Veranstaltungsprogramm
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3A: Lehkräftebildung
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Transformation in der beruflichen Lehrkräftebildung: Das neue Curriculum der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich Die berufliche Lehrkräftebildung in gewerblich-technischen Fachrichtungen befindet sich im deutschsprachigen Raum in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Insbesondere praxisintegrierte Studienmodelle und kompetenzorientierte Curriculumentwicklung gewinnen zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund adressiert der vorliegende Beitrag den Tagungsschwerpunkt A „Duale und berufswissenschaftliche Studienmodelle für die Ausbildung von beruflichen Lehrkräften in gewerblich-technischen Fachrichtungen“ und stellt das neu entwickelte Curriculum der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg als österreichischen Beitrag zu aktuellen Strukturveränderungen in der beruflichen Lehrkräftebildung dar. Das Curriculum wurde im Zuge einer institutionsübergreifenden Zusammenarbeit zwischen der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg konzipiert und ausgearbeitet. Ausgangspunkt der Curriculumentwicklung bildet die österreichische Pädagog:innenbildung 2.0, die eine verstärkte Professionalisierung, Kompetenzorientierung sowie eine systematische Verzahnung von Theorie und Praxis fordert. Das Curriculum der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg wurde vor diesem Hintergrund neu konzipiert und verfolgt einen modular aufgebauten, kompetenzorientierten und praxisintegrierten Ansatz. Bereits in den ersten Studienphasen werden berufspädagogische Professionskompetenzen, didaktische Grundlagen sowie reflexive Elemente aufgebaut. Parallel dazu werden Praxiserfahrungen systematisch integriert und theoriegeleitet reflektiert. In weiteren Studienabschnitten erfolgt eine Vertiefung durch Theorie-Praxis-Transfer-Module, berufsfeldbezogene Forschung sowie begleitete Professionalisierungsformate, wodurch ein kontinuierlicher Kompetenzaufbau im Sinne eines spiralcurricularen Modells ermöglicht wird. Zentraler Referenzrahmen für die Curriculumentwicklung bildet das Kompetenzmodell der Pädagogischen Hochschule Tirol, das professionelle Handlungskompetenz als Zusammenspiel der Dimensionen Wissen, Können und Wollen konzeptualisiert. Diese drei Dimensionen strukturieren das Curriculum sowohl auf inhaltlicher als auch auf didaktischer Ebene. Während die Dimension Wissen auf die Entwicklung fachlicher, berufspädagogischer und fachdidaktischer Grundlagen abzielt, wird die Dimension Können insbesondere durch praxisintegrierte Studienanteile, begleitete Praxisphasen sowie Theorie-Praxis-Transfer-Formate entwickelt. Die Dimension Wollen fokussiert auf professionelle Haltung, Reflexionsfähigkeit sowie personale und soziale Kompetenzen, die im Rahmen reflexiver Lernsettings und professioneller Begleitstrukturen systematisch gefördert werden. Durch die Verzahnung dieser Kompetenzdimensionen wird eine ganzheitliche Professionalisierung angehender Lehrkräfte in gewerblich-technischen Fachrichtungen angestrebt. Die Intention des Beitrags besteht darin, das kooperativ entwickelte Curriculum der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg als Beispiel eines praxisintegrierten und berufswissenschaftlich fundierten Studienmodells zu analysieren und dessen strukturelle Besonderheiten im Kontext dualer bzw. praxisintegrierter Lehrkräftebildung herauszuarbeiten. Dabei wird insbesondere untersucht, wie curriculare Strukturen zur Professionalisierung beitragen, wie Theorie-Praxis-Verzahnung im Studium organisiert wird und in welcher Weise Kompetenzmodelle als Steuerungsinstrument für Curriculumentwicklung dienen. Darüber hinaus wird diskutiert, inwiefern das kooperative Studienmodell neue Perspektiven für