Veranstaltungsprogramm
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Session 5.04: Fremdheitserfahrungen bezogen auf Gender und Bildungshintergrund
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Zwischen individueller Herkunft und schulischem Kontext: Der Einfluss elterlicher Bildung auf den Übergang an die Hochschule Institut für Höhere Studien (IHS), Österreich Übergänge im Bildungssystem, wie etwa der Eintritt in die Hochschule, gelten als entscheidende Phasen, in denen sich soziale Ungleichheiten in Bildungsbiografien verfestigen können (Bukodi et al., 2021; Scharf et al., 2020). Zahlreiche Studien zeigen, dass sowohl individuelle als auch schulische Faktoren den Zugang zur Hochschulbildung beeinflussen (z.B. Engberg & Wolniak, 2010; Sullivan et al., 2014; Vandelannote & Demanet, 2021). Arbeiten zu Wechselwirkungen zwischen familiärem Bildungshintergrund und schulischer Zusammensetzung finden sich beispielsweise aus den USA (Choi et al., 2008) oder Schweden (Rosenqvist & Brandén, 2025), Studien aus stark stratifizierten Systemen wie Österreich oder Deutschland sind jedoch unterrepräsentiert. Die vorliegende Studie geht der Frage nach, ob und in welcher Weise der Anteil von Schüler:innen mit akademisch gebildeten Eltern an einer Schule den Übergang in die Hochschulbildung beeinflusst und ob dieser Effekt je nach elterlicher Bildung variiert. Österreich stellt in diesem Zusammenhang einen besonders aufschlussreichen Untersuchungsfall dar. Es kombiniert frühe Bildungsselektion mit einem weitgehend offenen Hochschulzugang und schafft damit ein Umfeld, in dem die soziale Zusammensetzung innerhalb der Schule Bildungsentscheidungen besonders prägen kann. Unter Verwendung österreichischer Registerdaten, die eine gesamte Maturakohorte abbilden, werden logistische Mehrebenen-Regressionsmodelle mit einer Cross-Level-Interaktion geschätzt, um individuelle und kontextuelle Einflüsse auf den Hochschulzugang nach der Matura zu analysieren. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Zusammensetzung auf Schulebene keinen signifikanten Einfluss auf den Übergang an die Hochschule hat. Jedoch zeigt sich ein signifikanter Interaktionseffekt mit der individuellen elterlichen Bildung. Die Ergebnisse deuten auf einen kompensatorischen Effekt hin. Schüler:innen aus nicht-akademischen Familien profitieren von einem Umfeld mit vielen Akademiker:innenkindern, während Schüler:innen aus akademischen Haushalten von einer solchen Zusammensetzung nicht zusätzlich profitieren und bei sehr hoher Akademiker:innenquote sogar leicht geringere Übergangswahrscheinlichkeiten zeigen. Die Befunde liefern wichtige Impulse für Debatten darüber, wie institutionelle Kontexte Bildungsungleichheiten reduzieren können, und zeigen, dass heterogene Schulumgebungen insbesondere für Schüler:innen aus nicht-akademischen Familien förderlich sind. Availability over Ability? The Role of Gender and Care Work on Academic Output of Full-Time Professors in Germany 1Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW); 2Leibniz Universität Hannover Meritocracy is a central normative ideal of academia. Professorship, as the pinnacle of academic careers embodies the meritocratic promise and is expected to be awarded solely on the basis of excellence in research and teaching (Graf, 2016). Yet, the conditions under which merit is measured and evaluated are far from neutral. Academia exemplifies a “greedy job” (Goldin, 2014, 2024), characterised by high workloads, expectations of constant availability, mobility and high performance (Afonso, 2016; Blome, 2023). Conditions that disadvantage caregivers, particularly women, by assuming an “ideal academic” free from care responsibilities (Glogowsky et al., 2025; Jessen et al., 2022; OECD, 2017). This paper investigates how far care obligations (have) shape(d) the scientific output of male and female professors and whether prevailing performance metrics implicitly reward availability over ability. To answer this, we use unique data from the first wave of the DZHW-prof*panel (2022) which includes a representative sample of professors appointed between 2010 and 2022 in Germany, to examine how gender and parenthood shape academic output and career trajectories. Preliminary findings reveal a persistent gender gap in academic output, with women publishing less and acquiring less third-party funding than men. However, these differences do not reflect disparities in ability. Our results suggest, male and female professors are equally capable of producing high-quality research. Instead, substantial gender differences emerge in availability, particularly when intersecting with parenthood, as working hours and time resources diverge significantly. These results suggest that commonly accepted performance indicators are attainable only under gendered conditions, as availability significantly shapes performance of professors. Which calls their validity into question as neutral measures of academic excellence. These findings highlight the need to rethink performance expectations in academia and call for greater recognition of how care responsibilities shape academic careers and the metrics by which meritocratic ideals are evaluated. GendAReview - Intersektionale Geschlechterforschung als machtkritisches Analyseinstrument von Hochschulen GESIS - Lebnizinstitut für Sozialwissenschaften, Deutschland Die internationale Geschlechterforschung betont in ihrer Tradition schon lange, dass Forschende und Forschung nicht außerhalb gesellschaftlicher Machtverhältnisse stehen, sondern ein Teil dieser sind. Vor allem der Anspruch auf epistemologische Neutralität wird in diesem Kontext kritisch hinterfragt. Akademisches Wissen erscheint als situiert (Haraway 1997); jede Erkenntnis entsteht aus einer bestimmten geografischen, sozialen, historischen und körperlichen Positionierung heraus. Dabei stellen sich folgende Fragen: Welche Positionen werden sichtbar und welche werden marginalisiert (Spivak 1988)? Werden die Theoretisierungen, die überwiegend auf Daten des globalen Nordens beruhen ausreichend reflektiert? Welche Personen erhalten bevorzugt Zugang in den wissenschaftlichen Kontext und dürfen forschen und unter welchen Umständen? Hochschulen sind die Schauplätze der Wissensproduktion und wissenschaftlicher Karrierewege, sie sind jedoch selbst keine neutralen Institutionen, sondern produzieren und reproduzieren, ähnlich wie andere Organisationen, normative und normierende Strukturen und Machtverhältnisse (Acker 1990; 2006). Gleichzeitig bieten Sie im Sinne einer diversitätssensiblen Hochschulgovernance das Potenzial auf eine demokratische und inklusive Gesellschaft hinzuwirken. Die vielschichtige Rolle von Hochschulen, macht sie zu einem idealen Untersuchungsfeld für eine machtkritische Betrachtungsweise (Grzanka et al. 2023), die zeigt, wie intersektionale Ungleichheitspraktiken in und durch die Wissenschaft, reproduziert werden. Der Einzelvortrag präsentiert die Ergebnisse einer Literaturanalyse der Themen Wissensproduktion, wissenschaftliche Karrierewege und Hochschulgovernance aus intersektionaler Geschlechterperspektive. Grundlage des Beitrags sind die Befunde von drei Literaturübersichtsarbeiten (Scoping Reviews). Die Reviews arbeiten den Forschungsstand aus 30 ausgewählten akademischen Journals der internationalen Geschlechterforschung auf. Das Vorgehen folgt dabei dem PRISMA-Schema (Tricco et al. 2018; Wegner 2024). Ziel ist es darzustellen, wie die internationale Geschlechterforschung auf normative und normierende Leistungsbereiche der Hochschule blickt. Dabei betont der Vortrag das Potenzial von Forschung mit klar positionierter Haltung, die einen Beitrag dazu leistet, Barrieren und epistemische Ungleichheiten an Hochschulen abzubauen. | ||