21. Jahrestagung der
Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf)
18.-20. März 2026 | Universität Paderborn
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 09. März 2026 23:57:35 MEZ
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Lehrkräftebildung für berufsbildende Schulen vor dem Hintergrund des Anspruchs einer Nachhaltigen Entwicklung - eine designbasierte Profilschärfung der ersten Lehramtsausbildungsphase TU Dortmund, Deutschland Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen stehen im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung (NE) vor der Herausforderung, den Nachhaltigkeitsauftrag im Sinne der Agenda 2030 für ihren Unterricht zu konkretisieren und berufliche Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BBNE) gezielt umzusetzen. Welche Kompetenzanforderungen sich aus diesem Anspruch für (angehende) Lehrkräfte ergeben, stellt im berufspädagogischen Diskurs noch einen „blinden Fleck“ dar. Auch zentrale Ordnungsmittel für die Lehrkräftebildung liefern dahingehend nur wenige Ansatzpunkte (vgl. Schütt-Sayed 2020: 16). Anknüpfend an dieses Forschungsdesiderat soll die Frage beantwortet werden, wie bildungswissenschaftliche Lehr-Lernsettings in der universitären Ausbildungsphase angehender Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen gestaltet werden können, um Kompetenzen zur Umsetzung von BBNE zu fördern? Der geplante Beitrag zur Postersession basiert auf einem aktuell laufenden Promotionsvorhaben und fokussiert zwei Aspekte: (1) Die Identifikation und Systematisierung nachhaltigkeitsorientierter Kompetenzanforderungen für angehende berufliche Lehrkräfte sowie (2) erste Entwürfe zur hochschuldidaktischen Gestaltung von Projektseminaren als Lernumgebung für die Förderung entsprechender Kompetenzen. Das forschungsmethodologische Rahmenkonzept des Projektes bildet der Ansatz des Forschenden Entwerfens (vgl. Reinmann et al. 2024). Überfachliche Anforderungen einer BBNE an angehende berufliche Lehrkräfte werden deduktiv identifiziert. Die Ergebnisse münden in nachhaltigkeitsorientierten Standardformulierungen für die universitäre Lehrkräfteausbildung in Anlehnung an die „Standards für die Lehrkräftebildung Bildungswissenschaften“ (KMK). Die Entwicklung des Designs erfolgt in einem iterativen Vorgehen und wird stehts von einem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis flankiert. Erwartete Ergebnisse und relevante Implikationen: Ziel des Beitrags ist die Darstellung eines Sets an nachhaltigkeitsorientierten Standardformulierungen und die Präsentation eines vorläufigen Seminarkonzeptes. Das Konzept wird an der TU Dortmund praktisch erprobt und evaluiert. Auf Grundlage dieser Erfahrungen werden konkrete Handlungsbedarfe auf hochschuldidaktischer Ebene abgeleitet und kontextsensitive Gestaltungsprinzipien für die berufliche Lehrerkräftebildung angestrebt. Die FirstGen-Initiative „FirstGen1st“ an der Bergischen Universität Wuppertal: Ein Blick in die habitussensible Praxis Bergische Universität Wuppertal, Deutschland Die FirstGen‑Initiative an der Bergischen Universität Wuppertal richtet sich an Studierende, die als erste in ihrer Familie ein Hochschulstudium aufnehmen. Das Projekt hinterfragt herkunftsbezogene Normen und den oft impliziten, exkludierenden Habitus, der in Lehre und Hochschule wirksam bleibt. Mithilfe Bourdieuscher Konzepte – insbesondere Habitus, soziales Feld, Doxa und Kapital – wird gemeinsam mit Studierenden kritisch hinterfragt und reflektiert, wie institutionelle Erwartungen und arkane Regeln der Hochschule gewisse Studierendengruppen systematisch benachteiligen und die Hochschullehre habituell durchformen. Das Poster gibt einen Einblick in die Praxis der FirstGen-Initiative an der Bergischen Universität und zeigt, wie Reflexionsangebote, Informationsangebote, Peer‑Support und curriculare eingebundene