Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | |
3.2: Inklusive Gesundheitsversorgung: Teilhabe, Barrierefreiheit und Empowerment (Kurzvorträge)
| |
| Präsentationen | |
Inklusive Empowerment-Workshops zur Stärkung der Gesundheitskompetenz von Menschen mit Behinderung LebensGross GmbH, Österreich Problemstellung Menschen mit Behinderung erleben im Gesundheitswesen häufig Kommunikationsbarrieren, unzureichende Information und eingeschränkte Mitbestimmung bei medizinischen Entscheidungen. Trotz rechtlicher Grundlagen wie der UN-Behindertenrechtskonvention und der Österreichischen Patienten-Charta bestehen im Praxisalltag weiterhin Herausforderungen bei Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten. Eine gezielte Stärkung der Gesundheitskompetenz und Selbstvertretung ist aus Public-Health-Perspektive zentral, um gesundheitliche Ungleichheiten zu reduzieren und Versorgungsqualität zu verbessern. Methode LebensGroß möchte hier ansetzen und hat im Jahr 2025 ein praxisorientiertes Workshop-Fortbildungsformat für Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen. Das Workshop-Format hat zum Ziel, Menschen mit Behinderung für gelingende Arztgespräche und medizinische Entscheidungsprozesse zu empowern. Inhalte sind u. a. Rechte im Gesundheitssystem, Vorbereitung auf Arztbesuche, verständliche Kommunikation, Umgang mit Unsicherheit sowie der Einsatz unterstützender Instrumente wie Checklisten und eines Gesundheitspasses. Das innovative Element ist die konsequent inklusive Umsetzung: Der Workshop wird in Co-Moderation durch Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam durchgeführt. Diese gleichberechtigte Zusammenarbeit prägt sowohl die inhaltliche Entwicklung der Workshop-Inhalte als auch die Moderation und schafft einen Erfahrungs- und Wissensraum auf Augenhöhe. Ergebnisse Das Format wird im inklusiven Bildungsprogramm LebensLernen von LebensGroß umgesetzt und befindet sich in laufender Erprobung mit ersten Durchläufen. Erste Rückmeldungen zeigen eine hohe Akzeptanz bei den Teilnehmenden, insbesondere durch die praxisnahe Vermittlung, den Einsatz leicht verständlicher Materialien und die glaubwürdige Co-Moderation. Teilnehmende berichten von gesteigerter Bereitschaft, Fragen zu stellen und Entscheidungen aktiv mitzugestalten sowie nützliche Materialien in einfacher Sprache. Schlussfolgerungen Inklusive Fortbildungsformate mit Peer-Co-Moderation stellen einen wirksamen Ansatz zur Förderung von Gesundheitskompetenz dar. Sie stärken Selbstwirksamkeit, Vertrauen und Teilhabe und sind auf andere Zielgruppen und Settings übertragbar. Für die Public-Health-Praxis zeigt sich, dass Inklusion nicht nur Ziel, sondern wirksame Methode ist. Projekt: F.I.M. – flexibel.inklusiv.mobil 1: LebensGross GmbH, Österreich; 2: Triagonal; 3: Chance B Im suburbanen Raum existieren mit Mikro-ÖV (Bedarfsverkehr) und Carsharing grundsätzlich flexible Mobilitätsangebote. Barrierefreie Fahrzeuge sowie barrierefreie Informations- und Buchungsprozesse sind jedoch nur in begrenztem Ausmaß verfügbar. Für Menschen mit Behinderungen entstehen dadurch entlang der gesamten Reisekette erhebliche Zugangshürden – von der Auffindbarkeit geeigneter Angebote über eine adäquate Buchungsmöglichkeit bis zur sicheren Fahrzeugnutzung. Dies schränkt selbstbestimmte Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe insbesondere außerhalb klassischer Verkehrszeiten und für Freizeitwege ein und macht Mobilität zu einer Frage der Chancengerechtigkeit. Das Projekt F.I.M. setzt konsequent auf Partizipation und Co-Design: Menschen mit Behinderungen wurden als Expert:innen systematisch in alle Projektphasen einbezogen – von der Problemanalyse über die Entwicklung von Anforderungen bis zur Erprobung von Lösungsansätzen. Methodisch umfasste der Prozess Recherche und Systemerhebung, über 30 qualitative Interviews (Sommer 