Veranstaltungsprogramm
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2A: KI in der Beruflichen Bildung
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Forschungsvorhaben KINT - KI und Intuition Bundesinstitut für Berufsbildung, Deutschland Das vorliegende Forschungsvorhaben untersucht, wie der wiederholte berufliche Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) Intuition als Bestandteil beruflicher Kompetenz verändert. Einerseits wird dabei betrachtet, wie Fachkräfte die Nutzung von Intuition in beruflichen Entscheidungssituationen unter KI-Einsatz wahrnehmen. Andererseits wird die Beeinflussung der grundsätzlichen wahrgenommenen Fähigkeit, eigene Urteile zu generieren und mit KI-Empfehlungen auszubalancieren, untersucht. Zudem wird der Einfluss von individuellen und kontextuellen Faktoren (z. B. Expertisegrad, Selbsteinschätzung, Erklärbarkeit von KI) auf diese Prozesse eruiert. Der fortschreitende Wandel durch Digitalisierung und die damit zusammenhängende Integration von KI in den beruflichen Alltag von Ausbildungsberufen haben einen tiefgreifenden Einfluss auf grundlegende Kompetenzanforderungen von Fachkräften. Zur Untersuchung dessen ist eine berufsbezogene und praxisorientierte Analyse der Arbeitsrealitäten notwendig. Der Fokus dieses Forschungsvorhabens liegt dabei statt der klassischen Frage nach dem Bedarf an neuen Kompetenzen, insbesondere auf der Untersuchung von möglichen Verschiebungen innerhalb des vorhandenen Kompetenzspektrums. Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden die Nutzung von Intuition, die Kompetenz zur Nutzung von Intuition sowie kontextuelle Einflussvariablen anhand eines sequentiellen Mixed-Methods-Designs betrachtet. Zunächst erfolgt eine systematische Literaturrecherche des Forschungsstands von Intuition und KI. Auf Basis der Ergebnisse der Literaturrecherche werden Leitfäden für eine erste, stärker explorativ ausgerichtete qualitative Erhebung mit Fachkräften aus fünf Ausbildungsberufen entwickelt. Bei den Ausbildungsberufen handelt es sich um die Berufe des/r Chemikant/-in, Geigenbauer/-in, Kraftfahrzeugmechatroniker/-in, Landwirt/-in sowie Pflegefachmann/-frau. Anschließend werden auf Basis der Interviews zwei Ausbildungsberufe ausgewählt, die eine vergleichsweise stärkere Veränderung von Intuition erwarten lassen. Bei diesen beiden Ausbildungsberufen erfolgt eine quantitative Fachkräftebefragung. Diese soll einerseits die Erkenntnisse der qualitativen Phase durch eine breitere empirische Basis erweitern sowie andererseits erste Erkenntnisse zu möglichen kontextuellen und individuellen Einflussfaktoren generieren. Die Forschungsergebnisse könnten eine Grundlage für berufsbildnerische Möglichkeiten schaffen, die dazu beitragen, dass Fachkräften berufliche Intuition auch in hybriden Arbeitswelten zu erhalten und weiterzuentwickeln. Damit soll gewährleistet werden, dass Fachkräften diese Kompetenz weiterhin in dem Maße zur Verfügung steht, welches dem Bedarf zukünftiger Arbeitsplätze entspricht. Außerdem leistet das Forschungsvorhaben einen Beitrag zur Beantwortung der grundlegenderen Frage danach, welcher spezifisch menschliche Anteil beruflicher Kompetenz im Zuge der KI-Integration bestehen bleibt. Lernwirksamkeit von Virtual Reality in der gewerblich-technischen Ausbildung: Ergebnisse einer experimentellen Studie am Beispiel des räumlichen Denkens Hochschule Trier, Deutschland Die fortschreitende Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten für innovative Lehr-Lern-Formate in der gewerblich-technischen Ausbildung. Insbesondere Virtual Reality (VR) wird als vielversprechendes Medium zur Förderung komplexer Kompetenzen wie räumliches Denken diskutiert. Gleichzeitig bestehen in der Praxis weiterhin große Unsicherheiten hinsichtlich ihrer tatsächlichen Lernwirksamkeit und eines didaktisch sinnvollen Einsatzes. Die vorliegende Studie untersucht daher die