Grazer Grundschulkongress 2026
6. - 8. Juli 2026 | Graz, Österreich
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Diskussionsforum 2
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Künstliche Intelligenz (KI) und die Professionalisierung angehender Grundschullehrkräfte Generative KI (genKI) hat sich rasch zu einem integralen Bestandteil verschiedenster Lebens- und Arbeitsbereiche entwickelt und birgt das Potenzial, „die Bildungslandschaft dramatisch zu verändern“ (Gottschling et al., 2024, 123). Dies gilt in besonderem Maße für die universitäre Hochschulbildung. Obwohl die Nutzung von KI-Tools im studentischen Alltag erst Ende 2022 an Bedeutung gewann, wenden heute bereits etwa 99% aller Studierenden in Deutschland und Österreich genKI im Kontext ihres Studiums an (u.a. Hüsch et al., 2025). Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, inwieweit die Integration von genKI in die universitäre Ausbildung angehender (Grundschul-)Lehrkräfte bislang Einzug gehalten hat. Existieren gezielte Strategien und Konzepte, sind diese notwendig und – falls ja – welche sollten entwickelt werden? Dies sind die Kernfragen des vorliegenden Diskussionsforums. Dabei sind die Perspektiven und das Nutzungsverhalten von (Grundschul )Lehramtsstudierenden von entscheidender Bedeutung. Welche genKI-Tools – einschließlich hochschuleigener Angebote – sind den Studierenden bekannt und wofür setzen sie diese ein? Erkennen sie die Potenziale und Grenzen dieser Technologien? Wie positionieren sie sich zu ethischen Fragen, beispielsweise im Hinblick auf einen digital divide, unterschiedliche Prüfungskontexte, das Phänomen der KI-Halluzinationen sowie die Notwendigkeit von Bias-Awareness? Eingebunden in das Diskussionsforum ist eine eigene empirische Studie, die im Rahmen des Forschungsprojekts KI:SU (generative KI im Kontext des Sachunterrichtsstudiums) durchgeführt wurde. Das Projekt ist an den Universitäten Paderborn (Nordrhein-Westfalen) und Osnabrück (Niedersachsen) verortet (Becher et al., 2026). Neben einem stets aktualisierten, iterativ angelegten Systematischen Literaturreview über vorliegende Studien zur studentischen Nutzung(-spraxis) mit genKI, wurde auch eine eigene quantitative Studie durchgeführt, da folgendes Forschungsdesiderat erkannt wurde: Die Gruppe der Lehramtsstudierenden, insbesondere auch die der Grundschullehramtsstudierenden, wurde bislang nicht eigenständig in den Blick genommen. Für diese empirische Studie wurden daher rund 300 Studierende des Bachelor- und Masterstudiengangs Grundschullehramt (Sachunterricht) mittels eines Online-Fragebogens befragt. Zentrale Ergebnisse dieser Befragung werden vorgestellt und in den Diskurs der aktuellen Forschungslage eingeordnet. Welche Konsequenzen und konzeptionellen Folgerungen sich vor dem Hintergrund der aktuellen bildungspolitischen Diskussion sowie Befähigungsdiskussionen für (angehende) Grundschullehrkräfte ableiten lassen, soll im Verlauf des Diskussionsforum vor dem Hintergrund unterschiedlicher Fragekomplexe diskutiert werden. Ziel ist es, einen konstruktiven Austausch zu befördern und Impulse für eine zukunftsweisende Lehrkräfteausbildung zu geben. Beiträge des Symposiums Konstruktive Einbindung oder abwartende Haltung? Hochschulbildung und genKi Das Diskussionsforum beginnt einleitend mit einem Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) – in traditioneller wie generativer Form. Es werden die rasanten und tiefgreifenden Veränderungen durch KI der letzten Jahren aufgezeigt und unterstrichen, welch fundamentale Bedeutung generative KI (genKI) für unsere Gesellschaft hat (EU, 2023; Köllner, 2023). Anschließend wird der Fokus auf die Situation innerhalb der Hochschulen gelegt. Aktuelle hochschulpolitische Debatten, interne Reaktionen der Universitäten und speziell für Studierende und Lehrende konzipierte Angebote werden exemplarisch vorgestellt. Es wird deutlich: Lehrende