Grazer Grundschulkongress 2026
6. - 8. Juli 2026 | Graz, Österreich
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.
|
Tagesübersicht |
| Datum: Dienstag, 07.07.2026 | |
| 9:00 - 10:00 | Keynote 2: Prof. Dr. Clemens Hillenbrand: Kinder beobachten – Lernen begleiten: Sozial-emotionale Kompetenzen im Lernprozess stärken Ort: PPH_Festsaal |
| 10:30 - 11:00 | Symposium 6a Ort: PPH_C.1.48 |
|
|
Fürs Verstehen fehlen mir die Worte! - Aktuelle und digitale Facetten der Wortschatzarbeit, um Schüler*innen in ihrer Lesekompetenz zu befähigen Der Wortschatz stellt nicht nur eine Determinante der schulischen Performance und der kindlichen Entwicklung dar, sondern bildet auch eine Grundvoraussetzung des Leseverständnisses (Verhoeven & Perfetti, 2011). Da aber Schüler*innen über einen individuellen Wortschatz verfügen und dieser von unterschiedlichen Faktoren wie Geschlecht, Erstsprache und sozioökonomischer Herkunft beeinflusst wird (Ludewig et al., 2023), sind Schüler*innen unterschiedlich dazu fähig, Inhalte aus einem Text entnehmen zu können. Die Lesekompetenz befähigt jedoch zu einem selbstbestimmten und lebenslangen Lernen (European Commission. Directorate General for Education, Youth, Sport and Culture., 2019). Dadurch soll der (Lese-)Unterricht in der Primarstufe bereits individuelle Dispositionen berücksichtigen, den Wortschatz in kontextualisierten Settings von der Rezeption über Reflexion zur Produktion fördern und das Potenzial digitaler Medien nützen, um diese fundamentale Kompetenz zu vermitteln. Das Symposium präsentiert didaktische Ansätze dafür. Der erste Beitrag des Symposiums „Fachintegrierende Wortschatzarbeit als Schlüssel zu Lesekompetenz und Kommunikation“ schafft die thematische Grundlage des Symposiums. Auf Theorien, Studien und Literatur gestützt, werden allgemeine Umsetzungsmöglichkeiten der Wortschatzarbeit aufgezeigt. Im zweiten Beitrag „Aktuelle Methoden der Wortschatzarbeit im Leseunterricht: Eine qualitative Untersuchung zum lexikalischen Inferieren im Rahmen einer fachintegrierenden Leseförderung“ werden basierend auf den Ergebnissen einer Interviewstudie Praktiken von Lehrpersonen vorgestellt, die einerseits Wortschatzförderung ermöglichen und anderseits Schüler*innen im Erschließen von Wort- sowie Textbedeutungen unterstützen. Der dritte Beitrag „Fachübergreifende Wortschatzförderung mit digitalen und analogen Materialien: Einsatz und Wirkung der FLEDI-Materialien im sprachsensiblen Grundschulunterricht“ beleuchtet auf Grundlage eines Fragebogens, inwiefern die den Lehrpersonen zur Verfügung gestellten digitalen und analogen Materialien zur Wortschatzförderung beitragen und im Unterricht implementierbar sind. Im vierten Beitrag des Symposiums „Digitale Leseförderung: Arbeitsverhalten von Schüler*innen beim digitalen Lesen mit Glossarwörtern“ dienen Bildschirmaufnahmen der Analyse des Verhaltens von Schüler*innen in digitalen Lernumgebungen, um digitale Aspekte der Wortschatzarbeit zur Unterstützung des Leseverständnisses festhalten zu können. Das Symposium kombiniert unterschiedliche Perspektiven der Differenzierung und Digitalisierung sowie aktuelle Zugänge, die Lehrperson dabei unterstützen sollen ihren Unterricht an die Heterogenität der Schüler*innen anzupassen, damit diese zu einer selbstbestimmten Partizipation befähigt werden können. Beiträge des Symposiums Fachintegrierende Wortschatzarbeit als Schlüssel zu Lesekompetenz und Kommunikation Der Wortschatz stellt eine zentrale Komponente der sprachlichen Entwicklung dar und übernimmt eine grundlegende Funktion im schulischen Spracherwerb, da er als Basis für die Ausprägung wesentlicher rezeptiver und produktiver sprachlicher Kompetenzen dient (Juska-Bacher et al., 2024). Wörter bilden die Basis für das Leseverständnis (Seifert et al., 2019) sowie für die Entwicklung kommunikativer Fähigkeiten, die in Schule und Gesellschaft zunehmend relevant sind. Gleichzeitig erweitert das Lesen kontinuierlich das Wortwissen, wodurch Lernende ihr mentales Lexikon vertiefen und semantische Netzwerke aufbauen (Juska-Bacher et al., 2024). Ein belastbares Wortschatzwissen entsteht nicht nur durch explizites Lernen, sondern auch durch wiederholte Anwendung, kontextuelles Erschließen von Wörtern und den gezielten Einsatz von Strategien zur Kontexterschließung. Der gezielte Einsatz megakognitiver Lesestrategien kann dabei die Fähigkeit unterstützen, Wortwissen und Lesestrategien auch auf neue Texte anzuwenden. Ebenso kann die Kommunikationsfähigkeit gefördert werden, wenn Lernende ihr Textverständnis und neu erlernte Wörter in Gesprächen, Spielen und Diskussionen anwenden und reflektieren. Der Beitrag liefert konkrete Vorschläge für die Wortschatzarbeit im fachintegrierenden Leseunterricht der Primarstufe: Bewusst gesetzte Übungen fördern das kontextuelle Erschließen von Wörtern, die semantische Vernetzung sowie das strategische Lernen und lassen sich direkt in den Unterricht integrieren. Lehrpersonen übernehmen hierbei eine zentrale Rolle, indem sie fachliches Wissen, methodisch-didaktische Gestaltung und diagnostische Kompetenz einsetzen (Haushofer & Benischek, 2020). Durch diese integrative Förderung können Schülerinnen und Schüler unterstützt werden, ihr Wortschatzwissen zu erweitern, Lesestrategien zu verfeinern und Texte flexibler zu erschließen, was zentrale Grundlagen für den schulischen Lernerfolg darstellen Aktuelle Methoden der Wortschatzarbeit im Leseunterricht: Eine qualitative Untersuchung zum lexikalischen Inferieren im Rahmen einer fachintegrierenden Leseförderung Im Rahmen von (fachintegrierenden) Lesefördermaßnahmen kommt es häufig zu Wortschatzproblemen, die das Textverständnis massiv beeinträchtigen (Stabler et al., 2025). Vor allem die Fähigkeit des lexikalischen Inferierens – das Erschließen unbekannter Wortbedeutungen aus dem Kontext – stellt eine zentrale Schwierigkeit dar (Röthlisberger et al., 2021). In diesem Zusammenhang wird der Lehrperson eine zentrale Rolle zuteil, insbesondere in der Unterstützung der Schüler*innen beim Verstehen und nachhaltigen Erwerb neuer Wörter im Leseprozess. Eine zentrale Aufgabe besteht darin, sprachliche Hürden gezielt zu erkennen und geeignete Maßnahmen zur Reduktion dieser Hürden zu setzen (Stephany, 2023) Es sollen unterschiedliche Lernzugänge ermöglicht werden, etwa durch multisensorische Impulse, semantische Netze oder kooperative Austauschformate. Besonders betont wird die Notwendigkeit der aktiven Auseinandersetzung mit den neuen Wörtern, etwa in Form von Definitionen, Umformulierungen, Beispielsätzen oder Anwendung in neuen Kontexten (Österreichisches Sprachen-Kompetenz-Zentrum, 2024). Insgesamt zeigt sich, dass die Wirksamkeit der Wortschatzvermittlung in der Leseförderung maßgeblich von der Professionalität der Lehrperson in der sprachdidaktischen Gestaltung abhängt. Die Fähigkeit, sprachliche Anforderungen im Text zu erkennen und adressatengerecht aufzubereiten, bildet eine zentrale Voraussetzung für erfolgreichen Wortschatzerwerb. Der vorliegende Beitrag geht daher der Frage nach, welche Methoden der Wortschatzarbeit gegenwärtig im (Lese-)Unterricht der Primarstufe zur Anwendung kommen und wie ferner das lexikalische Inferieren im Kontext einer fachintegrierenden Leseförderung umgesetzt wird. Hierfür wurde eine qualitative Untersuchung durchgeführt, dem ein querschnittliches Verfahren zugrunde liegt. Die Daten sind Teil der Interventionsstudie XXX (YYY., 2025) und wurden zwischen April und Mai 2025 mittels leitfadengestützter Interviews mit Expert*innen erhoben. Fachübergreifende Wortschatzförderung mit digitalen und analogen Materialien: Einsatz und Wirkung der FLEDI-Materialien im sprachsensiblen Grundschulunterricht. Wortschatzarbeit gilt in der aktuellen Leseforschung als zentraler Schlüssel für das Textverständnis und somit auch für die Lesekompetenz von Grundschulkindern (Seifert, Paleczek & Gasteiger-Klicpera, 2019). Der Beitrag ist im Projekt XXX– Fachintegrierende Leseförderung in Mathematik, Deutsch und Sachunterricht – verortet. Dieses stellt Lehrkräften digitale und analoge Wortschatzübungen, differenzierte Lesetexte und begleitende Audiodateien zur Verfügung, um Hör- und Leseverstehen gezielt zu fördern. Die Untersuchung legt den Schwerpunkt auf den Einsatz der XXX-Materialien zur Wortschatzarbeit in heterogenen Grundschulklassen und deren Differenzierung im fächerübergreifenden Unterricht. Besonders im Blick, steht die Bedeutung und Wirksamkeit dieser Materialien aus Sicht der Lehrpersonen, etwa in Bezug auf die gezielte Förderung eines fachbezogenen und bildungssprachlichen Wortschatzes. Ein zentrales Element ist zudem die Nutzung der begleitenden Audiodateien, mit denen die aktive Wortschatzverwendung und das Sprachverständnis weiter unterstützt und vertieft werden sollen (Stabler et al., 2025). Durch die Erprobung und Bewertung im Unterricht werden sowohl die Passung als auch die Effekte der verschiedenen Materialien und Audioangebote auf die Wortschatzentwicklung der Schülerinnen und Schüler aus der Perspektive der Lehrkräfte erhoben (Petermann, 2014). Die Datenerhebung erfolgt über einen Fragebogen für Lehrpersonen der Interventionsgruppe XXX 3. Dieser enthält geschlossene Fragen zu Nutzungsmustern und offene Fragen, in denen Erfahrungen, Herausforderungen und Weiterentwicklungsvorschläge gesammelt werden. Mit diesen praxisnahen Rückmeldungen sollen die XXX 3-Materialien gezielt weiterentwickelt werden. So entsteht eine fundierte und zugleich alltagsnahe Wortschatzförderung, die sprachliche Bewusstheit und Textverständnis gleichermaßen unterstützt. Der Beitrag möchte damit zur engeren Verbindung von Forschung und Unterrichtspraxis im sprachsensiblen Grundschulunterricht beitragen. Digitale Leseförderung: Arbeitsverhalten von Schüler*innen beim digitalen Lesen mit Glossarwörtern Digitale Medien sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und prägen zunehmend auch den Unterricht. Sie beeinflussen, wie Kinder Informationen verarbeiten, Lernangebote nutzen und lesen. Digitale Lesetexte bieten die Möglichkeit multimediale sowie hypertextuelle Elemente einzubringen (ÖSZ, 2021). Diese unterstützen das Leseverständnis und die Wortschatzarbeit, da zum Beispiel Bilder gezeigt oder Inhalte besser angepasst werden können. Glossarwörterfunktionen erleichtern das Leseverständnis, da sie unbekannte Begriffe erklären und den Text somit verständlicher machen (Rosebrock & Nix, 2020). Grundlegend ist für das Leseverständnis, dass das Lesematerial den Lernvoraussetzungen der Schüler*innen entspricht. Diese Anpassung des Materials ist durch Differenzierung möglich (Müller, 2014). Aus diesem theoretischen Hintergrund eröffnet sich die Frage, welche Verhaltensmuster Schüler*innen der dritten Klasse Primarstufe beim Bearbeiten digitaler Lesematerialien zeigen, wenn sie Glossarwörter zur Förderung des Leseverständnisses verwenden. Zur Beantwortung dieser Frage, wurden Screencast-Aufnahmen (N=56) aus dem Projekt XXX (YYYY) qualitativ und quantitativ ausgewertet. Bei diesem Projekt handelt es sich um eine digitale Leseinterventionsstudie in der dritten Klasse Volksschule. Die Videos zeigen das Arbeitsverhalten von Schüler*innen der dritten Klasse Primarstufe beim Bearbeiten von digitalen Leseaufgaben. Die Auswertung erfolgte anhand einer Exceltabelle, in der Navigationswege, Bearbeitungszeiten, Rücksprünge im Text, Übungswahl, Umgang mit Feedback, Wiederholungen, Differenzierungsstufen sowie besondere Auffälligkeiten erfasst wurden. Die Ergebnisse ermöglichen differenzierte Einblicke in die Handhabe von digitalen Wortschatzübungen der Schüler*innen. Sie zeigen, wie Glossarwörter genutzt, welche Strategien angewendet werden und inwiefern sich das Verhaltensmuster in den Differenzierungsstufen unterscheidet. Die Befunde bieten wertvolle Hinweise für die Entwicklung evidenzbasierter digitaler Lesefördermaßnahmen und die Gestaltung adaptiver Lernsettings in der Primarstufe. |
| 10:30 - 11:00 | Symposium 7a Ort: PPH_C.1.49 |
|
|
Zentrale fachliche Konzepte im Planungsprozess kompetenzorientierten Sachunterrichts: Strukturierungsraster und Tools4SU im Dialog Das Leitthema des GGSK 2026 B³: Beobachten – Beurteilen – Befähigen verweist auf die zentrale Trias professioneller Lehrer*innenkompetenz im Sachunterricht. Es geht darum, Lernprozesse zunächst aufmerksam wahrzunehmen, sie anschließend in einen fachlich fundierten Bezugsrahmen einzuordnen und zu bewerten, und schließlich Lernende gezielt zu befähigen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und verantwortungsvoll zu handeln. In diesem Spannungsfeld treten zwei aktuelle Ansätze in den Dialog: Strukturierungsraster zur Planung eines an zentralen fachlichen Konzepten orientierten Sachunterrichts (Jarau, 2025) und die Tools4SU (Freytag et al., 2021). Die Strukturierungsraster bieten ein theoretisch-didaktisches Instrument zur Unterrichtsplanung, in dem zentrale fachliche Konzepte spiralcurricular mit Lerninhalten aus dem Lehrplan verknüpft und Zusammenhänge über die Grenzen einzelner Kompetenzbereiche hinaus sichtbar gemacht werden. Sie schaffen eine Grundlage dafür, Beobachtungen von Lernprozessen nicht isoliert, sondern eingebettet in eine fachlich strukturierte Perspektive zu betrachten und befähigen Lehrpersonen dazu, ihren Unterricht langfristig und mit dem Ziel des Aufbaus eines anschlussfähigen Konzeptverständnisses bei Lernenden zu planen. Die Tools4SU wiederum, ursprünglich als analoge Werkzeuge entwickelt und inzwischen zu einem KI-Agent weitergeführt, eröffnen eine praxisorientierte Dimension. Sie unterstützen Lehrkräfte dabei, die im Strukturierungsraster angelegten Konzepte in konkrete Unterrichtssituationen zu übersetzen. Besonders jene Module, die in enger Beziehung zu den zentralen fachlichen Konzepten stehen, werden im Symposium herausgestellt. Damit entstehen offene und zugleich spannende Fragen: Wie können der Strukturierungsraster und die Tools4SU zusammenwirken und dazu beitragen, Lernende gezielt zu fördern? Welche Schnittstellen lassen sich zwischen konzeptioneller Strukturierung und KI-gestützter Unterstützung identifizieren, und wie können Lehrpersonen durch die Kombination beider Ansätze im Sinne von Beobachten - Beurteilen - Befähigen gestärkt werden? Im dritten Beitrag des Symposiums wird praxisnah gezeigt, wie der KI-Agent Tools4SU mit Fokus auf zentrale fachliche Konzepte eingesetzt werden kann, um Lernumgebungen im Sachunterricht zu gestalten. Präsentiert werden dabei erste Ergebnisse einer explorativen Studie mit angehenden Lehrpersonen, die den Einsatz von KI in der Unterrichtsplanung erprobt haben. Zudem wird die Frage aufgeworfen, welche neuen Möglichkeiten sich im Planungsprozess kompetenzorientierten Sachunterrichts durch ein Zusammenspiel des KI-Agenten mit dem Strukturierungsraster eröffnen. Das Symposium lädt dazu ein, gemeinsam zu diskutieren, wie die Verschränkung des Strukturierungsrasters mit dem digitalen Werkzeug Lehrpersonen neue Möglichkeiten zur Befähigung von Planung, Beobachtung und Beurteilung kompetenzorientierten Sachunterrichts eröffnen kann. Beiträge des Symposiums Zentrale fachliche Konzepte im Sachunterricht strukturiert und vernetzend unterrichten Konzeptuelles Wissen und die Fähigkeit zum konzeptuellen Denken sind wesentliche Kompetenzen, die Lernende zu einem reflektierten und eigenständigen Erkenntnisgewinn befähigen und sie auf die globalen Herausforderungen vorbereiten. Personen, die im Sinne einer notwendigen gesellschaftlichen Transformation handeln, müssen Wissen aus verschiedenen Bereichen vernetzen und gemeinsam zugrundeliegende Prinzipien erkennen können, um komplexe Probleme verstehen sowie adäquate Lösungen entwickeln zu können. Die Förderung dieser Fähigkeiten bei Schülerinnen und Schülern muss von der Grundschule beginnend ein zentrales Ziel der Bildungsarbeit sein. Der 2023 in Kraft getretene Lehrplan für den Sachunterricht an österreichischen Volksschulen unterstützt den Aufbau entsprechender Kompetenzen durch die Vorgabe von 13 zentralen fachlichen Konzepten (zfK), die einen Bezug zu grundlegenden Prinzipien der Bezugsdisziplinen des Sachunterrichts herstellen und den Lernenden als Orientierung bei der Organisation von Wissensbeständen dienen sollen. Damit dies gelingen kann, muss der Unterricht von der Lehrperson so geplant werden, dass die zfK anhand unterschiedlicher Lerninhalte und über die Schulstufen hinweg passend verknüpft und Zusammenhänge so für die Lernenden sichtbar gemacht werden. Dabei stellt die Komplexität des Schulfachs Sachunterricht mit seinen sechs Kompetenzbereichen eine sehr große Herausforderung dar, müssen doch zu den 13 zfK passende Lerninhalte aus jeweils 2 Anwendungsbereichen pro Kompetenzbereich und Schulstufe im Lehrplan identifiziert und miteinander sinnvoll in Bezug gesetzt werden. Im Beitrag wird ein Instrument zur spiralcurricularen Unterrichtsplanung – sogenannte Strukturierungsraster – vorgestellt, das Lehrpersonen eine einfache Auswahl von passenden Lerninhalten sowie den entsprechenden Lernzielen als Einsichten der Lernenden für den Sachunterricht in allen vier Schulstufen ermöglicht. Die Strukturierungsraster wurden im Rahmen einer ersten Pilotierung bereits erprobt und optimiert. Zentrale fachliche Konzepte im Sachunterricht: KI-gestützte Unterrichtsplanung mit Tools4SU Die Einführung des kompetenzorientierten Lehrplans im Sachunterricht stellt Lehrkräfte vor die Herausforderung, fachliche Inhalte nicht isoliert zu behandeln, sondern über zentrale fachliche Konzepte miteinander zu vernetzen. Diese Konzepte bilden das Kernstück des neuen Lehrplans und ermöglichen eine horizontale und vertikale Strukturierung von Wissen, die idealerweise spiralcurricular und verstehensorientiert angelegt ist. Das Forschungsprojekt Tools4SU entwickelt hierfür einen KI-Agenten, der Lehrkräfte bei der Planung unterstützen möchte. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie dieser digitale Assistent die Arbeit mit zentralen fachlichen Konzepten erleichtert und damit die Planung von Lernumgebungen im Sinne des Tagungsthemas Beobachten – Beurteilen – Befähigen bereichert. Der KI-Agent hilft, Konzepte mit Lehrplanzielen zu verknüpfen und so eine fundierte Grundlage für Beurteilungen zu schaffen. Darüber hinaus bietet er Unterstützung bei der Entwicklung von Lernaufgaben, die kognitive Herausforderungen schaffen und konzeptuelles Verständnis fördern – ein entscheidender Schritt, um Lernende zu befähigen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und verantwortungsvoll zu handeln. Im Beitrag wird exemplarisch gezeigt, wie der KI-Agent Tools4SU genutzt werden kann, um Unterricht so zu planen, dass zentrale fachliche Konzepte als verbindendes Element wirken. Diskutiert werden Schnittstellen zwischen den Strukturierungsrastern und der KI-gestützten Unterstützung sowie neue Möglichkeiten für die Unterrichtsplanung im Sinne von B³. B³ im Sachunterricht: Ein Blick in die Praxis - Erfahrungen bei der Nutzung des SU:AT AI-Agent Tools4SU mit Fokus auf zentrale fachliche Konzepte Der Beitrag präsentiert erste Ergebnisse einer explorativen Untersuchung zur Nutzung eines AI-Agents durch Studierende der Primarstufenpädagogik in Österreich bei der Unterrichtsplanung im Fach Sachunterricht. Im Fokus steht die Frage, wie angehende Lehrpersonen Künstliche Intelligenz einsetzen, um zentrale Fachliche Konzepte des Sachunterrichts in ihre Planungsprozesse zu integrieren und zu reflektieren. Im Rahmen des Projekts wurden Studierende eingeladen, mithilfe des generativen SU:AT AI-Agent Tools4SU Unterrichtsentwürfe zu entwickeln. Ihre Erfahrungen und Einschätzungen, wie die Unterstützung von der Ideenfindung bis hin zur konkreten Planung und Strukturierung wahrgenommen wurde sowie deren Reflexion über fachliche Fundierung und didaktische Angemessenheit werden derzeit in einer Umfrage erhoben und ausgewertet. Der Beitrag reflektiert diese Ergebnisse vor dem Hintergrund aktueller Professionalisierungsdiskurse und thematisiert Potenziale wie auch Herausforderungen des KI-gestützten Planens, besonderes Augenmerk liegt auf den Schnittstellen zwischen dem Strukturierungsraster zur Auswahl von Lerninhalten und der KI-gestützten Unterstützung sowie auf den neuen Möglichkeiten, die sich für die Unterrichtsplanung im Sinne von B³ (Beobachten – Beurteilen – Befähigen) ergeben. |
| 10:30 - 11:00 | Einzelbeitrag 21 Ort: PPH_A.0.01 |
|
|