institutionsübergreifende Lehrkräftebildung eröffnet. Der Beitrag versteht sich damit als konzeptionell-analytischer Beitrag zur Diskussion aktueller Strukturveränderungen in der beruflichen Lehrkräftebildung und erweitert diese um eine Perspektive aus Österreich. Durch die Darstellung des kooperativ entwickelten Curriculums der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg wird ein Beispiel für ein innovatives, praxisintegriertes und kompetenzorientiertes Studienmodell vorgestellt, das Impulse für die Weiterentwicklung dualer und berufswissenschaftlicher Studienmodelle in der gewerblich-technischen Lehrkräftebildung liefert. Studienerfolg in einer dualen Studienoption im gewerblich-technischen Lehramt – eine längsschnittliche Analyse am Beispiel der Schulassistenz in Qualifizierung Technische Universität Dresden, Deutschland 1. Fragestellung Der anhaltende Mangel an Lehrkräften für berufsbildende Schulen in gewerblich-technischen Fachrichtungen stellt flächendeckend eine zentrale Herausforderung dar. Vor diesem Hintergrund gewinnen alternative Zugangswege zum Lehramt sowie praxisintegrierte Studienmodelle an Bedeutung, da mit Ihnen ein Potential zur Attraktivitätssteigerung dieses Lehramtsstudiums verbunden wird. Mit der Schulassistenz in Qualifizierung (SchulAQ) wird seit Wintersemester 2019/20 eine Studienoption mit dualem umgesetzt, die ein universitäres Studium mit einer parallelen Tätigkeit im Schuldienst verbindet. Sie richtet sich insbesondere an beruflich qualifizierte Studierende ohne Abitur. Kennzeichnend sind dabei die kontinuierliche Einbindung in schulische Praxis, die strukturelle Verbindung beider Lernorte sowie ein abgestimmtes Begleitkonzept. Die strukturelle Verschränkung von Studium und schulischer Tätigkeit eröffnet einerseits Professionalisierungspotenziale, geht andererseits jedoch mit spezifischen Anforderungen einher. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag folgender Fragestellung: Wie wirkt sich die gleichzeitige Einbindung von Studierenden des gewerblich-technischen Lehramts in Studium und schulische Tätigkeit auf den Studienerfolg und die Studienverläufe aus? 2. Forschungsmethode, Ansatz und Durchführung Studienerfolg wird dabei als mehrdimensionales Konstrukt verstanden, das leistungsbezogene als subjektive Dimensionen umfasst. Neben Indikatoren wie Studienverlauf, Prüfungsleistungen sowie Abschluss- und Abbruchquoten wird Studienerfolg auch als Fähigkeit gefasst, die Anforderungen des Studiums unter den gegebenen institutionellen Bedingungen – insbesondere im Zusammenspiel von Universitätsstudium und schulischer Tätigkeit – zu bewältigen. Zugleich wird berücksichtigt, dass Studienerfolg durch individuelle Voraussetzungen und strukturelle Bedingungen geprägt ist und sich nicht allein aus formalen Zugangsvoraussetzungen ableiten lässt. Die empirische Grundlage der Untersuchung bilden Daten aus sieben aufeinanderfolgenden Kohorten eines Studiengangs (seit 2019), die über die Studiendauer hinweg begleitet und längsschnittlich betrachtet wurden. Für die ersten Kohorten liegen vollständige Daten bis zum Studienabschluss vor, während die zuletzt immatrikulierten Kohorten nur teilweise erfasst sind. Ein kohortenübergreifendes Design ermöglicht es, Entwicklungsverläufe über den gesamten Studienzeitraum hinweg abzubilden und sowohl abgeschlossene als auch noch nicht finalisierte Studienverläufe vergleichend zu analysieren. Die Datenerhebung folgt einem qualitativ dominierten Mixed-Methods-Ansatz. Zentrale Grundlage bilden leitfadengestützte Entwicklungs- und Beratungsgespräche, ergänzt durch Gesprächsprotokolle aus dem Studienverlauf. Quantitative Daten zum Studienfortschritt – insbesondere bestandene und nicht bestandene Modulprüfungen sowie erreichte Leistungspunkte – wurden dokumentenbasiert erfasst und ermöglichen einen Soll-Ist-Vergleich mit den Vorgaben des Studienablaufplans. 