit im Alter. Aids Hilfe Wien, Österreich Hintergrund Die Aids Hilfe Wien setzt seit 2022 die Kampagne Lust auf Reden. Gemeinsam für sexuelle Gesundheit! um. Im Jahr 2025 lag der Schwerpunkt auf sexueller Gesundheit (sGH) und Alter. Über die Gesundheit von älteren Menschen wird meist im Zusammenhang mit körperlicher Gesundheit geredet; die sGH wird vernachlässigt. Bei der Sexualität im Alter kommen zwei Tabuthemen zusammen: zunehmende Beschwerden, das Eingestehen der eigenen Endlichkeit sowie die Sexualität als gesellschaftliches Tabu. Dabei kann Sexualität in jedem Alter eine Quelle zur Förderung der Lebensqualität und der physischen und psychischen Gesundheit sein. „Erotik altert nicht, sie reift“. Methode Im Frühjahr 2025 wurde mit dem Aufbau von Kooperationen und Vernetzung sowie der Erstellung von Infomaterial begonnen. Das Fachforum diente außerdem der Vernetzung in diesem wichtigen Bereich, die der Fortsetzung des Schwerpunkts im Jahr 2026 dienen. Ergebnisse Auch wenn Einrichtungen die Angebote zu sGH und Alter nur zögerlich annahmen, konnten mit den Häusern zum Leben und den Wiener Pensionist*innenklubs wichtige Kooperationspartner*innen gefunden werden. Ab April 2025 wurden eine Fortbildung in einem Pflegeheim und zwei für Ärzt*innen durchgeführt. An diesen nahmen 76 Personen teil. In drei Pensionist*innenklubs wurden Workshops mit älteren Personen zur sexuellen Gesundheit umgesetzt. Insgesamt 46 Personen nahmen daran teil. Am 1. Dezember 2025 fand durch das Fachforum „Reife Lust“ eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema sexuelle Gesundheit im Alter statt. 71 Personen nahmen daran teil. Außerdem wurden eine Informationsbroschüre zu sGH und Alter und ein Poster gestaltet, die in Einrichtungen und bei Fortbildungen und Workshops verbreitet wurden. Schlussfolgerungen oder Empfehlungen Sexuelle Gesundheit im Alter ist ein vernachlässigtes Thema, dem mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Dass Interesse besteht, zeigt nicht zuletzt das rege Interesse am Fachforum und die Bereitschaft des Fördergebers und verschiedener Einrichtungen, auch 2026 an diesem Thema weiterzuarbeiten und auszubauen. Pop-up Care – Niederschwellige Förderung von Selbstfürsorge und Pflegekompetenz pflegender Angehöriger in ländlichen Regionen Albert Schweitzer Institut für Geriatrie und Gerontologie, Geriatrische Gesundheitszentren der Stadt Graz, Österreich Hintergrund In Anbetracht des demografischen Wandels und der rapiden Urbanisierung gewinnt ein zukunftsfähiges, gesundheitsförderliches Pflege- und Gesundheitssystem an Bedeutung. Pflegende Angehörige, die das Fundament des österreichischen Versorgungssystems darstellen, zählen zu den sozial benachteiligten und mehrfach belasteten Bevölkerungsgruppen und sind häufig von chronischer Erschöpfung, Stress und Isolation betroffen. Auch wenn es zahlreiche Entlastungs- und Unterstützungsangebote gibt, nimmt nur ein sehr geringer Teil pflegender Angehöriger professionelle Hilfe in Anspruch. Oftmals werden die eigenen Bedürfnisse hintenangestellt, Information über Angebote fehlen oder die Zeitressourcen sind zu gering. Methodik Vor diesem Hintergrund verfolgt das Projekt „Pop-up Care – gemeinsam stark im häuslichen Betreuungsalltag“ der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz das Ziel, pflegende Angehörige durch aufsuchende Informations- und Beratungsangebote gezielt zu empowern. Zwischen März und Juni 2026 werden in zwei steirischen Regionen Pop-up Events durchgeführt, welche praxisnahe Schulungsinhalte, Beratung und gezielte Mikrointerventionen zur Selbstfürsorge bieten können. Ergebnisse Es wird erwartet, dass die Durchführung von Pop-up Events die Sichtbarkeit bestehender Kursangebote erhöht, Interesse weckt und zur aktiven Auseinandersetzung pflegender Angehöriger mit ihrer individuellen Situation anregt. Der Pop-up Stand hat das Potential, insbesondere in ländlichen Regionen zur Stärkung von Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge dieser vulnerablen Zielgruppe beizutragen. Die Ergebnisse zur Reichweite und zum wahrgenommenen Nutzen des Projekts liegen im August 2026 vor. Schlussfolgerungen/Empfehlungen Eine Verknüpfung von Projekten wie „Pop-up Care“ mit bestehenden Initiativen, etwa mit Community Nurses, kann Synergieeffekte schaffen und die regionale Versorgung nachhaltig stärken. Zudem bietet die zunehmende Digitalisierung das Potenzial, Informations- und Schulungsangebote über räumliche Distanzen hinweg, nutzen zu können. Langfristig soll Pop-up Care einen Beitrag zur Verringerung sozialer Isolation leisten und die Umsetzung des Sustainable Development Goals „Gesundheit und Wohlergehen“ unterstützen. | |