Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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5.2: Gesundheit vor Ort: Gemeinden und Communities stärken (Kurzvorträge)
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„Auf gesunde Nachbarschaft!“ - mit Caring Communities zu mehr gesundheitlicher Chancengerechtigkeit Gesundheit Österreich GmbH Hintergrund Gemeinden und Städte stehen vor der großen Herausforderung, den steigenden Bedarf an Gesundheitsförderung, Pflege und Betreuung sowie dem Management von chronischen Erkrankungen (z.B. Demenz) zu erfüllen. Viele Kommunen können dem Anspruch, ihren Bewohner:innen die entsprechenden Angebote vernetzt, niederschwellig und bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen, nur schwer nachkommen. Besonders für Bürger:innen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status bzw. ausgrenzungs- oder armutsgefährdete Personengruppen braucht es leicht zugängliche, diskriminierungsfreie Angebote und neue, vielfältige Möglichkeiten der Teilhabe. Das Konzept „Caring Community“ ist eine Möglichkeit für Städte und Gemeinden, diesen Anforderungen mit einem integrierten Ansatz zu begegnen und neue – alter(n)sfreundliche – Umgebungen zu schaffen. Methode Mit der Initiative „Auf gesunde Nachbarschaft!“ legt der FGÖ seit 2012 einen Fokus auf die Förderung des Zusammenhalts in der Nachbarschaft. In der vierten Phase (2022-2024) wurden neun Projekte gefördert, begleitet und übergreifend evaluiert. Im Rahmen der Praxisprojekte wurde anhand der Konzepte „Caring Communities“ und „Partizipations- und generationenfreundliche Städte und Gemeinden“ erprobt, wie der soziale Zusammenhalt und die gesundheitliche Chancengerechtigkeit im unmittelbaren Lebensumfeld mit Fokus auf ältere Menschen verbessert werden können. Die Projekte bauten dabei auf umfassende Lernerfahrungen und Evaluationsergebnissen der vorangegangenen Initiativenphasen sowie dem „Wirkmodell kommunale Gesundheitsförderung“ auf. Ergebnisse Im Rahmen der Projekte konnten mit 1.769 Aktivitäten rund 56.000 Personen erreicht werden. Damit wurde eine Vielzahl an praktischen Umsetzungsmaßnahmen erprobt, um ältere Menschen – und besonders auch vulnerable Personengruppen – zu erreichen. Neben Erfolgen wurden dabei auch Herausforderungen sichtbar. Darauf aufbauend wurden im Rahmen der übergreifenden Evaluationen wesentliche Aspekte identifiziert, welche sich als besonders unterstützend erwiesen. Die Erkenntnisse flossen in die Entwicklung des Modells „Kommunale Gesundheitsförderung für gesundes Altern – Caring Communities“ ein. Schlussfolgerungen Unter Berücksichtigung von u.a. lokalen Strukturen und Zielgruppenorientierung kann das Konzept „Caring Communities“ einen wichtigen Beitrag zur Förderung des sozialen Zusammenhalts und zur Erreichung vulnerabler Zielgruppen leisten. Es hat sich als methodischer Ansatz in der kommunalen Gesundheitsförderung bewährt. Gemeinschaft stärken, Einsamkeit reduzieren, Gesundheit fördern: Das Projekt "Bleibt verbunden! Für die Gemeinschaft und sich selbst Gesundheit fördern“ macht es möglich FH Kärnten gemeinnützige Gesellschaft mbH, Österreich Hintergrund: Einsamkeit ist ein globales Public-Health-Problem und betrifft sowohl ältere Menschen als auch zunehmend junge Erwachsene (Leigh-Hunt et al., 2017). Die negativen Auswirkungen von Einsamkeit sind gut erforscht (Shovestul et al., 2020). In Kärnten verschärfen ländliche Strukturen, geringe Mobilität und fehlende Studierendenzentren die Situation. Das Projekt „Bleibt verbunden!