Lehrveranstaltungen dabei helfen, normative Habituserwartungen des Feldes Hochschule, die die ebenso Lehre prägen wie sie den Studienerfolg und Zugehörigkeit von FirstGen-Studierenden fragilisieren, transparent zu machen und kritisch zu beleuchten. Im Rahmen von einem FirstGen-Café, einer Ringvorlesung, Mentoring-Übungen und einem Podcast wird das Phänomen des „Bildungsaufstiegs“ interdisziplinär und theorie- und empirisch-basiert beleuchtet und dabei die normativen und impliziten, aber nichtsdestotrotz wirkmächtigen Erwartungen des Feldes Hochschule deutlich gemacht. Das Poster leistet dabei einen doppelten Beitrag zur Tagungsthematik:
Intersektionalität in der Hochschulbildung Technische Universität Dortmund, Deutschland In Studien konnte aufgezeigt werden, dass, obwohl es viele Initiativen zur Bekämpfung von Ungleichheiten in der Hochschulbildung gibt, die Umsetzung nicht immer erfolgreich ist. Dies liegt zum einen daran, dass Universitäten lockere Kopplungen aufweisen (Weick, 1976) und zum anderen daran, dass viele dieser Initiativen sich auf eine bestimmte Dimension von Diversität konzentrieren, während andere Dimensionen unberücksichtigt bleiben. Daher ist es von hoher Bedeutung zu hinterfragen, wie Hochschulen strukturelle Ungleichheiten adressieren und zur Förderung inklusiver gesellschaftlicher Verhältnisse beitragen können. Konzepte wie Diversität, Intersektionalität und Inklusion spielen dabei eine zentrale Rolle, werden jedoch in der Forschung uneinheitlich operationalisiert (Lukkien, 2024). Um die Entwicklung von Intersektionalität in Hochschullehre und -lernen zu verstehen, untersuchen wir folgende Forschungsfragen: Welche thematischen Entwicklungen lassen sich in Bezug auf Intersektionalität in der Hochschulbildung identifizieren? Um diese Forschungsfrage zu beantworten, nehmen wir ein systematisches Literatur-Review (SLR) (Boland et al., 2024) vor. Es soll nachvollzogen werden, wie oft und in welchem Kontext Intersektionalität in der Hochschullehre in den Jahren 2020 bis 2025 in einer Auswahl an Fachzeitschriften behandelt wird. Ziel des SLR ist es, zu erkennen, inwieweit die Hochschulbildung in wissenschaftlichen Diskursen als Katalysator für die Schaffung einer inklusiven Gesellschaft wahrgenommen wird und welche Erkenntnisse aus der Forschung für die Weiterentwicklung der Hochschullehre von Bedeutung sind. Die vorliegende Untersuchung trägt somit nicht nur zur Klärung des aktuellen Forschungsstandes bei, sondern intendiert, wertvolle Impulse für zukünftige politische und hochschuldidaktische Initiativen in der Hochschulbildung zu geben, die auf die Förderung einer demokratischen und inklusiven Gesellschaft abzielen (Siri, 2022). Die Ergebnisse des SLR zeigen, dass Intersektionalität zwar häufig theoretisch eingeführt, empirisch jedoch selten in ihrer Mehrdimensionalität adressiert wird. Viele Studien fokussieren einzelne Kategorien (z. B. Gender), während Überschneidungen mit Klasse, Ethnizität oder Disability unterbeleuchtet bleiben (Crenshaw, 1991). Für zukünftige Forschung empfehlen wir daher vertiefte empirische Analysen, die intersektionale Mehrdimensionalität im Hochschulkontext berücksichtigen. Subjektive Wahrnehmungen von Rollenspielsimulationen im Lehramtsstudium: Chancen für Professionalisierung und Reflexion TU Dortmund, Deutschland Die universitäre Lehrer:innenbildung steht vor der Aufgabe, Professionalisierungsprozesse so zu gestalten, dass Studierende sowohl fachliche als auch überfachliche Kompetenzen in einem reflexiven, verantwortungsbewussten und normativ sensiblen Rahmen entwickeln können (z. B. Baumert & Kunter 2013; KMK 2004, 2016). Ein zentraler Aspekt ist dabei die Förderung kommunikativer Handlungskompetenzen in authentischen, zugleich didaktisch strukturierten Settings. Der Beitrag untersucht, wie Lehramtsstudierende Simulationen in Form von Rollenspielen