Grazer Grundschulkongress 2026
6. - 8. Juli 2026 | Graz, Österreich
Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Symposium 18a
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Die Rolle metakognitiver Fähigkeiten im mathematischen Lernprozess - Implikationen eines psychologischen Konzepts für die Mathematikdidaktik Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass metakognitive Fähigkeiten, oft als „thinking about thinking“ beschrieben, entscheidend für effektives Lernen und schulischen Erfolg sind. Sie ermöglichen es Schüler:innen, Fehler zu erkennen, Lernstrategien zu reflektieren und ihre Herangehensweise zur Lösung eines Problems aktiv anzupassen (Guo, 2022). Das Symposium beleuchtet aus komplementären Perspektiven die Bedeutung metakognitiver Prozesse in der arithmetischen Kompetenzentwicklung und liefert sowohl theoretische als auch empirische Impulse für Forschung und Praxis. Aus neurokognitiver Sicht zeigt S. Vogel, dass metakognitive Regulation – insbesondere Überwachung und Steuerung – zentrale Mechanismen für erfolgreiche mathematische Lernprozesse darstellt. Mittels behavioraler und bildgebender Methoden (fMRI, EEG) wird deutlich, dass diese regulativen Komponenten eng mit Mathematikleistung und Lernfortschritt verbunden sind (Jacobs et al., 2024). Schließlich werden erste Befunde vorgestellt, die metakognitive Prozesse in spezifischen neuronalen Netzwerken verorten, was neue Ansatzpunkte für eine evidenzbasierte Förderung mathematischer Kompetenzen eröffnet . Im zweiten Beitrag erweitert J. Sitte diese Perspektive um didaktische und entwicklungsbezogene Aspekte. Sie betont die prädiktive Validität der aufgabenspezifischen metakognitiven Überwachung für arithmetische Leistungen bei Grundschulkindern und verweist auf domänenübergreifende Zusammenhänge, etwa zur Rechtschreibung (Bellon et al., 2019; 2020). Zudem hebt sie hervor, dass metakognitive Fähigkeiten Kindern helfen, Interferenzen zwischen alltagsnahen und mathematisch intendierten Konzepten zu erkennen und zu regulieren – ein wesentlicher Faktor beim Erwerb grundlegender arithmetischer Vorstellungen (Meier et al., 2022; Stricker et al., 2021). Die daraus abgeleiteten didaktischen Implikationen unterstreichen die Notwendigkeit, metakognitive Prozesse systematisch in Lernumgebungen der Primarstufe zu integrieren. S. Taghizade schließt im dritten Beitrag daran mit einer EEG-Studie an, die untersucht, wie Kinder im Alter von 10–12 Jahren ihr eigenes Abschneiden bei multiplikativen Aufgaben einschätzen und wie sich diese Überwachung im Gehirn widerspiegelt. Aufbauend auf früheren Befunden mit Erwachsenen werden Zusammenhänge zwischen Fehlerverarbeitung, Reaktionszeiten, Vertrauen und neuronalen Korrelaten (Ne/Pe) geprüft. Die Studie adressiert eine entscheidende Entwicklungsphase der Metakognition und verspricht neue Einsichten in die neurokognitive Architektur des Monitorings im arithmetischen Problemlösen (Bellon et al., 2020). Gemeinsam verdeutlichen die Beiträge, dass metakognitive Fähigkeiten nicht nur Prädiktoren mathematischer Kompetenz, sondern integrale Bestandteile des Lernprozesses sind. Sie betonen die Notwendigkeit einer interdisziplinären Verzahnung von Neurowissenschaft, Psychologie und Fachdidaktik, um Lernprozesse wirksam zu unterstützen und mathematisches Lernen evidenzbasiert weiterzuentwickeln. Beiträge des Symposiums Metakognition aus neurokognitiver Perspektive: Relevanz für schulisches Lernen Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass metakognitive Fähigkeiten, oft als „thinking about thinking“ beschrieben, entscheidend für effektives Lernen und schulischen Erfolg sind. Sie ermöglichen es Schüler:innen, Fehler zu erkennen, Lernstrategien zu reflektieren und ihre Herangehensweise zur Lösung eines Problems aktiv anzupassen (Guo, 2022). Trotz der anerkannten Bedeutung metakognitiver Prozesse im Schul- und Lernkontext gibt es erst in den letzten Jahren intensive Bestrebungen, die (neuro-)kognitiven Mechanismen der Metakognition im mathematischen Kontext zu untersuchen. Im Rahmen dieses Vortrags werde ich auf diese Entwicklungen eingehen und aktuelle (neuro-) kognitive Studienbefunde aus der Metakognitionsforschung diskutieren, die insbesondere die Relevanz der beiden regulierenden kognitiven Komponenten der Metakognition in den Vordergrund rücken: Überwachung und Steuerung. Überwachung bezeichnet die Fähigkeit, den eigenen Wissensstand oder die eigene Leistung während der Bearbeitung einer Aufgabe einzuschätzen, während Steuerung die gezielte Anpassung von Strategien auf Basis dieser Einschätzung beschreibt. Zur Verdeutlichung dieser Aspekte werde ich sowohl behaviorale als auch