“ setzt hier an: Es vernetzt Settings, stärkt Unterstützungsstrukturen, aktiviert Change Agents und fördert Gesundheitskompetenz. Damit greift es zentrale Prinzipien der Ottawa-Charta (WHO, 1986) und der Okanagan-Charta (2015) auf – nämlich gegenseitige Unterstützung, gemeinschaftliches Handeln und gesundheitsorientierte Lernräume. Methode: Das Projekt adressiert zentrale Forderungen der Gesundheitsförderung auf allen drei Ebenen des Capacity Buildings (Nickel & Trojan, 2024). Ein interdisziplinäres Team entwickelt ein Schulungsprogramm zur Ausbildung von Community Health Promotors (CHPs) aus Studierenden, Gemeindevertreterinnen, Gesundheitsanbieterinnen und Senior*innen. Die Basisausbildung umfasst sechs Module à 4 Unterrichtseinheiten (UE) und vermittelt Kompetenzen zur Erkennung gesundheitsbelastender Herausforderungen, zur Nutzung von Ressourcen, zur Förderung sozialer Unterstützung und Teilhabe sowie zur Stärkung von Empathie und Wertschätzung. Ein Spezialmodul „Transfer in die Praxis“ (15 UE) begleitet die Umsetzung eigener Projekte in verschiedenen Settings. Ergebnisse: Erwartet werden eine Stärkung der Gesundheitskompetenz, der Aufbau nachhaltiger Unterstützungsnetzwerke sowie Praxisprojekte, die soziale Teilhabe fördern und Modelle guter Praxis hervorbringen. Leigh-Hunt, N., Bagguley, D., Bash, K., Turner, V., Turnbull, S., Valtorta, N. et al. (2017). An overview of systematic reviews on the public health consequences of social isolation and loneliness. Public Health, 152, 157–171. https://doi.org/10.1016/j.puhe.2017.07.035 Nickel, S. & Trojan, A. (2024). Capacity Building / Kapazitätsentwicklung. https://doi.org/10.17623/BZGA:Q4-i007-3.0 Okanagan Charter. (2015). Okanagan Charter. An international charter for health promoting universities & colleges. Kelown, British Columbia, Canada.: Retrieved from http://www.healthpromotingcampuses.ca/wp-content/uploads/2016/11/Okanagan-Charter-January13v2.pdf. Shovestul, B., Han, J., Germine, L. & Dodell-Feder, D. (2020). Risk factors for loneliness: The high relative importance of age versus other factors. PloS One, 15(2), e0229087. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0229087 WHO (1986). Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung, 1986. Weltgesundheitsorganisation. Regionalbüro für Europa. https://iris.who.int/handle/10665/349654 Aktive Mobilität im ländlichen Raum fördern – Ergebnisse der partizipativen Aufbauphase des Projekts „GEHmeinde in Bewegung“ Hochschule für Angewandte Wissenschaften Burgenland GmbH, Österreich Hintergrund: Aktive Mobilität leistet einen Beitrag zur Prävention chronischer Erkrankungen, zur Förderung psychischer Gesundheit sowie zur Reduktion von CO₂-Emissionen (WHO, 2023). Internationale Studien zeigen jedoch, dass insbesondere in ländlichen Regionen autozentrierte Raumstrukturen, subjektive Sicherheitsbedenken sowie eine geringe Gesundheitskompetenz zentrale Barrieren darstellen. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt „GEHmeinde in Bewegung“ initiiert, um aktive Mobilität als gesundheits- und klimaförderliche Alltagsressource in ländlichen Gemeinden zu stärken. Methode: Ziel des Projekts ist die Förderung aktiver Mobilität zur Stärkung von Gesundheit, Klimaresilienz und Lebensqualität. Das Projekt ist im Sinne der partizipativen Gesundheitsforschung konzipiert, wobei der Diagnose und Planung, welche in der Aufbauphase stattfinden, zentrale Rollen zukommen. Diese dienen der Analyse von Bedarfen, Barrieren und Ressourcen in den beteiligten Gemeinden und bilden die Grundlage für die partizipative Planung von Maßnahmen. Methodisch orientiert sich das Projekt am Public-Health-Action-Cycle und wird durch theoretische und sozialökologische Ansätze ergänzt. Ergebnisse: Das Projekt befindet sich in der partizipativen Aufbauphase und kombiniert quantitative und qualitative Methoden, darunter Austauschformate, Statuschecks, Fragebogenerhebungen sowie Interviews. Erste Ergebnisse zeigen eine grundsätzlich positive Einstellung zur aktiven Mobilität. Kurze Alltagswege werden häufig zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, während das Auto insbesondere für Einkaufs- sowie Hol- und Bringdienste dominiert. Als Barrieren werden Sicherheitsdefizite, eine eingeschränkte Alltagswegerreichbarkeit sowie Mobilitätsnormen identifiziert. Gleichzeitig werden Bedarfe wie sichere Querungen, barrierefreie Gehwege, der Ausbau von Radwegen sowie bessere Orientierung von der Bevölkerung genannt. Trotz Barrieren ist das Bewusstsein für die