Lernstandsdiagnostik im Kompetenzbereich Größen und Einheiten: Beobachten und Beurteilen mathematischer Kompetenzen mit dem GET 1+ PPH Augustinum, Österreich Die Beobachtung und Beurteilung mathematischer Kompetenzentwicklung im Bereich Größen und Einheiten ist im Grundschulunterricht zentral, wird jedoch diagnostisch oft nur grob erfasst. Der Größen- und Einheiten-Test GET 1+ ermöglicht eine differenzierte Erhebung kleinschrittiger Kompetenzstände in alltagsrelevanten Bereichen wie Länge, Zeit, Geld, Masse und Raum. Die Studie untersucht, ob mit dem GET 1+ Lernentwicklungen über die Sommerferien beobachtbar sind und wie sich diese zwischen sozial unterschiedlichen Gruppen unterscheiden. In einem Prä-Post-Design wurden 299 Kinder am Übergang von der ersten zur zweiten Schulstufe getestet. Analysiert wurden Gesamtzuwächse sowie Unterschiede nach sozioökonomischem Status, Migrationshintergrund und Geschlecht. Zusätzlich erfolgte ein Propensity-Score-Matching, um Ausgangsunterschiede zu kontrollieren. Die Ergebnisse zeigen keine Hinweise auf einen „Summer Learning Loss“. Vielmehr wurden signifikante Zuwächse in den Bereichen Länge, Geld und im Gesamtscore beobachtet. Nach Matching zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Gruppen: Kinder mit höherem SES sowie Kinder ohne Migrationshintergrund erzielten größere Lernzuwächse; Buben übertrafen Mädchen in mehreren Inhaltsbereichen. Dies weist auf relevante soziale Disparitäten im Größenbereich hin und unterstreicht die Bedeutung genauer Lernstandsbeobachtung. Für die pädagogische Beurteilung bedeutet dies, dass Lernentwicklungen im Größenbereich – auch über Ferienzeiten hinweg – sichtbar gemacht und fachlich eingeordnet werden können. Die Ergebnisse unterstützen Lehrpersonen dabei, individuelle Lernwege zu erkennen und darauf aufbauend gezielte Fördermaßnahmen abzuleiten, um alle Schüler*innen für alltagsmathematische Anforderungen zu befähigen. |
| 10:30 - 11:00 | EB9 Ort: PPH_B.3.26 |
|
|
Trash TV, Deutschrap und Ozempic: Zum Einsatz kultureller Artefakte und diskursiver Äußerungen in der Lehrerinnenbildung. Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich Die Lehrer*innenbildung hat bedauerlicherweise des Öfteren mit einem ausgeprägten Desinteresse ihrer Zielgruppe, der Studierenden, zu kämpfen. Insbesondere in den bildungswissenschaftlichen Grundlagen, bei Fragen von Zieldimensionen pädagogischen Handelns oder in der Analyse der diskursiven Formierung von Normen und Werten, wird rasch die Frage der Relevanz für die pädagogische Praxis gestellt. Erkennen Studierende diese nicht, ist die Motivation, sich mit diesen Inhalten intensiver auseinanderzusetzen, leider oft gering. Vor diesem Hintergrund existieren erste Entwürfe, (Pop-) kulturelle Artefakte für die Lehrer*innen Bildung nutzbar zu machen (vgl. Benson & Chick 2014; Sanders 2023). Dies basiert einerseits auf der Annahme, dass ein Interesse hier stärker ausgeprägt ist, da Studierende diese Artefakte häufig bereits kennen und eine Auseinandersetzung daher leichter möglich ist. Andererseits wird argumentiert, dass viele kulturelle Artefakte als Ausgangspunkt geeignet sind, um beispielhaft kontroverse und konflikthafte gesellschaftliche und pädagogische Debatten zu veranschaulichen. Die Referent*innen greifen seit mehreren Jahren in Seminaren der Lehrer*innenbildung auf kulturelle Artefakte wie Videos, Fernsehserien, Songtexte, Debattenbeiträge in Magazinen u.a. zurück. Diese Artefakte werden in Lehrveranstaltungen gemeinsam dekonstruiert und auf ihnen immanente anthropologische und normative Dimensionen befragt (vgl. Brandmayr 2020). Der vorliegende Beitrag versteht sich als konzeptiver Beitrag und will veranschaulichen, wie in der Lehrer* innenbildung mit dieser Methode pädagogische Kompetenzen des Beobachtens, Beurteilens und Befähigens erworben werden können. Der Beitrag stellt das an einem konkreten Beispiel dar und veranschaulicht anhand dieses Beispiels Einsatzmöglichkeiten, Grenzen und praktische Fallstricke; wie auch methodologische Prämissen dargestellt und Einwendungen diskutiert werden. |
| 10:30 - 11:00 | Symposium 8a Ort: PPH_C.3.41 |
|
|
ELLA: Wohlfühlzone für ALLE. Die Förderung der psychosozialen Gesundheit an steirischen Schulen Schulen sind zentrale soziale Lebens-, Lern- und Arbeitsräume. Sie bieten ein wichtiges Setting, um sowohl die physische als auch die psychosoziale Gesundheit zu fördern (BMBWF, 2022). Die Resilienzforschung zeigt zudem, dass Pädagog*innen oft erste Ansprechpartner*innen bei psychosozialen Krisen sein können (Goldstein & Brooks, 2023). Damit kommt Bildungseinrichtungen eine wichtige Rolle in der präventiven Gesundheitsförderung zu: Sie vermitteln grundlegende Fähigkeiten der Gesundheitskompetenz, die helfen, mit Herausforderungen und Krisen umzugehen. Damit Gesundheitsförderung wirksam sein kann, benötigen jedoch nicht nur Lehrpersonen, sondern auch Schüler*innen und Eltern Wissen darüber, wie psychosoziale Gesundheit gestärkt und Krisen vorgebeugt werden können. Hier setzt das Projekt „ELLA: Wohlfühlzone für ALLE“ an. Über einen Zeitraum von drei Jahren (01/2024 bis 12/2026), werden Schulleiter*innen und Pädagog*innen von Volks- und Mittelschulen unterstützt, psychosoziale Gesundheit und Resilienz nachhaltig im Schulalltag zu verankern. Im Projekt werden verschiedene Ansatzpunkte verbunden:
Diese Ansatzpunkte werden im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes evaluiert. Hierbei werden standortspezifische Maßnahmen ermittelt und Interviews sowie schriftliche Befragungen mit Schulleitungen und Lehrkräften durchgeführt. Zudem werden die Perspektiven beteiligter Schüler*innen mittels Gruppengesprächen und partizipativen Projekten erhoben. In dem vorliegenden Symposium werden Einblicke in den Aufbau und die Umsetzung des Projekts gegeben. Im ersten Beitrag werden das Projekt, die verfolgten Zielperspektiven und die definierten Ansatzpunkte vorgestellt. Im zweiten Beitrag werden Ergebnisse der Projektevaluation präsentiert und diskutiert. Der dritte Beitrag gibt einen vertiefenden Einblick in die Evaluierung der Perspektiven der Schüler*innen. Dabei werden Photovoice als Methode sowie die Projekte von Schüler*innen einer beteiligten Mittelschule präsentiert. Abschließend wird im Beitrag „Gemeinsam gestalten” die Bedeutung der Einbeziehung relevanter Personengruppen in Schulentwicklungsprozesse beleuchtet. Beiträge des Symposiums ELLA: Wohlfühlen für ALLE. Die Umsetzung eines ganzheitlichen gesundheitsfördernden Schulentwicklungsprozesses mit Fokus auf die psychosoziale Gesundheit aller Zielgruppen Das Projekt „ELLA: Wohlfühlen für ALLE“ wird über einen Zeitraum von drei Jahren an steirischen Volks- und Mittelschulen implementiert und verfolgt das Ziel, die psychosoziale Gesundheit sowie die Resilienz aller schulischen Akteur*innen nachhaltig zu stärken. Ein zentrales Element bildet die niederschwellige Sensibilisierung und Wissensvermittlung zu diesem Themenfeld. Interessierte Pädagog*innen aller steirischen Volks- und Mittelschulen erhalten über einen regelmäßig erscheinenden Newsletter fachlich fundierte Informationen und haben die Möglichkeit, an einem institutionsübergreifenden Erfahrungsaustausch teilzunehmen. Ergänzend dazu stellt das Projekt ein Set niederschwelliger, standortspezifisch adaptierbarer Unterstützungsangebote bereit. Schulen, die Angebote zur Schulentwicklung suchen, können aus einem Maßnahmenpool jene Interventionen auswählen, die in besonderem Maße zur Erreichung ihrer jeweiligen Zielsetzungen beitragen. Für Schulen, die einen gesundheitsfördernden Schulentwicklungsprozess anstreben, wird eine individualisierte Prozessbegleitung angeboten. Diese orientiert sich an den standortspezifischen Ausgangsbedingungen und Zieldefinitionen und unterstützt die Schulen bei der Planung und Umsetzung eines umfassenden Entwicklungsprozesses mit Fokus auf die psychosoziale Gesundheit der gesamten Schulgemeinschaft. Das gesamte Kollegium wird dabei systematisch einbezogen. Auf Schüler*innenebene werden durch geschulte Lehrkräfte altersdifferenzierte Trainingsprogramme implementiert, die über zwei Schuljahre hinweg durchgeführt werden. Die Lehrkräfte erhalten hierfür eine spezifische Qualifizierung und werden kontinuierlich durch das Projektteam supervidiert und begleitet. Parallel dazu stehen für Eltern digitale Seminarangebote zu sozial-emotionalen Kompetenzen und psychischer Widerstandsfähigkeit zur Verfügung. Im Rahmen des Beitrags wird das Projekt vorgestellt und anhand ausgewählter Beispiele erfolgreichen Case Managements untersucht, wie ein wirksamer und nachhaltiger Praxistransfer gelingen kann. Ergebnisse der Begleitevaluation des Projektes ELLA: Wohlfühlen für ALLE Der Beitrag präsentiert (Teil-)Ergebnisse aus der Begleitevaluation des dreijährigen Projekts „ELLA: Wohlfühlen für ALLE“. Das Projekt zielt auf die Umsetzung von Schulentwicklungsprozessen zur Förderung der psychosozialen Gesundheit aller beteiligten Akteur*innen ab. Als besondere Herausforderungen bei der Evaluation des Projekts erwiesen sich die unterschiedlichen Zielgruppen, die aufbauend auf die verschiedenen Angebote des Projekts entstanden sind, sowie die verschiedenen Zeitläufe. Erfahrungen von Schüler*innen sichtbar machen: Wie Photovoice Partizipation und Empowerment ermöglicht Im Rahmen der Evaluation war uns die Perspektive der beteiligten Schüler*innen besonders wichtig, um herauszufinden, wie sie die Angebote im Projekt einschätzen und inwiefern die in den Workshops und Trainings vermittelten Inhalte in ihrem Alltag und ihren Lebenswelten anschlussfähig sind. So sollten die Schüler*innen der beteiligten Mittelschulen im Rahmen von Photovoice-Projekten die Möglichkeit erhalten, diesen Transfer sichtbar und diskutierbar zu machen, um Empowerment-Prozesse zu unterstützen. Photovoice ist eine partizipative Forschungsmethode, die visuelle Dokumentationen in Form von Fotografien mit Erzählprozessen in einem reflexiven Gruppenprozess verbindet (Wihofszky et al., 2020, S. 88). Die Methode wurde in den 1990er Jahren von Caroline Wang und Mary Ann Burris in einem Forschungsprojekt zum Thema Gesundheit mit Frauen im ländlichen China entwickelt. Im Zuge von Photovoice-Projekten machen die beteiligten Akteur*innen nach einer Schulung, in der sie zu Co-Forscher:innen werden, zu einem bestimmten Thema Fotos von ihren Lebenswelten. Diese werden anschließend in Kleingruppen diskutiert und ausgewertet, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Damit wird das Ziel verfolgt, Veränderungen in den Lebenswelten der Akteur:innen zu initiieren (von Unger, 2014, S. 69). Laut Catalani & Minkler (2010, S. 446) resultieren daraus unter anderem individuelles Empowerment sowie ein verbessertes Verständnis der gemeinschaftlichen Bedürfnisse und Stärken. Gemeinsam gestalten – Die Bedeutung von Partizipation in Schulentwicklungsprozessen Das Projekt „ELLA: Wohlfühlen für ALLE” bietet vielfältige Partizipationsmöglichkeiten für Pädagog*innen, Schüler*innen und Eltern. Im Mittelpunkt stehen die psychosoziale Gesundheit aller am Schulstandort Beteiligten sowie die Integration psychosozialer Aspekte in den schulischen Entwicklungsplan. |
| 10:30 - 11:00 | Einzelbeitrag 37 Ort: PPH_C.3.47 |
| 10:30 - 11:00 | Einzelbeitrag 25 Ort: PPH_C.3.50 |
|
|
Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Selbstwahrnehmung motorischer Kompetenzen und deren Bezug zu motorischen Basiskompetenzen bei steirischen Grundschülerinnen und Grundschülern PH Steiermark, Österreich Die Fähigkeit, die eigenen motorischen Kompetenzen realistisch einzuschätzen, gilt als zentrales Ziel des Sportunterrichts und wird als Voraussetzung für selbstreguliertes Lernen und Teilhabe an der Sport- und Bewegungskultur betrachtet (Niederkofler & Herrmann, 2021; Töpfer et al., 2022). Beobachtung und Beurteilung bilden dabei die Grundlage für eine gezielte Förderung, die Kinder befähigt, aktiv und reflektiert zu handeln. Im Beitrag wird eine Querschnittsstudie vorgestellt, die geschlechtsspezifische Unterschiede in motorischen Basiskompetenzen (MOBAK) und deren Selbstwahrnehmung (SEMOK) bei steirischen Grundschülerinnen und Grundschülern (n = 101 Mädchen, n = 119 Buben) untersucht. Analysiert wurde zudem die Übereinstimmung zwischen objektiver Leistung und subjektiver Einschätzung in den Bereichen „Etwas-Bewegen“ (z. B. Werfen, Fangen, Dribbeln) und „Sich-Bewegen“ (z. B. Balancieren, Springen, Rollen). Ziel ist es, bereichsspezifische Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen zu identifizieren und die pädagogische Relevanz realistischer Selbsteinschätzungen für die Förderung im kompetenzorientierten Sportunterricht herauszustellen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob sich die Geschlechter in ihren motorischen Kompetenzen und in der Selbstwahrnehmung unterscheiden und wie stark die Selbsteinschätzung mit der tatsächlichen Leistung korrespondiert. Zur statistischen Auswertung wurden t-Tests für unabhängige Stichproben, ergänzend Varianzanalysen (ANOVA) zur Prüfung von Gruppenunterschieden sowie Korrelationsanalysen zur Bestimmung der Zusammenhänge zwischen Selbstwahrnehmung und objektiver Leistung eingesetzt. Die Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, motorische, kognitive und reflexive Prozesse zu verknüpfen, um Kinder zur aktiven und reflektierten Teilhabe zu befähigen. |
| 10:30 - 11:00 | Einzelbeitrag 29 Ort: PPH_C.3.52 |
|
|
Beobachten, Beurteilen, Befähigen: Anforderungen und Chancen im neuen Lehrplan für die Lebende Fremdsprache - Teacher Language Awareness angehender Lehrkräfte im Kontext kommunikativer Kompetenz und Global English 1: KPH Wien/ Niederösterreich; 2: PPH Augustinum; 3: Universität Graz Die Einführung von Englisch als Pflichtfach ab der 3. Schulstufe im österreichischen Volksschullehrplan 2023/24 markiert einen deutlichen Paradigmenwechsel hin zu kommunikativer Kompetenz, Global English und metasprachlicher Reflexion. Diese Neuerungen stellen Lehrkräfte vor die Herausforderung, den Spracherwerb der Kinder systematisch zu beobachten, fachlich fundiert zu beurteilen und sie gezielt zu befähigen, Englisch als globales Kommunikationsmittel zu nutzen. Die vorgestellte qualitative Studie untersucht zwei zentrale Fragen: (1) In welchem Ausmaß entsprechen gängige Englisch-Lehrwerke – exemplarisch Playway – den Zielen des neuen Lehrplans? (2) Verfügen angehende Volksschullehrkräfte über die notwendige Teacher Language Awareness (TLA), um diese Ziele wirksam umzusetzen? Zu Beginn erhielten Lehramtsstudierende im Masterstudium Primar eine Einführung in zentrale Lehrplaninhalte wie kommunikative Kompetenz, Global English und (Teacher) Language Awareness. Anschließend analysierten sie in Kleingruppen ausgewählte Lehrwerke, bewerteten deren Passung zu den Lehrplanvorgaben und entwickelten konkrete Anpassungsvorschläge. In Fokusgruppeninterviews erläuterten sie ihre Entscheidungen. Parallel führten Expert*innen dieselbe Analyse durch, um die Qualität der studentischen Beurteilungen einzuordnen. Die Ergebnisse zeigen: Studierende sind in der Lage, Lehrwerke kritisch zu hinterfragen und kreative Lösungen zu entwickeln; ihre TLA ist jedoch unterschiedlich ausgeprägt. Zudem unterstützen bestehende Lehrwerke die kommunikativen Zielsetzungen nur teilweise. Die Studie verdeutlicht, wie wichtig es ist, Beobachtungs- und Beurteilungsprozesse bereits in der Ausbildung gezielt zu fördern, um zukünftige Lehrkräfte zu befähigen, die sprachliche Entwicklung von Kindern von Anfang an wirksam zu unterstützen. . |
| 10:30 - 11:00 | Einzelbeitrag 33 Ort: PPH_C.3.53 |
|
|
Kindern eine Stimme geben Pädagogische Hochschule Wien, Österreich Bereits im Lehrplan aus dem Jahr 1986 für den Pflichtgegenstand Musikerziehung für die Volksschule wird betont, dass die Pflege der Stimme von zentraler Bedeutung ist. In diesem Zusammenhang wird auf das korrekte Vorsingen bzw. Vormachen von Atem-, Intonations- und Artikulationsübungen seitens der Lehrkraft hingewiesen. Die Kompetenzprofile Musikerziehung für Absolvent*innen u. a. des Studiengangs Lehramt für Volksschulen betonen die Notwendigkeit einer hochwertigen Ausbildung angehender Lehrkräfte und führen als „grundlegende musikalische und fachdidaktische Kompetenzen“ eine belastbare und im Ausdruck geschulte Sing- und Sprechstimme an. Studien (Aicher, 2014; Gesierich, 2024) geben Einblicke in die Selbsteinschätzung von Primarstufenkehrkräften hinsichtlich musikalischer Kompetenzen und in das Lehramtsstudium anhand von Curricula-Analysen, die zeigen, dass die Stimmbildung angehender Volksschullehrpersonen in der Ausbildung stark vernachlässigt wird. Singen ist nicht nur für die Entwicklung einer eigenen Klangvorstellung wichtig, sondern auch für die Entwicklung von Persönlichkeit und Kreativität förderlich (Ernst, 2008). Von besonderer Bedeutung sieht Fuchs (2015) das Recht des Kindes auf seine eigene Stimme, das Vertraut machen und die Anregung eines freudigen Umgangs mit dem eigenen Instrument, das stimmlich wachsen und Mittel des Selbstausdrucks sein/werden darf. Wird der Umgang mit der eigenen Stimme nicht bereits als Kind geübt, kann dazu nur unzureichend Bezug hergestellt werden und das Singen wird eher vermieden. Aus diesem Grund kommt dem „Musikunterricht in der Grundschule […] eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung der Kinderstimme […] zu“ (Fuchs, 2015). Anhand einer Curricula-Analyse des neustrukturierten Lehramtsstudiums wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Stimme angehender Primarstufenlehrkräfte ausgebildet wird, um für Volksschulkinder ein Stimmvorbild sein zu können. |
| 11:00 - 11:30 | Symposium 6b Ort: PPH_C.1.48 |
| 11:00 - 11:30 | Symposium 7b Ort: PPH_C.1.49 |
| 11:00 - 11:30 | Einzelbeitrag 22 Ort: PPH_A.0.01 |
|
|
Lernwege beobachten, zu mathematischer Kompetenzentwicklung befähigen: Einflussfaktoren beim Erlernen von Addition und Subtraktion in der ersten Schulstufe Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich Additionen und Subtraktionen im Zahlenraum 10 stellen eine wichtige Säule für das grundlegende Verständnis der Grundrechenoperationen im dekadischen Stellenwertsystem dar. Da Grundkonzepte wie Kardinalität und Teil-Ganzes-Verständnis noch fehlen, werden erste Rechenaufgaben von Kindern meist rein zählend gelöst (Gaidoschik, 2010). Subtraktionen sind hierbei grundsätzlich schwerer zu bewältigen, denn das zählende Bearbeiten von Subtraktionsaufgaben basiert vorwiegend auf dem Rückwärtszählen und setzt die Kompetenz der Klasseninklusion voraus. Ein zentraler Baustein im Anfangsunterricht aber ist es, Kinder darin zu unterstützen, Rechenaufgaben nicht-zählend zu lösen, arithmetisches Faktenwissen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern und somit flexiblere Rechenwege zu ermöglichen (Häsel-Weide, 2016). Beobachtungen in der Einzelförderung haben nun gezeigt, dass es für Kinder einfacher sein kann, Subtraktionen erst dann zu erlernen, wenn die Addition gut gefestigt ist (Pixner & Dresen, 2022). Deshalb wurden ausgehend von mathematikdidaktischen und entwicklungspsychologischen Modellen zwei Hypothesen formuliert: Es wird vermutet, dass eine längere Festigungsphase der Addition vor Einführung der Subtraktion zu besseren Subtraktionsleistungen führt und die Anzahl der eingeführten Rechenstrategien positiv mit den individuellen Lernleistungen beim Rechnen im Zahlenraum 10 korreliert. In einer Mixed-Methods-Studie mit 219 Erstklässler*innen österreichischer Schulen wurde diesen Annahmen nachgegangen. Die Datenerhebung umfasste Rechentests mit Additionen und Subtraktionen im Zahlenraum 10 sowie einen Lehrkräftefragebogen mit qualitativen wie quantitativen Elementen. Es zeigte sich, dass eine strategieorientierte und zeitlich sequenzierte Einführung der Grundrechenoperationen Kinder in die Lage versetzt, nicht-zählende und effiziente Rechenstrategien aufzubauen, die für das Rechnen im größeren Zahlenraum essenziell sind. Damit verdeutlichen die Ergebnisse die Bedeutsamkeit systematischer Beobachtung von Lernvoraussetzungen sowie didaktischer Konzepte, die Schüler*innen zum flexiblen mathematischen Denken befähigen. |
| 11:00 - 11:30 | EB10 Ort: PPH_B.3.26 |
|
|
Befähigt? Berufseinstieg während des Bachelorstudiums Lehramt Primarstufe Pädagogische Hochschule Wien, Österreich Eingebettet in das Forschungsprojekt „Lebenswelten von Berufseinsteiger:innen“ der PH Wien wird der Blick im vorliegenden Beitrag auf eine spezifische Gruppe von Berufseinsteiger:innen gerichtet, die infolge des Lehrpersonenmangels zunehmend an Bedeutung gewonnen hat (Kreis et al., 2024; Pädagogische Hochschulen Österreichs, 2025): In den Fokus rücken Lehrpersonen der Primarstufe, die ihr Studium – konkret das Bachelorstudium Lehramt Primarstufe – noch nicht abgeschlossen haben. Ziel ist es, zu untersuchen, wie diese Lehrpersonen ihren Berufseinstieg erleben und auf welche Weise sie als befähigt verstanden werden können, den vielfältigen Anforderungen zu begegnen, die an sie als Berufseinsteiger:innen, als Studierende und als Personen gestellt werden. Der Begriff Befähigung wird dabei im aristotelischen Sinne als „dynamis“ gefasst – als ein kontextgebundenes Potenzial, das sich im Spannungsfeld individueller Ressourcen, institutioneller Rahmenbedingungen und konkreter Erfahrungen entfaltet. Befähigung steht dabei in einem engen Verhältnis mit Machtprozessen und umfasst sowohl die Handlungsmöglichkeit „potentia activa“ als auch die Erlebnis- und Leidensfähigkeit „potentia passiva“ (Röttgers, 2002). Folgende Forschungsfrage wird bearbeitet: In welcher Weise zeigt sich Befähigung – verstanden als Handlungsmöglichkeit „potentia activa“ sowie als Erlebnis- und Leidensfähigkeit „potentia passiva“ – im Kontext des Berufseinstiegs? Durch eine an der Grounded Theory orientierten Auswertung von neun Expert:inneninterviews (Strauss & Corbin, 1996; Döringer, 2021) wird beschreibbar, wie sich Befähigung im Berufseinstieg jener Lehrpersonen manifestiert. Sichtbar gemacht werden Prozesse, in denen Berufseinsteigende gestalten und verändern (potentia activia) oder sich als (nicht) empfänglich für Veränderung und Erfahrung zeigen (potentia passiva). Aus den Ergebnissen lassen sich Implikationen für das Lehramtsstudium, die Induktionsphase sowie für die Gestaltung schulischer Rahmenbedingungen ableiten. |