wahrnehmen und welche subjektiven Bedeutungen sie diesen für ihre Professionalisierung zuschreiben. Grundlage ist ein hochschuldidaktisches Lehr-Lern-Format, in dem angehende Lehrkräfte mit professionellen Schauspielpersonen berufstypische Kommunikationssituationen in digitalen Lernumgebungen erproben – basierend auf dem Rollenspiel-Format von Braun et al. (2018). Im Anschluss an die Simulationen, welche hier als Reflexionsanlass dienen, erhielten die Studierenden vorstrukturierte Reflexionsfragen, um ein tiefergehendes Verständnis von den Erfahrungen der Studierenden (n = 61 ) des allgemeinen und beruflichen Lehramts zu erhalten.. Die Auswertung erfolgte entlang der inhaltlich-strukturierenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2015). Die Auswertung der Reflexionen zeigt, dass insbesondere die Authentizität der Szenarien, die Möglichkeit zur direkten Erfahrung sowie der Rückgriff auf zuvor erworbenes theoretisches Wissen als gewinnbringend wahrgenommen werden. Gleichzeitig wird deutlich, dass Studierende des allgemeinen und beruflichen Lehramts unterschiedliche Perspektiven und Erwartungen mitbringen: Einige nutzen ihre Vorerfahrungen gezielt und sehen Simulationen als Lernchance, andere wünschen sich stärker weiterführende Anleitung und systematische Nachbereitung, besonders wenn ihre Erwartungshorizonte weniger klar ausgeprägt oder theoriebezogen sind. Insgesamt verdeutlichen die Befunde, dass Rollenspielsimulationen eine hohe subjektive Relevanz für die eigene Professionalisierung besitzen, indem sie Reflexion anregen, Handlungssicherheit stärken und Theorie-Praxis-Bezüge erlebbar machen. Erwartungshorizonte strukturieren diesen Prozess maßgeblich, indem sie beeinflussen, wie Erfahrungen gedeutet, Wissen angewandt und Lernchancen wahrgenommen werden. Damit wird ein Beitrag zur Debatte um die Gestaltung universitärer Professionalisierungsräume geleistet, die sowohl Theorie-Praxis-Integration als auch die Entwicklung wertbezogener Handlungskompetenz adressieren. Was heißt hier Wissenschaft? Erste empirische Befunde zum Wissenschaftsverständnis von Teilnehmenden der wissenschaftlichen Weiterbildung Älterer 1Universität der Künste Berlin (UdK); 2Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM); 3Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Ungeachtet der demografischen Entwicklungstrends, der Bedeutung des Lebenslangen Lernens und der zunehmenden Aktivitäten der Hochschulen im Bereich der Third Mission, ist die „wissenschaftliche Weiterbildung Älterer“ ein Thema, dem bislang randständige Aufmerksamkeit zuteilwird. Einerseits bleiben Studien zum Lebenslangen Lernen vielfach auf berufliche Verwertbarkeit beschränkt; andererseits thematisieren große Bevölkerungsumfragen nur selten den Bereich der (nicht-berufsbezogenen) Bildung im Alter. Gleichzeitig besteht an deutschen Hochschulen jedoch eine große Bandbreite an Angeboten, die sich an Personen im höheren Lebensalter bzw. der nachberuflichen Lebensphase richten (Felix 2018). Sie alle einen drei konstitutive Elemente: Wissenschaftlichkeit und Forschungsbezug, ein offener Zugang für Interessierte unabhängig von formalen Qualifikationen und zumeist intergenerationelles Lernen (Dabo-Cruz & Pauls 2018). Doch welches Wissenschaftsverständnis haben die Teilnehmenden dieser Angebote? Wie blicken sie auf das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft? Und welche Annahmen von in Wissenschaft enthaltener Normativität, Objektivität und Verantwortung treffen Sie? Diesen Fragen widmet sich der Posterbeitrag auf Grundlage einer synchronisierten Teilnehmendenbefragung an 15 deutschen Hochschulen, welche vom Arbeitskreis Forschungsfragen und Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft wissenschaftliche Weiterbildung Älterer (BAG WIWA) in Kooperation mit der Universität Magdeburg im Sommersemester 2023 durchgeführt