Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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3D: Lernsysteme Ort: Gebäude O - 0.018 - Seminarraum Chair der Sitzung: Jens Siemon | |
| Präsentation 3 | |
Strukturveränderungen beruflicher Facharbeit im Bauwesen durch Künstliche Intelligenz: Konsequenzen für Kompetenzmodelle, Didaktik und Prüfungsformate Universität Duisburg-Essen, Deutschland Die fortschreitende Integration Künstlicher Intelligenz (KI) in die Bauwirtschaft führt zu grundlegenden, nicht lediglich additiven Veränderungen beruflicher Facharbeit. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Planung und Entwurf über Bauausführung bis zu Projektsteuerung und Qualitätssicherung, verschieben sich Handlungssituationen, Entscheidungslogiken und Verantwortungsstrukturen. Der Beitrag analysiert diese Transformation aus berufswissenschaftlicher Perspektive auf Grundlage der Ergebnisse des Projekts KI4Edu (Freiraum 2023) und fokussiert die strukturverändernden Effekte von KI auf Kompetenzanforderungen, Didaktik und Prüfungsformate in der bauwirtschaftlichen Bildung. Methodisch verbindet der Beitrag eine strukturierende Auswertung der in Arbeit befindlichen KI4Edu-Berichte mit einer deduktiven Verdichtung entlang vier Analyseachsen (Kompetenzprofile, Didaktik, Prüfungsformate, Ethik/Recht) und einer konzeptionellen Integration unter Rückgriff auf etablierte Referenzmodelle (UNESCO AI Competency Framework, OECD Learning Compass 2030, DigCompEdu, TPACK, SAMR, DQR) und Rechtsrahmen (EU AI Act, DSGVO, HRK-Hinweise 2024). Als analytische Leitkonzepte dienen das im Projekt entwickelte LOCAM-KI-Modell (Learning Outcomes & Competency Assessment Model for and with AI), das 3-P-Modell (Product, Process, Person), die Bloomsche Taxonomie nach Anderson/Krathwohl sowie das Constructive Alignment nach Biggs. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass berufliche Entscheidungen zunehmend in asymmetrischer Mensch-Maschine-Interaktion getroffen werden. KI-gestützte Systeme übernehmen Informationsaufbereitung, Mustererkennung und Entscheidungsunterstützung, während Bewertung, Kontextualisierung und Konsequenzabschätzung beim Menschen verbleiben. Daraus ergibt sich eine systematische Verschiebung beruflicher Kompetenzprofile. Neben Fachwissen gewinnen die kritische Prüfung KI-generierter Ergebnisse, der Umgang mit Unsicherheit, Bias und Modellgrenzen sowie ethisch-rechtliche Urteilsfähigkeit in sicherheits- und haftungsrelevanten Kontexten an Bedeutung. BIM (Building Information Modelin) erweist sich dabei als notwendiges, nicht mehr lediglich ergänzendes, datentechnisches Fundament KI-gestützter Planung und Ausführung. Eigene Experimente im ingenieurwissenschaftlichen Grundstudium zeigen, dass Large Language Models (LLMs) bei konzeptionellen Fragestellungen tragfähig, bei normativen und bautechnisch-detaillierten Inhalten jedoch systematisch fehleranfällig sind. Berufliche Facharbeit wird damit nicht primär durch Effizienzgewinne, sondern durch die Notwendigkeit fachlicher Validierung und verantwortungsbezogener Einordnung maschinell generierter Ergebnisse verändert. Und das im Sinne einer Co-Intelligence, in der epistemisch entscheidende Operationen beim Menschen verbleiben. Diese Veränderungen haben unmittelbare Konsequenzen für die Struktur beruflicher Bildung. Reproduktionsorientierte Prüfungsformate verlieren an Aussagekraft, während problem- und handlungsorientierte Formate (z.B. dokumentierte KI-gestützte Fallanalysen, Reflexionsprotokolle, mündliche Verteidigungen KI-entwickelter Konzepte und kollaborative Projektleistungen mit transparenter KI-Offenlegung) an Bedeutung gewinnen. Das LOCAM-KI-Modell und das 3-P-Modell liefern eine operationalisierbare Bewertungslogik, die KI-Nutzung nicht als Störgröße, sondern als gestaltbaren und prüfbaren Kompetenzgegenstand integriert. Hinzu tritt eine nicht-optionale ethisch-rechtliche Querschnittsanforderung, denn KI im Bauwesen fällt regelmäßig in die Hochrisikokategorie des EU AI Act und DSGVO-Vorgaben strukturieren prüfungsrelevante KI-Nutzung. Der Beitrag zeigt, dass die Integration von KI eine grundlegende Neuausrichtung von Kompetenzmodellen, Prüfungslogiken und didaktischen Konzepten erfordert. Die wissenschaftliche Eigenleistung liegt darin, zwei bislang getrennt verhandelte Perspektiven, d.h. KI als Anwendungsfeld der Baupraxis und KI als Lehrtechnologie, systematisch zu verbinden und die Abbildungslogik von Facharbeit in Bildung neu zu begründen. Empirische Befunde zur bislang begrenzten Beschäftigungswirkung von KI eröffnen ein nutzbares Zeitfenster für proaktive curriculare Anpassung. Damit liefert der Beitrag sowohl einen theoretisch-konzeptionellen als auch einen anwendungsbezogenen Impuls für die gewerblich-technische Berufswissenschaft und die Weiterentwicklung zukunftsfähiger Bildungsstrukturen im Bauwesen. | |

