Grazer Grundschulkongress 2026
6. - 8. Juli 2026 | Graz, Österreich
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Symposium 6a
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Fürs Verstehen fehlen mir die Worte! - Aktuelle und digitale Facetten der Wortschatzarbeit, um Schüler*innen in ihrer Lesekompetenz zu befähigen Der Wortschatz stellt nicht nur eine Determinante der schulischen Performance und der kindlichen Entwicklung dar, sondern bildet auch eine Grundvoraussetzung des Leseverständnisses (Verhoeven & Perfetti, 2011). Da aber Schüler*innen über einen individuellen Wortschatz verfügen und dieser von unterschiedlichen Faktoren wie Geschlecht, Erstsprache und sozioökonomischer Herkunft beeinflusst wird (Ludewig et al., 2023), sind Schüler*innen unterschiedlich dazu fähig, Inhalte aus einem Text entnehmen zu können. Die Lesekompetenz befähigt jedoch zu einem selbstbestimmten und lebenslangen Lernen (European Commission. Directorate General for Education, Youth, Sport and Culture., 2019). Dadurch soll der (Lese-)Unterricht in der Primarstufe bereits individuelle Dispositionen berücksichtigen, den Wortschatz in kontextualisierten Settings von der Rezeption über Reflexion zur Produktion fördern und das Potenzial digitaler Medien nützen, um diese fundamentale Kompetenz zu vermitteln. Das Symposium präsentiert didaktische Ansätze dafür. Der erste Beitrag des Symposiums „Fachintegrierende Wortschatzarbeit als Schlüssel zu Lesekompetenz und Kommunikation“ schafft die thematische Grundlage des Symposiums. Auf Theorien, Studien und Literatur gestützt, werden allgemeine Umsetzungsmöglichkeiten der Wortschatzarbeit aufgezeigt. Im zweiten Beitrag „Aktuelle Methoden der Wortschatzarbeit im Leseunterricht: Eine qualitative Untersuchung zum lexikalischen Inferieren im Rahmen einer fachintegrierenden Leseförderung“ werden basierend auf den Ergebnissen einer Interviewstudie Praktiken von Lehrpersonen vorgestellt, die einerseits Wortschatzförderung ermöglichen und anderseits Schüler*innen im Erschließen von Wort- sowie Textbedeutungen unterstützen. Der dritte Beitrag „Fachübergreifende Wortschatzförderung mit digitalen und analogen Materialien: Einsatz und Wirkung der FLEDI-Materialien im sprachsensiblen Grundschulunterricht“ beleuchtet auf Grundlage eines Fragebogens, inwiefern die den Lehrpersonen zur Verfügung gestellten digitalen und analogen Materialien zur Wortschatzförderung beitragen und im Unterricht implementierbar sind. Im vierten Beitrag des Symposiums „Digitale Leseförderung: Arbeitsverhalten von Schüler*innen beim digitalen Lesen mit Glossarwörtern“ dienen Bildschirmaufnahmen der Analyse des Verhaltens von Schüler*innen in digitalen Lernumgebungen, um digitale Aspekte der Wortschatzarbeit zur Unterstützung des Leseverständnisses festhalten zu können. Das Symposium kombiniert unterschiedliche Perspektiven der Differenzierung und Digitalisierung sowie aktuelle Zugänge, die Lehrperson dabei unterstützen sollen ihren Unterricht an die Heterogenität der Schüler*innen anzupassen, damit diese zu einer selbstbestimmten Partizipation befähigt werden können. Beiträge des Symposiums Fachintegrierende Wortschatzarbeit als Schlüssel zu Lesekompetenz und Kommunikation Der Wortschatz stellt eine zentrale Komponente der sprachlichen Entwicklung dar und übernimmt eine grundlegende Funktion im schulischen Spracherwerb, da er als Basis für die Ausprägung wesentlicher rezeptiver und produktiver sprachlicher Kompetenzen dient (Juska-Bacher et al., 2024). Wörter bilden die Basis für das Leseverständnis (Seifert et al., 2019) sowie für die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten, die in Schule und Gesellschaft zunehmend relevant sind. Gleichzeitig erweitert das Lesen kontinuierlich das Wortwissen, wodurch Lernende ihr mentales Lexikon vertiefen und semantische Netzwerke aufbauen (Juska-Bacher et al., 2024). Ein belastbares Wortschatzwissen entsteht nicht