Veranstaltungsprogramm
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3.3: Frauengesundheit im Fokus: Von Menstruation bis Menopause (Kurzvorträge)
mit Women in Global Health organisiert | |
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Wie Frauen Gesundheit in Tirol erleben - Zielgruppenspezifische Befragung zur Frauengesundheit fachhochschule gesundheit, Innsbruck, Österreich Hintergrund / Problemstellung Die Gesundheitsversorgung von Frauen weist trotz allgemeiner Fortschritte weiterhin strukturelle, psychosoziale und geschlechterspezifische Herausforderungen auf. In Tirol fehlten bislang vertiefende Erkenntnisse zu subjektiven Gesundheitserfahrungen von Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen. Mit diesem Hintergrund initiierte die Abteilung Öffentliche Gesundheit des Landes Tirol eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung. Neben einem quantitativen Forschungsteil zielte der hier vorgestellte qualitative Teil darauf ab, individuelle Bedürfnisse und Erwartungen, Versorgungsengpässe und wahrgenommene Barrieren angemessen abzubilden. Ziel der Studie war es, Wissenslücken zu schließen und eine fundierte Basis für zukünftige Maßnahmen zu schaffen, die Gesundheitschancen von Frauen verbessern und bedarfsgerechte Versorgung ermöglichen. Methode Es wurde ein qualitatives Studiendesign mit semi strukturierten Interviews gewählt. Nach ethischer Freigabe wurden 34 Frauen im Alter von 14 bis über 60 Jahren aus allen neun Tiroler Bezirken rekrutiert. Die Stichprobe bildete unterschiedliche Bildungsniveaus, Regionen und Lebenslagen ab. Die Interviews wurden persönlich, telefonisch oder online durchgeführt, transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker ausgewertet. Insgesamt wurden 1.611 relevante Textstellen codiert und in zehn Haupt- sowie 39 Unterkategorien systematisiert. Ergebnisse Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen Gesundheit im Spannungsfeld von Eigenverantwortung, Care Arbeit und strukturellen Hürden erleben. Psychische Belastungen, Erschöpfung sowie Informationsdefizite stellen zentrale Themen dar. Besonders häufig wurden lange Wartezeiten, eingeschränkter Facharztzugang, vor allem im ländlichen Raum, sowie mangelnde geschlechtersensible Kommunikation im Gesundheitswesen thematisiert. Unterschiede nach Alter, Bildung und Region verdeutlichen bestehende gesundheitliche Ungleichheiten. Schlussfolgerungen / Empfehlungen Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer geschlechtersensiblen, lebensphasenspezifischen und wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Empfohlen werden der Ausbau niedrigschwelliger Informations und Präventionsangebote, bessere Vereinbarkeit von Versorgung und Care Arbeit sowie eine stärkere Sensibilisierung von Gesundheitsfachpersonal für die Lebensrealitäten von Frauen. Subjektive Erfahrungen liefern dabei zentrale Impulse für zukünftige gesundheitspolitische Strategien in Tirol. Menstruation und Wechseljahre im Public-Health-Kontext: Ergebnisse aus dem österreichischen Menstruationsgesundheitsbericht und einer systematischen Evidenzaufbereitung zu Wechseljahren Gesundheit Österreich GmbH, Österreich Hintergrund: Menstruationsgesundheit sowie Gesundheit in den Wechseljahren umfasst das psychosoziale und körperliche Wohlbefinden von menstruierenden Personen. Bislang gab es hierzu in Österreich nur wenige Daten - hier setzten die Arbeiten der Gesundheit Österreich GmbH an. Methode: Die Fragebogenerhebung im Rahmen des Menstruationsgesundheitsberichts ist repräsentativ nach Alter, weiblichem Geschlechtseintrag, Bildung und Bundesland (Chi-Quadrat-Test für Zusammenhänge; Stichprobe: n = 1.332). Ergänzend wurden drei Fokusgruppen mit Fachexpert:innen (n=19) durchgeführt. Für die Evidenzanalyse zu den Wechseljahren wurde eine systematische Literaturrecherche in Medline durchgeführt. Ergebnisse Die Ergebnisse werden nach Menstruation und Wechseljahren getrennt dargestellt. Menstruation: 26 Prozent wussten zum Zeitpunkt ihrer ersten Regelblutung nichts Genaueres über die Menstruation, 19 Prozent waren völlig unvorbereitet. 67 % haben mittelmäßige bis sehr starke Schmerzen, 55 % nehmen regelmäßig Schmerzmittel ein, rund 20 % haben gelegentlich oder jeden Monat Schwierigkeiten, sich Menstruationsartikel zu leisten. Beschwerden können sich einschränkend auf das Sexualleben, Freizeitaktivitäten, soziale Kontakte und Arbeitsalltag auswirken. Wechseljahre: Das durchschnittliche Alter der Menopause liegt bei 49 Jahren. 