3. Ergebnisse und ihre wissenschaftliche Bedeutung Die Auswertung erfolgt kriteriengeleitet und fallübergreifend durch die Verknüpfung qualitativer und quantitativer Daten. Im Hinblick auf die leistungsbezogene Dimension werden sowohl kohortenbezogene Kennzahlen (Abschluss- und Abbruchquoten, durchschnittliche Studiendauer) als auch verlaufsbezogene Leistungsindikatoren (z. B. absolvierte Modulprüfungen im Verhältnis zum Studienplan, Abweichungen vom Regelstudienverlauf) analysiert. Auf dieser Grundlage werden typische Muster von Verläufen der dualen Studienoption rekonstruiert. In Bezug auf die subjektive Dimension werden insbesondere Entwicklungen im Kompetenzerleben in fachlicher und pädagogisch-didaktischer Hinsicht, im Belastungserleben sowie Veränderungen der Perspektiven auf Studium, schulische Praxis und die eigene berufliche Rolle untersucht. Dargestellt wird darüber hinaus, wie sich Wahrnehmungen, Kompetenzerleben und Handlungsstrategien der Studierenden im Spannungsfeld von Studium und schulischer Tätigkeit während des Studienverlaufs verändern und damit befördernd oder hemmend auf den Studienerfolg auswirken. Der Beitrag leistet damit empirisch fundierte Erkenntnisse zur Analyse von Studienerfolg in Studienoptionen mit paralleler Tätigkeit im Schuldienst. 4. Schlussfolgerungen für künftige Forschungs-/ Entwicklungsinitiativen Die Ergebnisse verweisen darauf, dass schulische Tätigkeiten zentrale Einflussfaktoren für den Studienerfolg darstellen. Offen bleibt jedoch, wie diese Tätigkeiten gezielt strukturiert werden können, um Professionalisierungsprozesse systematisch zu unterstützen. Es stellt sich zudem die Frage, inwieweit die Ergebnisse auf andere Studienformate oder Standorte übertragbar sind. Entwicklung und Umsetzung eines Kooperationsmodells für die Lehramtsausbildung mit hochschulübergreifendem Lehrangebot Technische Universität Dresden, Deutschland Vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels im Bereich der gewerblich-technischen Fachrichtungen des Lehramts an berufsbildenden Schulen wurde die TU Dresden und drei Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW), die Hochschule Mittweida (HSMW), die Hochschule Zittau/Görlitz (HSZG) und die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ), beauftragt Kooperationsmodelle für die Gewinnung von Lehrkräften zu entwickeln. In dem Beitrag soll das Kooperationsmodell und deren praktische Umsetzung mit hochschulübergreifender digitalen bzw. hybriden Lehre vorgestellt werden. Programmplanerische Entwicklung eines Weiterbildungsprogramms für betriebliches Bildungspersonal zur Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung – Eine Fallstudie aus der Textilbranche Technische Universität Chemnitz, Deutschland Der Beitrag adressiert die nachhaltige Transformation der Textilindustrie, die durch hohe Umweltbelastungen, globale Lieferketten und Zielkonflikte zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Anforderungen geprägt ist. Vor diesem Hintergrund wird Bildung – insbesondere die Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) – als zentraler Hebel für Transformationsprozesse verstanden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem betrieblichen Bildungspersonal zu, das nachhaltigkeitsbezogene Lernprozesse gestaltet. Gleichzeitig bestehen deutliche Defizite in der Qualifizierung dieser Zielgruppe sowie fehlende branchenspezifische Weiterbildungskonzepte. Ziel des Beitrags ist die Entwicklung eines programmplanerisch fundierten Weiterbildungsprogramms für das betriebliche Bildungspersonal in der Textilbranche. Theoretisch basiert das Konzept auf BBNE, Kompetenzmodellen nachhaltigkeitsbezogener Handlungskompetenz sowie Ansätzen der Programmplanung in der Erwachsenenbildung. Methodisch wird das Modell der „Wissensinseln“ nach Gieseke genutzt, das