| 11:00 - 11:30 | Symposium 8b Ort: PPH_C.3.41 |
| 11:00 - 11:30 | Einzelbeitrag 38 Ort: PPH_C.3.47 |
|
|
Aspekte der Schulqualität beurteilen: Eine empirisch-quantitative 360°-Schul-Evaluierung aus Perspektive der Kinder, Eltern und Lehrkräfte. Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Niederösterreich, Österreich Im Zentrum schulischer Bemühungen stehen die individuellen Entwicklungen der Kinder. Diese gestalten sich als komplexer und dynamischer Prozess, welcher sich unter anderem durch soziale, emotionale und kognitive Veränderungen auszeichnet. Aber nicht nur Pädagog*innen, sondern auch Kinder und Eltern können diese Entwicklungs- und Lernprozesse beobachten und aus ihrer Perspektive angemessen beurteilen. Ihnen will das gegenständliche Forschungsprojekt das Wort geben. Einzelschulen haben Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Qualitätssteigerung (vgl. § 18 Bundes-Schulaufsichtsgesetz bzw. § 56 Schulunterrichtsgesetz) zu setzen, zu dokumentieren und zu evaluieren. Das Forschungsprojekt unterstützt Schulstandorte hierbei und dient damit der Verdichtung der Evidenzbasis für Schulen und Schulverwaltung, aber auch für Bildungspolitik und Lehrer*innen-Bildung zur Sicherung bzw. Steigerung der Schulqualität. Das Projekt soll zeigen, dass sich Beurteilungsverfahren so gestalten lassen, dass Transparenz und Objektivität gewährleistet sind. Im Fokus steht das (1) beobachtete Klassenklima, (2) die empfundene Klarheit im Lernprozess und (3) die wahrgenommenen Lehrer*innen-Kompetenzen aus Perspektive der Kinder. Aus Perspektive der Eltern und Lehrkräfte werden zusätzlich die Aspekte (4) schulische Kooperation/Transparenz und (5) öffentliche Wahrnehmung beurteilt. Es interessieren gruppenspezifische Disparitäten und Zusammenhänge. Das Vorgehen ist hypothesenprüfend, die vorliegenden Daten stammen aus einer querschnittlichen Erhebungswelle. Dargestellt wird das Evaluationsprojekt an einem Primarstufenstandort. Hierzu wurden die Kinder aller Schulstufen, deren Eltern und Lehrkräfte befragt. Zum Einsatz kam ein empirisch-quantitativer Fragebogen, bestehend aus 28 Items (bzw. 12 Items für Kinder) plus Fragen zur Person. An der gegenständlichen Schulevaluierung nahmen 173 Kinder, 168 Elternteile und 13 Lehrkräfte teil. Es zeigen sich bei der Beurteilung der genannten Aspekte der Schulqualität bedeutsame klassenspezifische wie auch geschlechtsspezifische Unterschiede. |
| 11:00 - 11:30 | Einzelbeitrag 26 Ort: PPH_C.3.50 |
| 11:00 - 11:30 | Einzelbeitrag 30 Ort: PPH_C.3.52 |
|
|
A fresh look at foreign language teaching: Research-based perspectives on curriculum reform and performance assessment in English teaching at Austrian primary schools 1: PPH Augustinum, Österreich; 2: PH Steiermark, Österreich; 3: KPH Wien/Niederösterreich; 4: PH Burgenland; 5: PH Freiburg In den vergangenen sieben Jahren hat ein Verbund österreichischer Pädagogischer Hochschulen drei eng miteinander verknüpfte Forschungsprojekte zum frühen Englischunterricht auf der Primarstufe im Kontext aktueller systemischer Reformen durchgeführt. Die ersten beiden Projekte (2019–2025) untersuchten den frühen Englischunterricht auf Basis des 1998 eingeführten Lehrplans für die Primarstufe, der trotz bedeutender Entwicklungen in der Fremdsprachendidaktik sowie umfassender Reformen in der Primarlehrer*innenausbildung weitgehend unverändert geblieben war. Die in allen neun österreichischen Bundesländern durchgeführten Studien analysierten Unterrichtspraxis, Überzeugungen (beliefs) von Lehrpersonen sowie institutionelle Rahmenbedingungen und begleiteten zugleich die Einführung eines neuen Lehrplans antizipierend und evaluierend. Zentrales Ziel war es, Einblicke in Implementationsprozesse, Akzeptanz und professionsbezogene Weiterbildungsbedarfe zu gewinnen, um daraus Rückschlüsse für die Aus-, Fort- und Weiterbildung an österreichischen Pädagogischen Hochschulen ziehen zu können. Aufbauend auf diesen Ergebnissen fokussiert das aktuelle Projekt (2025–2029) die Umsetzung des mit dem Schuljahr 2023/24 eingeführten neuen Lehrplans für Fremdsprachen an der Primarstufe, der Englisch erstmals als benoteten Pflichtgegenstand in der 3. und 4. Schulstufe verankert. Untersucht werden Lehrpersonenperspektiven auf die curriculare Umsetzung und auf Beurteilungs- und Leistungsfeststellungspraktiken, wobei den Nahtstellen zwischen Primarstufe und angrenzenden Bildungsstufen (Elementar- und Sekundarstufe) besondere Aufmerksamkeit zukommt. Insgesamt liefern die Projekte praxisorientierte Erkenntnisse zu curricularer Reform und Leistungsbeurteilung und leisten damit einen Beitrag zur nachhaltigen Weiterentwicklung des frühen Englischunterrichts sowie zu einer evidenzbasierten Lehrer*innenbildung in Österreich. |
| 11:00 - 11:30 | Einzelbeitrag 34 Ort: PPH_C.3.53 |
|
|
Lehrpersonen für Gespräche mit Eltern befähigen: Fokusgruppenergebnisse zu Gelingensbedingungen in Elterngesprächen Universität Innsbruck, Österreich Elterngespräche stellen für (berufseinsteigende) Lehrpersonen eine Herausforderung dar – nicht zuletzt aufgrund möglicher Altersdifferenzen zu Eltern (Schneider Boye et al., 2025). Obwohl Elterngespräche als zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit und Kommunikation mit Eltern sowie als wichtiger Faktor für einen erfolgreichen Bildungsverlauf von Kindern gelten, fehlt bislang weitgehend empirisch gesichertes Wissen über Voraussetzungen für ihr Gelingen (Helsper, 2022). Aus dem Grund widmet sich der Beitrag der Frage, welche Vorgehensweisen bzw. Strategien Lehrpersonen in Gesprächen mit Eltern nutzen. Dies zu untersuchen, erscheint insofern relevant, als die Ergebnisse Aufschluss über Gelingensbedingungen für Elterngespräche geben und diese eine fundierte Grundlage für die Aus- und Fortbildung von Lehrpersonen bieten können. Aufbauend auf einem aktuellen Forschungsstand (z.B. Schneider Boye et al., 2025) wurde die Forschungsfrage empirisch an der Pädagogischen Hochschule Tirol mit 31 gezielt ausgewählten Lehrpersonen des Hochschullehrgangs „Praxislehrperson und Mentor:in“ in Fokusgruppen (N=6) untersucht, um über moderierte Gespräche Erfahrungen zu Elterngespräche zu erfassen. Die deduktiv und induktiv qualitativ inhaltsanalytisch ausgewerteten Ergebnisse (Schneijderberg et al., 2022) verdeutlichen u.a., dass gelingende Elterngespräche auf einer wertschätzenden, respektvollen, zugewandten und lösungsorientierten Gesprächsführung beruhen. Als wesentlich gelten eine gründliche Vorbereitung, aktives Zuhören und der gezielte Einsatz von Ich-Botschaften. Gespräche beginnen idealerweise damit, den Eltern Raum zum Sprechen zu geben; unterstützend wirken kurze Notizen zur Gesprächsstrukturierung. In als herausfordernd empfundenen Situationen wird das Hinzuziehen einer dritten Person (z.B. der Schulleitung) als hilfreich beschrieben. Die Ergebnisse werden im Kontext des Forschungsstandes diskutiert und im Anschluss Gelingensbedingungen zu Themenfeldern verdichtet. Diese Zusammenfassung kann Anhaltspunkte für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrpersonen bieten. |
| 11:30 - 12:00 | Symposium 6c Ort: PPH_C.1.48 |
| 11:30 - 12:00 | Symposium 7c Ort: PPH_C.1.49 |
| 11:30 - 12:00 | Einzelbeitrag 23 Ort: PPH_A.0.01 |
|
|
Der Chatbot als Lernbegleiter: Wie das MatheArena Junior-App autonomes Mathematiklernen in der Grundschule unterstützt 1: Private Pädagogische Hochschule Burgenland, Österreich; 2: MatheArena Dieser Beitrag stellt den pädagogisch gestalteten Chatbot der Mathematik-Lernapp MatheArena Junior als digitalen Lernbegleiter vor. Sein Ziel ist es, Grundschulkindern bei der Entwicklung ihrer Problemlösekompetenz zu assistieren und autonomes Lernen zu unterstützen. Theoretisch fundiert wird das Design durch das Modell adaptiver Lehrhandlungen (Gallagher et al., 2022) sowie durch die Selbstbestimmungstheorie (Deci & Ryan, 1980) und das Konzept der Zone der proximalen Entwicklung (Vygotsky & Cole, 1978). Statt Lösungen vorzugeben, regt der Chatbot durch sokratische Dialoge und kleinschrittiges Scaffolding (Murray & Arroyo, 2002) die eigenen Denkprozesse an. Er analysiert die Eingaben der Lernenden, um formative Rückmeldungen zur Selbsteinschätzung zu geben, und befähigt sie so, eigene Lösungsstrategien zu entwickeln und ihre Lernautonomie zu stärken. Als geschlossenes, sicheres System bietet er einen geschützten Raum für entdeckendes Lernen. Erste Erprobungen deuten auf sein Potenzial hin, intrinsische Motivation und Durchhaltevermögen in individualisierten Settings zu fördern. Der Beitrag schließt mit einem Ausblick auf Forschungsfragen zur Wirkung dieses lernbegleitenden Ansatzes in der Primarstufe. |
| 11:30 - 12:00 | EB11 Ort: PPH_B.3.26 |
|
|
Zwischen Beteiligtwerden und Beteiligen: Kindersicht auf Lernentwicklungsgespräche in der Grundschule KPH Wien/Niederösterreich, Österreich Im Zentrum dieses Promotionsprojekts der Universität Wien steht die Partizipation von Kindern am Kind-Eltern-Lehrperson-Gespräch (KEL-Gespräch) als triadisches Setting in der Primarstufe. Ziel der qualitativen Studie ist es, die Erfahrungen der Schüler:innen hinsichtlich ihrer Beteiligung zu rekonstruieren. Verortet im Forschungsfeld der Kinderperspektivenstudien folgt die ethnomethodologische Untersuchung einem multimethodischen Zugang. |
| 11:30 - 12:00 | Symposium 8c Ort: PPH_C.3.41 |
| 11:30 - 12:00 | Einzelbeitrag 39 Ort: PPH_C.3.47 |
|
|
Frühzeitige Förderdiagnostik durch Kooperation von MSD und Grundschulen 1: LMU München, Deutschland; 2: SFZ Landshut-Land; 3: Universität Regensburg Seit der Ratifizierung der UN-BRK gilt für die Bundesländer in Deutschland die Verpflichtung, ein inklusives Schulsystem zur Verfügung zu stellen, der in Bayern über die Änderung des BayEUG 2011 Rechnung getragen wurde. Eine besondere Rolle kommt bei der Umsetzung von Inklusion im bayerischen Schulsystem den Mobilen Sonderpädagogischen Diensten (MSD) zu. MSD-Lehrkräfte „diagnostizieren und fördern die Schülerinnen und Schüler, sie beraten Lehrkräfte, Erziehungsberechtigte und Schülerinnen und Schüler, koordinieren sonderpädagogische Förderung und führen Fortbildungen für Lehrkräfte durch“ (BayEUG §21, Abs. 1, Satz 2). Erfahrungen aus dem MSD-Alltag und wissenschaftliche Erkenntnisse (Lutz 2022, Gebhardt et al. 2022, Beckstein & Sroka 2022) weisen darauf hin, wie wichtig ein frühzeitiges Erkennen und Reagieren auf Förderbedarfe und die gemeinsame Entwicklung von förderdiagnostischem Unterricht in inklusiven Beratungsteams ist. Dabei zeigen sich Probleme auf verschiedenen Ebenen, die zu einer spät einsetzenden und zeitlich geringen Förderung führen (Lutz 2022). Hinzu kommt, dass das Zusammenspiel zwischen MSD-Lehrkräften und Grundschullehrkräften ein hohes Maß an multiprofessioneller Kooperation voraussetzt (Quante & Urbanek 2021, Serke & Streese 2022). Vor diesem Hintergrund wurde in der Inklusiven Region Landshut 2022 das Konzept MSDpräventiv entwickelt (Flötner & Kammermeier 2025). Das Konzept stellt eine frühzeitige Förderdiagnostik in den kindlichen Entwicklungsbereichen Sprache, Schriftsprache, Pränumerik, basale Wahrnehmungsbereiche, emotionale und soziale Entwicklung zu Beginn des Grundschulbesuchs in kollegialer Kooperation in den Mittelpunkt. In dem Beitrag wird das Konzept MSDpräventiv vorgestellt. Außerdem wird darauf eingegangen, wie in der Begleitforschung den Fragen nach dem Ertrag für die Kinder, der Perspektive der Eltern und den Gelingensbedingungen der Kooperation in den inklusiven Beratungsteams nachgegangen wird. |
| 11:30 - 12:00 | Einzelbeitrag 80 Ort: PPH_C.3.50 |
|
|
gesund.bewegt.erfolgreich- Motorische Fertigkeiten und Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen im Burgenland fördern PPH Burgenland, Österreich Das Forschungsprojekt „gesund.bewegt.erfolgreich“ untersucht, wie systematische sportmotorische Diagnostik und evidenzbasierte Bewegungsförderung zur gesundheitlichen, kognitiven und schulischen Entwicklung von Kindern im Burgenland beitragen. Bereits im Volksschulalter weisen internationale Befunde enge Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität, motorischer Leistungsfähigkeit, Gesundheitsindikatoren und Lernleistungen sowie zunehmenden Bewegungsmangel auf (Donnelly et al., 2016; Guthold et al., 2020; Anrich, 2003). In einer longitudinal angelegten Mixed-Methods-Studie (2024–2029) werden in der Primarstufe standardisierte Testverfahren (Deutscher Motorik-Test 6–18, MOBAK 1–4) mit Fragebögen zur Selbsteinschätzung der Kinder sowie für die Eltern und Interviews mit den Pädagog:innen kombiniert. Untersucht werden der aktuelle motorische Leistungsstand, typische Stärken-Schwächen-Profile, Unterschiede nach Geschlecht, regionaler und rural-urbaner Lage sowie Unterstützungsbedarfe der Pädagog:innen bei der Planung von Bewegungsangeboten. Quantitative Analysen (z. B. Korrelations- und Regressionsmodelle) werden mit qualitativen Auswertungen im Sinne einer Methodentriangulation verknüpft (Creswell, 2014; Teddlie & Tashakkori, 2009). Damit wird zugleich ein landesweiter Datenpool aufgebaut, der als Grundlage für die Planung von Bewegungsförderung, für die Aus- und Fortbildung von Pädagog:innen sowie für bildungspolitische Entscheidungen im Bereich der Gesundheitsförderung dienen soll. Der Beitrag verortet das Projekt im B³-Rahmen: „Beobachten“ erfolgt über theoriegeleitete, standardisierte Erfassung motorischer Kompetenzen; „Beurteilen“ fokussiert auf faire, transparente und entwicklungsangemessene Rückmeldungen in heterogenen Lerngruppen; „Befähigen“ zielt auf die Ableitung evidenzbasierter Förderkonzepte, bewegungsorientierten Unterrichts sowie passgenauer Fort- und Weiterbildungsangebote. Am Grazer Grundschulkongress 2026 werden erste Ergebnisse der repräsentativen Stichprobe vorgestellt und hinsichtlich ihrer Implikationen für Beobachtung, Beurteilung, Befähigung und evidenzbasierte Steuerung in der Primarstufe kritisch diskutiert. |
| 11:30 - 12:00 | Einzelbeitrag 31 Ort: PPH_C.3.52 |
|
|
Beurteilung von Schüler*innen. Wie/Inwiefern beeinflusst sie ihren Lernweg bzw. ihre Weiterentwicklung Université Yaoundé I, Kamerun, Kamerun Die Beurteilung als Lehrerhandlung im Unterricht kann die Motivation des Lernenden zum Sprachlernen negativ beeinflussen. Dieser Beitrag geht den Fragen nach, wie die Lehrkraft ihre Lernenden beurteilen soll, wie die Lernenden sich der Beurteilung gegenüber einstellen und wie sie ihren Lernweg bzw. ihre Weiterentwicklung beeinflusst (beeinflussen kann). Einige theoretische Ansätze über die Beurteilung im Fremdsprachenunterricht werden eingangs vorgestellt. Daraus leitet sich eine Hypothèse ab ("Die Benotung wirkt bei den Lernenden demotivierend und beeinträchtigt eine entspannte Lernatmosphäre"), die ebenfalls überprüft wird. 15 Deutschlernende (KT) und 5 Deutschlehrende äussern sich anhand einer Befragung zum Thema, die zusammenfassend ergibt, dass die Mehrheit der Deutschlernenden es mögen, beurteilt und benotet zu werden, weil die Beurteilung für sie ein Messinstrument ihrer Sprachlernfortschritte darstellt, von dem aus sie ihre Lernschwierigkeiten feststellen und Massnahmen treffen können, diese zu bewältigen. Vielen Sprachlernenden kommen die Beurteilung und Benotung zugute, weil vor allem positive Beurteilungen als Motivationsquelle gelten, die sie zum Weiterlernen treibt. Nur 3 KT finden die Benotung irrelevant, weil sie nicht den ganzen Lernprozess misst und frustrierend, entmutigend und demotivierend ist, wenn die Note schlimm ist. Darum wurde unsere Hypothese z.T. bestätigt. Anschliessend werden einige Empfehlungen an Sprachlehrende formuliert: a) auf professionnelle Weise vorgehen und negative Beurteilungen vermeiden, b) den Sprachlernenden Instrumente bzw. Kriterien zur Selbstbeurteilung zur Verfügung stellen, sodass sie sich selbst beurteilen können und c) Beurteilungsfehler vermeiden. |
| 11:30 - 12:00 | Einzelbeitrag 36 Ort: PPH_C.3.53 |
|
|
Reflexion als professionelle Schreibhandlung: Beobachten, Beurteilen und Befähigen in Semesterreflexionen von Studierenden des Masterlehrgangs Mentoring PH Niederösterreich, Österreich Reflexion zählt zu den zentralen Kernkompetenzen von Mentor*innen, weil sie die Fähigkeit stärkt, Entwicklungsprozesse bewusst wahrzunehmen, zu begleiten und zu fördern. In Mentoring-Ausbildungen haben Reflexionsprozesse einen hohen Stellenwert und gelten als Voraussetzung für professionelle Weiterentwicklung. Im außerordentlichen Masterstudium Mentoring – Professionalisierung und Qualifizierung von Lehrpersonen an der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich verfassen Studierende jedes Semester schriftliche Reflexionen, in denen sie basierend auf Selbstbeobachtung ihre Lern- und Entwicklungsprozesse dokumentieren. Die Semesterreflexionen bieten ein reichhaltiges Material zur Analyse professioneller Selbstvergewisserung und ermöglichen Einblicke in beobachtungsbezogene, beurteilende und befähigende Dimensionen professioneller Kompetenzentwicklung. Der Beitrag untersucht in einem qualitativ dokumentenanalytischen Zugang (Bohnsack et al., 2013) die Semesterreflexion als Textsorte, deren sprachlich-kognitive Anforderungen bislang kaum konturiert sind. Aufbauend auf textlinguistischen und schreibdidaktischen Überlegungen (Peter, 2022) wird analysiert, wie Studierende Beobachtungen aus Praxis- und Lernkontexten versprachlichen, diese hinsichtlich pädagogischer und professionstheoretischer Maßstäbe beurteilen und inwiefern sie daraus Perspektiven der Selbstbefähigung und Weiterentwicklung ableiten. Reflektieren wird dabei als Selbstexploration verstanden, die durch die wiederkehrende Reflexionsstruktur theoriegeleitete Analyse und Einordnung, Perspektivenwechsel und Handlungsplanung ermöglicht. Zugleich wird diskutiert, inwiefern Semesterreflexionen beurteilbar sind und wie mithilfe textsortenspezifischer Kriterien gezieltes, lernförderliches Feedback gestaltet werden kann. Der Fokus liegt in dem Zusammenhang nicht auf einer finalen Bewertung der Texte, sondern auf einem prozess- und entwicklungsorientierten Begleiten. Erste Analysen zeigen, dass Reflexionen nicht nur individuelle Lernprozesse sichtbar machen, sondern auch Indikatoren professioneller Haltung, Orientierung und Selbststeuerung enthalten. Der Beitrag diskutiert diese Ergebnisse im Hinblick auf die Bedeutung reflexiver Schreibaufgaben für die Professionalisierung von Mentoratspersonen sowie für die Gestaltung reflexionsförderlicher Lehr-Lern-Arrangements in der Lehrer*innenbildung. |
| 12:00 - 12:30 | Symposium 6d Ort: PPH_C.1.48 |
| 12:00 - 12:30 | Symposium 7d Ort: PPH_C.1.49 |
| 12:00 - 12:30 | Einzelbeitrag 24 Ort: PPH_A.0.01 |
|
|
Von der Diagnose zur Befähigung: Eine Fallstudie zur multiprofessionellen Zusammenarbeit bei Rechenschwäche PH Steiermark, Österreich Die multiprofessionelle Zusammenarbeit verschiedener Akteur:innen an Schulen gilt als zentrale Voraussetzung für inklusives Handeln, da sie unterschiedliche Perspektiven auf Diagnostik, Förderung und Unterricht zusammenführt (Lütje-Klose et al., 2024). Im Kontext von Rechenschwäche ist die Kombination aus psychologischer Diagnostik, lerntherapeutischer Expertise und fachdidaktischem Wissen besonders bedeutsam, weil mathematische Lernschwierigkeiten in heterogenen Lerngruppen eine präzise Analyse und individuell anschlussfähige Förderung benötigen (Landerl et al., 2022; Noël & Karagiannakis, 2022). Empirische Untersuchungen zeigen zudem, dass schulintegrierte Lerntherapie bzw. Rechentraining eine niederschwellige Möglichkeit bietet, Kinder frühzeitig zu erreichen und eine kontinuierliche Rückkopplung zwischen Diagnostik, Förderung und Unterrichtsgestaltung zu ermöglichen (Hilkenmeier et al., 2020). Vor diesem Hintergrund präsentiert der Beitrag eine Fallstudie aus dem Projekt „SchuBI-Re – Schulische Begleitung & Intervention bei Rechenschwäche“: 23 Primarstufenschüler*innen erhielten auf Basis einer qualitativen Eingangsdiagnostik individuelle Förderprofile und wurden über mehrere Monate in Einzel- und Kleingruppensettings am Schulstandort durch Rechentrainerinnen begleitet. Parallel dazu waren die Lehrpersonen eng in die Maßnahmen eingebunden und erweiterten durch den fortlaufenden Austausch ihre fachlichen und fachdidaktischen Kompetenzen. Untersucht wird, wie Rechentrainerinnen und Lehrpersonen gemeinsame Prozesse des Beobachtens, Beurteilens und Befähigens gestalteten und welche Einsichten sich daraus für die schulnahe Förderung von Kindern mit Rechenschwäche ergeben. Die Analyse basiert auf leitfadengestützten Interviews mit Rechentrainerinnen und Lehrpersonen sowie projektinternen Dokumentationen, diagnostischen Ausgangsdaten und Entwicklungsverläufen der 23 Schüler*innen. Sie ermöglicht eine vielperspektivische Betrachtung der Verzahnung professioneller Beobachtungs- und Beurteilungsprozesse und ihrer Bedeutung für die Befähigung von Kindern mit Rechenschwäche. |