2024), Tests bestehender Systeme und Fahrzeuge sowie mehrere interdisziplinäre Workshops mit Akteuren aus Carsharing, Taxi und Mikro-ÖV. Ergänzend wurden ein telefonischer Buchungsablauf prototypisch entwickelt und mit einer Webapplikation zur einheitlichen Erfassung integriert und praktisch erprobt. Die Ergebnisse zeigen, dass Barrierefreiheit in der Praxis häufig weniger an „großen“ technischen Fragen als an fehlender Durchgängigkeit und kritischen Details scheitert (z. B. Rampenneigung, Innenraummaße, komplexe Sicherungssysteme, digitale Barrieren, unklare Voraussetzungen und eingeschränkte Verfügbarkeit). Gleichzeitig konnten gemeinsam konkrete, umsetzbare Anforderungen, Informationsstandards und Prozessverbesserungen priorisiert werden. Der Beitrag zeigt, dass inklusive Mobilität nicht als Sonderlösung, sondern als integraler Bestandteil öffentlicher Daseinsvorsorge verstanden werden muss. Abgeleitet werden praxisnahe Mindeststandards entlang der Reisekette: (1) verbindliche Kriterien für barrierefreie Fahrzeugkonfigurationen (Einstieg/Rampe, Innenraum, Sicherung, Platz für Begleitpersonen), (2) transparente, standardisierte Informationen zu Voraussetzungen und Verfügbarkeit und (3) barrierefreie Buchungswege mit gleichwertiger digitaler und telefonischer Option. Damit werden Mobilitätssysteme chancengerecht, inklusiv und für vielfältige Nutzergruppen verlässlich nutzbar. Internationale Beispiele für barrierefreien Zugang zur Gesundheitsversorgung und inklusives Krisen- und Katastrophenmanagement Institut für Innovation, Nachhaltigkeit & Transformation im Gesundheits- und Sozialwesen (InnTra);fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbHfhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol GmbH, Österreich Das in Österreich ansässige Zero Project ist eine globale, forschungsgeleitete Initiative, die die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) vorantreibt. Sie identifiziert und verbreitet innovative Lösungen, die Barrieren abbauen und die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen fördern. In den vergangenen zehn Jahren hat das Zero Project ein Netzwerk von mehr als 10.000 Expert:innen, Entscheidungsträger:innen, Unternehmensvertreter:innen, Wissenschaftler:innen sowie Personen mit und ohne Behinderungen aufgebaut. Dieses Netzwerk stärkt die globale Zusammenarbeit für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Die jährlich stattfindende Zero Project Conference wird im Vienna International Centre der Vereinten Nationen (UNO City) ausgerichtet. Dort werden wirkungsvolle Praktiken und politische Maßnahmen aus aller Welt ausgezeichnet.[1] Im Jahr 2026 lag ein Schwerpunkt auf „Access to Healthcare and Inclusive Crisis Response“. Vorgestellt wurden Ansätze für einen barrierefreien Zugang zur Gesundheitsversorgung und eine inklusive Krisenbewältigung, die verbreitet und auf andere Kontexte übertragen werden können.[2] Die Präsentation gibt einen Überblick über ausgezeichnete Projekte mit Relevanz für das österreichische Gesundheitswesen und Krisenmanagement:[3] • An Menschen mit Behinderungen ausgerichtete Modelle zur städtischen Katastrophenrisikoreduktion (Chile) • Angepasste zahnmedizinische Versorgung für Patient:innen mit intellektuellen Behinderungen (Israel) • Von Menschen mit psychosozialen Behinderungen geleitetes Curriculum zur Notfallvorsorge (Japan) • Inklusion von Menschen mit intellektuellen Behinderungen in öffentlichen Krankenhäusern (Spanien) • Barrierefreie nationale Notrufnummer für nicht lautsprachliche Kommunikation (Vereinigtes Königreich) • Globale, von Menschen mit Behinderungen geleitete, barrierefreie und KI-gestützte Katastrophenhilfe in Echtzeit (USA) • Unterstützung der Menstruationsgesundheit von Frauen und Mädchen mit intellektuellen Behinderungen (Vanuatu) • Partizipativ entwickelte, barrierefreie