Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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5.3: Gesundheitskompetenz vermitteln: Innovative Ansätze in der Ausbildung und Praxis (Kurzvorträge)
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Blended Intensive Programme „Global Health“: Entwicklung interprofessioneller Kompetenzen für komplexe globale Gesundheitsherausforderungen FH Joanneum GmbH, Österreich Hintergrund Globale Gesundheitsherausforderungen wie Klimawandel, Migration, demografischer Wandel und soziale Ungleichheiten sind komplex und erfordern Zusammenarbeit über Berufs- und Ländergrenzen hinweg. Die Professionist:innen im Gesundheits- und Sozialbereich Kompetenzen entwickeln, die über die rein fachliche Expertise hinausgehen. Hierzu zählen Systemdenken, interkulturelle Kompetenz sowie die Fähigkeit zur kooperativen Problemlösung. Das Blended Intensive Programme (BIP) „Global Health: Developing Interprofessional Competences for Complex Global Health Challenges“ orientiert sich an den Sustainable Development Goals (SDGs) und fördert im globalen Bewusstsein, Nachhaltigkeit und interprofessionelle Zusammenarbeit mit dem Ziel, Studierende auf globale Gesundheitsherausforderungen vorzubereiten. Methode Nach einer vorbereitenden Onlinephase folgte eine intensive fünftägige Präsenzphase in Graz, in der in vier Schritten innovative Lösungsansätze zu globalen Gesundheitsproblemen erarbeitet wurden. Lernaktivitäten umfassten Vorlesungen, Workshops, Gruppenarbeit und Peer-Learning zu Themen wie demografischer Wandel, Migration, Diversität, Digitalisierung, psychische Gesundheit, Klimawandel und Gesundheitskompetenz. Die Evaluation erfolgte anhand strukturierter Rückmeldungen von Lehrenden und Studierenden, Reflexionen, sowie Rückmeldungen zu den Gruppenpräsentationen der finalen Projektvorschläge. Ergebnisse In diesem BIP waren 35 Studierende und 9 Lehrende aus 7 europäischen Hochschulen aus den Bachelorstudiengängen Physiotherapie, Pflege, Ergotherapie, Pharmazie und Sozialarbeit beteiligt Die Evaluation mittels strukturierter Rückmeldungen und Reflexionen zeigte einen deutlichen Wissens- und Kompetenzzuwachs. Studierende stärkten ihre interprofessionellen, kommunikativen, kritischen und interkulturellen Fähigkeiten. Konkrete und nachhaltige Projektvorschläge zu Themen wie psychischer Gesundheit Jugendlicher, Bewegungsmangel, Adipositas, sozialer Isolation älterer Menschen und Auswirkungen sozialer Medien wurden erarbeitet. Empfehlungen Das BIP zeigt, dass interprofessionelle, und internationale Lernformate wirkungsvoll zur Public-Health-Bildung beitragen. Sie befähigen Studierende, globale Gesundheitsherausforderungen aus einer präventiven, systemischen und gesundheitsfördernden Perspektive zu betrachten. Durch das gewählte Lehr- und Lernformat werden kontinuierliches Lernen, Reflexion und ein Verständnis für gesundheitliche Chancengleichheit gefördert. Künftig sollte das BIP-Modell in Curricula der Gesundheits- und Sozialberufe integriert werden, um Public-Health-Kompetenzen zu stärken. Es bietet ein übertragbares, SDG-orientiertes Bildungsmodell für nachhaltige und inklusive Gesundheitsversorgung. Lehrgang „Gesundheitskompetenz und Gesundheitsförderung“ für Gesundheitseinrich-tungen Gesundheit Österreich GmbH, Österreich Hintergrund Gesundheitseinrichtungen sind wichtige Orte für gesundheitsbezogene Kommunikation, Information und Beziehungsaufbau. Sie haben daher eine Verantwortung, Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz aktiv in ihre Organisationsstrukturen zu integrieren. Die Mitarbei-tenden spielen in diesem Prozess eine zentrale Rolle, da sie sowohl die Treiber als auch die Vermittler von Veränderungen innerhalb ihrer Einrichtungen sind. Aus diesem Grund hat die Gesundheit Österreich in Kooperation mit der Österreichischen Plattform Gesundheitskompe-tenz (ÖPGK) und dem Österreichischen Netzwerk Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen (ONGKG) einen Lehrgang für Personal in Gesundheits- und Pflegeein-richtungen entwickelt. Die Entwicklung und Pilotierung des