wurde. Mit einer Fallzahl von 4.976 Personen (Rücklauf 31,2 %) liefert die Online-Befragung erstmals belastbare standortübergreifende Daten zur Gruppe der Teilnehmenden. Im Beitrag werden zwei Fragen näher betrachtet: Zum einen das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft (Itembatterie in Anlehnung an Wissenschaftsbarometer 2021) und zum anderen die offene Frage zum Wissenschaftsverständnis („Wir würden gern etwas darüber erfahren, wie Sie sich Wissenschaft und Forschung ganz konkret vorstellen: Bitte schreiben Sie in wenigen Worten auf, was es heißt, etwas ‚wissenschaftlich zu erforschen‘!“) Insgesamt 2.673 Personen (53,7 %) äußerten sich dazu. Die Antworten werden mittels Inhaltsanalyse nach Früh (2011) kategorisiert. Der Posterbeitrag liefert erste Einblicke zu einem bislang kaum betrachteten Bereich der Hochschulforschung und soll Anstoß zu weiteren Überlegungen und Diskussionen zur gesellschaftlichen Sicht auf Wissenschaft geben. Objektivität und Positionalität: Erfahrungen marginalisierter Wissenschaftler*innen mit Nähe zum eigenen Forschungsgegenstand Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland Das wissenschaftliche Objektivitätsgebot fordert Distanz zum Forschungsgegenstand, doch was geschieht, wenn Forschende Themen untersuchen, die eng mit ihrer persönlichen Lebenswelt verknüpft sind? Besonders Wissenschaftler*innen aus marginalisierten Gruppen geraten in Verdacht, Forschungsthemen, die ihre eigene Marginalisierung betreffen, nicht "objektiv genug" beforschen zu können. Das vorliegende empirische Projekt stellt folgende Forschungsfrage: Welche Erfahrungen machen Wissenschaftler*innen, die einer marginalisierten Gruppe angehören und deren Forschungsthema eng mit jenem Merkmal verknüpft ist, das ihre Marginalisierung definiert? Für die Beantwortung werden narrative Interviews geführt und mit Charmaz' konstruktivistischem Grounded Theory-Ansatz ergebnisoffen ausgewertet. Ziel ist die Entwicklung einer empiriebasierten Theorie zum Spannungsfeld von persönlicher Nähe zum Forschungsgegenstand und dem Objektivitätsideal unter Berücksichtigung zugrundeliegender Machtdynamiken. Der Forschungsstand zeigt vereinzelte ethnographische Reflexionen zur ‚Insider‘-Forschung, jedoch fehlen systematische Untersuchungen zu Erfahrungen marginalisierter Forschender mit Objektivitätsnormen. Als sensibilisierende Konzepte werden klassische Objektivitätstheorien sowie feministische Wissenschaftskritiken herangezogen. Während traditionelle Ansätze "aperspektivische Objektivität" (Daston 1992) als Eliminierung individueller Perspektiven verstehen, betonen kritische Stimmen die erkenntnistheoretische Produktivität marginalisierter Standpunkte. Erste Auswertungen zeigen, dass die Erfahrungen sich je nach Art der Marginalisierung und mehrheitsgesellschaftlicher Relevanz des Forschungsthemas unterscheiden. Während in einigen Kontexten sowohl Thema als auch Forscher*in als unwissenschaftlich bewertet werden (Beispiel Interview 1: Forschung sei zu persönlich, könne keinen akademischen Mehrwert haben), werden sie in anderen als interessant wahrgenommen, aber weitgehend ignoriert (Beispiel Interview 2: Fehlende finanzielle Unterstützung). Die Objektivitätsnorm scheint ambivalent zu fungieren: Einerseits delegitimiert oder unterdrückt sie marginalisierte Perspektiven, andererseits wertet sie sie aufgrund des zusätzlichen Erfahrungswissens auf. Dabei stellt sich die Frage, wann diese Forschung geduldet wird – möglicherweise weil sie systemstützend wirkt – und wann sie subversiv wirkt. Das Projekt trägt zur kritischen Reflexion normativer Wissenschaftsideale bei, indem es die Verflechtung von normativen Erwartungen, marginalisierter Positionalität und wissenschaftlicher Praxis empirisch sichtbar macht. Es zeigt, dass Distanz zum Forschungsgegenstand nicht automatisch vorteilhaft ist und untersucht