Katastrophendatenbank für Haushalte mit Menschen mit Behinderungen in ländlichen Regionen (Vietnam) Die Projekte zeigen eine bedeutende Wirkung, verfolgen menschenzentrierte Ansätze und beziehen Menschen mit Behinderungen durch Co-Design aktiv in Entwicklung und Umsetzung ein. Damit liefern sie übertragbare Impulse für inklusive Gesundheits- und Krisensysteme sowie für gute Lebensbedingungen für alle. Referenzen: [1] https://zeroproject.org/about-us [2] https://zeroproject.org/conferences/zero-project-conference-2026 [3] https://zeroproject.org/fileadmin/root_zeroproject/Downloads/Publications/2026_Zero-Project-Report_Accessibility-ICT-CrisisR_accessible.pdf Lebenssituation von Menschen mit transfemoraler Amputation 1: WU Wien, Österreich; 2: University of Applied Sciences St. Pölten Hintergrund: Im Jahr 2021 wurden 2.623 Amputationen der unteren Extremitäten in Österreich durchgeführt. Obwohl die Gesamtzahl der Amputation seit 2009 gesunken ist, stagniert die Zahl der transfemoralen Amputationen seit 2009 mit durchschnittlich 900 jährlichen Fällen. Der geplante Vortrag präsentiert die Lebenssituation von Menschen mit einer Oberschenkelamputation im deutschsprachigen Raum und stellt eine Verbindung zwischen entscheidenden Einflussfaktoren, wie Schaftpassung oder Amputationsgrund, und der ermittelten Lebenssituation her. Methoden: Die vorliegende Studie stützt sich auf Primärdaten einer Onlinebefragung – durchgeführt zwischen September 2025 und Januar 2026 - von Personen mit Oberschenkelamputation, wobei rund n=200 Befragungen in die geplante Präsentation einfließen. Schwerpunkte der Befragung sind Lebensqualität (gemessen mit dem WHOQOL-BREF), mentale Gesundheit (EURO-D), materielle und soziale Exklusion, soziale Aktivitäten sowie die Wahrnehmung des Wohnumfelds. Ergebnisse: Die anonymen Teilnehmer an der Online-Befragung waren zwischen 16 und 82 Jahre alt und 85,71 % tragen eine Prothese mit Mikroprozessorknie. U.a. zeigen die Ergebnisse Zusammenhänge zwischen der Amputationsursache (44,71 % Unfall) und dem WHOQOL-overall (Unfall: M = 77,45 SE = 2,3 | kein Unfall: M = 58,99 SE = 2,1) im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (ATHIS2019 M = 77,81 SE = 0,16) sowie die positiven Auswirkungen einer subjektiv als gut empfundenen Schaftpassung (43,07 % bewerten ihren Schaft mit 9 oder 10, 10 = Topwertung) auf den WHOQOL-overall (rs = 0,393), WHOQOL-physical (rs = 0,34), WHOQOL-psychological (rs = 0,29), WHOQOL-social (rs = 0,25) und WHOQOL-environment (rs = 0,27) bei p = 0,000. Schluss: Die Studie kann die Bedeutung der Passung zwischen Residuum und Prothese in den verschiedensten WHO-erhobenen Lebensbereichen aufzeigen, wobei auch die Amputationsursachen und Lebensqualität korrelieren. Beide Ergebnisse deuten auf die Relevanz hin, die Versorgung und Betreuung von Menschen mit transfemoralen Amputationen fallgerecht zu gestalten. Der geplante Beitrag wird diese Aspekte aufgreifen und zudem weitere Ergebnisse aus der Studie präsentieren. Barrierefreiheit als Grundlage für Selbstbestimmung im Gesundheitswesen alpha nova Betriebsgesellschaft mbH, Österreich Menschen mit Behinderungen erfahren im Gesundheitssystem nach wie vor erhebliche Benachteiligungen, die sich messbar in einer erhöhten Mortalität und einer deutlich verkürzten Lebenserwartung niederschlagen. Aktuelle Meta-Studien zeigen, dass Menschen mit Behinderungen in Hocheinkommensländern durchschnittlich rund zehn Jahre früher versterben als Menschen ohne Behinderungen - bei Menschen mit kognitiver bzw. intellektueller Behinderung liegt dieser Unterschied sogar bei 15 bis 20 Jahren. Besonders alarmierend ist der hohe Anteil potenziell vermeidbarer Todesfälle, der bei Menschen mit kognitiver Behinderung mehr als doppelt so hoch ist wie bei Menschen ohne kognitiver Behinderung. Der Vortrag beleuchtet zentrale Ursachen dieser