| 12:00 - 12:30 | EB12 Ort: PPH_B.3.26 |
|
|
Beurteilung von Sozialverhalten in der Grundschule: Eine komparative Analyse bildungspolitischer Rahmenbedingungen in Deutschland und Österreich Universität Osnabrück, Deutschland Die Frage, wie soziales Verhalten in der Grundschule beurteilt werden soll, ist Gegenstand anhaltender Diskussionen. Ein zentraler Aspekt dieser Debatte ist auch der Einsatz von Kopfnoten. Der vorliegende Vortrag präsentiert die Ergebnisse einer komparativen Analyse bildungspolitischer Rahmenbedingungen für Grundschulen zur Beurteilung des Sozialverhaltens von Schülerinnen und Schülern in Deutschland und Österreich, wobei auch unterschiedliche Ansätze im Umgang mit Kopfnoten vorgestellt werden. Die Untersuchung basiert auf der systematischen Auswertung bildungspolitischer Vorschriften und Rahmenbedingungen der 16 Bundesländer Deutschlands sowie jenen aus Österreich. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Definition, Operationalisierung und Anwendung von Kopfnoten bei der Beurteilung von Sozialkompetenzen zu identifizieren. Welche Kriterien werden herangezogen? In welchem Umfang werden Kopfnoten eingesetzt? Und wie werden sie in das Gesamturteil integriert? Theoretisch fundiert wird die Analyse durch Konzepte des Sozialen Lernens und der Theorie von Fend, die die potenziellen Selektionsmechanismen und -wirkungen von Bewertungssystemen betont. Die Ergebnisse zeigen eine erhebliche Heterogenität in den bildungspolitischen Rahmenbedingungen, die sich auch in unterschiedlichen Praktiken der Kopfnotenvergabe widerspiegelt. Einige Bundesländer haben diese Praxis vollständig abgeschafft, während andere sie weiterhin beibehalten oder bewusst erneut eingeführt haben. Im Vortrag sollen die bildungspolitischen Begründungslinien für diese Entscheidungen, aber auch die Implikationen dieser unterschiedlichen Umsetzungen auch im Hinblick auf Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit diskutiert werden. Der Vortrag zielt darauf ab, einen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Leistungsbewertung im Bereich sozialer Kompetenzen zu leisten. |
| 12:00 - 12:30 | Symposium 8d Ort: PPH_C.3.41 |
| 12:00 - 12:30 | Einzelbeitrag 40 Ort: PPH_C.3.47 |
| 12:00 - 12:30 | EBE3: EBE3 Ort: PPH_C.3.50 |
|
|
Partizipation, Haltung und Leadership als Befähigungsstrukturen: Delphi-Studie zur zukunftsorientierten Schulentwicklung an Grundschulen Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Deutschland Stetige Wandlungsprozesse erfordern eine Neuausrichtung der Grundschule, um Kinder für eine unbekannte Zukunft zu befähigen (Bennet & Lemoine 2014; Czerwenka, 2014). Doch welche Strukturen sind hierfür notwendig? In einer dreistufigen Delphi-Studie (n=50 Expert:innen aus Wissenschaft, Lehrkräfteprofessionalisierung, Bildungsadministration und Praxis der DACH-Region; Häder, 2014; Niederberger & Renn, 2019) wurden Schlüsselthemen zukunftsorientierter Schulentwicklung identifiziert und konsentiert. Die Ergebnisse konturieren vier Befundkomplexe:
Der Beitrag stellt ein erweitertes Modell zukunftsorientierter Schulentwicklung an Grundschulen (Autenrieth 2025) vor, das etablierte Dimensionen (Buhren & Rolff 2012; Eickelmann & Gerick 2017) um Partizipation ergänzt. Während die Studie primär Befähigungs- und Beurteilungspraktiken adressiert, zeigen die Befunde, dass beide auf einer Haltungskultur aufbauen, die auch systematisches Beobachten erst ermöglicht. Prozessbegleitende Beurteilung setzt kontinuierliche Beobachtung voraus; Befähigung gelingt, wenn Beobachtung nicht defizitorientiert, sondern entwicklungsoffen erfolgt. Das Modell verdeutlicht damit, dass die drei Bs nicht isoliert, sondern als kulturelle Transformation zusammengedacht werden müssen, getragen von partizipativen Strukturen, die Kinder als Gestalter:innen ihrer eigenen Bildungsbiografie wirksam werden lassen. |
| 12:00 - 12:30 | Einzelbeitrag 32 Ort: PPH_C.3.52 |
|
|
Zwischen einem Gesamtkonzept sprachlicher Bildung und gesetzlicher Vorgaben zur Leistungsbeurteilung. Spannungsfelder in der Leistungsbewertung mehrsprachig aufwachsender Lernender PH Vorarlberg, Österreich Mit der Lehrplangeneration 2023/24 wird für die Primar- und Sekundarstufe I auf der Makroebene des österreichischen Bildungssystems erstmals explizit ein „Gesamtkonzept sprachlicher Bildung“ ausgewiesen. In Schulungsmaterialien zu den Lehrplänen für Deutsch als Zweitsprache und den Erstsprachenunterricht wird der Erwerb des Deutschen als Zweitsprache im Kontext einer Gesamtkonzepts zur Sprachenbildung verortet. Dabei sollen schulische Angebote in den Sprachenfächern sowie fachlicher Unterricht zusammengedacht werden, um damit aus der Perspektive von mehrsprachig aufwachsenden Lernenden eine durchgängige Sprachenbildung zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund nimmt der Beitrag das Spannungsfeld zwischen diesem auf der Makroebene formulierten Gesamtkonzept und der Leistungsbeurteilung entlang der aktuell gültigen Leistungsbeurteilungsverordnung (LBVO) in den Blick. Im Fokus steht die Frage, inwiefern normative Vorgaben, die auf eine gesamtsprachliche, ressourcenorientierte Sprachenbildung zielen, mit einer primär selektiv wirksamen Beurteilungslogik vereinbar sind – insbesondere im Hinblick auf mehrsprachig aufwachsende Lernende in Deutschförder- und Erst- und Fremdsprachenkontexten. Methodisch basiert der Beitrag auf einer dokumentenanalytischen Gegenüberstellung der LBVO, einschlägiger Passagen aus dem Lehrplan für die Volksschule, Schulungsmaterialien (aus dem Pädagogikpaket und anderen) zum Gesamtkonzept sprachlicher Bildung sowie zum integrativen Englischunterricht bzw. der Verwendung von Englisch als Arbeitssprache in allen Fächern (CLIL). Ziel ist es, (1) die normativen Rahmungen vom Gesamtkonzept sprachlicher Bildung sowie vom fachlichen Konzept „Kultur und Gesellschaft“ – und die darauf gründenden Bildungs- und Lehraufgaben des frühen Englischunterrichts (u.a. Englisch als Brückensprache zu Deutsch und anderen Erstsprachen) und Leistungsbeurteilung systematisch zu kontrastieren, (2) daraus resultierende Brüche, Spannungsfelder für die Leistungsbewertung v.a. mehrsprachiger Schüler:innen herauszuarbeiten und (3) Gestaltungsspielräume für eine sprachenbewusste bzw. sprachengerechte Leistungsbeurteilung zu diskutieren. |
| 12:00 - 12:30 | Einzelbeitrag 75 Ort: PPH_C.3.53 |
|
|
Leitungskompetenzen in Professionellen Lerngemeinschaften – theoretische Fundierung und digitales Trainingsprogramm Pädagogische Hochschule Vorarlberg, Österreich Professionelle Lerngemeinschaften (PLGs) gelten im Bereich der Schul-, Unterrichts- und Professionsentwicklung als äußerst effektives Tool. Ihr Potential ist unbestritten und empirisch abgesichert (Timperley, Wilson, Barrar & Fung, 2008, Theurl, Frick & Barrios, 2024). Es herrscht Konsens darüber, dass eine der wichtigsten Gelingensbedingungen für das Funktionieren einer PLG eine kompetente Leitungsperson (Facilitator) (Wiliam, 2008) darstellt. Gleichzeitig ist die Frage, worin die Aufgaben einer solchen Leitungsperson liegen und über welche Kompetenzen sie verfügen muss, weitgehend ungeklärt. Im Erasmus+ Projekt „Leading and Facilitating Professional Learning Communities in Schools towards an Inquiry-based and Reflective Practice” wurde diese Frage wissenschaftlich untersucht. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für die Entwicklung eines Trainingsprogramms für PLG-Leitungspersonen. Ein zweischrittiges Verfahren, bestehend aus einem umfassenden Review der deutsch-, englisch-, spanisch-, norwegisch- und griechischsprachigen Fachliteratur, bei dem die international vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema PLG-Leitung gesammelt wurden sowie Einzel- und Fokusgruppeninterviews mit 99 Personen mit PLG-Leitungserfahrung zu den Kompetenzen einer Leitungsperson in PLGs, bildete das Untersuchungsdesign. Bei beiden Schritten wurden die Ergebnisse kategorisiert und modularisiert und schließlich zu einem konzeptionellen Rahmen zusammengeführt, in welchem aus diesen theoretischen und empirischen Daten zentrale Leitungsdimensionen abgeleitet wurden: Beziehung, Kommunikation, Kollaboration, Lern- und Wissensaufbau, Organisation, Digitalität und als zentrale Dimension Reflexion und fragend-forschende Haltung. Jeder Dimension konnten Aktivitäten zugeordnet werden, die in den Modulen des Trainingsprogramms operationalisiert wurden. Damit wird eine Forschungslücke geschlossen und ein kostenloses digitales Trainingsprogramm zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe PLG-Arbeit optimiert werden kann. Der Beitrag präsentiert die gewonnenen Erkenntnisse und das Trainingsprogramm. |
| 14:30 - 15:30 | Keynote 3: Prof. Lukas Donner: Schüler:innen zum mathematischen Denken befähigen – eine Annäherung Ort: PHSt_Aula |
| 15:30 - 16:00 | Kaffeepause mit Postersession Ort: PHSt_Vorraum Aula |
| 16:00 - 16:30 | Symposium 12a Ort: PHSt_A01.05 |
|
|
Raumvorstellung - Eine zentrale Kognition in der Primarstufe Raumvorstellung umfasst das Verstehen der Lage von Objekten und Formen, ihrer räumlichen Beziehungen zueinander sowie ihre mentale Manipulation (vgl. Tam & Chan, 2022). Diese Fähigkeiten sind nicht nur im Alltag wie z. B. beim Einparken oder Navigieren relevant sondern auch grundlegend für das mathematische Lernen von Kindern (Verdine et al., 2017; Xie et al., 2020), da sie die Fähigkeit unterstützen, numerische Informationen zu repräsentieren, zu organisieren und zu manipulieren. Insbesondere für den Bereich Arithmetik zeigen mittlerweile zahlreiche Studien Zusammenhänge zur Raumvorstellung auf (vgl. Graß & Krammer, 2018; Graß, 2023). Im Symposium wird die zentrale Rolle der Raumvorstellung für mathematische Kompetenzen in der Grundschule aus kognitions-, neurowissenschaftlicher und fachdidaktischer Perspektive beleuchtet. Im ersten Vortrag zeigt Karl-Heinz Graß, dass visuell-räumliche Kognition und Zahlenverständnis enger miteinander verknüpft sind, als dies auf den ersten Blick erscheint. Anhand aktueller Ergebnisse aus der Neuro- und Kognitionswissenschaft verdeutlicht er, wie räumliches Vorstellungsvermögen grundlegende Rechenfertigkeiten, sogenannte basisnumerische Fertigkeiten unterstützt. Schließlich wird über das Grundvorstellungskonzept die Verbindung zur Mathematikdidaktik hergestellt, um die Relevanz psychologischer Grundlagenforschungsergebnisse für die Fachdidaktik und damit die Praxis zu verdeutlichen. Sabrina Stimpfl vertieft diesen Ansatz im zweiten Vortrag empirisch. Zahlreiche Studien belegen die Beziehung zwischen Raumvorstellung und arithmetischen Fähigkeiten, etwa über die räumliche Repräsentation von Zahlen auf dem mentalen Zahlenstrahl, den SNARC- und Distanzeffekt sowie die Rolle des visuell-räumlichen Arbeitsgedächtnisses. In einer longitudinale Interventionsstudie mit 400 Zweitklässler:innen wird ein gezieltes Raumvorstellungstraining eingesetzt, um Effekte auf zentrale Rechenfertigkeiten zu untersuchen. Erste Ergebnisse aus der Pilotphase des Dissertationsprojekts werden vorgestellt und sollen praxisrelevante Implikationen für die Grundschule liefern. Günter Maresch ergänzt die Perspektive durch die Auswertung von über 4,5 Millionen Aufgaben der Online-Plattform RIF 3.0. Die Analyse zeigt alters- und geschlechtsspezifische Muster räumlicher Fähigkeiten. Mädchen und Jungen sind in vielen Bereichen gleichauf, nur bei mentaler Rotation haben Burschen einen Vorteil. Während der Pubertät ändern sich die Fähigkeiten kaum, im Erwachsenenalter steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit in allen Bereichen. Das Symposium verbindet damit theoretische, empirische und praxisnahe Erkenntnisse und unterstreicht die Bedeutung der Raumvorstellung als zentrale kognitive Ressource in der Primarstufe. Beiträge des Symposiums Raumvorstellung – Eine zentrale Kognition für die Zahlenverarbeitung, das Rechnen und den Aufbau tragfähiger Grundvorstellungen Zahlen und räumliches Vorstellungsvermögen sind für die meisten von uns zwei getrennte Bereiche, mit wenigen, bis keinen Interferenzen. Denken Sie an die Rechenaufgabe 3+8 und an eine simple Würfeldrehaufgabe, wie sie oft bei Intelligenztests oder auch im Quiz-Teil von Zeitschriften vorkommt. Der Vortrag geht der Frage nach, warum etwa die Fähigkeit solche Würfeldrehaufgaben zu meistern auch für das Lösen der oben genannten Rechnung von Bedeutung ist. Konkret wird der Zusammenhang zwischen Zahlenverständnis und visuell-räumlicher Kognition auf Basis bisheriger kognitions- und neurowissenschaftlicher Evidenz dargestellt und ein Bogen zum Grundvorstellungsbegriff aus der Mathematikdidaktik gespannt. Letzteres dient insbesondere dazu, die Relevanz von Ergebnissen aus der Bezugsdisziplin Psychologie für die Mathematikdidaktik hervorzuheben und Parallelstrukturen sichtbar zu machen. Die Rolle der Raumvorstellung beim Aufbau mentaler Repräsentationen für die Zahlenverarbeitung und das Rechnen Zahlreiche Studien aus der Kognitions- und Neurowissenschaft weißen auf einen Zusammenhang zwischen Raumvorstellung und arithmetischen Kompetenzen hin (vgl. Graß, 2023; Graß & Krammer 2018; Vogel & de Smedt, 2021). So werden etwa Zahlen räumlich entlang eines mentalen Zahlenstrahls repräsentiert (Lindemann & Fischer 2015). Dies bestätigen sowohl der SNARC-Effekt, bei dem kleinere Zahlen mit der linken und größere mit der rechten Raumhälfte assoziiert werden, als auch der Distanzeffekt, wo größere numerische Differenzen zu schnelleren Reaktionen führen (Dehaene et al. 1993, Moyer & Landauer 1967). Neurowissenschaftliche Studien weißen auf die zentrale Rolle des intraparietalen Sulcus für die numerische Kognition hin, ein Gehirnareal, das auch für die Verarbeitung räumlicher Informationen verantwortlich ist (Hawes et al. 2019). Zudem spielt das Arbeitsgedächtnis – insbesondere der visuell-räumliche Notizblock – eine entscheidende Rolle für Rechenleistungen und stellt damit einen weiteren indirekten Zusammenhang zwischen Raumvorstellung und arithmetischen Kompetenzen her (Landerl, Vogel & Kaufmann 2022; Zhang et al. 2022). Bislang wenig Evidenz gibt es jedoch hinsichtlich des kausalen Zusammenhangs zwischen Raumvorstellung und Arithmetik im Grundschulalter. Im Vortrag wird dazu eine längsschnittliche Interventionsstudie mit 400 Schüler:innen der zweiten Schulstufe durchgeführt. Dabei erhält die Interventionsgruppe ein strukturiertes Raumvorstellungstraining. Veränderungen in zentralen arithmetischen Kompetenzen werden mittels Pre-, Post- und Follow-Up-Test erfasst, um sowohl kurzfristige als auch nachhaltige Effekte sichtbar zu machen. Der Beitrag gibt einen Einblick in das Studiendesign und präsentiert erste Ergebnisse aus der Pilotierungsphase. Die Ergebnisse sollen nicht nur die Bedeutung von Raumvorstellungsübungen für die arithmetische Kompetenzentwicklung verdeutlichen, sondern auch praxisrelevante Implikationen für die Grundschulmathematik aufzeigen. Die Online-Lernplattform RIF 3.0 - Ergebnisse aus über 4,5 Millionen bearbeiteter Raumvorstellungsaufgaben Die Ergebnisse von mehr als 4,5 Millionen bearbeiteter Aufgaben auf der freien Online-Plattform für räumliches Denken RIF 3.0 (https://rif4you.eu/) wurden wissenschaftlich ausgewertet. Die große Datenmenge ermöglicht facettenreiche Analysen und verschiedenste Interpretationen der räumlichen Denkfähigkeiten von Lernenden im Alter von 7 Jahren bis 99 Jahren. Die Daten wurden unter anderem hinsichtlich alters- und geschlechtsspezifischer Unterschiede sowie der Leistungen in den verschiedenen Bereichen des räumlichen Denkens untersucht. Im Vortrag wird einerseits die Online-Lernplattform RIF 3.0 kurz vorgestellt und andererseits werden die Ergebnisse der ausgewerteten Daten präsentiert. Diese zeigen klare Trends: (1) Mädchen und Burschen verfügen in zahlreichen Teilbereichen des räumlichen Denkvermögens über gleich gute Fähigkeiten. (2) Burschen haben (nur) im Bereich der mentalen Rotation einen klaren Vorteil. (3) Die räumlichen Fähigkeiten von Jugendlichen verbessern sich während der Pubertät (im Alter zwischen 12 und 16 Jahren) kaum. (4) Mit zunehmendem Alter steigt die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, die Aufgaben richtig zu lösen, für die Lernenden in allen Bereichen des räumlichen Denkens. |
| 16:00 - 16:30 | Symposium 9a Ort: PHSt_A02.06 |
|
|
Schulen als sicherer Raum für alle Kinder Die UN-Kinderrechtekonvention verpflichtet zum angemessenen Schutz, zur Förderung und zur altersgemäßen Beteiligung von Kindern. In Österreich stehen acht Artikel dieser Konvention im Verfassungsrang (BGBl. I Nr. 4/2011). Kinder, die im häuslichen, schulischen oder außerschulischen Umfeld mit Übergriffen und/oder Gewalt konfrontiert sind, laufen große Gefahr, durch die häufig auftretende Traumatisierung in ihrer Lern-, Konzentrations- und Entwicklungsfähigkeit beeinträchtigt zu werden (Baldus, 2017). Auch wenn manche Lernenden aus sich heraus erstaunliche Resilienz entwickeln, sind Schulen zur Unterstützung der Lernenden durch die Schaffung von sicheren Räumen („Safe places“) bei Verstößen gegen das Kindeswohl aufgerufen. Nachträgliche Angaben im Erwachsenenalter belegen ein hohes Maß an Gewalt an Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft (Herrmann et al., 2022): Sowohl im Kontext der Familie als auch im schulischen und außerschulischen Lebensbereich. Bildungsinstitutionen zeigen einen verantwortlichen Umgang mit Gefährdungen und Risiken, indem sie Kinderschutzkonzepte verfassen. Untersuchungen bestätigen, dass Kinder nicht nur im Umfeld der nahen Verwandtschaft von Übergriffen und Gewalt bedroht sind, sondern ebenfalls im schulischen Kontext: Gewalt durch pädagogisches oder nicht-pädagogisches Personal an Bildungseinrichtungen wird dabei ebenso angesprochen wie die große Herausforderung von Gewalt unter Gleichaltrigen. Die Formen der bewussten Übergriffe und Gewalt unter Kindern reichen von physischer, psychischer bis hin zu sexualisierter Gewalt, häufig in Form von (Cyber-)Mobbing. Im Sinne des Kongressthemas gilt es, durch Beobachtung Gewalt an Kindern zu erkennen, diese zu beurteilen und entsprechende Handlungen im Sinne des Kindeswohls zu setzen. Schulen können durch Sensibilisierung und Kinderschutzschulungen Gewalt früher erkennen und Schritte zur Beendigung setzen. Lehrkräfte können die Schüler*innen durch gezielte Präventionsarbeit zur frühzeitigeren Abwehr und Meldung befähigen und im Lernprozess selbst durch entsprechendes, pädagogisches Handeln die Auswirkungen von Traumatisierungen auf Denkprozesse, Lernen, Verhalten und Schulerfolg verringern. Dieses Symposium beschäftigt sich mit dem Themenfeld Kinderrechte/ Kinderschutz als Basis zum Lernen, Empowerment und zur Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenz in der Volksschule in Österreich. Dabei stehen die beiden Forschungsfragen im Fokus: Welche Fortschritte lassen sich bei der Implementierung der Kinderschutzkonzepte an Schulen in Österreich ablesen? Wie kann die Umsetzung der Kinderschutzkonzepte langfristig abgesichert werden? In einem Mixed-Methods-Design wurden dazu Erhebungen sowohl durch quantitative Befragungen als auch durch qualitative Inhaltsanalysen von Gesprächsdaten durchgeführt. Beiträge des Symposiums Theoretischer Hintergrund zur Einführung der Kinderschutzkonzepte in Österreich Der erste Beitrag stellt einleitend die Faktenlage zu Gewalt an Kindern im häuslichen, schulischen oder außerschulischen Umfeld an den Beginn. Retrospektive Befragungen von Erwachsenen zeigen eine hohe Dunkelziffer bei Gewalt an Kindern und Jugendlichen (Herrmann et al., 2022): In der Gesamtbevölkerung erlebten 15% emotionale Misshandlung als Kinder, 12% körperliche Gewalt, 12,7% sexuelle Misshandlung sowie 14,5% schwere Vernachlässigung. Mehrheitlich sind diese Kinder im häuslichen Umfeld von