Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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2.2: Diversität und sexuelle Gesundheit: Perspektiven auf eine inklusive Versorgung (Vorträge)
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Gleich behandelt, ungleich versorgt? Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Alter Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), Österreich Hintergrund: Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt hat in den letzten Jahren gesellschaftliche und gesundheitspolitische Aufmerksamkeit erfahren. Ältere LGBTIQ+ Personen bleiben in Gesundheitsberichterstattung und Versorgungspraxis weitgehend unsichtbar. Internationale Studien berichten gesundheitliche Belastungen, Diskriminierungserfahrungen und Barrieren im Zugang zu Gesundheits- und Unterstützungsangeboten. Für Österreich fehlen systematische Analysen zur Lebens- und Versorgungssituation älterer LGBTIQ+ Personen. Ziel dieser Bestandsaufnahme war es, Themenfelder und Handlungsbedarfe im Schnittfeld von Alter sowie sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zu identifizieren. Methoden: Die Bestandsaufnahme folgt einem explorativen Mixed-Methods-Ansatz. Grundlage bildet eine scoping-orientierte Literaturrecherche. Ergänzend wurden eine Online-Befragung von Pflege- und Betreuungseinrichtungen (n = 99), eine Befragung von LGBTIQ+-Organisationen (n = 9) sowie leitfadengestützte Expert:inneninterviews (n = 5) durchgeführt. Ziel war die strukturierte Bündelung vorhandener Evidenz und Praxisperspektiven. Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass ältere LGBTIQ+ Personen im Kontext von Alter(n) wenig berücksichtigt werden. Internationale Studien verweisen auf gesundheitliche Belastungen, soziale Isolation und Barrieren im Zugang zu Versorgung, die mit Diskriminierungserfahrungen, Unsichtbarkeit und begrenzten sozialen Netzwerken verbunden sind. Diese Befunde weisen darauf hin, dass gesundheitliche Ungleichheiten im Alter mit lebensverlaufsbezogenen Belastungen zusammen-hängen. Die empirischen Erhebungen zeigen eine geringe institutionelle Verankerung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Versorgungskontexten in Österreich. In den befragten Einrichtungen wird das Thema überwiegend nicht systematisch adressiert. Aus Perspektive von LGBTIQ+-Organisationen zeigt sich, dass Alter(n) kein etabliertes Querschnittsthema in der Communityarbeit ist. Die Ergebnisse weisen auf eine geringe Sichtbarkeit älterer LGBTIQ+ Personen in bestehenden Versorgungs- und Unterstützungssystemen hin. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse zeigen, dass bestehende Versorgungs- und Unterstützungssysteme im Alter überwiegend einem formalen Gleichheitsansatz folgen. Diese Logik berücksichtigt unterschiedliche Lebensverläufe, soziale Netzwerke und institutionelle Erfahrungen älterer LGBTIQ+ Personen nur unzureichend und kann bestehende Ungleichheiten reproduzieren. Aus Public-Health-Perspektive reicht formale Gleichbehandlung nicht aus, um gesundheitliche Chancengleichheit im Alter zu gewährleisten. Erforderlich ist ein Zugang, der strukturelle Voraussetzungen und lebensverlaufsbezogene Belastungen berücksichtigt und Marginalisierung als Querschnittsdimension im Alter mitdenkt. Kostenfreie Verhütung und psychosoziale Verhütungsberatung als Public-Health-Intervention: Erste Ergebnisse aus dem Pilotprojekt „INVVO - Informiert Verhüten in Vorarlberg“ 1: Koordinationsstelle Frauen- und Gendergesundheit, Gesundheit Österreich GmbH; 2: femail - Verein für Frauenberatung und zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit Hintergrund: Der Zugang zu sicherer und leistbarer Verhütung ist ein zentraler Bestandteil sexueller und reproduktiver Gesundheit sowie ein wesentlicher Faktor für Geschlechtergerechtigkeit. In Österreich ist Verhütung bislang überwiegend privat zu finanzieren und strukturell kaum in die Gesundheitsversorgung