gesundheitlichen Vorteile aktiver Mobilität hoch. Bestehende lokale Netzwerke, schulische Multiplikator*innen und generationenübergreifende Lernräume werden als zentrale Potenziale für die Projektumsetzung sichtbar. Schlussfolgerungen: Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass zwar ein Bewusstsein für die Bedeutung aktiver Mobilität in ländlichen Gemeinden besteht, die tatsächliche Umsetzung im Alltag jedoch von strukturellen, sozialen und verhaltensbezogenen Rahmenbedingungen geprägt ist. Für die nachhaltige Verankerung aktiver Mobilität im Alltag ist eine partizipative, gemeindespezifische Herangehensweise erforderlich, um bestehende Potenziale gezielt zu nutzen. Die Bewegungsrevolution Bewegungsland Steiermark gGmbH, Österreich Titel: Die Bewegungsrevolution – Niederschwellige Alltagsbewegung als Motor für mehr gesunde Lebensjahre in der Steiermark Hintergrund / Problemstellung: Regelmäßige Bewegung ist ein zentraler Faktor zur Erhaltung von Gesundheit, dennoch bewegen sich große Teile der Bevölkerung zu wenig. In der Steiermark besteht ein klarer Handlungsbedarf, um Alltagsbewegung zu fördern und gesundheitliche Chancenungleichheiten zu verringern. Mit dieser Zielsetzung wurde 2023 die Bewegungsrevolution initiiert — eine vom Gesundheitsfonds Steiermark in Kooperation mit ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION entwickelte Initiative, die Bewegung niederschwellig, freudvoll und alltagsnah zugänglich machen soll. Methode: Die Bewegungsrevolution folgt einem Whole of Community Ansatz, bei dem Gemeinden, Vereine, Bildungseinrichtungen und Einzelpersonen aktiv eingebunden werden. Umgesetzt wird dies durch die Stärkung bestehender Bewegungsangebote, die Förderung innovativer Mitmachprojekte sowie durch landesweite Aktionen wie die Tour de Steiermark, die bewegteste Gemeinde und partizipative Gemeindewettbewerbe. Ergänzend setzt die Initiative digitale Elemente wie die Bewegungsrevolution App ein, die über Gamification, Stempelpässe und Challenges Motivation schafft. Ergebnisse: Die Initiative erreicht breite Bevölkerungsgruppen — Kinder, Jugendliche, Familien, Erwachsene und ältere Menschen — insbesondere auch Personen, die bisher wenig Zugang zu Bewegung hatten. Niederschwellige Angebote vor Ort erleichtern den Einstieg in regelmäßige Aktivität, während digitale Tools zusätzliche Motivation bieten. Die Maßnahmen zeigen hohe Akzeptanz, stärken die Gesundheitskompetenz der Gemeinden und fördern soziale Teilhabe. Schlussfolgerungen / Empfehlungen: Die Bewegungsrevolution stellt ein wirksames Modell zur Förderung von Alltagsbewegung dar und lässt sich in der Public Health Landschaft klar verorten: Sie vereint Gesundheitsförderung nach Ottawa Charta mit modernen Motivationsstrategien und adressiert Inklusion sowie Chancengerechtigkeit. Ihre übertragbaren Strukturen bieten Potenzial für andere Regionen Österreichs und internationale Gesundheitsförderungsprogramme. Raus auf die Straßen! – Gemeinsam zu mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum Styria vitalis, Österreich Hintergrund Das vom Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) geförderte Projekt Raus auf die Straßen! – Gemeinsam zu mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum (01. 05. 2025 bis 31. 10. 2027) wird partnerschaftlich von den drei Organisationen Marktgemeinde Gleinstätten, KEM & KLAR! Modellregion Sulmtal-Sausal und Styria vitalis umgesetzt. Ziel ist, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum für alle Bevölkerungsgruppen der Marktgemeinde Gleinstätten zu erhöhen. Dabei findet der auf Menschen ausgerichtete Healthy Streets-Ansatz (© Lucy Saunders) Anwendung, der an der Durchzugsstraße des Ortes erprobt wird. Auch die Gestaltung einer klimafitten und -resilienten Lebensumwelt spielt dabei eine Rolle. Zudem soll das Projekt Gemeindeverantwortliche unterstützen, Knowhow zu den Kriterien einer Healthy Street aufzubauen und diesen Ansatz nachhaltig in die örtliche Entwicklung zu integrieren. Methode Das Projekt setzt auf