Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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2C: Ausbildungspersonal Ort: Gebäude O - 0.07 - Seminarraum Chair der Sitzung: Hannes Ranke | |
| Präsentation 3 | |
Von der Fachkraft zur Ausbilder:in: Ergebnisse einer Interviewstudie zu Entwicklungsaufgaben des betrieblichen Bildungspersonals in gewerblich-technischen Berufen Institut für Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen, Deutschland Fragestellung: Das Ausbildungspersonal ist maßgeblich für die Qualität beruflicher Bildung, steht jedoch vor Herausforderungen. Die betriebliche Bildungsarbeit verlangt mit Spannungsfeldern und widersprüchlichen Anforderungen umzugehen, verschiedene Perspektiven einzubeziehen und die eigene Rolle zu reflektieren (Diettrich et al. 2021). Während einige Studien die Anforderungssituation an Ausbilder:innen beschreiben (Bahl et al. 2012; Wolff 2023), ist wenig über ihre Lern- und Entwicklungsprozesse bekannt. Für die Qualifikationsforschung ist von Interesse, welche Herausforderungen sie in einem komplexen Arbeitsumfeld bewältigen und auf welche Strategien sie dabei zurückgreifen. Erste Erkenntnisse bieten die von Pascoe (2023) beschriebenen Entwicklungsaufgaben, die typische Anforderungen und Bewältigungsstrategien hauptamtlicher Ausbilder:innen in industriellen M+E-Berufen zusammenführen. Offen ist, inwiefern diese auch für andere Funktionsprofile, Domänen und Kontexte zutreffen. Vor diesem Hintergrund geht eine Interviewstudie mit Ausbilder:innen unterschiedlicher Funktionsprofile (hauptberuflich/nebenberuflich; mit/ohne Leitungsfunktion) und Kontexte (Industrie/Handwerk) folgenden Fragen nach: F1. Welche Entwicklungsaufgaben können in der Berufsbiographie betrieblicher Ausbilder:innen unterschiedlicher Funktionsprofile rekonstruiert werden? F2. Wie sehen Lern- und Entwicklungsprozesse unterschiedlicher Funktionsprofile aus? Welche Rolle spielt die Qualifizierung nach AEVO? Forschungsmethode: Zur Beantwortung der Fragen wurden berufsbiographische Interviews auf Grundlage der Entwicklungsaufgaben im genannten Untersuchungsfeld mit Ausbilder:innen unterschiedlicher Funktionsprofile geführt. Dabei wurden die Annahmen der berufspädagogischen Biographieforschung zugrunde gelegt. Diese rekonstruiert Bildungs- und Lernprozesse anhand qualitativer empirischer Zugänge, ausgehend vom Berufsalltag der Subjekte sowie deren Orientierungsmuster und Problemlösungsstrategien (Unger 2009; Marotzki 2006). Ansatz und Durchführung: Im Zeitraum von 07/2025 bis 02/2026 wurden 22 Interviews mit 9 Ausbildungsleitungen (haupt-/nebenamtlich), 7 hauptamtlichen Ausbilder:innen und 6 ausbildenden Fachkräften davon 14 in Industrieunternehmen und 8 im Handwerk geführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2022) ausgewertet. Ergebnisse und ihre wissenschaftliche Bedeutung: Die Ergebnisse zeigen, dass Ausbilder:innen ihre Tätigkeit häufig als bewusste biografische Neugestaltung verstehen, wobei der Einstieg in die pädagogische Arbeit unterschiedlich herausfordernd ist. Dabei ist eine Zuordnung der subjektiven Repräsentation von Herausforderungen in das Schema der Entwicklungsaufgaben nach Pascoe (2023) möglich. Besonders relevante Herausforderungen zeigen sich im Umgang mit Auszubildenden und der Entwicklung einer eigenen Rolle. Eine Reihenfolge typischer Herausforderungen ist nicht rekonstruierbar, was sowohl durch Charakteristika der Studie als auch des Gegenstands begründet sein kann. Bewältigungsstrategien für herausfordernde Situationen sind häufig auf der Ebene informeller, erfahrungsbasierter Lernprozesse angesiedelt, z. B. der Austausch mit Kolleg:innen, das Hinzuziehen von Expert:innen, Lernen durch wiederholte praktische Erfahrung. In einer Vielzahl der Interviews wurde deutlich, dass die Erfahrungen aus der eigenen Ausbildungszeit über alle Funktionsprofile hinweg das Rollenverständnis und das pädagogische Handeln prägen. Die AEVO wird je nach Funktionsprofil unterschiedlich bewertet: Ausbildungsleitungen sehen sie oft als praxisferne Theorie, hauptamtliche Ausbilder:innen bewerten sie ambivalent zwischen begrenzter Praxistauglichkeit und instrumentellem Nutzen, während nebenamtliche Ausbilder:innen sie vor allem als formale Grundlage mit punktuellem Wissensgewinn betrachten. Insgesamt zeigt sich, dass die AEVO Orientierung bietet, ihre praktische Relevanz jedoch meist erst in Verbindung mit informellen Lernprozessen entfaltet wird. Schlussfolgerung für künftige Forschungs-/Entwicklungsinitiativen: Um die Qualifizierung von Ausbildungskräften an den Anforderungen des Berufsfeldes auszurichten und auf reale Spannungsfelder vorzubereiten, kann ein abgesicherter Kanon von Entwicklungsaufgaben als Strukturmerkmal von Curricula dienen. Die Ergebnisse liefern Impulse, um die Ausbilder:innenqualifizierung als ein den Übergang begleitendes Bildungsangebot zu gestalten und Erfahrungen der Teilnehmenden aus der Auseinandersetzung mit neuen Anforderungen im Berufsfeld zum Gegenstand von Reflexion zu machen. Neben strukturellen und curricularen Ansatzpunkten, zeigen sich methodisch-didaktische Hinweise. Formate, wie kollegiale Fallberatung oder Supervision gelten als geeignet, um Zielkonflikte und Spannungen zu reflektieren. Zukünftige Forschungs- und Entwicklungsinitiativen könnten durch die Betrachtung weiterer Domänen differenzierte Qualifizierungsangebote entwickeln. | |