integriert. Internationale Vergleiche zeigen Defizite insbesondere beim Zugang zu kostenfreier Verhütung und Beratung. Vor diesem Hintergrund wurde mit „INVVO - Informiert Verhüten in Vorarlberg“ erstmals in Österreich ein Pilotprojekt zur kostenfreien Bereitstellung von Verhütungsmitteln und psychosozialer Verhütungsberatung umgesetzt. Methode: INVVO wird seit 2024 in Vorarlberg durch femail gemeinsam mit der aks gesundheit GmbH durchgeführt und läuft bis Ende 2026. Es richtet sich an alle Frauen ab 14 Jahren, die in Vorarlberg wohnen. Das Projekt kombiniert kostenfreie Kurzzeitverhütungs- oder Barrieremethoden für ein Jahr oder eine Langzeitverhütungsmethode mit freiwilliger psychosozialer Verhütungsberatung. Die wissenschaftliche Begleitforschung erfolgt im Rahmen einer formativen Prozess- und Outcome-Evaluation. Datengrundlagen sind administrative Projektdaten, Onlinebefragungen von Nutzerinnen, Fokusgruppen sowie Interviews mit beteiligten Akteur:innen. Ergebnisse: Bis Oktober 2025 nahmen 1.722 Frauen im Alter von 14 bis 53 Jahren am Projekt teil. Die häufigsten Beweggründe für die Teilnahme waren finanzielle Entlastung, gefolgt von der Motivation an einem Forschungsprojekt zu Frauengesundheit teilzunehmen, besondere Lebensphasen und der Wunsch auf ein Langzeitverhütungsmittel umzusteigen. Mehr als die Hälfte der Nutzerinnen, die bereits ein Verhütungsmittel bezogen haben, entschied sich für eine Langzeitverhütungsmethode, insbesondere Spiralen oder Implanon. Qualitative Ergebnisse zeigen einen subjektiven Wissenszuwachs, hohe Zufriedenheit mit der psychosozialen Verhütungsberatung und eine Stärkung der reproduktiven Selbstbestimmung. Niederschwellige Zugänge, kultursensible Vermittlung und klare Rollen zwischen Beratungsstellen, Ärzt:innen und Apotheken erwiesen sich bisher als wesentliche Faktoren für den Erfolg des Projektes. Schlussfolgerungen: Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass kostenfreie Verhütung in Kombination mit Verhütungsberatung nicht nur das Verhütungsverhalten verändert, sondern auch Selbstbestimmung und Chancengerechtigkeit fördert. INVVO liefert damit relevante Evidenz für die Weiterentwicklung reproduktiver Gesundheitsversorgung und bietet wichtige Ansatzpunkte für einen möglichen bundesweiten Ausbau. Strukturelle Barrieren und organisatorische Verbesserungsansätze in der Gesundheitsversorgung von Trans*-Personen in Österreich Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Masterstudiengang Public Health, Zentrum für Public Health und Versorgungsforschung Hintergrund/Problemstellung: Trans*-Personen gelten als vulnerable Bevölkerungsgruppe und sind überdurchschnittlich häufig von gesundheitlichen Ungleichheiten betroffen. Fragmentierte Versorgungsstrukturen, bürokratische Hürden sowie unzureichende Fachkompetenz von Akteuren im Gesundheitswesen, erschweren den Zugang zu bedarfsgerechter Versorgung, insbesondere während der Transitionsphase. Diese erhöhen psychosoziale Belastungen und schüren gesundheitliche Ungleichheiten. Im Sinne einer People-centered Care ist die systematische Einbeziehung der Perspektiven von Betroffenen zentral, um versorgungsbezogene Barrieren und strukturelle Bedingungen, die gesundheitliche Ungleichheiten reproduzieren, zu identifizieren und zielgruppenorientiert weiterzuentwickeln. Ziel dieser Studie war es, subjektive Versorgungserfahrungen von Trans*-Personen während der Transitionsphase im Kontext des österreichischen Gesundheitswesens zu erfassen und daraus strukturelle Verbesserungsbedarfe für eine chancengerechte Gesundheitsversorgung abzuleiten. Methode: Die Studie verfolgte einen qualitativen, explorativ geprägten Forschungsansatz. Ein Feldzugang konnte in Form von Kontakt zu einer Peer-to-Peer-Beratungsstelle hergestellt werden. So wurden gezielt Trans*-Personen mit Erfahrungen im österreichischen Gesundheitswesen rekrutiert; ergänzend wurde ein Schneeballverfahren genutzt. Insgesamt konnten in Leitfadengestützten Interviews, mit 14 Trans*-Personen (21–59 Jahre), aus fünf österreichischen Bundesländern Daten erhoben werden. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring. Dabei wurde ein deduktives Kategoriesystem mit induktiv gebildeten Kategorien erweitert. Ergebnisse: Interviewpartner*innen beschrieben unklare Zuständigkeiten, sowie mangelnde sektorübergreifende Koordination als zentrale Barrieren. Lange Wartezeiten, uneinheitliche Anforderungen der Kostenträger und eine stark binär organisierte Versorgungsstruktur führten zudem zu Versorgungsbrüchen und bereiteten Unsicherheit und emotionaler Belastung. Gleichzeitig formulierten die Interviewpartner*innen Erwartungen an feste Ansprechpersonen, transparente und bundesweit einheitliche Standards sowie verlässliche Koordinationsstrukturen. Schlussfolgerungen/Empfehlungen: Die Ergebnisse verdeutlichen einen gesundheitspolitischen und organisatorischen Handlungsbedarf im Sinne einer inklusiven, chancengerechten Gesundheitsversorgung. Empfohlen werden klar definierte Zuständigkeiten sowie koordinierte, sektorenübergreifende Versorgungsmodelle, sowie trans*-sensible Aus- und Weiterbildungsangebote für Helth Professionals. Telemedizinische Angebote können regionale Versorgungsunterschiede reduzieren. Qualitätsgesicherte Auslandsbehandlungen können kurzfristig Versorgungslücken adressieren, langfristig ist jedoch eine Angleichung der Versorgungsqualität in Österreich erforderlich. Lust auf Reden. Gemeinsam für sexuelle Gesundheit! Ergebnisse einer Patient*innenbefragung Aids Hilfe Wien, Österreich Hintergrund oder Problemstellung oder Herausforderung Die Kampagne Lust auf Reden. Gemeinsam für sexuelle Gesundheit! wird seit 2022 von den AIDS-Hilfen Österreichs unter der Projektleitung der Aids Hilfe Wien umgesetzt. Ziel der Kampagne ist, sexuelle Gesundheit (sGH) aus der Tabuzone zu holen und das Reden darüber gesellschaftsfähig zu machen. In der Kampagne werden Broschüren, Poster und Videos gestaltet, Fortbildungen für Behandler*innen und Workshops für Adressat*innen umgesetzt. Im 2024 wurde eine österreichweite Umfrage zu Erfahrungen und Bedürfnissen von Patient*innen in der Kommunikation mit Behandler*innen über sGH durchgeführt, um die Bedarfe hinsichtlich sGH zu erfahren. Methode Der Fragebogen umfasste geschlossene und offene Fragen und wurde online und offline österreichweit distribuiert. 636 Personen haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Analyse der geschlossenen Fragen durch Berechnung und Vergleich deskriptiver Statistiken, offener Fragen mittels deduktiver und induktiver Kodierung. Ergebnisse Über 80% der Befragten befindet das Reden über sGH mit Behandler*innen als wichtig. Je etwa ein Drittel hat bereits mit Behandler*innen oder „mit manchen“ geredet. Am häufigsten wurden Gynäkolog*innen, Hausärzt*innen und Psychotherapeut*innen genannt. Die Initiative zum Gespräch geht eher von Patient*innen als von Behandler*innen aus. Rund 27% haben noch nie mit ihren Behandler*innen über sGH geredet. Insbesondere sexuell übertragbare Infektionen, sexuelle Funktionsstörungen, Lustlosigkeit oder Wechseljahre wurden als Themen, die interessieren und/oder belasten genannt. Vielfältige Hürden zum Reden über sexuelle Gesundheit wurden von den Befragten aufgezeigt wie auch Faktoren, die ihnen das Reden darüber erleichtern würden. Schlussfolgerungen oder Empfehlungen •Die Befragung zeigt die Relevanz und die Bedürfnisse für das Reden über sGH in der Behandler*innen-Patient*innen-Kommunikation auf •Geschilderte Erfahrungen sind durchaus ambivalent und zeigen das vorherrschende Tabu auf: Auf der einen Seite stehen Schamgefühle, Ängste, etc. und auf der anderen das Bedürfnis, über Sexualität zu reden •Positive Erfahrungen wurden insbesondere in AIDS-Hilfen und HIV-STI-Schwerpunktpraxen und -ambulanzen gemacht. STI-Tests werden hier niederschwellig angeboten. | ||