Effekte einer didaktisch aufbereiteten VR-Lerneinheit im Vergleich zu traditionellen Lernmedien. Es wurde ein experimentelles Design mit 49 Lernenden ohne umfangreiche fachliche Vorqualifikation umgesetzt. Nach einem standardisierten Vortest wurden die Teilnehmenden randomisiert drei Gruppen zugeteilt: (1) eine Experimentalgruppe mit einer eigens entwickelten VR-Lerneinheit zum Technischen Zeichnen (Fokus: räumliches Denken), (2) eine Vergleichsgruppe mit identischen Inhalten in Form eines Lehrvideos sowie (3) eine Kontrollgruppe, mit einem inhaltlich irrelevanten Text ohne didaktischen Bezug. Im Anschluss wurden die Lernleistungen mit einen einheitlichen Nachtest erfasst und quantitativ ausgewertet. Die Ergebnisse liefern differenzierte Befunde zur Lernwirksamkeit von VR in der gewerblich-technischen Bildung. Aufbauend darauf eröffnet die Studie eine weiterführende Perspektive für die didaktische Gestaltung von VR-Lerneinheiten. Insbesondere werden Ansatzpunkte für zukünftige Untersuchungen identifiziert, speziell im Hinblick auf Immersion, Interaktivität und didaktischer Strukturierung. Angesichts der bislang begrenzten empirischen Evidenz in der gewerblich-technischen Ausbildung leistet die Studie einen Beitrag zur Weiterentwicklung digitaler Lehr-Lernformate. Sie bietet eine praxisnahe Orientierung für Lehrkräfte und Ausbilder*innen und zeigt auf, wie VR sinnvoll und lernwirksam in der beruflichen Bildung eingesetzt werden kann. Künstliche Intelligenz (KI) an Berufsschulen – Potentiale und Herausforderungen für Lehrpersonen Uni Bremen, Deutschland „Disruptive“ Entwicklungen in der Informationstechnologie (IT) wie z. B., oder auch gerade, künstliche Intelligenz (KI) bergen das Potential oder auch Risiko, auch berufliche Lehr-/Lernprozesse zu revolutionieren (z.B. Euler 2025). So setzen Lehrpersonen in der beruflichen Bildung zunehmend generative KI ein, doch neure Ergebnisse (z.B. Bükki et al., 2025) bestätigen den Befund, dass sich deren Nutzung nach wie vor weitgehend auf die Verringerung der Arbeitsbelastung (Celik et al., 2022) konzentriert. Das Erasmus+-Projekts VETAssIst (2024–2027) mit Partnern in Deutschland, Ungarn, Serbien und der Slowakei unterscheidet zwischen „AI-Pionieren“ und „Nicht-Pionieren“ unter Berufsschullehrpersonen: Erstere nutzen KI bereits in durchaus beispielhafter und nachahmenswerter Art und Weise – arbeiten jedoch oft isoliert (vgl. AI_Pioneers). Letztere benannten in einer Vorabumfrage fehlende Schulungen, ausbleibende institutionelle Unterstützung, ethische und rechtliche Unsicherheiten sowie eine mangelhafte Infrastruktur als zentrale Hindernisse des Einsatzes von KI (Bükki et al., 2025). Diese vorläufigen Befunde prägten die Entwicklung, Pilotierung und Evaluation eines Lehrgangs der beruflichen Weiterbildung zu KI für Berufsschullehrpersonen: Kann ein strukturiertes E-Learning „Nicht-Pioniere“ dazu bewegen, über den rein instrumentellen Einsatz von KI hinauszudenken und diese wirklich in den Unterricht zu integrieren? Und wenn ja, wie und unter welchen Voraussetzungen? Dieser Beitrag befasst sich mit drei Forschungsfragen: (1) Welche Bedingungen, Anreize und Hindernisse beeinflussen das Engagement von Berufsbildungslehrpersonen im Bereich KI in ihrer beruflichen Praxis? (2) Welches transformative pädagogische Potenzial birgt KI für die berufliche Bildung aus Sicht von Fachkräften mit unterschiedlichem Hintergrund? (3) Wie können Weiterbildungsprogramme angesichts der vielfältigen sprachlichen und kontextuellen Gegebenheiten der europäischen beruflichen Bildung den Aufbau KI-bezogener Kompetenzen am besten mit pädagogischer Reflexion in Einklang bringen? Es wird über durchgeführte Pilotierungen des E-Learning-Kurses „VETAssIst“ berichtet, – acht Module, die sich mit verschiedenen Aspekten der Berufsbildungspraxis befassen (z. B. aktives Lernen, Leistungsbewertung, Planung, berufliche Weiterentwicklung, KI-Kompetenz