Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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2A: KI in der Beruflichen Bildung Ort: Gebäude O - 0.07 - Seminarraum Chair der Sitzung: Steffen Karstens | |
| Präsentation 4 | |
Joyful Learning – Transformation betrieblicher Ausbildungspraxis in der M+E-Industrie: Gamifizierte hybride Lernumgebungen und prozessbegleitende Emotionserfassung im Kontext von Industrie 4.0 Daimler Truck AG, Deutschland Die digitale Transformation stellt die gewerblich technische Berufsausbildungspraxis vor grundlegende Umbrüche: Berufsbilder, Kompetenzanforderungen und Lehr-Lernkonzepte verändern sich tiefgreifend, und das Erfassen emotional-motivationaler Zustände von Auszubildenden bleibt ein weitgehend offenes Forschungsdesiderat. Der Beitrag stellt das Projekt BELLA vor, das am Mercedes-Benz Werk Gaggenau der Daimler Truck AG durchgeführt wurde. Ausgangspunkt ist das Production Lab 4.0, ein rekonfigurierbares, cyber-physisches Produktionssystem als authentische Lernfabrik für Auszubildende verschiedener Metall- und Elektroberufe. 1. Fragestellung Leitend sind drei Forschungsfragen: (F1) Wie lassen sich lebensweltliche Perspektiven von Auszubildenden und Anforderungen realer betrieblicher Arbeits- und Produktionskontexte in hybriden Lernumgebungen kohärent verbinden? (F2) Wie lässt sich ein hybrides, multimediales betriebliches Lernsetting unter den Leitprinzipien von Joyful Learning methodisch fundiert entwickeln und didaktisch ausgestalten? (F3) Wie können emotional-motivationale Zustände in betrieblichen Lernprozessen prozessbegleitend und messökonomisch erfasst werden, und welche Anwendungsfelder aggregierter Emotion Analytics ergeben sich für die betriebliche Ausbildungspraxis? Joyful Learning fungiert dabei als integrative didaktische Rahmung, die Erkenntnisse der Positiven Psychologie, der Motivationsforschung und motivationsorientierter Didaktik bündelt. 2. Forschungs-/Entwicklungsmethode, Ansatz und Durchführung Der Forschungsprozess folgte dem Ansatz des Educational Design Research (EDR) und orientierte sich am achtphasigen mediendidaktischen ELEKTRA-Modell, dessen Kernprinzipien Makro- und Mikroadaptivität, Motivation und Metakognition umfassen. Der Entwicklungs- und Erprobungsprozess gliederte sich in vier Arbeitspakete. In AP1 wurden betriebliche Lernroutinen, Spielpraktiken der Auszubildenden (n=97) sowie AR-Use-Cases im Betrieb analysiert, um die Passung des didaktischen Designs auf Mikro- und Mesoebene zu fundieren. AP2 umfasste die iterative Entwicklung eines hybriden Ausbildungsbausteins mit Mixed-Reality-Anteilen (HoloLens 2), narrativer Rahmung sowie Gamification als didaktisch dosierte Designstrategie in vier progressiven Sequenzen (Baseline, Knowledge, Exploration, Try Out), eingebettet in das Production Lab 4.0. AP3 umfasste eine quasi-experimentelle Machbarkeitsstudie zur Emotions- und Motivationserfassung mittels Experience Sampling Method (ESM) in einem betrieblichen Eintages-Setting (n=64). Verglichen wurde das hybride Lernsetting mit sowie ohne AR- und Gamification-Elemente. Das Untersuchungsdesign umfasste eine Initialerhebung (affektives Erleben, Selbstwirksamkeit, Leistungsmotivation, Medienkompetenz, Vorwissen), alternierende Kurzbefragungen an zwölf Messzeitpunkten (Flow‑Zustand [FKS], emotional‑motivationales Erleben [PANAVA-KS] und wahrgenommene Beanspruchung [NASA-TLX]) sowie eine Abschlussmessung mit Wissenstest. AP4 beinhaltete die Revision und finale Implementierung. 3. Ergebnisse und ihre wissenschaftliche Bedeutung Der Ausbildungsbaustein stellt ein zentrales Ergebnis dar und kann als didaktische Innovation in der betrieblichen M+E Ausbildung verstanden werden: Er realisiert eine hybride, arbeitsprozessorientierte und gamifizierte Lernarchitektur, in der lebensweltliche Perspektiven der Auszubildenden, betriebliche Arbeits und Produktionsanforderungen sowie digitale Medien und Technologien systematisch integriert werden. Das ELEKTRA Modell erweist sich als tragfähiger Orientierungs und Strukturrahmen. Ergänzend zeigt die quasi experimentelle Machbarkeitsstudie, dass eine prozessbegleitende Emotions und Motivationserfassung mittels ESM im betrieblichen Eintages Setting praktikabel ist. Die wissenschaftliche Bedeutung liegt nicht in Effektstärken, sondern in der Erprobung im realbetrieblichen Ausbildungskontext. Aggregierte Emotion Analytics Daten eröffnen Anwendungsfelder von der Lernkonzept Evaluation bis zur individuellen und kollektiven Lernbegleitung und erweitern damit summative Evaluationsmethoden. 4. Schlussfolgerungen für künftige Forschungs-/Entwicklungsinitiativen Auf Basis dieser Ergebnisse wird empfohlen, den Ausbildungsbaustein in künftigen Forschungs- und Entwicklungsprojekten gezielt als Orientierungsrahmen zu erproben, um Adaptierbarkeit und Skalierbarkeit in unterschiedlichen betrieblichen Lernsettings systematisch zu überprüfen. Joyful Learning ist als konzeptioneller Rahmen weiter empirisch zu fundieren. Zudem bietet sich eine Erprobung des ELEKTRA-Modells in weiteren Bildungskontexten, insbesondere der beruflichen Weiterbildung, an. Die Erfassung des emotional-motivationalen Erlebens über eine längere Lernphase hinweg stellt eine weitere vielversprechende Anschlusslinie dar. Die zugrundeliegende Dissertation ist empirisch abgeschlossen und alle Daten liegen vollständig ausgewertet vor. Die schriftliche Ausarbeitung befindet sich in der Endphase. | |