Gewalt betroffen, aber auch in pädagogischen Einrichtungen sind durchschnittlich 5% aller Interaktionen der Erwachsenen als sehr verletzend und 20% als ethisch bedenklich einzustufen (Prengel, Heinzel, Reitz & Winklhofer, 2017). Dies umfasst Formen physischer Gewalt, psychischer Gewalt und sexuelle Übergriffe. Zusätzlich sind Kinder unterschiedlichen Gewaltformen von Gleichaltrigen ausgesetzt, etwa 10% der Schüler*innen sind mit physischer und mehr als 20% regelmäßig mit psychischer Gewalt konfrontiert. Laut Expert*innen tolerieren Lehrkräfte häufig Gewalt unter Schüler*innen, vor allem psychische Gewaltformen (beispielsweise Mobbing). Die Notwendigkeit, das Thema Kinderschutz im pädagogischen Kontext stärker zu fokussieren, mündete in Österreich flächendeckend in der Verordnung zur Implementierung von Kinder- und Jugendschutzkonzepten an pädagogischen Einrichtungen (BGBl. II Nr. 126/2024). Demnach wird ab dem Schuljahr 2024/25 in jeder Schule ein Schutzkonzept formuliert und ein Schulentwicklungsprozess gestartet. Ausgangslage zur Einführung der Kinderschutzkonzepte im Bundesland Steiermark (quantitative Daten) Um die Implementierung von Kinderschutzkonzepten im Zeitverlauf zu untersuchen, wurden zwei quantitative Befragungen an öffentlichen Schulen der Steiermark durchgeführt. Die erste Erhebung (Oktober/November 2024, n = 1.192) mit insgesamt 28 Fragen (geschlossene und offene Formate) diente der Darstellung der Ausgangslage sowie bereits vorhandener Rahmenbedingungen an den Schulen und erfasste den IST-Stand sowie den Sensibilisierungsgrad von Schulleiter*innen und Lehrpersonen. Am Ende des ersten Schuljahres erfolgte im Juni 2025 eine zweite Befragung mit 20 Fragen (n = 1.025), um Fortschritte in der Umsetzung der Kinderschutzkonzepte zu identifizieren. Die Daten wurden statistisch ausgewertet, um Unterschiede zwischen Schularten und Berufsgruppen sichtbar zu machen sowie Zusammenhänge in der Einschätzung relevanter Teilaspekte zu analysieren. Die Ergebnisse der ersten Befragung zeigen unter anderem, dass Gewalt durch pädagogisches Personal von den Befragten als nachrangiges Problem wahrgenommen und das Wissen über Kinderschutz insgesamt als gering eingeschätzt wird. Zudem wird deutlich, welche Elemente der Kinderschutzkonzepte bereits implementiert wurden und in welchen Bereichen die Befragten zentrale Herausforderungen sehen. Die zweite Erhebung erlaubt eine erste Bewertung der Entwicklungen und Fortschritte im Umsetzungsprozess und liefert Ansatzpunkte für weitere Unterstützungs- und Professionalisierungsmaßnahmen. Ressourcen & Verbesserungspotentiale in der Umsetzung der Kinderschutzkonzepte (qualitative Daten) Zur Identifizierung von wahrgenommenen Ressourcen sowie Problemfeldern, Handlungsbedarfen und Verbesserungspotentialen in der Umsetzung der Kinderschutzkonzepte an österreichischen Schulen wurden zusätzlich qualitative Erhebungen durchgeführt und in Form der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring analysiert. Zuerst wurden in gesamt 20 leitfadengestützten Interviews (face2face, Zeitraum Mai bis Juli 2025) jeweils fünf Lehrpersonen, fünf Schulleitungen, fünf Erziehungsberechtigte und fünf Schüler*innen befragt. Die Analysen zeigen, dass die Einführung der Kinderschutzkonzepte die Sensibilität für Gewaltprävention stärkt. Als Herausforderungen wurden Zeit- und Ressourcenmangel an Schulen sowie (teilweise) Zurückhaltung im Kollegium genannt. Eltern berichten von unzureichenden Informationen, Schüler*innen erleben nur teilweise Veränderungen durch die Implementierung der Konzepte. Gesamt zeigt sich, dass der Wunsch besteht, die Partizipation von Eltern und Kindern (bzw. Jugendlichen) in der Erstellung zu ermöglichen. Der zweite Abschnitt stellt die qualitativen Analysen aus Fokusgruppendiskussionen mit externen Expert*innen des Kinderschutzes (n= 22) in Österreich vor. In Diskussionen mit Verantwortlichen der Schulaufsicht und Vertreter*innen externer Vereine wurden Einschätzungen der bislang erfolgten Entwicklungen, mögliche weiterführende Handlungsfelder und Maßnahmen zur Qualitätssicherung diskutiert. In diesem Kontext gab es mehrheitlich Einigkeit darüber, dass es weitere Schritte und Aktivitäten aller Verantwortlichen zur langfristigen Absicherung der schulischen Bemühungen rund um den Kinderschutz benötigen wird. |
| 16:00 - 16:30 | EB1 Ort: PHSt_A02.12 |
|
|
Vom Lehrplan zur Praxis: Quellenarbeit im Sachunterricht – eine Kooperation von PH-Tirol und Tiroler Landesmuseen 1: Pädagogische Hochschule Tirol, Österreich; 2: Tiroler Landesmuseen Der Beitrag präsentiert eine Kooperation zwischen der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT) und den Tiroler Landesmuseen, die darauf abzielt, historische Quellen der Bibliothek des Ferdinandeums für den Sachunterricht nutzbar zu machen. Theoretisch orientiert sich das Projekt an einem Verständnis von Geschichte, als quellenbasierter, gegenwartsgebundene Rekonstruktion: Jordan beschreibt Geschichte als „aus der Gegenwart heraus entstehende Erzählung“ über die Vergangenheit, die sich auf Quellen stützt (Jordan, 2021, S. 21f.), von Reeken als "Rekonstruktions- und Konstruktionsprozess" aus der Perspektive der Gegenwart“ (Reeken, 2020, S. 5). Rüsen betont, dass historisches Lernen auf die Gewinnung historischen Sinns abzielt (Rüsen, 2013). Die Strukturierung des Projekts stützt sich auf Pandels Dimensionen des Geschichtsbewusstseins (Pandel, 1987) sowie am Perspektivrahmen Sachunterricht (Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts, 2013), der historische Frage-, Methoden-/Medien- und Narrationskompetenz als zentrale Denk- und Arbeitsweisen ausweist. Im Rahmen eines Seminars entwickelten Studierende erste konzeptionelle Ideen für quellenorientierte Lernarrangements. Diese waren noch nicht für den unmittelbaren Unterrichtseinsatz ausgearbeitet, lieferten jedoch zentrale Impulse für die Auswahl geeigneter Quellen und methodischer Zugänge. Darauf aufbauend entstand ein Prototyp zur Quelle „Feuerordnung von 1765“, der die Historische Fragehand (Becher & Gläser, 2016) als zentrales Scaffolding-Instrument nutzt und als flexibel anschlussfähiges Unterrichtsmaterial konzipiert ist. Der Prototyp wurde im Herbst 2025 in einer 4. Klasse der Praxisschule der PHT erprobt. Der Beitrag skizziert das methodische Design der Pilotphase, zeigt Lernprozesse der Kinder im Umgang mit historischen Quellen und diskutiert, wie die Kooperation zwischen Museum und Hochschule zur Professionalisierung angehender Lehrpersonen sowie zur Förderung reflektierten historischen Denkens im Sinne des Lehrplans 2023 beitragen kann. |
| 16:00 - 16:30 | EB5 Ort: PHSt_A02.14 |
|
|
Leo: Nachhaltig leben - Materialien zur Bildung für Nachhaltige Entwicklung in der Primarstufe 1: Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Niederösterreich; 2: Pädagogische Hochschule Wien; 3: Universität Wien, AECC Chemie In den Lehrplänen und Erlässen zur Primarstufe wird eine Auseinandersetzung mit Themen der Nachhaltigkeit gefordert. Auch für zahlreiche Autor:innen (zB Hauenschild, 2023; Spahn-Skrotzki, 2023) ist unumstritten, dass Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) bereits in der Primarstufe seinen Platz haben sollte. Allerdings stellen im Bereich der Klimabildung ua die Komplexität sowie Abstraktheit der Thematik und die Dramatik der Bedrohung eine große Herausforderung für eine fachlich angemessene und kindgerechte Auseinandersetzung dar. Dem Sachunterricht kommt eine besondere Bedeutung zu, wenn es gilt, im Rahmen der Klimabildung eigene Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln. Hier setzt das Projekt „Leo: Nachhaltig leben“ an, in dessen Mittelpunkt die drei großen Themenkomplexe Konsum, Ernährung sowie Lebensräume und Mobilität und deren Teilthemen stehen. Ziel ist die Entwicklung und Evaluation von Materialien für Lehrpersonen und Schüler:innen für den Sachunterricht. Als Methode, um der Besonderheit der Primarstufe gerecht zu werden, setzen wir Storytelling ein. Die Kinder können, unterstützt durch die Erzählung um die Protagonistin Leo, Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen entwickeln. In jedem Kapitel der Geschichte werden Anknüpfungspunkte an die Themenkomplexe beschrieben, die in Folge unter Nutzung themenspezifischer Kartenserien bearbeitet werden können. Jede einzelne Karte enthält Aktivitätsbeschreibungen, Ideen für naturwissenschaftliche Untersuchungen, Unterstützungsangebote oder auch Portfolio-Aufträge. Bei der Entwicklung der Materialien waren folgende Überlegungen handlungsleitend: Das komplexe Thema Nachhaltigkeit soll kindgerecht und vernetzt in Teilthemen bearbeitbar sein. Die Kartenserien sollen eine größtmögliche Individualisierung und Differenzierung ermöglichen. Schüler:innen sollen anregende naturwissenschaftliche Untersuchungen durchführen können. In unserem Beitrag stellen wir das Konzept des Projekts, die Projektwebseite (https://aeccc.univie.ac.at/lehrerinnen/unterrichtsmaterialien/leo-primarstufe/), Materialien sowie nächste Schritte vor. |
| 16:00 - 16:30 | Einzelbeitrag 45 Ort: PHSt_A02.16 |
|
|
Gekommen um zu bleiben – Die Bedeutung der Vermittlung von KI-Literacy in der Hochschullehre aus der Perspektive von Hochschullehrenden im PH-Verbund Süd-Ost 1: Private Pädagogische Hochschule Augustinum, Österreich; 2: Pädagogische Hochschule Steiermark; 3: Private Pädagogische Hochschule Burgenland Künstliche Intelligenz (KI) hat in den Hochschulen längst Einzug gehalten. Der Einsatz von KI birgt zahlreiche Chancen und Herausforderungen, die sich auf die Kernbereiche der Lehre auswirken (Prüfen, Begleiten, Beraten). Zur Begleitung dieses Prozesses wird im PH-Verbund Süd-Ost eine mehrjährige explorative Studie zum IST-Stand und zu Entwicklungsperspektiven von KI in der Hochschullehre der Primarstufe durchgeführt. In einer ersten qualitativen Interviewstudie wurden Lehrende unterschiedlicher Fachbereiche (N = 8) an vier Pädagogischen Hochschulen zu ihren Erfahrungen mit KI-Tools und -Methoden in der Lehre befragt. Dabei wurde u.a. die Frage aufgegriffen, welche Zielsetzungen Hochschullehrende im Bereich der Vermittlung von KI-Literacy verfolgen und welche Strategien sie einsetzen, um Studierende für den Umgang mit KI-Tools zu sensibilisieren. KI-Literacy umfasst dabei in Anlehnung an Long & Magerko (2020) die Fähigkeiten, KI-Technologien kritisch zu evaluieren, effektiv mit KI zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten als auch KI als Werkzeug online, zu Hause und am Arbeitsplatz zu nutzen. Die Ergebnisse, die mittels der qualitativen Inhaltsanalyse unterstützt durch MAXQDA (2024) generiert wurden, zeigen, dass Lehrende über praktische Anwender*innenkenntnisse verfügen und großen Wert auf die kritische Reflexion von KI generierten Inhalten legen. Als relevant wird hierbei die Notwendigkeit eines ausreichenden Fachwissens thematisiert, da nur so die Qualität von KI-generierten Outputs beurteilt werden kann. Zudem wird die Bedeutung einer diversitätssensiblen Auseinandersetzung mit den Ergebnissen betont. Das Fehlen von Inhalten zur Funktionsweise von KI-basierten Tools oder auch von ressourcenbezogenen Überlegungen (Nachhaltigkeit) im empirischen Material verdeutlicht den offenen Entwicklungsprozess. Die Ergebnisse werden mit Bezug zu Implikationen für die Hochschullehre und Empfehlungen für hochschuldidaktische Professionalisierungsangebote präsentiert. |
| 16:00 - 16:30 | Symposium 10a Ort: PHSt_A01.04 |
|
|
Sprache im Alltag beobachten und fördern – Von der Diagnose zur Beratung Ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit von pädagogischen Fachkräften ist die Beobachtung und Dokumentation im Kita-Alltag (vgl. Viernickel, 2014). Zudem stellt die Passung zwischen Beobachtung und Förderung eine wichtige Stellschraube in der pädagogischen Arbeit dar (vgl. Neugebauer & Becker-Mrotzek, 2013), um die Sprachkompetenzen aller Kinder passgenau begleiten und unterstützen zu können. Die Notwendigkeit beide Bereiche zu verbinden, unterstreicht die Empfehlung von Neugebauer und Becker-Mrotzek (2013, S. 43) nochmals deutlich: “Keine Förderung ohne Diagnose – keine Diagnose ohne Förderung“. Um dies zu ermöglichen, benötigen die pädagogischen Fachkräfte einerseits Beobachtungskompetenz und ein Repertoire an Fördermethoden, andererseits auch Gesprächsführungskompetenz in Elterngesprächen (vgl. Aich & Behr, 2016) für den pädagogischen Alltag. Das geplante Symposion widmet sich der Auseinandersetzung mit den drei großen Themenschwerpunkten des Forschungsprojektes „Sprache im Alltag beobachten” (SiAb), in dem die Entwicklung eines alltagsintegrierten Sprachbeobachtungsverfahren, die daraus resultierende passgenaue Sprachförderung und die notwendige Beratung in Elterngesprächen fokussiert werden. Zugleich schließt es am Diskurs des aktuellen Tagungsthemas „Beobachten, Beurteilen und Befähigen” mit den beiden Fragestellungen an, wie die Entwicklung von Kindern im Kontext der Sprache beobachtet, dokumentiert und beurteilt werden kann und wie pädagogische Fachkräfte im Kontext der Förderung befähigt werden können. Der Entwicklung eines alltagsintegrierten Beobachtungsverfahrens widmet sich der erste Vortrag, welcher einen Einblick in die theoretische Konzeption des Verfahrens geben wird. Im Zusammenhang mit Sprachförderung und -bildung wird im zweiten Beitrag der Fokus auf die Förderung gelegt, in dem näher das Konzept “Mit Kindern im Gespräch” (Kammermeyer et al., 2017) vorgestellt wird. Im Anschluss fokussiert der dritte Beitrag die Präsentation von Ergebnissen aus einer Fragebogenerhebung für pädagogische Fachkräfte in Bezug auf Gesprächsführungskompetenzen in Elterngesprächen. Das Ziel des geplanten Symposiums ist die Passung von Diagnose und Förderung theoretisch und empirisch zu beleuchten und zu diskutieren, wobei die Entwicklung eines Beobachtungsverfahrens, die passgenaue Förderung und die anschließende Beratung mit Eltern vorgestellt und die Bedeutung der Sprachdiagnose und Sprachförderung/-bildung für den Elementar- und auch Grundschulbereich näher beleuchtet werden soll. Beiträge des Symposiums Sprache im Alltag beobachten – ein alltagsintegriertes Beobachtungsverfahren In Rheinland-Pfalz wird die Sprachentwicklung der Kinder durch eine alltagsintegrierte Sprachbildung gefördert (§ 3 Abs. 3 KiTaG). Es fehlt jedoch ein einheitliches Sprachbeobachtungsverfahren mit Bezug auf die Sprachkompetenzen und Förderbedarfe in der Zielsprache Deutsch bei einsprachig deutsch und mehrsprachig aufwachsenden Kindern, welches im Alltag von den pädagogischen Fachkräften angewandt werden kann. Im ersten geplanten Vortrag wird daher das Forschungsprojekt „Sprache im Alltag beobachten” (SiAb) vorgestellt, welches an diesem Desiderat anknüpft. Das im Juli 2025 gestartete Forschungsprojekt hat zum Ziel, ein standardisiertes Beobachtungsinstrument zur Erfassung und Dokumentation sprachlicher Kompetenzen von viereinhalbjährigen Kindern in Kindertageseinrichtungen in Rheinland-Pfalz zu entwickeln und zu pilotieren. Dabei sollen pädagogische Fachkräfte Sprachdiagnose (mittels dem Verfahren SiAb) und Sprachförderung (mittels „Mit Kindern im Gespräch“) miteinander verknüpfen können. Dabei erhöht die unmittelbare Anschlussfähigkeit zwischen Diagnose (SiAb) und Förderung (MiKiG) zentrale Implementationskriterien wie u.a. Akzeptanz, Benutzerfreundlichkeit, Machbarkeit, Wiedergabetreue und Nachhaltigkeit (Hartmann, et al., 2020; Petermann, 2014; Souvignier, 2021). Die Entwicklung des Beobachtungsverfahren erfolgt unter Einbezug verschiedener Perspektiven (wie Praxis, Bildungsadministration, Eltern, Wissenschaft) nach dem Design-Based-Research-Ansatz (DBR) (The Design-Based Research Collective, 2003; Topalović & Drepper, 2024). In verschiedenen Forschungszyklen wird das Verfahren pilotiert und mit den aktiven Akteur*innen modifiziert, um die Re-Design Prozesse durchführen zu können. Der erste Teil des Symposions soll daher die Entwicklung eines alltagsintegrierten Verfahrens fokussieren und erste Ergebnisse aus dem Projekt präsentieren. Von der alltagsintegrierten Beobachtung zur Sprachförderung. Sprachbeobachtung und -förderung – auf die Passung kommt es an! Für die alltagsintegrierte Sprachbildung und -förderung liegt bereits ein Ansatz vor, dessen Effekte auf die Anregungsqualität von pädagogischen Fachkräften und die Sprachkompetenzen von Kindern belegt sind („Mit Kindern im Gespräch“, Kammermeyer et al., 2017, Horner et al., 2024). Es stellt sich die Frage, wie diese Effekte durch alltagsintegrierte Sprachbeobachtung erhöht werden können. Hierzu ist es notwendig, bei der Konzeption eines Verfahrens sich nicht nur an den „harten“ klassischen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität, sondern verstärkt auch an den „weichen Nebengütekriterien“ (Alltagsintegration, Ökonomie, Akzeptanz, Machbarkeit, Wiedergabetreue) zu orientieren. Dies soll dadurch erreicht werden, dass die standardisierte Beobachtung und die dazu passende Förderung auf der Ebene von Einzelaufgaben angeboten werden. Im Vortrag wird im ersten Schritt ein kurzer Überblick über das Qualifizierungskonzept „Mit Kindern im Gespräch“ und dessen Effekte gegeben. Daran anschließend wird – auch anhand eines Beispiels – vorgestellt, wie die Verknüpfung von alltagsintegrierter Beobachtung und Förderung im Projekt SiAb (Sprache im Alltag beobachten) mit Hilfe von Beobachtungskarten angeregt wird. Von der Diagnose zur Beratung – Elterngespräche und Beratung in der Kita “Um Elternpartnerschaft auf Augenhöhe gestalten zu können und dem Anspruch einer gelingenden Zusammenarbeit gerecht zu werden, benötigen Fachkräfte vor allem Gesprächskompetenzen” (Aich & Behr, 2016, S. 11). Die Relevanz von Elterngesprächen im Kontext der frühen Kindheit wird deutlich von verschiedenen Perspektiven hervorhoben, jedoch werden die dafür notwendigen Gesprächsführungskompetenzen in der Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften kaum thematisiert (vgl. Aich & Behr, 2016; Aich & Behr, 2019). An dieser Stelle setzt der dritte geplante Vortrag des Symposions daran an, Gesprächsführungskompetenzen von pädagogischen Fachkräften sowie Elterngespräche in der Kita näher zu beleuchten. Im oben genannten Forschungsprojekt SiAb wird neben der Entwicklung eines alltagsintegrierten Beobachtungsverfahrens auch die Elternperspektive in Bezug auf Gespräche zwischen Fachkraft und Elternteil in den Fokus genommen. In diesem Rahmen findet im Frühjahr 2026 eine Befragung bezüglich der Gesprächskompetenzen von pädagogischen Fachkräften der teilnehmenden Projektkitas statt. Die generierten Ergebnisse sollen Grundlage für die Entwicklung und Planung eines Fortbildungsmoduls bilden, das den Fokus auf die Elterngespräche setzt. Im Juli 2026 sollen erste quantitative und qualitative Daten (vgl. Mayring, 2022) aus der Fragebogenerhebung vorgestellt und diskutiert werden. |
| 16:00 - 16:30 | Symposium 11a Ort: PHSt_A01.17 |
|
|