das Erkenntnispotenzial marginalisierter Perspektiven. Wer bin ich in meiner Forschung? - Rollen in Design-Based-Research und das Verhältnis zur Neutralität DHBW Stuttgart, Deutschland Design-Based Research (DBR) ist durch die enge Verknüpfung von Forschung und Praxis geprägt und erfordert das gleichzeitige Einnehmen mehrerer Rollen. Im Zentrum dieses Posters steht die Reflexion der Rollen von Hochschullehrenden, Forschenden, Teilnehmenden und Gestaltenden (sowie möglicher weiterer Rollen) im Rahmen eines DBR-Prozesses, sowohl allgemein als auch aus der Perspektive der Arbeit der Autorin. Diese Rollen sind nicht strikt voneinander zu trennen, sondern stehen in einem wechselseitigen Verhältnis, das den Forschungsprozess maßgeblich prägt. Als Hochschullehrende werden pädagogische und organisatorische Anforderungen der Lehre in die Forschung eingebracht, die Rolle der Forschenden betont methodische Strenge, theoretische Fundierung und analytische Distanz. Die Position der Teilnehmenden impliziert eine unmittelbare Einbindung in das Feld und dessen soziale Dynamiken, während die Rolle der Gestaltenden aktive Interventionen und die Entwicklung praxisorientierter Lösungen umfasst. In Anlehnung an McKenney und Reeves (2019) wird DBR als zyklischer Prozess verstanden, der die iterative Entwicklung, Evaluation und Theoriebildung in realen Kontexten verbindet. Dabei wird Forschung nicht als distanziertes Beobachten, sondern als ko-konstruktiver Prozess begriffen, in dem Forschende aktiv in die Gestaltung und Umsetzung von Interventionen eingebunden sind. Euler (2014) hebt hervor, dass sich in diesem Spannungsfeld wissenschaftliche und praktische Rationalitäten verschränken und forschendes Handeln stets von institutionellen, normativen und persönlichen Faktoren beeinflusst wird. Fragestellung: Welche Spannungsfelder entstehen durch das gleichzeitige Einnehmen von Lehrenden-, Forschenden-, Teilnehmenden- und Gestaltendenrollen im DBR? Methodisches Vorgehen: Zur methodischen Erfassung dieser Rollenreflexion wurden Reflexionsprotokolle von der Autorin geführt, die fortlaufend Erfahrungen, Entscheidungen und Spannungsfelder dokumentieren. Diese dienten als Grundlage einer Meta-Reflexion (Reinmann, 2023), in der die Wechselwirkungen zwischen Rollenverständnis, Forschungsentscheidungen und Ergebnisinterpretation analysiert werden. Die gleichzeitige Wahrnehmung multipler Rollen stellt die Neutralität der Forschungsergebnisse infrage. Zur Sicherung von Validität, Glaubwürdigkeit und Transparenz sind Reflexivität und methodische Triangulation zentrale Qualitätskriterien. Neutralität wird dabei als fortlaufender, reflexiver Aushandlungsprozess verstanden, der für die wissenschaftliche Fundierung und Praxisrelevanz von DBR konstitutiv ist. Didaktische Verankerung der interprofessional education in gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen: Implementierungsstrategien für neue und bestehende Studiengänge Universität Witten/Herdecke, Deutschland Hintergrund: In der deutschen Gesundheitsversorgung gewinnt die interprofessionelle Zusammenarbeit zunehmend an Bedeutung für die Bewältigung aktueller und zukünftiger Herausforderungen (Wissen-schaftsrat, 2012). Fachkräfte müssen im Studium Kompetenzen erwerben, um effektiv mit anderen zu-sammenzuarbeiten und sowohl das eigene Rollenverständnis zu stärken als auch andere Berufe wertzu-schätzen. Die Interprofessionale Education ist daher eine Voraussetzung für die interprofessionelle Zu-sammenarbeit (Sottas et al., 2020) und wird zunehmend als Voraussetzung für eine patientenzentrierte und zukunftsorientierte Zusammenarbeit in der Gesundheitsversorgung angesehen (Walkenhorst & Holl-weg, 2023). Ethische Reflexion in Flipped Learning fördern 1Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Universität Tübingen, Deutschland; 2Arbeitsstelle Hochschuldidaktik, Universität