Lehrgangs wurde aus den Mitteln der Agenda Gesundheitsförderung des Gesundheitsministeriums finanziert. Methoden Der Lehrgang besteht aus mehreren Lehreinheiten, die Kernkonzepte und Methoden der Gesundheitskompetenz und Gesundheitsförderung behandeln. Zu den Komponenten gehören die Einführung von Standards (HPH und M-POHL), praktische Workshops (z. B. Kommunikation, Gute Gesundheitsinformation, tabakfreie/altersgerechte Gesundheitseinrichtungen), eine Übung zur Navigation durch Gesundheitseinrichtungen und eine angeleitete Gruppenprojektarbeit. Die Pilotierung und Evaluation des Lehrgangs fand von März bis Juni 2026 statt. Im Rahmen der Evaluation wurden der Wissenszuwachs und die Zufriedenheit der Teilnehmer:innen sowie deren Vorschläge zur Weiterentwicklung des Lehrgangs mittels qualitativer und quantitativer Methoden erhoben. Ergebnisse Die Teilnehmer:innen erwerben im Lehrgang praktische Instrumente zur Umsetzung organisato-rischer Veränderungen. Gruppenprojekte liefern übertragbare Konzepte für die lokale Implementierung. Zu den erwarteten Ergebnissen gehören verbesserte Kompetenzen der Mitarbeiter:innen und konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz und Gesundheitsförderung. Die Präsentation stellt Erfahrungen aus der Umsetzung sowie zentrale Ergebnisse der Evaluation dar. Schlussfolgerungen Ein strukturierter, kompetenzbasierter Lehrgang für interne Change Agents fördert die nachhaltige Umsetzung von Prinzipien der Gesundheitskompetenz- und Gesundheitsförderung. Durch die direkte Einbettung von Kompetenzen und Projekten in die Institutionen reduziert das Programm die Abhängigkeit von externer Unterstützung und gewährleistet einen kontinuierli-chen Kapazitätsaufbau. Stärkung von Lebens- und Gesundheitskompetenz durch „LEBENSFREUDE – im Alltag tun, was gut tut“ fh gesundheit (Tirol), Österreich "Gesundheit entsteht dort, wo Menschen leben (...)" (WHO, 1986). Das Programm LEBENSFREUDE - im Alltag tun, was gut tut® wurde von 2015 bis 2025 mit der Intention, Gesundheit und Gesundheitskompetenz von Menschen in einer Verbindung von Einzel- und Gruppensetting nachhaltig zu stärken, konzipiert, nach wiederholter Pilotierung in unterschiedlichen Settings implementiert und fortlaufend evaluiert. Ziele dieses aus acht Basismodulen bestehenden ergotherapeutisch-handlungswissenschaftlichen Programms sind die Stärkung persönlicher Ressourcen im Kontext einwirkender Gesundheitsdeterminanten. Dadurch gewonnene Gesundheitskompetenz lässt psychische Belastungen und physische Defizite positiv beeinflussen und die biopsychosoziale wie Betätigungsgesundheit und Lebensqualität fördern. Dieses Angebot ist für Menschen aller Lebensalter relevant - insbesondere in Übergangssituationen: bei Aufnahme in eine andere Wohn- oder Betreuungsform; bei Lebensübergängen wie Elternschaft, Pensionierung; in der Auseinandersetzung mit einer psychischen oder körperlichen Gesundheitsproblematik und dem Ausloten von Verwirklichungschancen. Ursprünglich konzipiert für Senior:innen, wurde das evidenzbasierte, alltags-, handlungs- und ressourcenorientierte Programm mittlerweile für unterschiedliche Zielgruppen weiterentwickelt und evaluiert. In diesem Beitrag sollen empirisch identifizierte Wirkfaktoren vorgestellt werden, die auch Impulse für andere Angebote im Bereich Gesundheitsförderung und Stärkung der Gesundheitskompetenz geben. Costa, U., Tilch, E., Pasqualoni, P.P. (2025). „Wie wichtig das ist: Etwas tun, was glücklich macht“. Förderung von Gesundheit und Lebenskompetenzen von Senior:innen durch das ergotherapeutische Programm LEBENSFREUDE – im Alltag tun, was gut tut®. Prävention und Gesundheitsförderung, Springer Nature. https://doi.org/10.1007/s11553-025-01261-0 Pavlu, V. & Ripper, B. (2015). „Tatkraft“- Gesundheitsförderung durch sinnvolle Handlung für SeniorInnen in Tirol. Innsbruck, fh gesundheit, Masterlehrgang Master of Science in Ergotherapie: Masterarbeit. Rabitsch, J. (2025). Stärkung von Gesundheits- und Lebenskompetenzen von Menschen im erweiterten Maßnahmenvollzug durch das ergotherapeutische Programm LEBENSFREUDE – im