der Auszubildenden und Datenschutz) – und in vier verschiedenen nationalen Kontexten zur Weiterbildung angeboten wurden. Die Ergebnisse der Pilotphase werden zur Überarbeitung des englischen Kurses und der, ggf. adaptierten, Versionen in den anderen Sprachen genutzt. An der Pilotphase nahmen bisher insgesamt 73 Berufsbildungslehrpersonen aus Deutschland (6), Ungarn (16), der Slowakei (10) und Serbien (41) teil, die ein breites Spektrum an Fachgebieten, digitalen Kompetenzniveaus und pädagogischen Hintergründen abdeckten. Diese Vielfalt erwies sich als analytisch wertvoll, da sie eine Interpretation der Ergebnisse über verschiedene berufliche und institutionelle Kontexte hinweg ermöglicht. Die Daten werden mittels Feedback-Fragebögen vor und nach dem Kurs sowie nach Abschluss der einzelnen Module und durch Fokusgruppeninterviews erhoben und durch eine Triangulation aus deskriptiver Statistik und thematischer Analyse ausgewertet. Die ersten Pilotierungen in Deutschland und der Slowakei sind abgeschlossen; die Pilotierungen in Ungarn und Serbien laufen noch, die endgültigen Ergebnisse werden für Mitte Juni 2026 erwartet. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Kurs zwar das Bewusstsein für die Risiken, die ethischen Aspekte und die pädagogischen Möglichkeiten der KI geschärft hat, und auch, dass der Kurs zwar einige der zuvor genannten Bedenken (z.B. rechtliche Rahmenbedingungen) reduzierte, jedoch institutionalisierte Unterstützung, Engagement der Führungskräfte und etablierte Strukturen zur kollegialen Zusammenarbeit ebenfalls notwendig sind, um den transformativen Einsatz von KI über den Kurskontext hinaus aufrechtzuerhalten. Bis zur GTW Konferenz werden die Daten der ersten Pilotierungsrunde komplett ausgewertet sein. Referenzen AI_Pioneers (2025): Artificial Intelligence in education and training. https://aipioneers.org/ Bükki, E., Papp, Z., Manojlovic, H., Saniter, A., Luprihová, J., & Kovács, E. (2025). Artificial intelligence in VET: Interest and concerns by VET teachers. In VETNET Conference Series, 8(ECER), 59–67. https://doi.org/10.21240/vetcon/2025/ecer/32 Celik, I., Dindar, M., Muukkonen, H., Järvelä, S. (2022). The Promises and Challenges of Artificial Intelligence for Teachers: A Systematic Review of Research. TechTrends 66, 616–630 (2022). https://doi.org/10.1007/s11528-022-00715-y Euler, D. (2025). Verändert sich durch die KI das Lernen? https://transfer.vet/veraendert-sich-durch-die-ki-das-lernen/ VETAssIst (2026): VETAssIst – Artificial Intelligence as VET Teacher Assistant. https://vetassist.mpt.bme.hu/ Joyful Learning – Transformation betrieblicher Ausbildungspraxis in der M+E-Industrie: Gamifizierte hybride Lernumgebungen und prozessbegleitende Emotionserfassung im Kontext von Industrie 4.0 Daimler Truck AG, Deutschland Die digitale Transformation stellt die gewerblich technische Berufsausbildungspraxis vor grundlegende Umbrüche: Berufsbilder, Kompetenzanforderungen und Lehr-Lernkonzepte verändern sich tiefgreifend, und das Erfassen emotional-motivationaler Zustände von Auszubildenden bleibt ein weitgehend offenes Forschungsdesiderat. Der Beitrag stellt das Projekt BELLA vor, das am Mercedes-Benz Werk Gaggenau der Daimler Truck AG durchgeführt wurde. Ausgangspunkt ist das Production Lab 4.0, ein rekonfigurierbares, cyber-physisches Produktionssystem als authentische Lernfabrik für Auszubildende verschiedener Metall- und Elektroberufe. 1. Fragestellung Leitend sind drei Forschungsfragen: (F1) Wie lassen sich lebensweltliche Perspektiven von Auszubildenden und Anforderungen realer betrieblicher Arbeits- und Produktionskontexte in hybriden Lernumgebungen kohärent verbinden? (F2) Wie lässt sich ein hybrides, multimediales betriebliches Lernsetting unter den Leitprinzipien von Joyful Learning methodisch fundiert entwickeln und didaktisch ausgestalten? (F3) Wie können emotional-motivationale Zustände in betrieblichen Lernprozessen prozessbegleitend und messökonomisch erfasst werden, und welche Anwendungsfelder aggregierter Emotion Analytics ergeben sich für die betriebliche Ausbildungspraxis? Joyful Learning fungiert dabei als integrative didaktische Rahmung, die Erkenntnisse der Positiven Psychologie, der Motivationsforschung und motivationsorientierter Didaktik bündelt. 