21 % fühlen sich weniger oder gar nicht gut über die Wechseljahre informiert. 46 % haben Hitzewallungen, 36 % Nachtschweiß und 30 % Schlafstörungen. 70 % stimmen der Aussage zu, sich nach den Wechseljahren frei und unabhängig zu fühlen. Die Literaturanalyse zeigt, dass individualisierte Beratung und Therapie entscheidend für die Verbesserung und Sicherstellung der Lebensqualität sind. Dies trifft insbesondere auf Hormonersatztherapie und mögliche Risiken sowie nicht-hormonelle Alternativen zu. Die Gesundheit in den Wechseljahren wird von soziokulturellen und psychosozialen Faktoren sowie der allgemeinen Lebens- und Erwerbssituationen beeinflusst. Fehl- und Desinformationen zu den Wechseljahren sind weit verbreitet und führen häufig zu Verunsicherung sowie nicht evidenzbasierten Entscheidungen. Schlussfolgerungen: Mit den erstmals repräsentativen Daten für Österreich wird gezeigt, dass Menstruation und Wechseljahre vielfältige Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Die Ergebnisse unterstreichen zudem die Bedeutung eines evidenzbasierten Zugangs zu Menstruation und Wechseljahren. Daraus ergeben sich Handlungsbedarfe in unterschiedlichen Gesellschaftsbereichen (u. a. Gesundheitswesen, Bildungssystem, Arbeitswelt, Medien). The impact of menopause on the well-being of women in Europe 1: USTP- University of applied sciences, St.Pölten, Austria; 2: One Planet Sustainables Bern, Switzerland, Global Health Mentorships; 3: SHINE 2Europe Coimbra Portugal, ICBAS - University of Porto Porto Portugal; 4: EHFF - European Health Futures Forum Ireland; 5: Medical Faculty University of Maribor,Slovenia; 6: Medical University of Graz Division of Psychiatry and Psychotherapeutic Medicine Austria, Georgia Institute of Technology School of Psychology GA USA; 7: Kogui Hub Ibiza Spain Background There is a notable lack of data on women’s health beyond their reproductive years, particularly regarding experiences, perceptions, and coping strategies during (peri- and post-) menopause, despite this life-phase affecting all women to varying degrees. Perimenopause can last over a decade, with symptoms affecting women at multiple levels. For some, symptoms are severe enough to reduce or leave paid work, leading to broader economic and societal implications if menopause remains taboo. This pilot study explores the lifeworlds of women across all three stages of menopause, their coping strategies, and intercultural differences across Europe. Method The exploratory qualitative comparative pilot study comprises eight focus groups conducted in eight European countries: Denmark (Northern Europe), Germany, Austria, Switzerland, Slovakia, Slovenia (Central Europe), Spain, and Portugal (Southern Europe). Using convenience and snowball sampling and a uniform discussion guideline, lived experiences, coping strategies for managing menopausal symptoms, and barriers and facilitators to menopausal care were discussed. The data was examined using thematic analysis. Results The findings captured diverse lived experiences of menopause as a physical, mental, and social transition. Cross-country comparison revealed culturally shaped patterns in how menopausal experiences are perceived and managed. A variety of coping strategies emerged, with a particular focus on symptom-specific approaches and everyday practices used to navigate menopausal changes. Discussion This pilot study sheds light on the physical, mental, and social well-being of menopausal women, as well as cultural differences among women in Europe, their lived experiences, coping strategies, and empowerment during this life-phase. The findings also contribute to a better understanding of comprehensive menopausal education for health practitioners. Schwangerschaft im Kontext von Migration - Perspektiven von Expert:innen zu Betreuungs- und Aufklärungsangeboten für Frauen mit Migrationshintergrund in Österreich FH JOANNEUM University of Applied Sciences, Österreich Problemstellung: Gesundheitliche Chancengleichheit während der Schwangerschaft ist ein zentraler Indikator für die Qualität eines Gesundheitssystems. Internationale Studien zeigen, dass Frauen mit Migrationshintergrund häufiger gesundheitlichen Risiken ausgesetzt sind und präventive Angebote seltener in Anspruch nehmen. In Österreich leben rund 2,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, darunter viele Frauen im reproduktiven Alter. Trotz eines formal gut ausgebauten Versorgungssystems bestehen strukturelle Defizite im Zugang zur maternalen Gesundheitsversorgung. Ziel der Arbeit ist