Tübingen In Zeiten gefühlter gesellschaftlicher Polarisierung und drängender ökologischer Krisen geraten vermeintlich stabile moralische Gewissheiten ins Wanken. Damit wächst der Bedarf an Vergewisserung gemeinsamer normativer Grundlagen und an begründeten Handlungsoptionen, um sich aktuellen wie zukünftigen Herausforderungen stellen zu können. Auch die universitäre Ethiklehre sieht sich hier in der Verantwortung: Sie muss Studierende mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, Bildungserfahrungen und kulturellen Identitäten nicht nur zusammenführen, sondern deren Fähigkeit fördern, mit divergierenden normativen Leitbildern kritisch und konstruktiv umzugehen. Das Projekt Ethische Reflexion in Flipped Learning fördern (am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen) knüpft an diese Aufgabe an und entwickelt innovative Lehr-Lern-Einheiten, die im Sinne eines Flipped Learning Konzepts zentrale Elemente ethischer Grundbildung vermitteln. Studierende eignen sich zunächst im Selbststudium ein „ethisches Vokabular“ und eine „ethische Grammatik“ an – Grundlagen, die für die kritische Auseinandersetzung mit normativen Leitbildern unerlässlich sind. Die Präsenzphasen können dadurch konsequent auf die Bearbeitung konkreter Praxisbeispiele, die argumentative Auseinandersetzung, die Erprobung reflexiver Fähigkeiten sowie den Austausch über unterschiedliche Wertperspektiven konzentriert werden. Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Studierende nicht nur bestehende moralische Konzepte reproduzieren, sondern deren Reichweite, Grenzen und Transformationspotenziale diskutieren. Flipped Learning bietet hierfür einen didaktischen Rahmen, der individuelle Vorbereitung mit kollektiver Verständigung verbindet. Dabei werden sowohl reflektierende (problemorientierte) wie auch reflexive (selbstorientierte) Fähigkeiten gestärkt. Das Poster stellt das Projekt vor, zeigt die Umsetzung in der universitären Praxis und präsentiert erste Evaluationsergebnisse. So wird deutlich, wie digitale Selbstlernmodule und begleitende Materialien zu einer interdisziplinären und zukunftsgerichteten Ethiklehre beitragen, die Studierende befähigt, normative Konflikte kritisch-konstruktiv zu bearbeiten und eine reflexive Kultur des Streitens und Verstehens zu fördern. Transformative Wissenschaftspraxis im Neuberufenenprogramm: Spannungsfelder der Normativität zwischen Ankommen und Gestalten Technische Hochschule Köln, Deutschland Transformative Wissenschaftspraxis (Singer-Brodowski et al., 2021) versteht sich sowohl als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen unserer Zeit, als auch als bewusste Neuausrichtung des wissenschaftlichen Selbstverständnisses. Sie betont die gesellschaftliche Verantwortung und plädiert dafür, dass Wissenschaftspraxis nicht neutral, sondern stets mit normativen Entscheidungen verbunden ist: Welche Probleme werden adressiert, welche Formen von Wissen gelten als relevant und wie werden Werte in wissenschaftliches Handeln übersetzt? Damit rückt die Reflexion des professionellen Handelns in den Mittelpunkt (Grunwald, 2018). Die TH Köln hat diesen Anspruch in ihrem Selbstverständnis verankert: „Wissen gesellschaftlich wirksam machen“ (TH Köln, Lehrstrategie 2018) beschreibt die Leitidee, die Lehre, Forschung und Transfer neu ausrichtet. Dies eröffnet Chancen und verändert zugleich tiefgreifend die Erwartungen an die Akteur*innen innerhalb der Institution. Vor diesem Hintergrund kommt der Begleitung von Neuberufenen eine besondere Bedeutung zu. An der TH Köln nehmen alle neuberufenen Professor*innen verpflichtend am “Coaching für Wissenschaftspraxis. Lehre, Forschung und Transfer vernetzen” (Friede & Wunderlich, i.E.) teil. Das Programm besteht aus dem Workshop Lehren–Lernen–Prüfen, 18 Stunden Einzelcoaching, Peergruppentreffen sowie einer ganztägigen