2. Forschungs-/Entwicklungsmethode, Ansatz und Durchführung Der Forschungsprozess folgte dem Ansatz des Educational Design Research (EDR) und orientierte sich am achtphasigen mediendidaktischen ELEKTRA-Modell, dessen Kernprinzipien Makro- und Mikroadaptivität, Motivation und Metakognition umfassen. Der Entwicklungs- und Erprobungsprozess gliederte sich in vier Arbeitspakete. In AP1 wurden betriebliche Lernroutinen, Spielpraktiken der Auszubildenden (n=97) sowie AR-Use-Cases im Betrieb analysiert, um die Passung des didaktischen Designs auf Mikro- und Mesoebene zu fundieren. AP2 umfasste die iterative Entwicklung eines hybriden Ausbildungsbausteins mit Mixed-Reality-Anteilen (HoloLens 2), narrativer Rahmung sowie Gamification als didaktisch dosierte Designstrategie in vier progressiven Sequenzen (Baseline, Knowledge, Exploration, Try Out), eingebettet in das Production Lab 4.0. AP3 umfasste eine quasi-experimentelle Machbarkeitsstudie zur Emotions- und Motivationserfassung mittels Experience Sampling Method (ESM) in einem betrieblichen Eintages-Setting (n=64). Verglichen wurde das hybride Lernsetting mit sowie ohne AR- und Gamification-Elemente. Das Untersuchungsdesign umfasste eine Initialerhebung (affektives Erleben, Selbstwirksamkeit, Leistungsmotivation, Medienkompetenz, Vorwissen), alternierende Kurzbefragungen an zwölf Messzeitpunkten (Flow‑Zustand [FKS], emotional‑motivationales Erleben [PANAVA-KS] und wahrgenommene Beanspruchung [NASA-TLX]) sowie eine Abschlussmessung mit Wissenstest. AP4 beinhaltete die Revision und finale Implementierung. 3. Ergebnisse und ihre wissenschaftliche Bedeutung Der Ausbildungsbaustein stellt ein zentrales Ergebnis dar und kann als didaktische Innovation in der betrieblichen M+E Ausbildung verstanden werden: Er realisiert eine hybride, arbeitsprozessorientierte und gamifizierte Lernarchitektur, in der lebensweltliche Perspektiven der Auszubildenden, betriebliche Arbeits und Produktionsanforderungen sowie digitale Medien und Technologien systematisch integriert werden. Das ELEKTRA Modell erweist sich als tragfähiger Orientierungs und Strukturrahmen. Ergänzend zeigt die quasi experimentelle Machbarkeitsstudie, dass eine prozessbegleitende Emotions und Motivationserfassung mittels ESM im betrieblichen Eintages Setting praktikabel ist. Die wissenschaftliche Bedeutung liegt nicht in Effektstärken, sondern in der Erprobung im realbetrieblichen Ausbildungskontext. Aggregierte Emotion Analytics Daten eröffnen Anwendungsfelder von der Lernkonzept Evaluation bis zur individuellen und kollektiven Lernbegleitung und erweitern damit summative Evaluationsmethoden. 4. Schlussfolgerungen für künftige Forschungs-/Entwicklungsinitiativen Auf Basis dieser Ergebnisse wird empfohlen, den Ausbildungsbaustein in künftigen Forschungs- und Entwicklungsprojekten gezielt als Orientierungsrahmen zu erproben, um Adaptierbarkeit und Skalierbarkeit in unterschiedlichen betrieblichen Lernsettings systematisch zu überprüfen. Joyful Learning ist als konzeptioneller Rahmen weiter empirisch zu fundieren. Zudem bietet sich eine Erprobung des ELEKTRA-Modells in weiteren Bildungskontexten, insbesondere der beruflichen Weiterbildung, an. Die Erfassung des emotional-motivationalen Erlebens über eine längere Lernphase hinweg stellt eine weitere vielversprechende Anschlusslinie dar. Die zugrundeliegende Dissertation ist empirisch abgeschlossen und alle Daten liegen vollständig ausgewertet vor. Die schriftliche Ausarbeitung befindet sich in der Endphase. | ||