Alltag tun, was gut tut®. (Masterarbeit, fh gesundheit). https://bond.azw.ac.at/opacdata/0010072233.pdf Evidenzinformierter Anforderungskatalog für gruppenbasierte Formate zur Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz in Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung (SIGGS) Universität für Weiterbildung Krems Hintergrund: 40 Jahre nach der Ottawa-Charta, die Gesundheitsförderung als Befähigung von Menschen definierte auf die Determinanten ihrer Gesundheit Einfluss zu nehmen, bleibt die Stärkung der Gesundheitskompetenz ein zentrales Gesundheitsziel in Österreich (Gesundheitsziel 3). Rund die Hälfte der Bevölkerung stuft ihre individuelle Gesundheitskompetenz als limitiert ein. Gruppenbasierte Formate gelten als vielversprechender Ansatz zur Stärkung individueller Gesundheitskompetenz, jedoch fehlt ein evidenzinformierter Anforderungskatalog für deren Konzeption und Umsetzung. Dieses Projekt hat das Ziel diese Implementierungslücke zwischen Gesundheitsziel und Praxis bei der Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz in gruppenbasierten Schulungsformaten sektorenübergreifend für Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung zu schließen. Methode: Ausgehend vom transdisziplinären Modell der evidenzbasierten Praxis (Satterfield) berücksichtigt das Projekt (1) die Erfahrungen der Praktiker:innen (8 leitfadengestützte Expert:innen-Interviews, ausgewertet mittels deduktiv-induktiver Kodierung entlang des Donabedian-Frameworks und eines Wirkmodells für Gesundheitskompetenz), (2) die wissenschaftliche Evidenz (sowohl systematische Suche in Medline, Web of Science und ERIC mit 1.606 Treffern als auch grauer Literatur von zehn internationalen Organisationen (u.a. WHO, CDC, NICE)) und (3) die Planenden bzw. Umsetztenden von gruppenbasierten Programmen im Rahmen von Workshops. Die Integration erfolgt mittels Best Fit Framework Synthesis, bei der das expert:innenbasierte Kodesystem als a priori Framework für die Literaturintegration dient. Ergebnisse: Das Projekt identifiziert Anforderungen in allen drei Donabedian-Dimensionen: Strukturanforderungen (u.a. Gruppenmerkmale, Kompetenzen der Schulenden, Setting, interprofessionelle Vernetzung), Prozessanforderungen (u.a. Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung mit Querschnittsthemen wie Partizipation, Alltagsrelevanz und Zielgruppenanpassung) und Ergebnisanforderungen (u.a. Selbstwirksamkeit, Informationskompetenz, Empowerment). Partizipation und Empowerment-Orientierung zeigen hohe Konvergenz zwischen Praxiswissen und Literaturevidenz über alle drei Bereiche hinweg. Der Katalog differenziert zwischen sektorenübergreifenden Basisanforderungen und bereichsspezifischen Anforderungen für Gesundheitsförderung, Prävention und Versorgung. Schlussfolgerungen: Der Anforderungskatalog schließt die Implementierungslücke zwischen dem österreichischen Gesundheitsziel 3 und der Praxis gruppenbasierter Interventionen zur Stärkung der individuellen Gesundheitskompetenz. Er bietet Planenden, Umsetzenden und Fördergebern erstmals eine sektorenübergreifende, evidenzinformierte Orientierungsgrundlage und unterstützt die Qualitätsentwicklung im Rahmen der Gesundheitsförderungsstrategie sowie eine systematische Qualitätssicherung von Fördermaßnahmen. Trauma-Informed Teaching in Higher Education als Ansatz der Public Mental Health. Erste Erkenntnisse aus dem Erasmus+ Projekt STEP 1: FH JOANNEUM, Graz, Österreich; 2: Savonia University of Applied Sciences, Kuopio, Finnland; 3: Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, Deutschland; 4: Institute for Migration and Ethnic Studies, Zagreb, Kroatien; 5: Khmelnytskyi National University, Chmelnyzkyj, Ukraine In europäischen Hochschulen lernen zunehmend Studierende, die durch Krieg, Flucht oder andere Krisen potenziell traumatisierende Erfahrungen gemacht haben (Statistik Austria 2025; Studo & Instahelp 2026). Diese Belastungen können sich in Stress, Angst und weiteren traumaassoziierten Folgen äußern und sowohl Lernprozesse als auch das psychische Wohlbefinden beeinträchtigen. Hochschulen stehen