Transfer_Werkstatt im Fokus: Ein Konzept für nachhaltige Schul- und Unterrichtsentwicklung Die Schule steht im Spannungsfeld von gesellschaftlichem Wandel, technologischen Entwicklungen und neuen curricularen Anforderungen (Komposch et al., 2025). Lehrpersonen sind gefordert, Lernprozesse so zu gestalten, dass Schüler*innen nicht nur Wissen erwerben, sondern Kompetenzen entwickeln, die sie zu selbstverantwortlichem und zukunftsorientiertem Handeln befähigen. Damit verbunden ist die professionelle Aufgabe von Lehrpersonen, Lernende zu beobachten, Lernfortschritte zu beurteilen und Lernumgebungen zu schaffen, die Befähigung ermöglichen (BMBWF, 2021; BMB, 2025). Das Fortbildungsformat Transfer_Werkstatt bietet hierfür einen innovativen Rahmen: Es unterstützt Lehrpersonen und Schulteams dabei, Unterrichts- und Schulentwicklung reflektiert und zukunftsorientiert zu gestalten. Die Beiträge des Symposiums beleuchten vier zentrale Zugänge: Der erste Beitrag widmet sich der Transfer_Werkstatt als einem wirksamen Fortbildungsformat für die Entwicklung innovativer Lernformen in Schulen. Der Fokus liegt hier auf den Ergebnissen der Begleitforschung, insbesondere auf der Veränderung und Stärkung der Selbstwirksamkeit und der professionellen Handlungskompetenz von Lehrpersonen. Der zweite Beitrag gibt inhaltliche Einblicke in die Transfer_Werkstatt “Unterricht öffnen”. Durch diesen Beitrag wird sichtbar, wie im Fortbildungsformat Transfer_Werkstatt Impulse zur praktischen Umsetzung mit empirischen Erhebungen und Erkenntnissen für die Forschung Hand in Hand gehen können. Im dritten Beitrag steht die Transfer_Werkstatt „FREI DAY“ im Mittelpunkt. Sie begleitet Lehrpersonen bei der Einführung des FREI DAY an ihrem Schulstandort und unterstützt sie in ihren Entwicklungsprozessen. Das Lernformat eröffnet Schüler*innen die Möglichkeit, projektorientiert an Zukunftsfragen zu arbeiten und dabei Verantwortung, Kreativität und Kollaboration zu erleben. Die Transfer_Werkstatt vermittelt praxisnahe Ansätze, wie Lehrkräfte diese Lernräume gestalten und ihre Rolle als Lernbegleiter*innen stärken können. Im vierten Beitrag wird das Konzept einer explorativen Langzeitstudie im Rahmen der Transfer_Werkstatt “Englisch” vorgestellt. Es wird untersucht, wie Lehrpersonen durch die Teilnahme an der langfristigen Fortbildung ihre professionelle Identität und Handlungskompetenz im Kontext curricularer Reformen zum Fremdsprachenunterricht (weiter)entwickeln. Gemeinsam zeigen die Beiträge, wie Beobachten und Beurteilen als Grundlage für Befähigung verstanden werden können - sowohl für Lernende als auch für Lehrende. Das Symposium lädt dazu ein, die Transfer_Werkstatt als Format für partizipative, kooperative und vernetzende Professionalisierung und nachhaltige Unterrichts- sowie Schulentwicklung zu diskutieren. Beiträge des Symposiums Transfer_Werkstatt wirkt?! Ein innovatives Fortbildungsformat für zukunftsfitte Schulteams Der rasche gesellschaftliche und technologische Wandel stellt Lehrpersonen vor die Aufgabe, Lernprozesse so zu gestalten, dass Schüler*innen nicht nur Wissen, sondern Kompetenzen erwerben (Weinert, 2001), die sie zu selbstverantwortlichem und zukunftsorientiertem Handeln befähigen (Kulmhofer-Bommer & Diekmann, 2021). Um diesem Anspruch gerecht zu werden, sind Lehrpersonen gefordert, ihre Rolle als Lernbegleiter*innen neu zu denken und Unterricht zu reflektieren (BMBWF, 2021). Diese Anforderungen zeigen, dass die Befähigung der Schüler*innen mit der professionellen Stärkung der Lehrpersonen beginnt (Lipowsky, 2006; Posch, Rauch & Seidl, 2012). Das Fortbildungsformat Transfer_Werkstatt greift diesen Ansatz auf. Der Beitrag stellt das mehrjährige, partizipativ angelegte Fortbildungsformat mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten vor, welches Schulteams in ihrer Professionalisierung begleitet. Ziel des Formats ist es, Lehrpersonen zu befähigen, Unterricht und Schulentwicklung so zu gestalten, dass Schüler*innen in ihrer Verantwortung und Kompetenzentwicklung nachhaltig gestärkt werden. Neben der Förderung von Selbstwirksamkeit und professioneller Handlungskompetenz der teilnehmenden Lehrpersonen stehen kollegiale Vernetzung, Reflexion und Praxistransfer im Fokus (Lipowsky & Rzejak, 2021). Im Zentrum des Beitrags steht das Fortbildungsformat und dessen empirische Begleitforschung, die nach einem mehrstufigen Forschungsdesign entsprechend dem Rahmenmodell von Lipowsky (2004) aufgebaut ist. Zum Einsatz kommen qualitative Interviews, Gruppendiskussionen sowie standardisierte Fragebögen. Insbesondere wird dargestellt, wie sich die Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden hinsichtlich einer zukunftsfähigen Unterrichtsgestaltung über den bisherigen Fortbildungsbesuch hinweg verändert. Ein Strukturmodell Offenen Unterrichts. Theoretisch fundiert und praktisch anwendbar. Der Beitrag stellt ein theoretisch fundiertes Strukturmodell Offenen Unterrichts und seine Weiterentwicklung durch Lehrkräfte vor, um Offenheit als didaktisches Prinzip zu konkretisieren, das ermöglicht, Schüler*innen individuell kognitiv und sozial zu befähigen. In dieser Forschung wird Offenheit als ein Prinzip zur inklusiven und partizipativen Gestaltung von verschiedenen Unterrichtsdimensionen verstanden, in dessen Zentrum Selbst- und Mitbestimmungsmöglichkeiten von Schüler*innen stehen (Bohl & Kucharz, 2010). Dieser Aspekt steht im Strukturmodell im Zentrum und wird ergänzt um Grundlagen, Konzepte, Merkmale und Abgrenzungen von Offenem Unterricht. Im Rahmen der Fortbildungsreihe Transfer_Werkstatt beschäftigen sich rund 30 Lehrkräfte aus 10 Schulstandorten mit dem Thema “Unterricht öffnen”. Sie nutzen die Fortbildungsreihe, um ihren eigenen Unterricht zu reflektieren, Gestaltungsmöglichkeiten kennenzulernen, auszuloten und umsetzen. Ihnen wird das Strukturmodell im Rahmen der Fortbildung präsentiert, um es zu diskutieren und um praktische Aspekte zu erweitern. Die Auseinandersetzung mit dem Modell findet mit Hilfe theaterpädagogischer (Statuentheater) und künstlerisch-kreativer Methoden (weiterzeichnen, (um-)bauen) statt. Die so entstehenden Daten (Videoaufnahmen, Fotos, Zeichnungen) werden mit qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Im vorliegenden Beitrag werden zunächst das ursprüngliche Strukturmodell und die Forschungsmethoden vorgestellt, dann werden erste Ergebnisse daraus dargestellt und Möglichkeiten diskutiert, dass diese dazu genutzt werden können, das Modell zu überarbeiten und weiterzuentwickeln. Ziel dieser Studie ist es, ein theoriebasiert entwickeltes Modell zu Offenheit im Unterricht weiterzuentwickeln, damit dieses auch praktisch anwendbar und in weiterer Folge von Lehrpersonen als Werkzeug zur Reflexion und Weiterentwicklung des eigenen Unterrichts verwendet werden kann. Transfer_Werkstatt “FREI DAY” - Praktische Implikationen für die Umsetzung Im Beitrag wird der Transformationsprozess von Lehrpersonen mit dem Blick auf ihren Unterricht und Teamarbeit in der Schule im Rahmen des Fortbildungsformats Transfer_Werkstatt “FREI DAY” thematisiert. Im Spannungsfeld von Wandel und Bestand fordert die Schule von morgen Lehrpersonen heraus, Lernprozesse neu zu denken (BMB, 2025). Der FREI DAY, ein Lernformat der Initiative Schule im Aufbruch Österreich (2025), bietet hierfür ein wirksames Modell: Er schafft Raum für eigenverantwortliches, projektorientiertes Lernen zu Zukunftsfragen – und stärkt damit jene Kompetenzen, die Schüler*innen in Zukunft benötigen. Neben fachlichem Wissen treten kritisches Denken, Kreativität, Kollaboration und Selbstwirksamkeit als zentrale Zukunftskompetenzen in den Vordergrund. Lehrpersonen übernehmen die Rolle von Lernbegleiter*innen, Ermöglicher*innen und Impulsgeber*innen. Durch vertrauensvolle Beziehungen, gezielte Reflexionsprozesse und die Förderung individueller Stärken gestalten sie Lernumgebungen, in denen Schüler*innen Verantwortung übernehmen und Potenziale entfalten können. Didaktisch können offene Lernformate wie Projektarbeit, forschendes Lernen und Design-Thinking-Ansätze hohe Wirksamkeit bieten. Sie fördern nicht nur kognitive Kompetenzen, sondern stärken auch soziale und emotionale Fähigkeiten. Entscheidend ist eine Kultur des Zutrauens, in der Fehler als Lernchancen verstanden werden (Peschel, 2020). Eltern und Erziehungsberechtigte spielen dabei eine unterstützende Rolle: Durch Interesse, Vertrauen und Mitgestaltung tragen sie dazu bei, dass Schule als gemeinsamer Entwicklungsraum erlebt wird. Der FREI DAY zeigt, wie Bildung gelingen kann, wenn Lehrpersonen und Lernende gemeinsam Verantwortung übernehmen – für sich, für andere und für eine nachhaltige Zukunft. Die Vorstellung des inhaltlichen Konzepts der Transfer_Werkstatt “FREI DAY” ermöglicht einen praktischen Einblick in die Begleitung von Lehrpersonen, die das Lernformat in ihrer Schule entweder einführen oder weiterentwickeln wollen. Learning Through Collaboration: An exploratory longitudinal study of primary teachers’ identity and agency in an English Transfer_Werkstatt context The 2023 Austrian primary curriculum for Lebende Fremdsprache introduces new expectations for language learning, teaching methods, and assessment. These expectations mean that teachers must regularly observe their pupils, make informed teaching decisions, and support children in developing their multilingual skills. For many generalist teachers, these changes require them to rethink how they see themselves as English teachers. This contribution presents the design of a future long-term qualitative study. The study will explore how primary teachers build and adjust their professional identities and their sense of agency while taking part in the Transfer_Werkstatt Englisch, a collaborative professional development program. The study will use an interpretive constructionist perspective and will follow teachers throughout the 2026/2027 school year. Data will be collected through focus groups, semi-structured interviews with visual prompts, and through observing interactions during the Transfer_Werkstatt sessions. The analysis will be done using MAXQDA and reflexive thematic analysis (Braun & Clarke, 2022). The study will address three research questions:
|
| 16:00 - 16:30 | Einzelbeitrag 41 Ort: PHSt_A02.17 |
|
|
Vom Primarstufenstudium in die Sonderschule: Beobachten, Beurteilen und Befähigen im Berufseinstieg Pädagogische Hochschule Niederösterreich, Österreich Mit der Einführung der PädagogInnenbildung NEU und der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wurde die Lehramtsausbildung im Sinne inklusiver Bildung neu ausgerichtet, wodurch die frühere Sonderschulausbildung nicht länger als eigenständiger Studienzweig besteht. Inklusion wird nun als grundlegende Kompetenz verstanden, die alle Lehrpersonen im Umgang mit Diversität innerhalb eines Primarstufenstudiums erwerben sollen (Braunsteiner & Holzinger, 2023). Gleichzeitig führt der aktuelle Personalmangel dazu, dass Studierende und Absolvent*innen des Primarstufenstudiums schon während der ersten Phase der Lehrer*innenbildung in Sonderschulen eingesetzt werden und dort – im Vergleich zur Regelschule – vor bislang wenig erlebten beruflichen Einstiegserfahrungen stehen in ihrer zweiten Phase der Lehrer*innenbildung (Dammerer, 2022). Die vorliegende Untersuchung analysiert mittels Forschungstagebüchern die berufsphasenspezifischen Herausforderungen von Lehrpersonen (n=8) an niederösterreichischen Sonderschulen. Die 246 Sprachaufzeichnungen von acht Berufseinsteigenden in Sonderschulen, die sowohl nach deduktiven Kategorien ausgewertet wurden als auch einer induktiven Kategorienbildung zugeführt wurden, geben Einblick in Situationen, in denen Berufseinsteigende lernen müssen, komplexe Lern- und Verhaltensprozesse zu beobachten, angemessen zu beurteilen und pädagogische Handlungsstrategien zu entwickeln, die sie im und für den schulischen Alltag befähigen. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere der Lehrer*innenmangel sowie die Doppelbelastung durch Studium und Berufseinstieg, kombiniert mit einem hohen Anteil externalisierender Verhaltensweisen, zentrale Problemfelder darstellen. Auf Basis dieser Befunde werden Empfehlungen für die Induktionsphase formuliert, die durch gezielte Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen ergänzt werden sollen, um berufseinsteigende Lehrpersonen auch im sonderpädagogischen Setting wirksam zu unterstützen. |
| 16:00 - 16:30 | EB13 Ort: PHSt_A02.19 |
| 16:30 - 17:00 | Symposium 12b Ort: PHSt_A01.05 |
| 16:30 - 17:00 | Symposium 9b Ort: PHSt_A02.06 |
| 16:30 - 17:00 | EB2 Ort: PHSt_A02.12 |
|
|
Beobachten, Beurteilen, Befähigen in inklusiven Hochschullernwerkstätten 1: KPH Wien/Niederösterreich, Österreich; 2: KPH Wien/Niederösterreich, Österreich Hochschullernwerkstätten schaffen konkrete Orte, die ein weites Inklusionsverständnis fördern wollen und Räume für kollaboratives, reflektierendes und forschendes Lernen unter Berücksichtigung von Diversität entstehen lassen. Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen scheint die Fokussierung einer zukunftsfähigen Ausbildung von Lehrkräften auf das sog. 4-K-Modell (Fadel et al., 2017) unausweichlich. Die Heterogenität der Studierenden in Hinblick auf ihre Lebenslagen wird von Schmude und Wedekind (2016:106) als zentraler Aspekt für Bildungsprozesse erkannt, auf den Strukturen und entsprechende Lehr-Lern-Angebote ausgerichtet werden müssen. Es stellt sich daher die Frage, wie Lehrveranstaltungskonzepte gestaltet werden müssen, um die Ansprüche einer inklusiven Hochschuldidaktik gerecht zu werden. Weiters steht im Zentrum dieses Beitrags die Frage, in welchem Kontext die B3-Triade Beobachten, Beurteilen, Befähigen zur Professionalisierung der Studierenden steht. Ganz im Sinne von Schmude und Wedekind (2019:48) stehen dabei nicht „‚Not‘ oder ‚Urteil‘ als Wortstämme von ‚Beurteilung‘ und ‚Benotung‘, sondern das Wort ‚Wert‘ […] im Zentrum der pädagogischen Bewertungspraxis im Kontext von Lernwerkstattarbeit.“ Ausgehend von der Darstellung der konkreten Hochschullernwerkstättenarbeit hat dieser Beitrag das Ziel, Modelle einer wertschätzenden Lernbegleitung, gelebter Feedbackkultur sowie individueller Reflexionsprozesse zu diskutieren, um abschließend Prüfungsformate für Lehrveranstaltungen in der inklusiven Hochschullernwerkstatt zu generieren. Für inklusive Hochschullernwerkstätten erlauben das HEAD-Wheel (Higher Education Awareness for Diversity) und der HEAD CD Frame (engl. Higher Education Awareness for Diversity Curriculum Design) in Anlehnung an Linde und Gaisch (2020) Leistungsfeststellungen explizit als Teil eines inklusiven Seminardesigns zu verstehen: Prüfungsformate und Feedbackpraktiken werden nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Lehr-/Lernarrangements betrachtet und können so als Hebel inklusiver Leistungsbeurteilung weiterentwickelt werden. |
| 16:30 - 17:00 | EB6 Ort: PHSt_A02.14 |
|
|
Partizipatives Schüler*innenhandeln an Grundschulen– eine Interviewstudie mit Grundschullehrkräften Universität Münster, Deutschland Die Schule der Zukunft hat die Aufgabe, Schülerinnen systematisch auf die demokratische Teilhabe in der Gesellschaft vorzubereiten. Vor diesem Hintergrund ist es essenziell, bereits Grundschulkinder in der Entwicklung ihrer sozialen, partizipativen und demokratischen Kompetenzen zu fördern (vgl. Baumgardt 2025). Besonders die demokratische Handlungskompetenz bildet das Fundament für ein selbstwirksames, selbstgesteuertes und partizipatives Handeln der Schülerinnen. Die Grundschule stellt somit den primären demokratischen Lernort dar, der ein demokratisches Miteinander fördert und die politischen Vorstellungen der Kinder aufgreift (vgl. Brügelmann 2020). Für die Didaktik der Grundschule bedeutet dies, Partizipationsprozesse und eine freie Urteilsbildung als zentrale Schwerpunkte der Unterrichtsgestaltung zu verankern (vgl. Rucker 2018). Demokratie sollte dabei in der Grundschule als gelebte Lebensform erfahrbar gemacht werden bspw. in Form von demokratischen Schulgremien oder einem schüler*innenorientierten Unterricht, der individuelle Lernwege sowie die Teilhabe der Grundschulschüler*innen fördert. Aus dem aktuellen Forschungsstand kann hervorgehoben werden, dass Partizipationschancen seitens der Grundschulkinder häufig unzureichend wahrgenommen werden oder tendenziell eher Prozesse der Scheinpartizipation in Grundschulen zu beobachten sind. Deshalb ist es umso relevanter, die demokratische Teilhabe im Grundschulunterricht auszubauen und Grundschulschüler*innen über ihre eigenen Rechte aufzuklären. Im Rahmen des vorliegenden Forschungsprojekts werden Grundschullehrkräfte aus Nordrhein-Westfalen mittels eines halbstrukturierten Interviewleitfadens zu individuell wahrgenommenen Möglichkeiten und Grenzen partizipativer Unterrichtsgestaltung interviewt. Außerdem fokussiert die Interviewstudie die Relevanz von Demokratiebildung an Grundschulen sowie die Bedeutung von Partizipationserfahrungen für die Grundschulkinder. Gleichzeitig werden die Überzeugungen der Lehrkräfte betrachtet, welche das individuelle Unterrichtshandeln und somit die Gestaltung von Lernprozessen maßgeblich beeinflussen. Erste Ergebnisse der Studie werden berichtet und diskutiert. |
| 16:30 - 17:00 | Einzelbeitrag 46 Ort: PHSt_A02.16 |
|
|
KI als Privileg der Lehrkräfte? Ergebnisse der Studie LENS-AI zur Nutzung und Haltung von Lehrkräften gegenüber generativer Künstlicher Intelligenz in der Grundschule 1: PH Ludwigsburg, Deutschland; 2: RWTH Aachen Hintergrund KI berührt zentrale Fragen von Grundschulbildung: Wie begegnen Lehrkräfte jedoch jenen Fragen im Spannungsfeld zwischen eigener Nutzungspraxis und pädagogischer Verantwortung? Die Ergebnisse der Studie verweisen auf Praktiken und Haltungen, die durch traditionelle Technologieakzeptanzmodelle nicht hinreichend erklärt werden. Die Studie verbindet Perspektiven der Akteur-Netzwerk- sowie Habitus-Theorie, um Dispositionen und Haltungen als Erklärungsfaktoren zu analysieren. Methodik Genutzt wurde ein Mixed-Methods-Design (N=285; Lehrkräfte aus Baden-Württemberg; n=96 Grundschullehrkräfte (34% der Gesamtstichprobe)) dessen Erhebungsinstrument KI-Nutzungspraktiken, Wahrnehmungen zur Schüler:innen-Nutzung sowie Einstellungen zu KI im Bildungskontext erfasste. Die quantitative Auswertung erfolgte mittels deskriptiver Statistiken und Spearman-Korrelationen, die qualitativen Daten wurden inhaltsanalytisch ausgewertet. Zentrale Befunde Die Studie dokumentiert schulartübergreifende Asymmetrien mit besonderen grundschulbezogenen Ausprägungen: Während 77% aller Lehrkräfte KI privat nutzen, liegt die unterrichtliche Nutzung in Grundschulen bei 56%. Die Korrelationsanalysen offenbaren konträre Bewertungsmuster: Private Nutzung korreliert signifikant positiv mit wahrgenommener Lebensverbesserung, schulische Nutzung hingegen signifikant negativ. Die qualitative Analyse zeigt hinsichtlich Schüler:innen eine Fokussierung auf kognitive Bedrohungen (89%) wie den Verlust eigenständigen Denkens. 59% der Lehrkräfte unterbinden KI-Nutzung zur Ideenfindung durch Schüler:innen. Demgegenüber berichten 67% der Nutzer:innen von positiven Haltungsveränderungen durch eigene Erfahrungen. Diskussion Die Befunde legen nahe, dass der mediale Habitus als Wahrnehmungsfilter fungiert, der im schulischen Kontext spezifische Risikowahrnehmungen aktiviert. In der Grundschule scheint sich dies durch einen pädagogischen Habitus mit Schutzverantwortung und Priorität basaler Kulturtechniken zu verstärken. Lehrkräfte agieren als Gatekeeper, mit potenziellen Konsequenzen für Bildungsgerechtigkeit. Der Beitrag diskutiert vor diesem Hintergrund die Rolle transformativer Bildungsprozesse zur Befähigung von Lehrkräften sowie deren transitive Effekte auf Schüler:innen. |
| 16:30 - 17:00 | Symposium 10b Ort: PHSt_A01.04 |
| 16:30 - 17:00 | Symposium 11b Ort: PHSt_A01.17 |
| 16:30 - 17:00 | Einzelbeitrag 42 Ort: PHSt_A02.17 |
|
|
Kein gemeinsamer Auftrag ohne gemeinsame Professionalisierung: Pädagog*innen für frühe sprachliche Bildung befähigen Pädagogische Hochschule Steiermark, Österreich Sprachliche Bildung stellt ein zentrales Fundament frühpädagogischer Arbeit dar und gilt als wesentliche Voraussetzung für gelingende Bildungsbiografien (Steiner, 2022). Mit der 2005 eingeführten Maßnahme „Frühe Sprachförderung“ verfolgt das österreichische Bildungsministerium das Ziel, allen Kindern – insbesondere jenen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch – bereits vor Schuleintritt den Erwerb ausreichender Deutschkompetenzen zu ermöglichen. Evaluationen der Maßnahme (z.B. Grillitsch & Stanzel-Tischler, 2017) kommen u.a. zum Ergebnis, dass ein im Rahmen der Maßnahme entwickeltes standardisiertes Instrument zur Sprachstandsbeobachtung von pädagogischen Fachkräften als sinnvoll eingeschätzt wird, dass sich durch die Maßnahme die Strukturen für die Kooperation zwischen elementaren Bildungseinrichtungen und Volksschulen verbessern und dass sich gemeinsame Fort- und Weiterbildungsangebote für Elementarpädagog*innen und Lehrpersonen auf die Kooperationsbereitschaft positiv auswirken. Dennoch besteht weiterhin Handlungsbedarf in Bezug auf verbindliche Richtlinien für die Weitergabe von Informationen und Daten am Übergang elementare Bildungseinrichtung-Schule und die Zusammenarbeit zwischen den Institutionen (Rechnungshofbericht, 2021). In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, wie die Zusammenarbeit zwischen elementaren Bildungseinrichtungen und Volksschulen im Rahmen der Pädagog*innenbildung unterstützt werden kann. Dazu werden auf Basis eines systematischen Reviews nationaler Studien unter Einbezug internationaler Referenzdokumente Ressourcen zum Themenfeld "Sprachliche Bildung am Übergang von der Elementar- zur Primarstufe" entwickelt, u.a. Lehr- und Lernvideos zur Sprachstandsbeobachtung in elementaren Bildungseinrichtungen und ihre Bedeutung für den Schulstart sowie ein Executive Summary zu Gelingensbedingungen einer erfolgreichen Transition zwischen diesen Institutionen unter besonderer Berücksichtigung der frühen sprachlichen Bildung. Ziel ist es, die erstellten Ressourcen in gemeinsamen Professionalisierungsangeboten für Primarstufenlehrpersonen und Elementarpädagog*innen einzusetzen und in Hinblick auf ihre Praxisrelevanz zu evaluieren. |
| 16:30 - 17:00 | EB14 Ort: PHSt_A02.19 |
| 17:00 - 17:30 | Symposium 12c Ort: PHSt_A01.05 |
| 17:00 - 17:30 | Symposium 9c Ort: PHSt_A02.06 |
| 17:00 - 17:30 | EB3 Ort: PHSt_A02.12 |
|
|