Diskurswerkstatt, in der die Neuberufenen Beiträge zu den Themen des Programms präsentieren. Alle Formate ermöglichen Freiraum und Eigenverantwortung, zugleich aber auch Auseinandersetzung mit den hochschulstrategischen Leitlinien. Damit verbindet das Programm zwei Ebenen: Es greift einerseits den normativen Rahmen im Sinne transformativer Wissenschaftspraxis auf und eröffnet andererseits geschützte Räume, um diesen Rahmen individuell zu reflektieren. Unser Beitrag zeigt, wie das Programm Neuberufene darin unterstützt, ihre Professur als Chance zur Mitgestaltung von Hochschule und Gesellschaft zu verstehen und ihnen Raum zum Ankommen, zur Profilbildung und zur Verfolgung eigener Interessen zu lässt. Zugespitzt: Wie balancieren wir strategische Ansprüche in ungewohnten Bereichen mit der Vulnerabilität des Neuberufenenstatus? Wie kann es gelingen, zu Transformation einzuladen, wenn dies zunächst unbequem und mit großer Unsicherheit verbunden ist? Woran erkennt eine Hochschule, dass Neuberufene diesen neuen Kurs mitgehen? Diversitätsgerechte(re) Hochschullehre durch Universal Design for Learning: Einblick in das Projekt Mehr UDL in der Lehre an der Universität Hamburg Universität Hamburg, Deutschland Die Sozialerhebungen zeigen, dass die Studierendenschaft an deutschen Hochschulen zunehmend vielfältiger wird (Kroher et al. 2023; Middendorf et al. 2017): Etwa 24% der Studierenden sind von Beeinträchtigungen betroffen, rund 12% übernehmen Care-Aufgaben, 17% haben einen Migrationshintergrund und ca. 15% sind internationale Studierende. Diese Entwicklung prägt auch den Hochschulstandort Hamburg und beeinflusst die Umsetzung der Lehr- und Unterstützungsangebote. Um den unterschiedlichen Voraussetzungen und Lernbedarfen der Studierenden besser gerecht zu werden, bietet sich das international erprobte Konzept Universal Design for Learning (UDL) an (Cumming & Rose 2022; Reardon et al. 2021; Schütt & Peschke 2024). Ziel von UDL ist es, Lehr- und Lernsettings von Anfang an und damit proaktiv diversitätsgerecht(er) zu gestalten, sodass die größtmögliche Passung für alle Studierenden erreicht wird sowie die Reduktion von individuellen Maßnahmen (Nachteilsausgleiche) gelingen kann (Peschke & Schütt 2024; Fornauf & Dangora Erickson 2020). In Deutschland liegen bisher eingeschränkte Erfahrungen mit dem Konzept vor. Lediglich in der Hochschullehre zur Lehrkräfteausbildung wurde es an verschiedenen Hochschulstandorten eingesetzt (Bartz et al. 2018; Schütt & Degenhardt 2020). Um die Chancen und Herausforderungen des Konzepts disziplinenübergreifend besser erfahrbar zu machen, wurde das Projekt Mehr UDL in der Lehre an der UHH installiert. Lehrende verschiedener Fakultäten werden unterstützt, ihre LV zu reflektieren und Anpassungen gemäß UDL vorzunehmen. Dafür sind zwei wesentliche Zielstellungen gesetzt: (1) eine dynamisch wachsende Wissenssammlung zu UDL in der Lehre (Ideensammlung mit Best-Practice, QuickGuide Expertenvorträge u.a.) und (2) die Bereitstellung von Ressourcen für die Umsetzung in LV in Form von fachinhaltlichen, personellen und organisatorischen Supportstrukturen (Workshops für Lehrende, Sachmittel u.a.). Mittels des Posters werden der aktuelle Projektstand sowie entstandene Materialien, die hochschulübergreifend nutzbar sind, präsentiert. Zusätzlich soll ein Ausblick auf das weitere Vorgehen, besonders die Evaluation der Maßnahmen (studentische Gruppendiskussion, Begleitung der Communities of Practice), diskutiert werden. Applied Ethics in Public Policy 1Interdisziplinäres Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Universität Tübingen, Deutschland; 2Bundesamt für Umwelt, BAFU, Schweiz; 3Philosophisches Seminar, Universität Zürich, Schweiz; 4Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich, Schweiz Rasante technologische Entwicklungen – etwa im Bereich künstlicher Intelligenz oder synthetischer