nur durch explizites Lernen, sondern auch durch wiederholte Anwendung, kontextuelles Erschließen von Wörtern und den gezielten Einsatz von Strategien zur Kontexterschließung. Der gezielte Einsatz megakognitiver Lesestrategien kann dabei die Fähigkeit unterstützen, Wortwissen und Lesestrategien auch auf neue Texte anzuwenden. Ebenso kann die Kommunikationsfähigkeit gefördert werden, wenn Lernende ihr Textverständnis und neu erlernte Wörter in Gesprächen, Spielen und Diskussionen anwenden und reflektieren. Der Beitrag liefert konkrete Vorschläge für die Wortschatzarbeit im fachintegrierenden Leseunterricht der Primarstufe: Bewusst gesetzte Übungen fördern das kontextuelle Erschließen von Wörtern, die semantische Vernetzung sowie das strategische Lernen und lassen sich direkt in den Unterricht integrieren. Lehrpersonen übernehmen hierbei eine zentrale Rolle, indem sie fachliches Wissen, methodisch-didaktische Gestaltung und diagnostische Kompetenz einsetzen (Haushofer & Benischek, 2020). Durch diese integrative Förderung können Schülerinnen und Schüler unterstützt werden, ihr Wortschatzwissen zu erweitern, Lesestrategien zu verfeinern und Texte flexibler zu erschließen, was zentrale Grundlagen für den schulischen Lernerfolg darstellen Aktuelle Methoden der Wortschatzarbeit im Leseunterricht: Eine qualitative Untersuchung zum lexikalischen Inferieren im Rahmen einer fachintegrierenden Leseförderung Im Rahmen von (fachintegrierenden) Lesefördermaßnahmen kommt es häufig zu Wortschatzproblemen, die das Textverständnis massiv beeinträchtigen (Stabler et al., 2025). Vor allem die Fähigkeit des lexikalischen Inferierens – das Erschließen unbekannter Wortbedeutungen aus dem Kontext – stellt eine zentrale Schwierigkeit dar (Röthlisberger et al., 2021). In diesem Zusammenhang wird der Lehrperson eine zentrale Rolle zuteil, insbesondere in der Unterstützung der Schüler*innen beim Verstehen und nachhaltigen Erwerb neuer Wörter im Leseprozess. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, sprachliche Hürden gezielt zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur Reduktion dieser Hürden zu setzen (Stephany, 2023) Es sollen unterschiedliche Lernzugänge ermöglicht werden, etwa durch multisensorische Impulse, semantische Netze oder kooperative Austauschformate. Besonders betont wird die Notwendigkeit der aktiven Auseinandersetzung mit den neuen Wörtern, etwa in Form von Definitionen, Umformulierungen, Beispielsätzen oder Anwendung in neuen Kontexten (Österreichisches Sprachen-Kompetenz-Zentrum, 2024). Insgesamt zeigt sich, dass die Wirksamkeit der Wortschatzvermittlung in der Leseförderung maßgeblich von der Professionalität der Lehrperson in der sprachdidaktischen Gestaltung abhängt. Die Fähigkeit, sprachliche Anforderungen im Text zu erkennen und adressatengerecht aufzubereiten, bildet eine zentrale Voraussetzung für erfolgreichen Wortschatzerwerb. Der vorliegende Beitrag geht daher der Frage nach, welche Methoden der Wortschatzarbeit gegenwärtig im (Lese-)Unterricht der Primarstufe zur Anwendung kommen und wie ferner das lexikalische Inferieren im Kontext einer fachintegrierenden Leseförderung umgesetzt wird. Hierfür wurde eine qualitative Untersuchung durchgeführt, dem ein querschnittliches Verfahren zugrunde liegt. Die Daten sind Teil der Interventionsstudie XXX (YYY., 2025) und wurden zwischen April und Mai 2025 mittels leitfadengestützter Interviews mit Expert*innen erhoben. Fachübergreifende Wortschatzförderung mit digitalen und analogen Materialien: Einsatz und Wirkung der FLEDI-Materialien im sprachsensiblen Grundschulunterricht. Wortschatzarbeit gilt in der aktuellen Leseforschung als zentraler Schlüssel für das Textverständnis und somit auch für die Lesekompetenz von Grundschulkindern (Seifert, Paleczek & Gasteiger-Klicpera, 2019). Der Beitrag ist im Projekt XXX– Fachintegrierende Leseförderung in Mathematik, Deutsch und Sachunterricht – verortet. Dieses