Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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2B: Transformation KFZ & Metall Ort: Gebäude O - 0.07 - Seminarraum Chair der Sitzung: Matthias Becker | |
| Präsentation 2 | |
Vom Leitbild zur Realität – Lebenslanges Lernen in der Transformation am Beispiel Kfz-Mechatroniker*in Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH, Deutschland Die digitale Transformation der Automobilindustrie, geprägt durch Elektromobilität, zunehmende Softwareintegration und den Einsatz künstlicher Intelligenz, verändert die Anforderungen an gewerblich-technische Facharbeit grundlegend. Der Beruf Kfz-Mechatroniker*in zählt zu den quantitativ bedeutendsten Ausbildungsberufen in Deutschland (Bundesinstitut für Berufsbildung, 2025) und eignet sich daher in besonderer Weise als Referenzberuf zur Analyse dieses Wandels. Vor diesem Hintergrund untersucht der Beitrag in einer integrierten Betrachtung von drei Forschungsprojekten des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) die Bedeutung selbstgesteuerten und kontinuierlichen Lernens im Kontext des Strukturwandels sowie die daraus resultierenden Anforderungen an die berufliche Bildung. Die Analyse basiert auf Ergebnissen der Projekte „SIBA – Duale Berufsausbildung in Zeiten des Strukturwandels der Automobilregion Südwestsachsen“ und „transform.by – Transformation der Fahrzeugindustrie und ihrer Zulieferer“ und wird ergänzt durch Erkenntnisse aus dem Projekt „InnoFort– Innovative Fortbildung im Handwerk durch Microcredentials“. Methodisch werden Stellenanzeigenanalysen (über 11.000 Anzeigen), Unternehmensbefragungen, qualitative Fallstudien sowie eine SWOT-Analyse bestehender Ausbildungsstrukturen kombiniert. Durch diese multimethodische Perspektive werden arbeitsmarktbezogene Anforderungen, betriebliche Praxis und institutionelle Rahmenbedingungen systematisch zusammengeführt und übergreifende Ergebnisse vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Verschiebung der Kompetenzanforderungen. Neben wachsender Bedeutung von Kenntnissen in Bereichen wie Elektromobilität, Digitalisierung und datenbasierter Diagnose gewinnen insbesondere überfachliche Kompetenzen wie Lernbereitschaft, Selbstorganisation und Anpassungsfähigkeit an Bedeutung. Gleichzeitig wird eine strukturelle Diskrepanz zwischen den dynamischen Anforderungen der betrieblichen Praxis und den bestehenden Ausbildungsordnungen sichtbar, die technologische Entwicklungen bislang nur unzureichend abbilden Unternehmen reagieren darauf mit einer zunehmenden Verlagerung von Qualifizierungsprozessen in kontinuierliche, betriebsnahe Lernformate, während sich Beschäftigte verstärkt eigenverantwortlich Wissen aneignen müssen (Weber et al., 2025). Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass selbstgesteuertes und kontinuierliches Lernen zu einer zentralen Voraussetzung beruflicher Handlungsfähigkeit wird. Lebenslanges Lernen darf daher nicht als normatives Leitbild verbleiben. Die berufliche Erstausbildung muss Strukturen schaffen, die zu lebenslangem Lernen befähigen. Diskutiert werden Ansatzpunkte wie die Modularisierung von Ausbildungsstrukturen, Spezialisierung und die Integration von Zusatzqualifikationen sowie die Förderung individueller Lernpfade. Basierend auf Ergebnissen aus dem Projekt „InnoFort“ – wird in diesem Zusammenhang das Potenzial von Microcredentials (MCs) vertieft diskutiert. Auf europäischer Ebene werden MCs, also Nachweise von Lernergebnissen, die im Rahmen kleinerer Lernerfahrungen erzielt werden, als vielversprechender Ansatz gehandelt, um lebenslanges Lernen zu fördern, dynamische, arbeitsmarktrelevante Themen aufzugreifen und – aufgrund des überschaubaren Umfangs – eigenverantwortliches Lernen und Qualifizierung im Beruf zu ermöglichen (Rat der Europäischen Union, 2022). Der Beitrag verknüpft die Möglichkeit von MCs im Aus- und Weiterbildungsbereich im Handwerk mit der Berufsbildung von Kfz-Mechatroniker*innen. Es werden Beispiele aufgezeigt, wie MCs an unterschiedlichen Stellen der Berufsbiographie genutzt werden könnten und damit eine flexible, bedarfsorientierte und oftmals digital gestützte Kompetenzentwicklung ermöglichen können. Als Ausblick soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern MCs einen geeigneten Ansatz bieten, selbstgesteuertes Lernen systematisch zu fördern und die Verbindung zwischen Aus- und Weiterbildung neu zu gestalten. Der Beitrag zeigt, dass eine zukunftsfähige Gestaltung gewerblich-technischer Berufsbildung nur gelingt, wenn strukturelle Reformen mit der gezielten Entwicklung individueller Lernkompetenzen verbunden werden. Er leistet damit einen empirisch fundierten und handlungsorientierten Beitrag zur Weiterentwicklung beruflicher Bildung im Kontext digitaler Transformation. | |