es, aus Expert:innenperspektive zu analysieren, wie Betreuungs- und Aufklärungsangebote während der Schwangerschaft erlebt werden und welche Versorgungsbarrieren bestehen. Methode: Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, das eine umfassende Literaturrecherche mit 14 leitfadengestützten Interviews mit insgesamt 15 Expert:innen aus Hebammenberatung, Medizin, Sozialarbeit und Psychologie kombiniert. Die Auswertung erfolgte mittels thematischer Inhaltsanalyse nach Braun und Clarke (2006). Ergebnisse: Das Schwangerschaftserleben wird maßgeblich durch das Bedürfnis nach Sicherheit geprägt, das medizinische, emotionale und strukturelle Dimensionen umfasst. Förderlich wirken Gesundheitskompetenz, verständliche Kommunikation, kultursensible Betreuung und Versorgungskontinuität. Gleichzeitig zeigen sich deutliche strukturelle Barrieren: fehlende Orientierung im Gesundheitssystem, finanzielle Einschränkungen, mangelnde Koordination zwischen medizinischen und psychosozialen Angeboten sowie insbesondere das Fehlen institutionalisierter Dolmetschstrukturen. Regionale Versorgungsengpässe im ländlichen Raum verstärken diese Problematik. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass weniger ein Angebotsmangel als vielmehr Zugangs- und Koordinationsdefizite gesundheitliche Ungleichheiten verstärken. Schlussfolgerungen oder Empfehlungen: Für eine chancengerechte Weiterentwicklung der maternalen Versorgung sind integrierte Versorgungsmodelle erforderlich, die medizinische, psychosoziale und strukturelle Dimensionen systematisch verbinden. Notwendig sind flächendeckend finanzierte Dolmetschleistungen, verbesserte interprofessionelle Vernetzung sowie die institutionelle Verankerung interkultureller Kompetenz. Damit leisten die Ergebnisse einen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung einer inklusiven Gesundheitsversorgung von Mutter und Kind in Österreich. Kontinuierliche Hebammenbetreuung als Public-Health-Ansatz für eine frauzentrierte Geburtshilfe in der Steiermark 1: FH JOANNEUM University of Applied Sciences, Bad Gleichenberg; 2: Frauengesundheitszentrum, Graz; 3: EPIG GmbH - Entwicklungs- und Planungsinstitut für Gesundheit, Graz Hintergrund: Kontinuierliche hebammengeleitete Betreuungsmodelle, bei denen Frauen von einer bekannten Hebamme durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleitet werden, gelten international als evidenzbasierter Ansatz zur Verbesserung der maternalen und neonatalen Versorgung. Der Cochrane-Review von Sandall et al. (2024) zeigt, dass diese Modelle mit einer höheren Wahrscheinlichkeit spontaner vaginaler Geburten, einer geringeren Interventionsrate, einer höheren Zufriedenheit der Frauen sowie vergleichbaren oder verbesserten kindlichen Outcomes verbunden sind. Der Ausbau hebammengeleiteter Versorgungsmodelle wurde daher auch im Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) Steiermark 2030 als strategisches Entwicklungsziel verankert. Methode: Im Rahmen des Projekts #Geburt – gut informiert und begleitet des Gesundheitsfonds Steiermark und des Fachbeirats für gendergerechte Gesundheit wurden unter anderem die Bedeutung und Umsetzbarkeit kontinuierlicher Betreuungsmodelle sowie deren Bedeutung für eine frauzentrierte geburtshilfliche Versorgung untersucht. Dazu wurde eine Online-Befragung von in der Steiermark tätigen Hebammen sowie Fachärzt:innen für Frauenheilkunde und Geburtshilfe durchgeführt. Insgesamt nahmen 178 Fachpersonen teil, darunter 128 Hebammen (72 %) und 50 Ärzt:innen (28 %). Ergänzend erfolgte eine Analyse zu strukturellen Rahmenbedingungen der geburtshilflichen Versorgungslandschaft in der Steiermark. Ergebnisse: 93 % der befragten Fachpersonen stimmten der Aussage zu, dass mehr kontinuierliche Hebammenbetreuungsmöglichkeiten angeboten werden sollten. Gleichzeitig zeigte sich eine eingeschränkte Umsetzung in der Praxis. So gaben 55 % der Hebammen an, Frauen „nie“ und weitere 21 % „selten“ kontinuierlich durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett begleiten zu können. Die Analyse des Versorgungspfades von Schwangerschaft über die Geburt und Wochenbettzeit zeigte zudem eine fragmentierte perinatale Versorgung zwischen Berufsgruppen, intra- und extramuralen Bereichen sowie verschiedenen Finanzierungssystemen. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse bestätigen die im RSG Steiermark 2030 formulierte Bedeutung kontinuierlicher hebammengeleiteter Betreuungsmodelle und verdeutlichen zugleich den bestehenden Handlungsbedarf bei deren Umsetzung. | |