Grazer Grundschulkongress 2026
6. - 8. Juli 2026 | Graz, Österreich
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Symposium 1a Ort: PHSt_A01.04 | |
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Von der Beobachtung zur Befähigung: Innovative Wege in der Lesediagnostik und -förderung Das Symposium vereint aktuelle didaktische Ansätze und digitale Methoden, um evidenzbasierte Lesediagnostik und -förderung im Grundschulbereich zu stärken. Die vier Beiträge widmen sich interdisziplinären Perspektiven und untersuchen die Möglichkeiten, individuelles Leseverständnis und Lesekompetenz in heterogenen und inklusiven Lernsettings zu fördern. Damit greift das Symposium die zentralen Themen der Konferenz „B³: Beobachten – Beurteilen – Befähigen“ auf und beleuchtet innovative Methoden zur Beobachtung und Beurteilung von Lernprozessen sowie zur Befähigung von Lehrkräften und Schüler*innen, um den Herausforderungen einer zunehmend heterogenen Bildungslandschaft gerecht zu werden. Der erste Beitrag zeigt, wie Open Educational Practice (OEP) und digitale Förderdiagnostik durch ko-kreativ entwickelte Open Educational Resources (OER) die datenbasierte Leseförderung unterstützen. Die Plattform Levumi.de dient dabei als Beispiel für die Verbindung von Diagnostik und interaktiven Fördermaterialien. Im zweiten Beitrag wird das Grammatikfähigkeiten Gruppenscreening (GraF GruS) vorgestellt, ein ökonomisches Instrument zur Erfassung rezeptiver grammatischer Kompetenzen im Gruppensetting. Es bietet Lehrkräften eine praxisnahe Möglichkeit, Sprachverständnis als Grundlage für Lesekompetenz zu beurteilen und gezielt zu fördern. Der dritte Beitrag präsentiert Ergebnisse einer Mixed-Methods-Studie zur differenzierten Leseförderung mit digitalen Medien. Dabei werden Chancen und Herausforderungen evidenzbasierter Ansätze diskutiert, die Diversität in Klassen berücksichtigen und individuelles Leseverständnis fördern. Abschließend wird im vierten Beitrag eine Design-Based-Research-basierte Fortbildungsreihe zur digitalen Lesediagnostik und -förderung vorgestellt. Die Ergebnisse zeigen, wie Lehrkräfte durch gezielte Fortbildung befähigt werden, digitale Tools effektiv einzusetzen und individuelle Förderentscheidungen zu treffen. Das Symposium bietet eine umfassende Perspektive auf die Verbindung von Diagnostik, Differenzierung und digitaler Förderung und zeigt praxisrelevante Wege auf, wie Beobachten, Beurteilen und Befähigen im Grundschulbereich nachhaltig von der Fortbildung bis in die Klasse umgesetzt werden können. Beiträge des Symposiums Open Educational Practice trifft digitale Förderdiagnostik: Ko-kreative Entwicklung interaktiver OER-Tools für die Leseförderung Digitale Open Educational Resources (OER) bieten das Potenzial, praxistaugliche, frei zugängliche und flexibel adaptierbare Materialien bereitzustellen, die Lehrkräfte bei der Gestaltung evidenzbasierter und individualisierter Lehr- und Lernprozesse unterstützen. Ihre Qualität wird durch transparente Entwicklungsprozesse, systematische wissenschaftliche Prüfung und kontinuierliche Rückmeldungen aus der Praxis gesichert. Im Sinne der Open Educational Practice (OEP) entsteht Qualität dabei nicht durch eine einmalige Erstellung, sondern durch einen offenen, iterativen Entwicklungsprozess, in dem Lehrkräfte, Studierende und Forschende gemeinsam an der Verbesserung und Weiterentwicklung der Ressourcen arbeiten. Während im deutschsprachigen Raum zahlreiche Unterrichtsmaterialien als OER verfügbar sind (Klar et al., 2024), existieren im Bereich der digitalen Förderdiagnostik bislang nur wenige offene Ressourcen (Jungjohann, 