damit vor der Herausforderung, Lehre nicht nur als Bildungs-, sondern auch als gesundheitsrelevantes Setting zu gestalten. Das Erasmus+ Projekt STEP – Supporting Trauma-Informed Teaching in Higher Education adressiert diese Herausforderung aus einer Public-Mental-Health-Perspektive. Trauma-informed teaching baut auf Konzepten der trauma-informed care auf, die seit 2011 an Bedeutung gewinnen und darauf abzielen, die Auswirkungen von Trauma anzuerkennen sowie physische, psychische und emotionale Sicherheit zu fördern (Stromberg 2023; Hui et al. 2023). Obwohl trauma-informierte Ansätze als wirksamer Rahmen zur Bewältigung belastungsbezogener Herausforderungen gelten (Henshaw 2022), ist ihre Anwendung im Hochschulbereich bislang wenig systematisch erforscht und umgesetzt. Der Beitrag kombiniert die Ergebnisse einer bis Februar 2026 laufenden Scoping Review zum Forschungsstand zu trauma-informierter Lehre mit Ergebnissen einer zwischen April und Juni 2026 durchgeführten quantitativen Befragung von Hochschullehrenden und Studierenden in Österreich. Die Scoping Review zielt darauf ab, systematisch zu erfassen, in welchen Disziplinen, Kontexten und mit welchen Schwerpunkten trauma-informierte Lehransätze in Europa bislang erforscht wurden. Erwartet wird, dass sich die bestehende Literatur vor allem auf pädagogische Ausbildungsfelder konzentriert und hochschulweite Implementierungsstrategien bislang kaum systematisch adressiert werden (Henshaw 2022). Die geplante österreichische Befragung von Hochschullehrenden und Studierenden (April–Juni 2026) soll ergänzend Einblicke in den Status quo von Wissen, Einstellungen, wahrgenommenen Praktiken sowie Bedarfen und Umsetzungsbarrieren zur Thematik liefern. Der Beitrag argumentiert, dass trauma-informed teaching als strukturpräventiver Ansatz der Public Mental Health im Hochschulsetting verstanden werden sollte. Damit leistet die Studie einen Beitrag zur Weiterentwicklung inklusiver, chancengerechter und gesundheitsfördernder Hochschulen im Kontext globaler Krisen. Gesundheitsfachkräfte als Changemaker: Partizipation, Vorbildwirkung und Selbstwirksamkeit für Planetary Health Physicians Association for Nutrition Deutschland e.V., Österreich Gesundheitsfachkräfte genießen hohes Vertrauen und verfügen über eine besondere Hebelwirkung an der Schnittstelle von Forschung, Praxis, Politik und Gesellschaft. Gleichzeitig zeigt sich in vielen Bereichen von Public Health eine wachsende Kluft zwischen Wissen und Handeln – sowohl auf individueller als auch auf systemischer Ebene. Der Workshop setzt hier an und verbindet die Leitmotive „Nothing about us without us“ und Planetary Health mit der Frage, wie Gesundheitsfachkräfte nicht nur Adressat:innen von Strategien, sondern aktive Gestalter:innen von Veränderung werden können. Im Vortrag wird aufgezeigt, wie Gesundheitsfachkräfte in ihrer Vorbildrolle und durch gezielte Kompetenzentwicklung als Changemaker wirksam werden können – für einen gesunden Lebensstil, nachhaltige Ernährungssysteme und gesundheitsfördernde Umgebungen. Als Praxisbeispiel dient das Multiplikator:innen-Programm „PAN Impact Lab – Für Wirkung in Medizin und Gesellschaft“, das Gesundheitsfachkräfte über einen Train-the-Trainer-Ansatz zu sichtbaren Stimmen für Planetary Health qualifiziert. Vorgestellt werden zentrale Learnings aus der ersten Kohorte sowie daraus abgeleitete Zukunftsimplikationen für Public Health, Forschung und Policy. Der Vortrag reflektiert über verfügbare Handlungsspielräume für Gesundheitsfachkräfte, die Bedeutung erlebter Selbstwirksamkeit aber auch die Grenzen dieser sowie Barrieren im System. Es werden Erfolgsfaktoren, notwendige Rahmenbedingungen und Weiterentwicklungen von Changemaker-Ansätzen im Public-Health-Kontext betrachtet. Es sollen konkrete Ideen vermittelt werden, wie Changemaker-Programme zur Stärkung von Partizipation, Selbstwirksamkeit und Public Health beitragen können. Abschließend wird ein Set an Empfehlungen für Forschung, Praxis und Ausbildung mitgegeben, um Gesundheitsfachkräfte systematisch als Akteur:innen des Wandels einzubinden. | |