gesundheitlichen Ungleichheit. Neben struktureller Benachteiligung und Diskriminierung werden insbesondere Barrieren im Gesundheitssystem thematisiert. Dazu zählen fehlende bauliche, kommunikative und strukturelle Barrierefreiheit in Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie ein eingeschränkter Zugang zu Vorsorge, Diagnostik und Behandlung. Ein wesentlicher Faktor ist der Mangel an barrierefreien Informationen, der die Gesundheitskompetenz und damit die Möglichkeit zur selbstbestimmten Gesundheitsentscheidung erheblich einschränkt. Vor dem Hintergrund des Erwachsenenschutzgesetzes (2019), das Autonomie und Selbstbestimmung auch in medizinischen Fragen stärkt, wird die Bedeutung barrierefreier Gesundheitsinformation besonders deutlich. Diese Informationsdefizite zeigen sich insbesondere in gesellschaftlich stark tabuisierten und marginalisierten Themenbereichen, wie dem der sexuellen Gesundheit. Um Menschen mit Behinderung informierte Entscheidungen zu ermöglichen, braucht es daher barrierefreie Informationen unter anderem zu Vorsorge, Verhütung, Sterilisation, Vasektomie, gynäkologischen und urologischen Untersuchungen, sexuell übertragbare Krankheiten (STD), Kinderwunsch, Schwangerschaft, Elternschaft sowie Schwangerschaftsabbruch. Die GDS und die 80 % Lücke: Warum medizinische Versorgung allein nicht reicht Magistrat Stadt Graz, Österreich Die Mission der Gesundheitsdrehscheibe der Stadt Graz (GDS) ist klar: die Gesundheit der Menschen in Graz zu fördern. Gesundheit wird maßgeblich durch die Bedingungen beeinflusst, unter denen Menschen leben, lernen, arbeiten und altern. Daher liegt ein besonderer Fokus der Gesundheitsdrehscheibe auf der Förderung psychosozialer Gesundheit und der Verbesserung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit. Insbesondere für Menschen in vulnerablen Lebenslagen können strukturelle, soziale, kulturelle und sprachliche Barrieren den Zugang zu Gesundheits- und Sozialleistungen erschweren. Gleichzeitig wird die Orientierung in einem zunehmend komplexen Gesundheits- und Sozialsystem für viele Menschen zur Herausforderung. Vor diesem Hintergrund versteht sich die Gesundheitsdrehscheibe als Anlaufstelle für Unterstützung, Gesundheitsförderung und Navigation im Gesundheits- und Sozialsystem. Die GDS setzt auf niederschwellige Gesundheitsförderung. Als Fachabteilung des Gesundheitsamtes der Stadt Graz entwickeln und realisieren wir multiprofessionelle und interdisziplinäre Angebote. Das Leistungsspektrum umfasst Beratung und Begleitung, Gesundheitsförderung und Prävention sowie die Unterstützung bei der Orientierung im Gesundheits- und Sozialsystem. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit ist die Vernetzung mit bestehenden Gesundheits- und Sozialangeboten, um Menschen entsprechend ihren Bedürfnissen den Zugang zu passenden Unterstützungsleistungen zu erleichtern. Anhand ausgewählter Praxisbeispiele zeigt der Vortrag, wie multiprofessionelle und interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie Linkworking dazu beitragen, Menschen bedarfsgerecht zu unterstützen und den Zugang zu Gesundheits- und Sozialangeboten zu erleichtern. Im Fokus steht die praktische Umsetzung zielgruppenorientierter Gesundheitsförderung und die Frage, wie Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen erreicht, unterstützt und mit passenden Angeboten im Gesundheits- und Sozialsystem verbunden werden können. Die Erfahrungen der Gesundheitsdrehscheibe verdeutlichen das Potenzial niederschwelliger und zielgruppenorientierter Gesundheitsförderung zur Stärkung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit. Insbesondere die Kombination aus Vernetzung, multiprofessioneller Zusammenarbeit und Linkworking kann dazu beitragen, Zugangsbarrieren abzubauen und die Inanspruchnahme bestehender Gesundheits- und Sozialangebote zu erleichtern. | |