2024). Der Vortrag beleuchtet, wie OEP zur digitalen Beurteilung und Befähigung in der datenbasierten Leseförderung beiträgt. Zunächst wird die universitäre OER-Plattform Levumi.de vorgestellt. Anhand aktueller grundschulbezogener Forschungsergebnisse werden die konzeptuell verbundenen OER-Tests zur Lernverlaufsdiagnostik in den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Sprachverständnis sowie die OER-Lesefördermaterialien Levumis Leseabenteuer (Jungjohann et al., 2020) präsentiert. Darauf aufbauend werden interaktive Aufgabenformate zur Förderung von Lesekompetenzen und Lesemotivation vorgestellt, die im Rahmen hochschuldidaktischer Seminare nach dem Prinzip der OEP ko-kreativ entwickelt wurden. Alle Materialien sind frei über das OpenMoodle der Technischen Universität Dortmund verfügbar und können unmittelbar in der schulischen Praxis adaptiert und genutzt werden. Abschließend wird diskutiert, wie OEP zur Professionalisierung von Lehrkräften beiträgt, welche Möglichkeiten der qualitätssichernden Rückkopplung aus der Praxis bestehen und welche Hürden bei der Umsetzung und Adaption von OER auftreten. Ohne Sprachverständnis kein Leseverständnis – Identifikation rezeptiver Grammatikschwierigkeiten in der Schuleingangsphase mittels GraF GruS Grammatikfähigkeiten sind entscheidend für Kommunikationsfähigkeit, Literalität und schulischen Erfolg (Ulrich, 2017). Die Diagnose von rezeptiven Grammatikschwierigkeiten bei jungen Kindern ist jedoch herausfordernd, da diese in spontaner Sprache oft unentdeckt bleiben und das Sprachverständnis erheblich beeinträchtigen können (Spreer et al., 2019). Bevor Lehrkräfte grammatische Schlüsselkompetenzen adäquat und individuell fördern können, sollten sie diese zunächst mittels standardisierter Instrumente erheben. Im Kindergarten- bzw. Schulalltag ist dies im Einzelsetting aber schwer umsetzbar, weshalb Gruppenverfahren notwendig erscheinen (Lüke et al., 2016). Für die Einschätzung rezeptiver grammatischer Fähigkeiten gibt es für den Kindergarten- und Grundschulkontext bislang kaum ökonomisch einsetzbare standardisierte Gruppenverfahren, die keinerlei Schriftsprachkompetenzen der zu testenden Kinder voraussetzen. Im Fokus dieses Beitrags steht das Grammatikfähigkeiten Gruppenscreening (GraF GruS), was Pädagog*innen hierfür eine Lösung bietet. Im Beitrag skizzieren wir den Aufbau des Verfahrens, welches zukünftig der Erfassung rezeptiver grammatischer Kompetenzen im Gruppensetting (Zielgruppen: Kinder von 4-8 Jahren) dienen soll. Wir stellen zudem Ergebnisse der Validierung, die derzeit im Kindergarten (n=60) und im Januar/Februar 2026 in Schulen (n=200) sowohl in Graz als auch Berlin durchgeführt werden, vor. Zur Überprüfung der Validität des Instruments werden Lehrpersoneneinschätzungen, zwei etablierte Verfahren zur Erfassung grammatischer Fähigkeiten sowie ein Verfahren zur Erfassung des Leseverständnisses mit verschiedenen Teilstichproben eingesetzt. Ziel ist es, die Validität des GraF GruS zu evaluieren und seine Eignung für den Einsatz im schulischen Kontext zu bestätigen. Mit dem finalen GraF GruS soll Lehrkräften ein praxisnahes, ökonomisches Erhebungsinstrument zur Verfügung stehen, um rezeptive grammatische Fähigkeiten in Syntax und Morphologie zu beurteilen und gezielte Fördermaßnahmen für Kinder mit Schwierigkeiten zu ermöglichen. Differenzierung, evidenzbasierte Ansätze und digitale Medien - zu viel und doch zu wenig? Ergebnisse einer Mixed-Method-Studie zur differenzierten Leseförderung in der Primarstufe Ausreichende Lesefähigkeit und digitale Kompetenzen befähigen zu einer selbstbestimmten Lebensgestaltung