Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Sitzung | |
|
3A: Lehkräftebildung Ort: Gebäude O - 0.018 - Seminarraum Chair der Sitzung: Wilko Reichwein | |
| Präsentation 4 | |
Programmplanerische Entwicklung eines Weiterbildungsprogramms für betriebliches Bildungspersonal zur Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung – Eine Fallstudie aus der Textilbranche Technische Universität Chemnitz, Deutschland Der Beitrag adressiert die nachhaltige Transformation der Textilindustrie, die durch hohe Umweltbelastungen, globale Lieferketten und Zielkonflikte zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Anforderungen geprägt ist. Vor diesem Hintergrund wird Bildung – insbesondere die Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) – als zentraler Hebel für Transformationsprozesse verstanden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem betrieblichen Bildungspersonal zu, das nachhaltigkeitsbezogene Lernprozesse gestaltet. Gleichzeitig bestehen deutliche Defizite in der Qualifizierung dieser Zielgruppe sowie fehlende branchenspezifische Weiterbildungskonzepte. Ziel des Beitrags ist die Entwicklung eines programmplanerisch fundierten Weiterbildungsprogramms für das betriebliche Bildungspersonal in der Textilbranche. Theoretisch basiert das Konzept auf BBNE, Kompetenzmodellen nachhaltigkeitsbezogener Handlungskompetenz sowie Ansätzen der Programmplanung in der Erwachsenenbildung. Methodisch wird das Modell der „Wissensinseln“ nach Gieseke genutzt, das Programmplanung als iterativen Prozess zwischen Bildungsbedürfnissen, gesellschaftlichen Anforderungen und organisationalen Rahmenbedingungen versteht. Zentrale Grundlage bildet ein erweitertes Kompetenzverständnis, das neben Fach-, Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz auch Gestaltungs- und Abstraktionskompetenz umfasst. Nachhaltigkeitsbezogene Handlungskompetenz wird dabei als Fähigkeit verstanden, berufliche Praxis verantwortungsvoll, reflexiv und systemisch zu gestalten. Besonders relevant sind dabei Trade-offs, Dilemmata und Paradoxien nachhaltiger Entwicklung, die gezielt als Lernanlässe integriert werden. Das entwickelte Programm folgt einem dreistufigen Framework aus Programmplanung, Programmentwicklung und Programmmanagement. Die Programmplanung umfasst die systematische Identifikation von Bedarfen und Zielgruppen auf Basis eines Expert:innenworkshops sowie einer Befragung (n=48). Die Ergebnisse zeigen ein vorhandenes Nachhaltigkeitsbewusstsein, jedoch Unsicherheiten im Verständnis sowie eine unzureichende Verknüpfung mit konkreten betrieblichen Anforderungen, woraus ein klarer Qualifizierungsbedarf abgeleitet wird. Gleichzeitig wird deutlich, dass Nachhaltigkeit häufig eher normativ als handlungsorientiert verstanden wird. Darauf aufbauend wird ein modulares Train-the-Trainer-Programm im Blended-Learning-Format entwickelt. Nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzen werden in arbeitsprozessorientierte Lernsettings integriert und durch aktivierende, praxisnahe Methoden vermittelt, die die Reflexion realer Herausforderungen fördern. Ziel ist es, die Übertragung in konkrete betriebliche Ausbildungsprozesse zu unterstützen. Das Programmmanagement umfasst Pilotierung, Evaluation und kontinuierliche Weiterentwicklung. Feedback, Hospitationen und kollegiale Reflexionsformate („Produktkliniken“) sichern die Qualität und ermöglichen eine iterative Anpassung an die Anforderungen der Praxis. Dadurch werden eine langfristige Anschlussfähigkeit und Wirksamkeit des Programms angestrebt. Die Pilotphase zeigt eine hohe Wirksamkeit praxisnaher und aktivierender Methoden für Reflexion und Transfer. Gleichzeitig treten Herausforderungen wie heterogene Vorkenntnisse, unterschiedliche Beteiligungsniveaus sowie strukturelle Grenzen kompakter Formate auf. Ergänzend wird deutlich, dass nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzentwicklung nicht auf individueller Ebene verbleiben darf. Vielmehr ist eine stärkere Einbettung in organisationale Strukturen, Lernkulturen und strategische Unternehmensprozesse notwendig, um langfristige Wirkung zu erzielen. Dabei wird auch die Rolle des Bildungspersonals als „Change Agents“ hervorgehoben, die zwischen betrieblicher Praxis, Ausbildung und strategischer Ausrichtung vermitteln. Limitationen ergeben sich aus der begrenzten Stichprobe sowie der fehlenden Langzeitbetrachtung von Wirkungen auf Ausbildungspraktiken. Daraus resultiert weiterer Forschungsbedarf, insbesondere hinsichtlich der Übertragbarkeit auf andere Branchen sowie der Messung langfristiger Effekte. Für die Praxis wird eine stärkere partizipative Entwicklung von Weiterbildungsangeboten sowie die Einbindung unterschiedlicher Akteursgruppen empfohlen. Zudem verdeutlichen die Ergebnisse, dass insbesondere die Verknüpfung von normativen Nachhaltigkeitsvorstellungen mit konkreten betriebswirtschaftlichen Entscheidungslogiken ein zentraler Ansatzpunkt für zukünftige Qualifizierungsmaßnahmen ist. Nur so kann nachhaltiges Handeln dauerhaft in betriebliche Routinen integriert werden. Insgesamt zeigt der Beitrag, dass die Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals ein zentraler, jedoch allein nicht ausreichender Baustein für nachhaltige Transformation ist. Das entwickelte Framework bietet hierfür eine systematische und übertragbare Grundlage. | |