neurowissenschaftliche Studien, darunter funktionelle Magnetresonanzstudien (fMRI) und Elektroenzephalografie (EEG), mit Kindern und Erwachsenen vorstellen, die die neuronalen Korrelate dieser Regulierungsprozesse im Kontext mathematischer Problemstellungen untersuchen. Die Ergebnisse zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen metakognitiven Regulierungsprozessen, Mathematikleistung und Lernfortschritt und belegen die zentrale Bedeutung dieser Fähigkeiten (z.B., Jacobs et al., 2024). Zudem liefern die Studien erste Hinweise auf die (neuro-)kognitiven Mechanismen, die diesen Prozessen zugrunde liegen, und ermöglichen somit ein besseres Verständnis ihrer Wirkungsweise (z.B., Thagizadeh et al., in prep). Letztlich bietet die Verbindung dieser Forschungserkenntnisse und schulischer Praxis ein vielversprechendes Fundament, um Lernprozesse besser zu verstehen und Lernkompetenzen gezielt zu fördern. Metakognition im arithmetischen Lernen: Prädiktive Befunde und didaktische Implikationen Aktuelle wissenschaftliche Befunde zeigen, dass metakognitive Fähigkeiten eine zentrale Rolle für das arithmetische Lernen besitzen. Sie ermöglichen es Kindern, ihre Lösungswege einzuschätzen, Fehler zu identifizieren und Strategien zielgerichtet anzupassen (Ahmad et al., 2018). Besonders die aufgabenspezifische metakognitive Überwachung erweist sich als prädiktiv valide für spätere Rechenleistungen und leistet somit einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung arithmetischer Kompetenzen (Bellon et al., 2019). Darüber hinaus lassen sich domänenübergreifende Effekte beobachten, etwa der Zusammenhang zwischen metakognitiven Fähigkeiten im Bereich der Arithmetik und der Rechtschreibleistung (Bellon et al., 2020). Zunehmend rückt die Rolle der Metakognition zudem bei der Bewältigung von Interferenzen – Konflikten zwischen alltagsnaiven Vorstellungen und mathematisch intendierten Konzepten – in den Fokus. Solche Interferenzeffekte beeinträchtigen insbesondere das Verständnis grundlegender arithmetischer Inhalte und treten häufig an konzeptuellen Übergängen auf, etwa im Stellenwertverständnis oder beim Aufbau von Operationsvorstellungen. Erste Befunde deuten darauf hin, dass Kinder mit ausgeprägteren metakognitiven Fähigkeiten diese Interferenzen besser identifizieren und regulieren können, was sich positiv auf die Konzeptentwicklung und Rechenleistung auswirkt (Meier et al., 2022; Stricker et al., 2021). Im Vortrag wird herausgearbeitet, inwieweit die genannten neuro- und kognitionswissenschaftlichen Befunde bereits in der Mathematikdidaktik rezipiert sind und welche Implikationen sich für die Gestaltung arithmetischer Lernprozesse in der Primarstufe ergeben. Abschließend wird ein längsschnittlich angelegtes Forschungsvorhaben vorgestellt, das den Einfluss metakognitiver Fähigkeiten auf die arithmetische Kompetenzentwicklung im Grundschulalter untersucht. Metacognitive Monitoring in Arithmetic Problem-Solving: An EEG Study with Children Age 10-12 Metacognitive monitoring, the ability to evaluate one’s own performance, is crucial for effective learning. (Rinne & Mazzocco, 2014). However, less is known about its neurocognitive mechanisms in the academic context, such as multistep problem-solving, like Mathematics, especially with children. In this study, for the first time in this context, we examine how children aged 10–12 years (N = 40) monitor their performance while solving multiplication problems and how this is reflected in their brain activity. Children complete paper-and-pencil tasks assessing arithmetic and reading fluency, followed by an electroencephalogram (EEG) session. During EEG recording, participants verify a multiplication answer and then rate their confidence in their answer on a 6-point Likert scale from “not sure” to “sure.” We have collected data from 15 children and expect to complete the sample by the symposium dates. Our prior research with a similar adult design showed a significant association between online arithmetic performance (error rates and reaction time) and monitoring (confidence). At the neural level, error-related potentials (Ne/Pe) systematically varied with confidence, reflecting monitoring during arithmetic problem solving. We will analyze the children’s data to explore whether similar patterns at both the behavioral and neural levels emerge. Since this age range is critical for the development of metacognition(Bellon et al., 2020), this research could help shed light on the underlying neurocognitive architecture that supports monitoring abilities, which are vital for error detection and learning multistep problem solving, such as in arithmetic. | ||