Partizipation: Alle BürgerInnen sind dazu eingeladen, diese Straßenabschnitte mittels eines Online-Fragebogens zu bewerten. Der Fragebogen orientiert sich an zehn evidenzbasierten Indikatoren des Healthy Streets-Ansatzes. Auch qualitative Rückmeldungen sind möglich. In einer Beteiligungsgruppe erarbeiten 16 BürgerInnen Ideen und Vorschläge, damit der Straßenraum sicherer und attraktiver für alle wird: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, mit Gehhilfen etc.. Im Format BürgerInnen-Dialog werden Umsetzungsschritte des Projektes immer wieder öffentlich diskutiert. Ideen und Vorschläge zur alternativen Gestaltung und Nutzung des Straßenraumes werden von engagierten BürgerInnen selbst umgesetzt oder in einen Gestaltungsplan eingearbeitet, der von einem Verkehrsplaner und einer Landschaftsplanerin erstellt wird. Ab Herbst 2026 und bis Projektende werden alternative Gestaltungs- und Nutzungsideen im Straßenraum erprobt. Ergebnisse Angestrebt wird eine Bewusstseinsbildung bei BürgerInnen und PolitikerInnen, dass öffentlicher Raum auch Healthy Streets-Kriterien entsprechen soll. Der Healthy Streets-Ansatz soll in der Marktgemeinde Gleinstätten nachhaltig verankert werden. Ein Handlungsleitfaden wird erstellt. Schlussfolgerungen Die Gestaltung des öffentlichen Raumes nach Kriterien des Healthy Streets-Ansatzes betrifft unterschiedliche Kompetenzbereiche einer Gemeinde: Raumplanung, Verkehr, Gesundheit und Soziales. Eine stringente Zusammenarbeit und Unterstützung aus all diesen Bereichen ist für eine Projektumsetzung erforderlich. Auf dem Weg: von der Analyse zu Maßnahmen der Community Readiness für aktive und klimafreundliche Mobilität in ländlichen Gemeinden FH JOANNEUM, Österreich 1. Problemstellung Viele Empfehlungen zur Steigerung der aktiven Mobilität unterstützen lokale Entscheidungsträger:innen bei der Förderung von klimagerechter und aktiver Mobilität. Dennoch stellt die Umsetzung von Maßnahmen in peripheren Gemeinden eine Herausforderung dar. Die „Community Readiness" (CR) ist ein vielversprechender Ansatz, der das komplexe Zusammenspiel vieler Einflussfaktoren analysiert und damit gezielte Maßnahmen ermöglicht. Das Projekt CLARC (Climate friendly and Active Mobility Readiness in Communities) entwickelt eine Leitlinie zur Messung der Community Readiness peripherer Gemeinden für aktive Mobilität. 2. Methode Auf Basis der Literatur wurde ein Modell und geeignete Parameter entwickelt und mit einem Mixed-Methods-Ansatz in 3 Pilotgemeinden abgebildet. D.h. es wurden Online-Befragungen, Workshops, GIS-Analysen und Audits und eine Verortung auf den Readiness Stufen durchgeführt. Diese Verortung ist die Grundlage für die daraus abgeleiteten, zielgenauen Maßnahmen. Begleitet wird die Entwicklung von einem Nutzer:innen orientierten Beteiligungsprozess. 3. Ergebnisse Die Ergebnisse zeigen eine unterschiedlich ausgeprägte Community Readiness in den drei Pilotgemeinden. Der Readiness-Status reicht von 1 (geringe Verankerung) bis 6 (nachhaltige Verankerung und kontinuierliche Weiterentwicklung). Im systemischen Bereich (SysCLARC) variieren die Werte je nach Gemeinde: Wissen über aktive Mobilität (3-5), soziales Klima (3-5), Leadership (2-5) und Ressourcen (2-4). Im infrastrukturellen Bereich (InfraCLARC) zeigt sich ein ähnliches Bild: Sicherheit (3-5), Qualität und Umwelt (4) sowie die Infrastruktur für Rad-, Fuß- und öffentlichen Verkehr (3-6). Diese unterschiedliche Ausprägung über die Dimensionen und Gemeinden hinweg führt zu jeweils spezifischen, zielgenauen Maßnahmenempfehlungen für jede Gemeinde. 4. Schlussfolgerungen Die Erfahrungen aus den Piloterhebungen und aus dem Beteiligungsprozess zeigen, dass die Leitlinie zwischen unterschiedlichen Anforderungsniveaus der Gemeinden differenzieren muss. Einerseits bedarf es eines niederschwelligen Zugangs, um möglichst vielen Gemeinden eine eigenständige Einschätzung der eigenen CLARC zu ermöglichen. Andererseits bedarf es einer vertieften Analyse, um mit den Gemeinden konkretere Empfehlungen zu entwickeln. | |