Programmplanung als iterativen Prozess zwischen Bildungsbedürfnissen, gesellschaftlichen Anforderungen und organisationalen Rahmenbedingungen versteht. Zentrale Grundlage bildet ein erweitertes Kompetenzverständnis, das neben Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz auch Gestaltungs- und Abstraktionskompetenz umfasst. Nachhaltigkeitsbezogene Handlungskompetenz wird dabei als Fähigkeit verstanden, berufliche Praxis verantwortungsvoll, reflexiv und systemisch zu gestalten. Besonders relevant sind dabei Trade-offs, Dilemmata und Paradoxien nachhaltiger Entwicklung, die gezielt als Lernanlässe integriert werden. Das entwickelte Programm folgt einem dreistufigen Framework aus Programmplanung, Programmentwicklung und Programmmanagement. Die Programmplanung umfasst die systematische Identifikation von Bedarfen und Zielgruppen auf Basis eines Expert:innenworkshops sowie einer Befragung (n=48). Die Ergebnisse zeigen ein vorhandenes Nachhaltigkeitsbewusstsein, jedoch Unsicherheiten im Verständnis sowie eine unzureichende Verknüpfung mit konkreten betrieblichen Anforderungen, woraus ein klarer Qualifizierungsbedarf abgeleitet wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass Nachhaltigkeit häufig eher normativ als handlungsorientiert verstanden wird. Darauf aufbauend wird ein modulares Train-the-Trainer-Programm im Blended-Learning-Format entwickelt. Nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzen werden in arbeitsprozessorientierte Lernsettings integriert und durch aktivierende, praxisnahe Methoden vermittelt, die die Reflexion realer Herausforderungen fördern. Ziel ist es, die Übertragung in konkrete betriebliche Ausbildungsprozesse zu unterstützen. Das Programmmanagement umfasst Pilotierung, Evaluation und kontinuierliche Weiterentwicklung. Feedback, Hospitationen und kollegiale Reflexionsformate („Produktkliniken“) sichern die Qualität und ermöglichen eine iterative Anpassung an die Anforderungen der Praxis. Dadurch werden eine langfristige Anschlussfähigkeit und Wirksamkeit des Programms angestrebt. Die Pilotphase zeigt eine hohe Wirksamkeit praxisnaher und aktivierender Methoden für Reflexion und Transfer. Gleichzeitig treten Herausforderungen wie heterogene Vorkenntnisse, unterschiedliche Beteiligungsniveaus sowie strukturelle Grenzen kompakter Formate auf. Ergänzend wird deutlich, dass nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzentwicklung nicht auf individueller Ebene verbleiben darf. Vielmehr ist eine stärkere Einbettung in organisationale Strukturen, Lernkulturen und strategische Unternehmensprozesse notwendig, um langfristige Wirkung zu erzielen. Dabei wird auch die Rolle des Bildungspersonals als „Change Agents“ hervorgehoben, die zwischen betrieblicher Praxis, Ausbildung und strategischer Ausrichtung vermitteln. Limitationen ergeben sich aus der begrenzten Stichprobe sowie der fehlenden Langzeitbetrachtung von Wirkungen auf Ausbildungspraktiken. Daraus resultiert weiterer Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Übertragbarkeit auf andere Branchen sowie der Messung langfristiger Effekte. Für die Praxis wird eine stärkere partizipative Entwicklung von Weiterbildungsangeboten sowie die Einbindung unterschiedlicher Akteursgruppen empfohlen. Zudem verdeutlichen die Ergebnisse, dass insbesondere die Verknüpfung von normativen Nachhaltigkeitsvorstellungen mit konkreten betriebswirtschaftlichen Entscheidungslogiken ein zentraler Ansatzpunkt für zukünftige Qualifizierungsmaßnahmen ist. Nur so kann nachhaltiges Handeln dauerhaft in betriebliche Routinen integriert werden. Insgesamt zeigt der Beitrag, dass die Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals ein zentraler, jedoch allein nicht ausreichender Baustein für nachhaltige Transformation ist. Das entwickelte Framework bietet hierfür eine systematische und übertragbare Grundlage. | ||