stellt Lehrkräften digitale und analoge Wortschatzübungen, differenzierte Lesetexte und begleitende Audiodateien zur Verfügung, um Hör- und Leseverstehen gezielt zu fördern. Die Untersuchung legt den Schwerpunkt auf den Einsatz der XXX-Materialien zur Wortschatzarbeit in heterogenen Grundschulklassen und deren Differenzierung im fächerübergreifenden Unterricht. Besonders im Blick, steht die Bedeutung und Wirksamkeit dieser Materialien aus Sicht der Lehrpersonen, etwa in Bezug auf die gezielte Förderung eines fachbezogenen und bildungssprachlichen Wortschatzes. Ein zentrales Element ist zudem die Nutzung der begleitenden Audiodateien, mit denen die aktive Wortschatzverwendung und das Sprachverständnis weiter unterstützt und vertieft werden sollen (Stabler et al., 2025). Durch die Erprobung und Bewertung im Unterricht werden sowohl die Passung als auch die Effekte der verschiedenen Materialien und Audioangebote auf die Wortschatzentwicklung der Schülerinnen und Schüler aus der Perspektive der Lehrkräfte erhoben (Petermann, 2014). Die Datenerhebung erfolgt über einen Fragebogen für Lehrpersonen der Interventionsgruppe XXX 3. Dieser enthält geschlossene Fragen zu Nutzungsmustern und offene Fragen, in denen Erfahrungen, Herausforderungen und Weiterentwicklungsvorschläge gesammelt werden. Mit diesen praxisnahen Rückmeldungen sollen die XXX 3-Materialien gezielt weiterentwickelt werden. So entsteht eine fundierte und zugleich alltagsnahe Wortschatzförderung, die sprachliche Bewusstheit und Textverständnis gleichermaßen unterstützt. Der Beitrag möchte damit zur engeren Verbindung von Forschung und Unterrichtspraxis im sprachsensiblen Grundschulunterricht beitragen. Digitale Leseförderung: Arbeitsverhalten von Schüler*innen beim digitalen Lesen mit Glossarwörtern Digitale Medien sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und prägen zunehmend auch den Unterricht. Sie beeinflussen, wie Kinder Informationen verarbeiten, Lernangebote nutzen und lesen. Digitale Lesetexte bieten die Möglichkeit multimediale sowie hypertextuelle Elemente einzubringen (ÖSZ, 2021). Diese unterstützen das Leseverständnis und die Wortschatzarbeit, da zum Beispiel Bilder gezeigt oder Inhalte besser angepasst werden können. Glossarwörterfunktionen erleichtern das Leseverständnis, da sie unbekannte Begriffe erklären und den Text somit verständlicher machen (Rosebrock & Nix, 2020). Grundlegend ist für das Leseverständnis, dass das Lesematerial den Lernvoraussetzungen der Schüler*innen entspricht. Diese Anpassung des Materials ist durch Differenzierung möglich (Müller, 2014). Aus diesem theoretischen Hintergrund eröffnet sich die Frage, welche Verhaltensmuster Schüler*innen der dritten Klasse Primarstufe beim Bearbeiten digitaler Lesematerialien zeigen, wenn sie Glossarwörter zur Förderung des Leseverständnisses verwenden. Zur Beantwortung dieser Frage, wurden Screencast-Aufnahmen (N=56) aus dem Projekt XXX (YYYY) qualitativ und quantitativ ausgewertet. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine digitale Leseinterventionsstudie in der dritten Klasse Volksschule. Die Videos zeigen das Arbeitsverhalten von Schüler*innen der dritten Klasse Primarstufe beim Bearbeiten von digitalen Leseaufgaben. Die Auswertung erfolgte anhand einer Exceltabelle, in der Navigationswege, Bearbeitungszeiten, Rücksprünge im Text, Übungswahl, Umgang mit Feedback, Wiederholungen, Differenzierungsstufen sowie besondere Auffälligkeiten erfasst wurden. Die Ergebnisse ermöglichen differenzierte Einblicke in die Handhabe von digitalen Wortschatzübungen der Schüler*innen. Sie zeigen, wie Glossarwörter genutzt, welche Strategien angewendet werden und inwiefern sich das Verhaltensmuster in den Differenzierungsstufen unterscheidet. Die Befunde bieten wertvolle Hinweise für die Entwicklung evidenzbasierter digitaler Lesefördermaßnahmen und die Gestaltung adaptiver Lernsettings in der Primarstufe. | ||