wie Studierende nehmen eine doppelte Rolle ein; sie sind gleichermaßen von den Entwicklungen betroffen und gleichzeitig aktiv gestaltende Akteur:innen (Roth et al., 2025). Diskussionen der letzten Jahre, insbesondere im Kontext von Lehramtsstudiengängen, zeigen die große Bandbreite an Perspektiven auf, die von einer konstruktiven Einbindung von genKI bis hin zu einer vorsichtigen, abwartenden Haltung reichen. Dies verdeutlichen auch zahlreiche und komplexe Fragen, die im Zusammenhang mit dem Einsatz von genKI in die Hochschullehre beantwortet werden müssen. An die grundlegenden Ausführungen anschließend wird das Diskussionsforum für das Plenum geöffnet, um gemeinsam zu diskutieren, wie an den verschiedenen Hochschulstandorten vergangene, aktuelle und zukünftige KI-Strategien konzipiert, vorbereitet und implementiert wurden und werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den grundlegenden Auswirkungen, die der Einsatz von (gen)KI auf die Ausbildung zukünftiger Grundschullehrkräfte hat. Wie kann sichergestellt werden, dass angehende Lehrkräfte optimal auf eine (berufliche) Zukunft vorbereitet werden? Welche spezifischen Herausforderungen und Chancen ergeben sich, wenn Studierende später in ihrem Berufsleben Schüler*innen für das Leben in einer unbekannten Zukunft befähigen sollen? Studentische Nutzung(-spraxen) von genKI Obwohl vermehrt bildungspolitische Forderungen existieren, die eine fundierte Ausbildung sowie Förderung von KI-Kompetenzen (genKI) in allen Phasen der Lehrkräfteausbildung fordern (z.B. KMK, 2024), liegen keine umfassenden Ergebnisse zu Nutzungspraxen von Lehramtsstudierenden vor. Diese Forschungslücke bildet den Ausgangspunkt für den zweiten Vortrag. Zur Schließung dieser Lücke wurde ein iterativ angelegtes Systematisches Literaturreview (Newman & Gough, 2020) durchgeführt. Zielsetzung war, empirische Studien aus dem deutschsprachigen Raum – Deutschland, Österreich, deutschsprachige Schweiz – zu identifizieren, die sich mit studentischer Nutzung von genKI befassen, diese zu vergleichen und umfassend zu analysieren. Die Recherche konzentrierte sich auf Studien, die Einblicke in die Art und Weise geben, wie Studierende genKI-Tools in ihrem Studium einsetzen, welche Herausforderungen und Chancen sie erleben und welche Kompetenzen sie benötigen. Die Ergebnisse dieses Reviews fassen die zentralen Erkenntnisse der analysierten Studien zusammen und setzen diese miteinander in Beziehung. Übergeordnetes Ziel ist, ein differenziertes und nuanciertes Bild der Nutzung von genKI durch Studierende zu zeichnen und gleichzeitig aufzuzeigen, welche Aspekte bislang noch wenig erforscht oder gänzlich unberücksichtigt geblieben sind. Dies soll als Grundlage für zukünftige Forschungsarbeiten dienen und dazu beitragen, das Verständnis für die Potenziale und Herausforderungen von genKI in der Hochschullehre zu vertiefen. Anschließend sollen die aus der Forschungslage abgeleiteten Erkenntnisse mit dem Plenum diskutiert werden, mit Fokus auf den Erfahrungen und der Expertise der anwesenden Lehrenden und Forschenden aus dem Bereich der Aus- und Fortbildung von Grundschullehrkräften. Die Diskussion soll dazu beitragen, die vorliegenden Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen, Implikationen für die Lehrkräfteausbildung zu identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Studentische Nutzung(-spraxen) von genKi im Kontext des Grundschulstudiums Das Forschungsdesiderat betreffs studentischer Nutzungspraxen von genKi im Kontext des Grundschullehramtsstudiums greift Annkathrin Wenzel auf. Sie stellt Ergebnisse einer quantitativen Befragung vor, die im Rahmen des Forschungsprojekts KI:SU (generative KI im Kontext des Sachunterrichtsstudiums) durchgeführt wurde. Die Befragung erfasste rund 300 Sachunterrichtsstudierende des Bachelor- und Masterstudiengangs Grundschullehramt an zwei deutschen Universitäten. Ziel war es, ein umfassendes Bild davon zu gewinnen, wie Studierende genKI wahrnehmen, welche Erfahrungen sie gemacht haben und wie sie diese Technologie in ihrem Studium und ihrer zukünftigen beruflichen Praxis einsetzen (möchten). Die Befragung umfasste Fragen zu den Nutzungsgewohnheiten, den Einstellungen gegenüber genKI, den Chancen und Risiken sowie den benötigten Kompetenzen. Dabei wurden deskriptive Statistiken ausgewertet wie auch komplexere Analyseverfahren eingesetzt, um Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen zu identifizieren. Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die aktuelle Situation und die Bedürfnisse der angehenden Sachunterrichtslehrkräfte im Umgang mit genKI. Die Befragungsergebnisse werden anschließend mit dem aktuellen Forschungsstand – welcher sich aus dem Systematischen Literaturreview ergibt – in Beziehung gesetzt und verglichen, um eine fundierte und umfassende Bewertung der Situation zu ermöglichen. Dieser Schritt ermöglicht es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen, offene Fragen zu identifizieren und neue Forschungsansätze zu entwickeln. Hierbei werden die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam mit dem Plenum diskutiert und anhand vorhandener Erfahrungen der Teilnehmenden gespiegelt. Die Diskussion soll dazu dienen, die Relevanz der Ergebnisse für die Praxis zu bewerten, mögliche Implikationen für die Lehrkräfteausbildung abzuleiten und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Ziel ist, einen Beitrag zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Lehrkräfteausbildung zu leisten, die Studierende optimal auf die digitale Transformation vorbereitet. Lehrkräfteprofessionalisierung und genKI – Chancen und Herausforderungen Abschließend werden die Erkenntnisse der Beiträge 1-3 zusammengeführt und im Kontext der aktuellen landesspezifischen bildungspolitischen Diskurse gespiegelt. Dieser Diskurs wird durch Forderungen und Positionen relevanter Institutionen geprägt, bspw. Deutscher Ethikrat (2023), das österreichische BMIMI (2021) und BMBWF (2023). Darüber hinaus werden spezifische Verbandspapiere für die Grundschullehramtsausbildung berücksichtigt, z.B. von der DGfE-Kommission für Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe (2025) und der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (2025). Ein zentraler Befund der bisherigen Beiträge ist, dass genKI fester Bestandteil des Alltags von Studierenden geworden ist. Vor diesem Hintergrund soll im Plenum abschließend diskutiert werden, welche Chancen und Herausforderungen mit der Integration von genKI-Tools in die Hochschullehre des Grundschullehramtes verbunden sind. Die Diskussion wird sich dabei insbesondere auf die Förderung von (grundschulspezifischen) KI-Kompetenzen für Lehramtsstudierende konzentrieren: Welche spezifischen Kompetenzen benötigen zukünftige Grundschullehrkräfte, um genKI-Tools effektiv, verantwortungsvoll und didaktisch sinnvoll in ihrem Unterricht einzusetzen? Wie können die Hochschulen sicherstellen, dass Studierende nicht nur die technischen Grundlagen beherrschen, sondern auch die ethischen, gesellschaftlichen und pädagogischen Implikationen von genKI verstehen? Welche Rolle spielen dabei die aktuellen bildungspolitischen Rahmenbedingungen und die Empfehlungen der Fachverbände? Die Diskussion soll neben der Identifikation aktueller Herausforderungen v.a. konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Lehrkräfteausbildung erkennen und ableiten. Es geht um Strategien, wie genKI-Tools in Modulhandbücher integriert, innovative Lehr- und Lernformate entwickelt und Studierende darin unterstützt werden können, kritisch Denkende und kompetent Nutzende zu werden. Letztendlich soll das Diskussionsforum einen Beitrag dazu leisten, unterschiedliche Wege für eine erfolgreiche und verantwortungsvolle Nutzung von genKI im Grundschullehramt aufzuzeigen und kritisch zu prüfen. | ||