Förderung der Beobachtungskompetenz bei Grundschulkindern in Schulbüchern Technische Universität Chemnitz, Deutschland Beobachten ist eine der wichtigsten naturwissenschaftlichen Methoden. Alleine durch Beobachten lassen sich neue Erkenntnisse ableiten. Darüber hinaus ist es eine wichtige Basis für das Experimentieren. Beobachten ist eine bewusste, zielgerichtete und damit auch theoriegeleitete Tätigkeit, die im Rahmen des Kompetenzerwerbs bereits bei Grundschulkindern systematisch angebahnt werden muss und kann (Reeken, 2011). Im Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, wie das Beobachten im naturwissenschaftlichen Sachunterricht umgesetzt wird, ob es eine bewusste Aktivität bei der Beantwortung offener Fragestellungen ist oder beiläufig im Unterricht nebenherläuft. Um auf diese Frage eine Antwort zu erhalten, wurde das Schulbuch näher in den Blick genommen. Das Schulbuch, welches in enger Anlehnung an die länderspezifischen Lehrpläne angefertigt wird, dient im Unterricht oft als Leitmedium (Stöber 2010). Doch inwiefern tragen Schulbuchaufgaben zur Förderung von Beobachtungskompetenz bei Grundschulkindern bei? In Anlehnung an das von Arnold et al. (2010) entwickelte Kompetenzmodell zum Beobachten werden gängige Sachunterrichtslehrwehrwerke inhaltsanalytisch untersucht und Kriterien in den Blick genommen, die bei der Generierung von Hypothesen und Planung des Beobachtungsdesigns relevant sind. Die in den Lehrwerken formulierten Aufgabenstellungen werden zudem dahingehend überprüft, ob sich hier unterschiedliche Kompetenzniveaustufen abbilden lassen. Anhand der Ergebnisse wird diskutiert, inwiefern Schulbuchaufgaben zum Erwerb einer umfassenden Beobachtungskompetenz bereits im Grundschulalter beitragen können oder ob die Aufgabenstellungen gegebenenfalls durch die Lehrkraft didaktisch nachgearbeitet werden müssen. |
| 17:00 - 17:30 | EB7 Ort: PHSt_A02.14 |
|
|
Unterrichtsprofile forschungsbasierter Strategien im Sachunterricht aus Sicht österreichischer Volksschullehrkräfte 1: Private Pädagogische Hochschule der Diözese Linz; 2: Universität Graz; 3: Universität Hamburg Der Einsatz forschungsbasierter Unterrichtsstrategien ist ein wesentliches Merkmal eines fundierten qualitativen Sachunterrichts. Der Beitrag untersucht erstmals für Österreich auf der Basis einer Sekundäranalyse der in TIMSS 2019 realisierten Befragung von Sachunterrichtslehrkräften repräsentativ für Volksschulen (ns=4.966; nL=339) Aspekte hierzu: Zum einen, inwieweit forschungsbasiertes Lernen als Qualitätsmerkmal bereits in den Klassenzimmern angekommen ist und inwiefern Primarstufenlehrkräfte ihren Sachunterricht mit Blick auf ihre Unterrichtsziele strategisch gestalten und anpassen. Ferner wird der Frage nachgegangen, ob sich Zusammenhänge zwischen der Schwerpunktsetzung forschungsbasierter Unterrichtsstrategien und Professionalisierungsmerkmalen oder dem Geschlecht zeigen. Für die Analysen werden latente Klassenanalysen mit PROC LCA in SAS berechnet. Mit den Klassenanalysen konnten vier spezifische Unterrichtsprofile identifiziert werden, die sich in ihren didaktischen Gestaltungselementen und Zielsetzungen als Unterrichtsmuster zeigen und signifikant voneinander unterscheiden. Es zeigt sich, dass etwa zwei Drittel der Lehrkräfte forschungsbasierte Strategien vielfältig kombinieren, sich jedoch nur ein Profil mit 15,9% durch einen variantenreichen, erkenntnisgewinnenden Sachunterricht auszeichnet, in dem auch Schülerinnen und Schüler aktiv involviert und eigenständig forschungsbasiert lernen. Andere Profile scheinen sich eher anhand differenter Unterrichtsziele und Lehr- Lernüberzeugungen zu unterscheiden. Zudem lassen sich Zusammenhänge zwischen Lehrermerkmalen wie dem Geschlecht, der Fortbildungsbereitschaft und den Unterrichtsmustern innerhalb der vier Profile finden. Die Ergebnisse stützen Positionen, die für eine Verstärkung von Tiefenstrukturen und die Stärkung von Reflektionskompetenzen auch in der Lehreraus- und -fortbildung plädieren. |
| 17:00 - 17:30 | Einzelbeitrag 47 Ort: PHSt_A02.16 |
|
|
Befähigung zu nachhaltiger Digitalität – eine kritisch-reflexive Analyse Pädagogische Hochschule Salzburg Stefan Zweig, Österreich Wir leben in einer Kultur der Digitalität (Stalder, 2017). Dabei ist „Digitalität [kein] Programm, das NutzerInnen ausschalten können, oder eine Umgebung, in die sie sich nicht begeben müssen, wenn sie das nicht wollen, sondern bedeutet die Informatisierung der Gesellschaft“ (Allert & Asmussen, 2017, S. 31). Damit stellt die Digitalität einen konstitutiven Möglichkeitsraum für Unterricht und Schule dar, durch den bestimmt wird, was möglich ist und was nicht. Vor diesem Hintergrund stellt sich einerseits die Frage, wie Digitalität im Sinne von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) genutzt und gestaltet werden kann – und sollte. Andererseits ist der Blick auf die Frage zu richten, wozu Schüler*innen für eine „nachhaltige Digitalität“ zu befähigen sind. Diese Verbindung stellt ein emergentes Forschungsfeld dar, das sich bislang jedoch vorwiegend auf Bildungsprozesse in der Sekundarstufe und/oder den außerschulischen Bereich konzentriert (vgl. Orientierungsrahmen Globale Entwicklung, Engagement Global, 2025). Der vorgeschlagene konzeptive Beitrag zielt darauf ab, das Forschungsfeld unter Berücksichtigung didaktischer und inhaltlicher Dimensionen von BNE, der Dynamiken im Möglichkeitsraum der Digitalität und dem Rückgriff auf einschlägige Lerntheorien (Sozialkonstruktivismus, Kognitivismus, Behaviorismus) im Kontext der Primarstufe zu strukturieren. Teil des Beitrags sind also (1) die kritische Diskussion von digitalen Tools und Unterrichtspraktiken mit Blick auf zugrundeliegende lerntheoretische Annahmen und (2) inhaltliche Überlegungen, die sich auf BNE-Aspekte beziehen. Dazu gehören etwa „AI for Good“, die Sensibilisierung für algorithmische Vorsortierungen und Machtverhältnisse, digital-demokratische Mitgestaltung und Diklusion. Diese Themen werden anhand praktischer Beispiele aus und für die Volksschule illustriert. |
| 17:00 - 17:30 | Symposium 10c Ort: PHSt_A01.04 |
| 17:00 - 17:30 | Symposium 11c Ort: PHSt_A01.17 |
| 17:00 - 17:30 | Einzelbeitrag 43 Ort: PHSt_A02.17 |
|
|
Einfluss von Grundschullehrkräften auf die Bildungsbiografie hochbegabter Schüler*innen Universität Regensburg, Deutschland In einer längsschnittlich angelegte Studie im Forschungsstil der Grounded Theory berichten hochbegabte Kinder und Jugendliche im Rahmen von narrativ-biografisch-orientierten Einzelinterviews über ihre Grundschulerfahrungen. Für den Vortrag soll explorativ analysiert werden, welchen Einfluss oder welche Rolle die Grundschullehrkräfte auf die Bildungsbiografien der befragten hochbegabten Schüler*innen spielen. Hierzu wird zunächst untersucht, inwiefern die Grundschullehrkräfte in der biografischen Erzählung der hochbegabten Kinder thematisiert und als relevant gesetzt werden. Mit dem Blick darauf, ob bzw. wie die Befragten Beobachtungen und Beurteilungen (in Form von Zuschreibungen) sowie Befähigungsbemühungen durch ihre Grundschullehrkräfte wahrnehmen, wird der Einfluss der Grundschullehrkraft auf die jeweilige Bildungsbiografie des Kindes rekonstruiert. Entlang von Fallanalysen werden erste explorative Ergebnisse vorgestellt. Zum Beispiel im Fall des 13-jährigen, überdurchschnittlich intelligenten „Johannes“ kann der Einfluss seiner Grundschullehrkraft aus der ersten Klasse, die ihn als „nicht normal“ bezeichnete und unter ADHS-Verdacht stellte, rekonstruiert werden. Die erfahrenen Entnormalisierungs- und Stigmatisierungsprozesse bewirkten (oder beförderten zumindest) seine soziale Isolation in der ersten Klasse, was – in Kombination mit der kognitiven Unterforderung – als mental sehr belastend erlebt wurde und dazu führte, dass er die Klasse verließ, indem er eine Schulstufe übersprang. Aus diesem und weiteren Fällen (N=10) werden im Sinne der pädagogischen Kinderforschung (Schultheis & Hiebl 2016) pädagogische Konsequenzen mit Bezug zum Kongressthema ableitet. Weiters sollen Schlüsse für die Lehrkräftebildung gezogen und diskutiert werden, welche (spezifischen) Kompetenzen einer Grundschullehrkraft zur Beobachtung, Beurteilung und Befähigung von hochbegabten Grundschulkindern erforderlich scheinen und wie diese im Rahmen der Lehrkräftebildung entwickelt bzw. ausgebaut werden könnten (Weigand et al. 2024, Weigand et al. 2021). |
| 17:00 - 17:30 | EB15 Ort: PHSt_A02.19 |
| 17:30 - 18:00 | Symposium 12d Ort: PHSt_A01.05 |
| 17:30 - 18:00 | Symposium 9d Ort: PHSt_A02.06 |
| 17:30 - 18:00 | EB4 Ort: PHSt_A02.12 |
|
|
Das Leistungsverständnis im Sachunterricht zwischen fachdidaktischer Normierung und bildungspolitischer Steuerung – Eine Analyse curricularer Vorgaben zur Leistungsfeststellung und -bewertung in Deutschland Universität Osnabrück, Deutschland Die Diskussion um Leistungsbeurteilung in der Schule hat eine lange Tradition, die auch für den Grundschulbereich bereits mit verschiedenen Schwerpunkten geführt wurde (vgl. Jürgens, 2021). Es verwundert, dass der Leistungsbegriff und dessen Verständnis innerhalb der Fachdidaktik Sachunterricht bislang nur vereinzelt kritisch hinterfragt wurden, obwohl der Begriff und dessen Verständnis bedingt durch die fachdidaktischen Prämissen Vielperspektivität, Fachintegrität und Methodenvielfalt eine Komplexität vermuten lassen. Vor diesem Hintergrund wurden alle deutschen Lehrpläne sowie zusätzliche Vorgaben zur Leistungsbeurteilung für das Fach Sachunterricht mit der Qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz und Rädiker (2024) dahingehend untersucht, welche unterschiedlichen Termini für Leistung im Kontext der Fachdidaktik Sachunterricht in bildungsadministrativen und -politischen Vorgaben für das Fach Sachunterricht verwendet und begründet werden und analysiert, welche Aspekte des pädagogischen Leistungsbegriffes zur Gestaltung der Leistungsfeststellung und -bewertung eingebunden sind. |
| 17:30 - 18:00 | EB8 Ort: PHSt_A02.14 |
|
|
Selbstwirksamkeit statt Überforderung: Wie strukturierte T&D-Lernsettings Kinder in BNE-Prozessen befähigen PPH Augustinum, Österreich In einer von ständigen Wahlmöglichkeiten und Vergleichsdruck geprägten Lernkultur erhöhen Phänomene wie FOMO („Fear of Missing Out“) und FOBO („Fear of Better Options“) das Risiko, dass Kinder Handlungsspielräume eher als Überforderung denn als Befähigung erleben. Aus bildungstheoretischer Perspektive gewinnt daher die Frage an Bedeutung, wie Lernumgebungen so gestaltet werden können, dass sie Entscheidungsfähigkeit, Orientierung und Selbstwirksamkeit stärken. Das Unterrichtsfach Technik & Design (T&D) bietet hierfür besondere Potenziale: Materialnähe, sichtbarer Produktfortschritt, haptische Prozesse und kooperative Arbeitsformen ermöglichen erfahrbares Lernen und unmittelbares Feedback (vgl. Becker 2007). Der Beitrag stellt ein qualitativ-rekonstruktives Dissertationsprojekt vor, das untersucht, wie Kinder in BNE-orientierten T&D-Settings Selbstwirksamkeit erleben und sprachlich deuten. Theoretisch stützt sich die Studie auf Banduras Konzept der Selbstwirksamkeit (1977) sowie auf Gestaltungskompetenz als zentrale Zielperspektive von Bildung für nachhaltige Entwicklung (de Haan; Wiek et al.). Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen didaktischen Bedingungen – etwa klar strukturierten Teilzielen, materialbezogenen Entscheidungen, Peer-Modelllernen, wertschätzendem Feedback und kurzen Reflexionsimpulsen – Kinder sich als kompetent und wirksam erleben. Methodisch basiert das Projekt auf teilnehmender Beobachtung, werkstückgestützten Kinderinterviews und kurzen Reflexionskarten. Diese erlauben es, sprachliche und handlungsbezogene Marker kindlicher Wirksamkeit systematisch zu rekonstruieren und typische Muster der Deutung herauszuarbeiten. Der Beitrag zeigt, wie strukturierte, materialnahe und sozial eingebettete T&D-Lernsettings einen Gegenentwurf zu Überforderungstendenzen bieten und Kinder in ihrer Fähigkeit stärken, nachhaltige Entscheidungen selbstbestimmt und reflektiert zu treffen. |
| 17:30 - 18:00 | Einzelbeitrag 48 Ort: PHSt_A02.16 |
| 17:30 - 18:00 | Symposium 10d Ort: PHSt_A01.04 |
| 17:30 - 18:00 | Symposium 11d Ort: PHSt_A01.17 |
| 17:30 - 18:00 | Einzelbeitrag 11 Ort: PHSt_A02.17 |
|
|
UNI-Klassen als videogestützte Lernumgebung: Eine explorative Interviewstudie zur Entwicklung professioneller Handlungskompetenz nach dem e³-Konzept (entwickeln – erproben – evaluieren) Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland Der Erwerb professioneller Handlungskompetenz gilt als zentrales Ziel der Lehrkräftebildung (Baumert & Kunter, 2006). Dazu gehört der Aufbau von Professionswissen, berufsrelevanten Überzeugungen/Orientierungen und selbstregulativen Fähigkeiten. Weiterhin ist die Entwicklung professioneller Unterrichtswahrnehmung, verstanden als die Fähigkeit, relevante Situationen im Unterricht gezielt wahrzunehmen (Noticing) und theoriegeleitet zu interpretieren, relevant (Reasoning) (Seidel, 2022). Die professionelle Handlungskompetenz und die Fähigkeit zur Unterrichtswahrnehmung bilden die Basis für die Planung, Durchführung und Evaluation eines qualitätsvollen Unterrichts, der die Lern- und Persönlichkeitsentwicklung von Schüler:innen wirksam unterstützt (Kunter & Ewald, 2015; Lohrmann et al., 2022). Mit den UNI-Klassen stehen an der LMU videogestützte Lernumgebungen zur Verfügung, die Studierenden frühzeitig authentische Lerngelegenheiten bieten. Der Dreischritt des dort praktizierten e³-Konzepts – Unterricht entwickeln, erproben und evaluieren – verbindet theoriegeleitete Planung, videografierte Durchführung und reflexive Auswertung anhand (fach)didaktischer Kategorien. Die explorative Studie untersucht, wie Studierende und Lehrende das e³-Konzept in den UNI-Klassen wahrnehmen, umsetzen und für die professionelle Entwicklung nutzen. Konkret wird gefragt:
Methodisch handelt es sich um eine qualitative Interviewstudie mit Studierenden (N = 12) und Dozierenden (N = 4). Die Auswertung der halbstrukturierten Interviews erfolgt mittels inhaltlich-strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse (Kuckartz, 2018), gestützt auf deduktive Kategorien aus Professionalisierungsmodellen und induktiv gebildete Subkategorien. Ziel ist die Gewinnung mehrperspektivischer Einsichten in das professionelle Lernpotenzial der UNI-Klassen. Die erstmals auf dem Kongress präsentierten Ergebnisse sollen Ansatzpunkte für eine systematische Weiterentwicklung videogestützter Ausbildungsdesigns im e³-Konzept identifizieren. |
| 17:30 - 18:00 | EB16 Ort: PHSt_A02.19 |
| 18:30 - 20:30 | Diskussionsforum 2 Ort: PHSt_A01.05 |
|
|
Künstliche Intelligenz (KI) und die Professionalisierung angehender Grundschullehrkräfte Generative KI (genKI) hat sich rasch zu einem integralen Bestandteil verschiedenster Lebens- und Arbeitsbereiche entwickelt und birgt das Potenzial, „die Bildungslandschaft dramatisch zu verändern“ (Gottschling et al., 2024, 123). Dies gilt in besonderem Maße für die universitäre Hochschulbildung. Obwohl die Nutzung von KI-Tools im studentischen Alltag erst Ende 2022 an Bedeutung gewann, wenden heute bereits etwa 99% aller Studierenden in Deutschland und Österreich genKI im Kontext ihres Studiums an (u.a. Hüsch et al., 2025). Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, inwieweit die Integration von genKI in die universitäre Ausbildung angehender (Grundschul-)Lehrkräfte bislang Einzug gehalten hat. Existieren gezielte Strategien und Konzepte, sind diese notwendig und – falls ja – welche sollten entwickelt werden? Dies sind die Kernfragen des vorliegenden Diskussionsforums. Dabei sind die Perspektiven und das Nutzungsverhalten von (Grundschul )Lehramtsstudierenden von entscheidender Bedeutung. Welche genKI-Tools – einschließlich hochschuleigener Angebote – sind den Studierenden bekannt und wofür setzen sie diese ein? Erkennen sie die Potenziale und Grenzen dieser Technologien? Wie positionieren sie sich zu ethischen Fragen, beispielsweise im Hinblick auf einen digital divide, unterschiedliche Prüfungskontexte, das Phänomen der KI-Halluzinationen sowie die Notwendigkeit von Bias-Awareness? Eingebunden in das Diskussionsforum ist eine eigene empirische Studie, die im Rahmen des Forschungsprojekts KI:SU (generative KI im Kontext des Sachunterrichtsstudiums) durchgeführt wurde. Das Projekt ist an den Universitäten Paderborn (Nordrhein-Westfalen) und Osnabrück (Niedersachsen) verortet (Becher et al., 2026). Neben einem stets aktualisierten, iterativ angelegten Systematischen Literaturreview über vorliegende Studien zur studentischen Nutzung(-spraxis) mit genKI, wurde auch eine eigene quantitative Studie durchgeführt, da folgendes Forschungsdesiderat erkannt wurde: Die Gruppe der Lehramtsstudierenden, insbesondere auch die der Grundschullehramtsstudierenden, wurde bislang nicht eigenständig in den Blick genommen. Für diese empirische Studie wurden daher rund 300 Studierende des Bachelor- und Masterstudiengangs Grundschullehramt (Sachunterricht) mittels eines Online-Fragebogens befragt. Zentrale Ergebnisse dieser Befragung werden vorgestellt und in den Diskurs der aktuellen Forschungslage eingeordnet. Welche Konsequenzen und konzeptionellen Folgerungen sich vor dem Hintergrund der aktuellen bildungspolitischen Diskussion sowie Befähigungsdiskussionen für (angehende) Grundschullehrkräfte ableiten lassen, soll im Verlauf des Diskussionsforum vor dem Hintergrund unterschiedlicher Fragekomplexe diskutiert werden. Ziel ist es, einen konstruktiven Austausch zu befördern und Impulse für eine zukunftsweisende Lehrkräfteausbildung zu geben. Beiträge des Symposiums Konstruktive Einbindung oder abwartende Haltung? Hochschulbildung und genKi Das Diskussionsforum beginnt einleitend mit einem Überblick über die Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) – in traditioneller wie generativer Form. Es werden die rasanten und tiefgreifenden Veränderungen durch KI der letzten Jahren aufgezeigt und unterstrichen, welch fundamentale Bedeutung generative KI (genKI) für unsere Gesellschaft hat (EU, 2023; Köllner, 2023). Anschließend wird der Fokus auf die Situation innerhalb der Hochschulen gelegt. Aktuelle hochschulpolitische Debatten, interne Reaktionen der Universitäten und speziell für Studierende und Lehrende konzipierte Angebote werden exemplarisch vorgestellt. Es wird deutlich: Lehrende wie Studierende nehmen eine doppelte Rolle ein; sie sind gleichermaßen von den Entwicklungen betroffen und gleichzeitig aktiv gestaltende Akteur:innen (Roth et al., 2025). Diskussionen der letzten Jahre, insbesondere im Kontext von Lehramtsstudiengängen, zeigen die große Bandbreite an Perspektiven auf, die von einer konstruktiven Einbindung von genKI bis hin zu einer vorsichtigen, abwartenden Haltung reichen. Dies verdeutlichen auch zahlreiche und komplexe Fragen, die im Zusammenhang mit dem Einsatz von genKI in die Hochschullehre beantwortet werden müssen. An die grundlegenden Ausführungen anschließend wird das Diskussionsforum für das Plenum geöffnet, um gemeinsam zu diskutieren, wie an den verschiedenen Hochschulstandorten vergangene, aktuelle und zukünftige KI-Strategien konzipiert, vorbereitet und implementiert wurden und werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den grundlegenden Auswirkungen, die der Einsatz von (gen)KI auf die Ausbildung zukünftiger Grundschullehrkräfte hat. Wie kann sichergestellt werden, dass angehende Lehrkräfte optimal auf eine (berufliche) Zukunft vorbereitet werden? Welche spezifischen Herausforderungen und Chancen ergeben sich, wenn Studierende später in ihrem Berufsleben Schüler*innen für das Leben in einer unbekannten Zukunft befähigen sollen? Studentische Nutzung(-spraxen) von genKI Obwohl vermehrt bildungspolitische Forderungen existieren, die eine fundierte Ausbildung sowie Förderung von KI-Kompetenzen (genKI) in allen Phasen der Lehrkräfteausbildung fordern (z.B. KMK, 2024), liegen keine umfassenden Ergebnisse zu Nutzungspraxen von Lehramtsstudierenden vor. Diese Forschungslücke bildet den Ausgangspunkt für den zweiten Vortrag. Zur Schließung dieser Lücke wurde ein iterativ angelegtes Systematisches Literaturreview (Newman & Gough, 2020) durchgeführt. Zielsetzung war, empirische Studien aus dem deutschsprachigen Raum – Deutschland, Österreich, deutschsprachige Schweiz – zu identifizieren, die sich mit studentischer Nutzung von genKI befassen, diese zu vergleichen und umfassend zu analysieren. Die Recherche konzentrierte sich auf Studien, die Einblicke in die Art und Weise geben, wie Studierende genKI-Tools in ihrem Studium einsetzen, welche Herausforderungen und Chancen sie erleben und welche Kompetenzen sie benötigen. Die Ergebnisse dieses Reviews fassen die zentralen Erkenntnisse der analysierten Studien zusammen und setzen diese miteinander in Beziehung. Übergeordnetes Ziel ist, ein differenziertes und nuanciertes Bild der Nutzung von genKI durch Studierende zu zeichnen und gleichzeitig aufzuzeigen, welche Aspekte bislang noch wenig erforscht oder gänzlich unberücksichtigt geblieben sind. Dies soll als Grundlage für zukünftige Forschungsarbeiten dienen und dazu beitragen, das Verständnis für die Potenziale und Herausforderungen von genKI in der Hochschullehre zu vertiefen. Anschließend sollen die aus der Forschungslage abgeleiteten Erkenntnisse mit dem Plenum diskutiert werden, mit Fokus auf den Erfahrungen und der Expertise der anwesenden Lehrenden und Forschenden aus dem Bereich der Aus- und Fortbildung von Grundschullehrkräften. Die Diskussion soll dazu beitragen, die vorliegenden Erkenntnisse kritisch zu hinterfragen, Implikationen für die Lehrkräfteausbildung zu identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Studentische Nutzung(-spraxen) von genKi im Kontext des Grundschulstudiums Das Forschungsdesiderat betreffs studentischer Nutzungspraxen von genKi im Kontext des Grundschullehramtsstudiums greift Annkathrin Wenzel auf. Sie stellt Ergebnisse einer quantitativen Befragung vor, die im Rahmen des Forschungsprojekts KI:SU (generative KI im Kontext des Sachunterrichtsstudiums) durchgeführt wurde. Die Befragung erfasste rund 300 Sachunterrichtsstudierende des Bachelor- und Masterstudiengangs Grundschullehramt an zwei deutschen Universitäten. Ziel war es, ein umfassendes Bild davon zu gewinnen, wie Studierende genKI wahrnehmen, welche Erfahrungen sie gemacht haben und wie sie diese Technologie in ihrem Studium und ihrer zukünftigen beruflichen Praxis einsetzen (möchten). Die Befragung umfasste Fragen zu den Nutzungsgewohnheiten, den Einstellungen gegenüber genKI, den Chancen und Risiken sowie den benötigten Kompetenzen. Dabei wurden deskriptive Statistiken ausgewertet wie auch komplexere Analyseverfahren eingesetzt, um Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen zu identifizieren. Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die aktuelle Situation und die Bedürfnisse der angehenden Sachunterrichtslehrkräfte im Umgang mit genKI. Die Befragungsergebnisse werden anschließend mit dem aktuellen Forschungsstand – welcher sich aus dem Systematischen Literaturreview ergibt – in Beziehung gesetzt und verglichen, um eine fundierte und umfassende Bewertung der Situation zu ermöglichen. Dieser Schritt ermöglicht es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen, offene Fragen zu identifizieren und neue Forschungsansätze zu entwickeln. Hierbei werden die gewonnenen Erkenntnisse gemeinsam mit dem Plenum diskutiert und anhand vorhandener Erfahrungen der Teilnehmenden gespiegelt. Die Diskussion soll dazu dienen, die Relevanz der Ergebnisse für die Praxis zu bewerten, mögliche Implikationen für die Lehrkräfteausbildung abzuleiten und konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Ziel ist, einen Beitrag zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Lehrkräfteausbildung zu leisten, die Studierende optimal auf die digitale Transformation vorbereitet. Lehrkräfteprofessionalisierung und genKI – Chancen und Herausforderungen Abschließend werden die Erkenntnisse der Beiträge 1-3 zusammengeführt und im Kontext der aktuellen landesspezifischen bildungspolitischen Diskurse gespiegelt. Dieser Diskurs wird durch Forderungen und Positionen relevanter Institutionen geprägt, bspw. Deutscher Ethikrat (2023), das österreichische BMIMI (2021) und BMBWF (2023). Darüber hinaus werden spezifische Verbandspapiere für die Grundschullehramtsausbildung berücksichtigt, z.B. von der DGfE-Kommission für Grundschulforschung und Pädagogik der Primarstufe (2025) und der Gesellschaft für Didaktik des Sachunterrichts (2025). Ein zentraler Befund der bisherigen Beiträge ist, dass genKI fester Bestandteil des Alltags von Studierenden geworden ist. Vor diesem Hintergrund soll im Plenum abschließend diskutiert werden, welche Chancen und Herausforderungen mit der Integration von genKI-Tools in die Hochschullehre des Grundschullehramtes verbunden sind. Die Diskussion wird sich dabei insbesondere auf die Förderung von (grundschulspezifischen) KI-Kompetenzen für Lehramtsstudierende konzentrieren: Welche spezifischen Kompetenzen benötigen zukünftige Grundschullehrkräfte, um genKI-Tools effektiv, verantwortungsvoll und didaktisch sinnvoll in ihrem Unterricht einzusetzen? Wie können die Hochschulen sicherstellen, dass Studierende nicht nur die technischen Grundlagen beherrschen, sondern auch die ethischen, gesellschaftlichen und pädagogischen Implikationen von genKI verstehen? Welche Rolle spielen dabei die aktuellen bildungspolitischen Rahmenbedingungen und die Empfehlungen der Fachverbände? Die Diskussion soll neben der Identifikation aktueller Herausforderungen v.a. konkrete Handlungsempfehlungen für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Lehrkräfteausbildung erkennen und ableiten. Es geht um Strategien, wie genKI-Tools in Modulhandbücher integriert, innovative Lehr- und Lernformate entwickelt und Studierende darin unterstützt werden können, kritisch Denkende und kompetent Nutzende zu werden. Letztendlich soll das Diskussionsforum einen Beitrag dazu leisten, unterschiedliche Wege für eine erfolgreiche und verantwortungsvolle Nutzung von genKI im Grundschullehramt aufzuzeigen und kritisch zu prüfen. |
| 18:30 - 20:30 | Ad Hoc Gruppe: Ad Hoc Gruppe Ort: PHSt_A02.06 Ad-Hoc-Gruppe Lernprozesse im Deutschunterricht der Grundschule beobachten: Fragen und Hinweise
Petra Hüttis-Graf, Claudia Baark |
| 18:30 - 20:30 | Diskussionsforum 1 Ort: PHSt_A01.04 |
|
|
Offene und raumbasierte Lernsettings als Antwort auf vielfältige Lebensrealitäten: Wie kann die Schule von heute auf die Gesellschaft von morgen vorbereiten? Das Diskussionsforum widmet sich der Leitfrage, was Bildung bewirken soll und wie Unterricht in der Grundschule unter den Bedingungen einer multikulturellen, mehrsprachigen und inklusiven Gesellschaft gestaltet werden soll, um diese Ziele zu erreichen (Parseka et al., 2011). Unter Berücksichtigung des Veranstaltungsthemas „Beobachten, Beurteilen, Befähigen“ werden mehrere Jahre Unterricht in den Blick genommen, die im urbanen Raum aufgrund ausgeprägter Heterogenität der Lernenden besondere Herausforderungen birgt. Im Zentrum steht die Entwicklung eines offenen, raumbasierten Unterrichtskonzepts, das im letzten Schuljahr in einer ersten Klasse Primarstufe erprobt wurde. Ausgangspunkt waren die Beobachtungen einer Primarpädagogin in der Schuleingangsphase, sowie ihre Erfahrungen im unterrichtlichen Geschehen, das durch eine zunehmend diverse Schüler:innenschaft, einen Anstieg der Mehrsprachigkeit sowie steigende Aufmerksamkeitsdefizte und soziale Schwierigkeiten geprägt war (Jürgens, 2018). Traditionelle Unterrichtsformen erwiesen sich als unzureichend, sodass nach umfassender Literaturrecherche alternative didaktische Ansätze erprobt wurden. Aufbauend auf mehrjährigen Erfahrungen entstand – in Anlehnung an das Churermodell (Thöny, 2020) – ein Konzept, das den Lernraum systematisch in die Unterrichtsgestaltung integriert und von Beginn an auf offene Lernsettings setzt. Zur wissenschaftlichen Begleitung wurde eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Wien etabliert. Masterstudierende untersuchten die Umsetzung im Rahmen verschiedener Forschungsdesigns und erhoben quantitative wie qualitative Daten zu zentralen Entwicklungsbereichen: dem Zweitspracherwerb, den mathematischen Basiskompetenzen sowie der Motivation, Lernbereitschaft und sozialen Entwicklung der Kinder. Die Analysen wurden in mehreren Masterarbeiten dokumentiert und bilden die Grundlage für eine kritische Betrachtung der Wirksamkeit des Konzepts. Im Diskussionsforum werden die Genese des Unterrichtsmodells, dessen Potenziale und Herausforderungen, sowie erforderliche Adaptationen vorgestellt. Darüber hinaus wird die Frage in den Raum gestellt, was Bildung bewirken soll und welche Ziele durch offene und raumbasierte Unterrichtsformen erreicht werden können. Weiters werden die Schwierigkeiten der Fairness in der Beurteilung beleuchtet und diese als mögliches Hemmnis von Schulentwicklung, hin zum vom Lehrplan geforderten Unterricht, hinterfragt. Im Diskussionsforum soll ein dialogischer Austausch mit Lehrkräften und Expert:innen zu Visionen, Erfahrungen, Alternativen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten stattfinden. Ziel ist es die Relevanz der Auseinandersetzung mit innovativen Unterrichtsformen in Hinblick auf gesellschaftliche Herausforderungen zu verdeutlichen, tradierte Unterrichtsformen zu hinterfragen und aufzuzeigen, dass durch die Beobachtung und die datenbasierte Analyse Lehrende animiert und befähigt werden können, ein chancengerechtes, barrierearmes Bildungswesen aktiv mitzugestalten. Beiträge des Symposiums Auf der Suche nach dem „guten“ Unterricht: Schule, die Bedürfnisse von Lehrenden und Lernenden gleichermaßen berücksichtigt besonders der Übergang in die Grundschule fordert Kinder in sozialer, emotionaler, kognitiver und sprachlicher Hinsicht heraus. Einschreibungen zeigen zunehmend Förderbedarfe, insbesondere im sozial-emotionalen und sprachlichen Bereich. Für den erfolgreichen Erwerb von Transitionskompetenzen sind institutionelle Kooperationen, eine enge Zusammenarbeit zwischen Pädagog:innen, Eltern und Kindern sowie personale Ressourcen wie Selbstregulation und Empathie zentral (Parz-Kovacic & Schmuck, 2020). Auch die Raumgestaltung kann den Übergang in die Volksschule erleichtern. Ausgehend von diesen Beobachtungen stellte sich die Frage, welches Lehr-Lernkonzept eine zunehmend kulturell und sprachlich diverse Lerngruppe sowohl in ihrer Kompetenzentwicklung als auch im Aneignungsprozess unterstützt. Nach der Analyse alternativer Unterrichtsmodelle wurde ein Konzept entwickelt, das der Heterogenität der Lernstände sowie den entwicklungsbezogenen Bedürfnissen der Kinder gerecht wird. Aufbauend auf Elementen des Churer Modells und der Montessori-Pädagogik fiel die Entscheidung auf einen offenen, schüler:innenzentrierten Ansatz, der den Lernraum als strukturierendes und lernunterstützendes Element nutzt. Er ermöglicht differenzierte Lerngelegenheiten, fördert selbstreguliertes Arbeiten und unterstützt den Erwerb sozialer und emotionaler Kompetenzen als Grundlage für Lernbereitschaft und eine gelingende Klassengemeinschaft (Dehu et al., 2015). Zur systematischen Beobachtung orientierte sich die Pädagogin am „Lesson Study Cycle“ (Mewald & Rauscher, 2019). Eine digitale Dokumentationsstruktur, eine analoge Magnettafel sowie von den Kindern geführte Lerntagebücher ermöglichten transparente Lernstandsdiagnosen, Entwicklungsgespräche und die Ableitung evidenzbasierter Fördermaßnahmen. Der offene Unterricht führte zudem zu einer deutlichen Entlastung der Lehrkraft. In ihrer neuen Rolle als Schulleiterin einer sprachlich diversen Schule mit vorwiegend lehrer:innenzentriertem Unterricht steht sie nun vor der Herausforderung, geeignete schulentwicklerische Schritte zur Implementierung offener Unterrichtsformen zu identifizieren. Zwischen Theorie und Praxis: Ausbildung – Lehrtätigkeit – Schulentwicklung Die Verzahnung von Theorie und Praxis gilt als zentrale Voraussetzung für die Professionalisierung von Lehrkräften und wird als wesentlich für die Entwicklung fachdidaktischer und pädagogischer Kompetenzen beschrieben (Blömeke et al., 2015). Begleitete Praxiserfahrungen erhalten dabei eine besondere Bedeutung. Die empirische Einbettung einer Masterarbeit in den Schulalltag ermöglicht es, theoretische Konzepte mit konkreten Unterrichtserfahrungen zu verknüpfen. Ausgangspunkt war die Anfrage zur Durchführung einer Studie in einer ersten Klasse. Ein teilstrukturiertes Interview mit der klassenführenden Lehrperson zeigte zunehmende Aufmerksamkeitsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten sowie Herausforderungen im Umgang mit mehrsprachigen Kindern (Gomolla et al., 2015). Die qualitative Analyse ergab, dass lehrkraftzentrierte Phasen vermehrt mit Konzentrationsschwierigkeiten, unvollständigen Arbeitsaufträgen und Störungen aufgrund von Unter- bzw. Überforderung verbunden waren. Zur wissenschaftlichen Begleitung wurde vor Schuljahresbeginn eine Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Wien aufgebaut. Studierende begleiteten das erste Lernjahr im Rahmen von drei Masterarbeiten, die unterschiedliche Dimensionen des Churer Modells untersuchten. Zentrale Anliegen waren die Förderung fachlicher und sozialer Basisfähigkeiten, systematische Unterrichtsbeobachtung und die evidenzbasierte Weiterentwicklung von Lernumgebungen. Die Untersuchungen verknüpften theoretische Annahmen zu offenen, binnendifferenzierenden Unterrichtsformen mit empirischen Daten. Analysiert wurde insbesondere, wie Prinzipien des Churer Modells – Eigenverantwortung, Mitbestimmung und kooperatives Lernen – sich in Lernbereitschaft und Sozialverhalten der Kinder zeigen. Vier Beobachtungszeitpunkte umfassten qualitative Protokolle und quantitative Erhebungen zu Motivation, Aufgabenverständnis, Selbstständigkeit sowie Kooperation, Empathie und Regelorientierung. Visualisierungen mittels Netzdiagrammen verdeutlichten Wirkmechanismen des Modells. Insgesamt weisen die Befunde auf das Potenzial offener Lernformen hin, betonen jedoch zugleich die zentrale Rolle der Lehrkraft bei Strukturierung und professioneller Begleitung solcher Prozesse. DaZ: Die Entwicklung von Sprachkompetenz im Churermodell Der Beitrag untersucht, wie sich die Sprachkenntnisse von Schüler:innen mit außerordentlichem Status in einem offenen, lernendenzentrierten Unterricht entwickeln. Ausgangspunkt ist die steigende sprachliche Heterogenität an österreichischen Schulen infolge migrationsbedingter gesellschaftlicher Entwicklungen. Internationale Fluchtbewegungen verstärkten diese Dynamik, sodass 2023 bereits 26,4 % der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufwiesen (Hadj Abdou, 2023). Damit wächst der Anteil von Kindern, die ohne ausreichende Deutschkenntnisse eingeschult werden. Das seit 2018/19 bestehende Deutschfördermodell sieht deren Beschulung in separaten Förderklassen oder -kursen vor (Thomas & Herndler-Leitner, 2024). Evaluationen zeigen jedoch, dass viele Schulen eigene Förderkonzepte entwickeln, was die Frage wirksamer Fördermaßnahmen offenlässt (Müller & Schweiger, 2022). Vor diesem Hintergrund wird ein alternativer Ansatz untersucht, der ab 2024/25 von einer Klassenlehrerin erprobt wird. Die außerordentlichen Schüler:innen werden integrativ in einem offenen Unterricht unterrichtet, der sich am Churer Modell orientiert. Das Forschungsdesign basiert auf teilnehmender Beobachtung, mit der eine Volksschulklasse über ein Schuljahr hinweg begleitet wird. Die Daten werden qualitativ ausgewertet und im Hinblick auf das Unterrichtsgeschehen sowie die dokumentierten Sprachentwicklungsverläufe ausgewählter Kinder analysiert. Ziel ist es, Erkenntnisse zur Weiterentwicklung nachhaltiger Förderpraktiken für Lernende mit unzureichenden Deutschkompetenzen zu gewinnen. Die Ergebnisse zeigen, dass offen gestalteter Unterricht zentrale Voraussetzungen für sprachliche Teilhabe schafft, jedoch nicht ausreicht, um fehlende Deutschkenntnisse systematisch aufzubauen. Ergänzend bedarf es strukturierter, regelmäßig stattfindender Deutschförderung. Die methodische Reflexion verdeutlicht, dass teilnehmende Beobachtung ein geeignetes Verfahren zur Erhebung qualitativer Sprachentwicklungsdaten ist, jedoch eine klare Begrenzung des Forschungsfeldes und präzise Kriterien für die Ergebnisinterpretation notwendig sind, um die Aussagekraft der Untersuchung zu sichern. |
| 18:30 - 20:30 | Ad-Hoc-Gruppe 2: Ad-Hoc-Gruppe 2 Ort: PHSt_A01.17 |
|
|
Wie beurteilen wir eigentlich? Schulische Leistungsbeurteilung zwischen theoretischem Anspruch und gelebter Praxis Schulische Leistungsbeurteilung (in der Primarstufe) ist ein komplexer Prozess, der durch einen grundlegenden Widerspruch gekennzeichnet ist: Sie soll zugleich individuelle Lernprozesse fördern, verlässliche Diagnosen ermöglichen und über Bildungswege entscheiden. Diese Funktionen – Förderung, Diagnose und Selektion – sind jedoch nicht vollständig miteinander vereinbar und erzeugen ein strukturelles Spannungsfeld, das sich insbesondere in heterogenen Lerngruppen zuspitzt. Während formative Rückmeldungen auf individuelle Entwicklung abzielen, verlangt summative Beurteilung Vergleichbarkeit, Transparenz und Entscheidungsfähigkeit (Jürgens, 2022). Daraus ergibt sich ein pädagogisches Dilemma, das in der Praxis vielfach unhinterfragt bleibt und selten explizit reflektiert wird. Beiträge des Symposiums Wie beurteilen wir eigentlich? Schulische Leistungsbeurteilung zwischen theoretischem Anspruch und gelebter Praxis Wie beurteilen wir eigentlich? Schulische Leistungsbeurteilung zwischen theoretischem Anspruch und gelebter Praxis Wie beurteilen wir eigentlich? Schulische Leistungsbeurteilung zwischen theoretischem Anspruch und gelebter Praxis Wie beurteilen wir eigentlich? Schulische Leistungsbeurteilung zwischen theoretischem Anspruch und gelebter Praxis Wie beurteilen wir eigentlich? Schulische Leistungsbeurteilung zwischen theoretischem Anspruch und gelebter Praxis Wie beurteilen wir eigentlich? Schulische Leistungsbeurteilung zwischen theoretischem Anspruch und gelebter Praxis |
| 18:30 - 20:30 | Ad-Hoc-Gruppe 3: Ad-Hoc-Gruppe 3 Ort: PHSt_A02.27 Chair der Sitzung: Clemens Löcker |
|
|
Wie bewerte ich eine gute Frage? Bewertung im Sachunterricht zwischen Forschungsprozess und Narration Wer schon einmal einen Forschungsprozess im Sachunterricht begleitet und bewertet hat, kennt das Spannungsfeld: Ein Kind formuliert eine überraschend kluge Frage, entwickelt eigenständig Vermutungen und verfolgt einen erkennbar eigenen Denkweg – die Dokumentation bleibt jedoch lückenhaft. Ein anderes Kind liefert ein formal korrektes Ergebnis, eine weiterführende fragende Auseinandersetzung ist jedoch kaum erkennbar. Mit dem österreichischen Volksschullehrplan 2023 rückt die Frage nach einer kompetenzorientierten Leistungsbewertung noch stärker in den Mittelpunkt. Gerade im Sachunterricht zeigt sich dabei eine besondere Herausforderung: Als vielperspektivisches und lebensweltorientiertes Fach zielt er nicht auf die bloße Aneinanderreihung einzelner Fachzugänge, sondern auf die vernetzte Erschließung von Welt und auf die Auseinandersetzung mit den Lebenswirklichkeiten der Kinder (Peschel & Mammes, 2022). Damit geraten Lernprozesse in den Blick, die sich nicht allein über fertige Produkte erfassen lassen. Forschendes Lernen bietet hierfür einen zentralen didaktischen Zugang. Es versteht Lernen als offenen, nicht-linearen Prozess, in dem Kinder eigene Fragen entwickeln, diesen nachgehen und Erkenntnisse generieren. Dem Fragen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Eigene Fragen fungieren als Ausgangs- und Bezugspunkt des Forschens, strukturieren den weiteren Prozess und machen individuelle Zugänge sichtbar (Schroeder & Ernst, 2026). Gleichzeitig zeigen empirische und theoretische Arbeiten, dass Fragen sowohl subjektiv bedeutsam als auch tragfähig für eine forschende Auseinandersetzung sein müssen (Ernst et al., 2026). Auch aus didaktischer Perspektive des Sachunterrichts gewinnt die Qualität von Fragen an Bedeutung. Themen entstehen nicht zufällig, sondern als pädagogisch gehaltvolle Fragestellungen, die lebensweltliche Bezüge herstellen und kompetenzorientierte Lernprozesse anstoßen (Grey et al., 2025). Eine „gute Frage“ eröffnet dabei unterschiedliche Perspektiven auf ein Phänomen und ermöglicht es Kindern, ihre Umwelt aktiv zu erschließen. Vor diesem Hintergrund stellt sich folgende zentrale Frage: Wann ist eine Frage eigentlich eine gute Frage – und wie kann sie im Unterricht sichtbar gemacht, gewürdigt und bewertet werden? Die Ad-hoc-Gruppe setzt genau hier an und lädt zur gemeinsamen Auseinandersetzung ein. Ausgangspunkt sind konkrete Praxisbeispiele, die unterschiedliche Lernmaterialien gegenüberstellen und zur Diskussion anregen. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden in Kleingruppen Kriterien für die Bewertung von Forschungsprozessen, kindlichen Fragestellungen und möglichen Formen der Dokumentation. Ziel ist es, eigene Bewertungsmaßstäbe sichtbar zu machen, kritisch zu reflektieren und im Sinne einer kompetenzorientierten Rückmeldungskultur im Sachunterricht weiterzuentwickeln. Beiträge des Symposiums Wie bewerte ich eine gute Frage? Bewertung im Sachunterricht zwischen Forschungsprozess und Narration Wie bewerte ich eine gute Frage? Bewertung im Sachunterricht zwischen Forschungsprozess und Narration Wie bewerte ich eine gute Frage? Bewertung im Sachunterricht zwischen Forschungsprozess und Narration Wie bewerte ich eine gute Frage? Bewertung im Sachunterricht zwischen Forschungsprozess und Narration Wie bewerte ich eine gute Frage? Bewertung im Sachunterricht zwischen Forschungsprozess und Narration Wie bewerte ich eine gute Frage? Bewertung im Sachunterricht zwischen Forschungsprozess und Narration |