im 21. Jahrhundert (European Commission. Directorate General for Education, Youth, Sport and Culture., 2019). Deshalb bedarf es bereits in der Primarstufe einer Vermittlung dieser Kompetenzen, die die individuellen Voraussetzungen der Schüler*innen berücksichtigt. Digitale Tools verfügen dafür über ein grundlegendes Potenzial (Seifert, 2020). Das vorgestellte Projekt versucht lesedidaktische und digitale Ansätze in einem innovativen Unterrichtsformat zu kombinieren. Dabei geht der Beitrag der Frage nach, welche Chancen und Herausforderungen sich im digitalen Kontext bei einer evidenzbasierten differenzierten Unterrichtsgestaltung in der dritten Schulstufe eröffnen. Im vorliegenden Beitrag kommt ein Mixed-Methods-Ansatz (QUAN + QUAL) in einem parallelen Design zum Einsatz, wobei eine dreigeteilte Interventionsgruppe (N=708) und eine Kontrollgruppe (N=204) zwischen November 2024 bis März 2025 begleitet wurden. Jede Subgruppe erhielt das gleiche differenzierte digitale Unterrichtsmaterial, jedoch mit unterschiedlichen Leseförderansätzen: Lesestrategien (n=225), Wortschatzarbeit (n=220) und Audiofunktion (n=259). Das Leseverständnis wurde im Pre-Post-Design mit dem GraLeV (Grazer Leseverständnistest, Paleczek et al., 2023) erhoben. Zusätzlich wurden 37 Stundenbeobachtungen ausgewertet, 34 Interviews mit den beteiligten Lehrpersonen durchgeführt sowie 150 Bildschirmaufnahmen und 603 Fragebögen mit den Schüler*innen erhoben. Die Präsentation wird Ergebnisse basierend auf den unterschiedlichen Daten liefern und es wird diskutiert, wie ein auf digitalen und evidenzbasierten leseförderlichen Elementen gestützter Unterricht, der die Diversität in Klassen berücksichtigt und eine individuelle Förderung des Leseverständnisses ermöglicht, unterstützt werden kann. Zwischen Anspruch und Schulrealität: Eine DBR-basierte Fortbildungsreihe zur digitalen Lesediagnostik und -förderung in der Primarstufe Basale Lesefertigkeiten wie das Automatisieren von Rekodier- und Dekodierprozessen sowie teilweise Prozesse des Leseverständnisses können durch den Einsatz digitaler Tools gefördert werden (Silverman et al., 2024). Potenziale liegen auch in der digitalen Erhebung des Lernverlaufs, des individuellen Schüler*innenfeedbacks und der Lesediagnostik (Jungjohann et al., 2018). Um diese Möglichkeiten im täglichen Leseunterricht der Primarstufe wirksam nutzen zu können, benötigen Lehrkräfte fachspezifische, technologische und organisatorische Kompetenzen, die eine gezielte Integration digitaler Technologien in den Leseunterricht ermöglichen (European Commission, 2017). Derzeit fühlen sich nur etwa 40 % der Lehrkräfte ausreichend dazu befähigt, digitale Tools in den Unterricht fachspezifisch zu integrieren (OECD, 2019). Im Rahmen eines Design-Based-Research-Ansatzes wurde eine mehrteilige Fortbildungsreihe zur digitalen Lesediagnose und -förderung für Grundschullehrkräfte entwickelt, erprobt und evaluiert. Die Evaluation folgte einem Mixed-Methods-Design mit quantitativen Pre-Post-Erhebungen, leitfadengestützten Interviews und Fallvignetten. Ziel ist es, den Kompetenzzuwachs der Teilnehmenden, die Qualität der Förderentscheidungen sowie Veränderungen in der Nutzung digitaler Tools im Unterricht zu untersuchen. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, inwiefern die Fortbildung zur Steigerung der wahrgenommenen Handlungssicherheit, zur Erhöhung der Nutzungsfrequenz digitaler Medien und zur passgenaueren individuellen Förderung beiträgt. Damit liefert die Studie praxisrelevante Erkenntnisse für die nachhaltige Implementierung digitaler Leseförderung in der Grundschule. | |