Biologie – eröffnen enorme Chancen, bergen jedoch auch potenziell schwerwiegende Risiken für gesellschaftlich und wirtschaftlich relevante Bereiche. Gleichzeitig schreiten globale Umweltentwicklungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust oder chemische Verschmutzung ungebremst voran. Diese Spannungen zwischen Potenzial und Gefahr erzeugen Unsicherheit, verstärken gesellschaftliche Kontroversen und rufen nach ethischer Orientierung. Auch öffentliche Verwaltungen stehen vor der Aufgabe, auf dieser Basis tragfähige Regelungen und politische Entscheidungen vorzubereiten. Das Projekt Applied Ethics in Public Policy widmet sich daher der Ethikberatung in öffentlichen Verwaltungen. Es wird in Kooperation zwischen dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, der Universität Zürich sowie zwei Schweizer Bundesbehörden (Bundesamt für Umwelt, Eidgenössische Ethikkommission für die Biotechnologie im Ausserhumanbereich) durchgeführt, die über ausgewiesene Praxisexpertise in Ethikberatung verfügen. Im Mittelpunkt stehen zwei Leitfragen: (1) Welche Kompetenzen benötigen Menschen, die in öffentlichen Verwaltungen Ethikberatung betreiben? (2) Wie kann die universitäre Ethiklehre solche Kompetenzen fördern? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir zwei Workshops mit Stakeholdern aus der Verwaltungspraxis durchgeführt. Dort wurden die zu stärkenden Kompetenzen diskutiert, u.a., dass interdisziplinäres Denken, um heterogene Wissensbestände in ethischen Urteilen zu integrieren; kritisches Denken, um divergierende moralische Aussagen zu erkennen und einzuordnen; und systemisches Denken, um ethische Fragestellungen im jeweiligen institutionellen und rechtlichen Kontext zu verorten. Das innovative Potenzial des Projekts liegt darin, ein Berufsfeld sichtbar zu machen, das in der universitären Ethiklehre bislang kaum Beachtung findet, für die Praxis öffentlicher Verwaltungen jedoch essenziell ist. Der Vortrag stellt zentrale Ergebnisse der Workshops vor und zeigt auf, wie universitäre Ethiklehre konzeptionell und didaktisch erweitert werden kann, um solche Kompetenzen zu fördern. Zugleich werden Transferpotenziale für NGOs, wissenschaftliche Weiterbildung und die anwendungsorientierte Ethik insgesamt aufgezeigt. Kontroverse Schnittstellen: Normative Herausforderungen des Feldzugangs in der Computational Social Science Zentrum für Schul- und Bildungsforschung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland Die Gewinnung und Analyse riesiger, unstrukturierter Datenbestände eröffnet für die Computational Social Science (CSS) neue Möglichkeiten, gesellschaftliche Prozesse in größer skalierten Dimensionen sowie unter Einsatz von Mixed-Methods-Designs zu untersuchen. Dabei ist der Zugang zu diesen Daten jedoch Gegenstand normativ-geprägter Auseinandersetzungen: Er ist häufig beschränkt und wird zwischen unterschiedlichen Interessengruppen hart umkämpft. Forschende stehen daher vor der Entscheidung, formelle Kooperationen mit Dateninstitutionen einzugehen oder informelle Verfahren wie Webscraping und Grauzonen-API zu nutzen. Besonders heikel erscheinen in diesem Zusammenhang staatlich verwaltete Datenbanken. Während privatwirtschaftliche Akteure zwar ebenfalls restriktiv mit den von ihnen gespeicherten Daten umgehen, verschärft sich hier die Problemlage durch die enge Verflechtung von öffentlicher Forschung und staatlicher Forschungsförderung. Ein unautorisierter Zugang birgt damit nicht nur rechtliche Risiken, sondern kann auch das Vertrauen zwischen Forschenden und staatlichen Dateninstitutionen beschädigen – mit negativen Konsequenzen für künftige Kooperationen und Fördermöglichkeiten. Der Beitrag skizziert zwei Wege des Feldzugangs: den inoffiziellen, technisch ermöglichten Zugang, der bereits explorative Analysen und (maschinelles) Lernen an realen Daten erlaubt, zugleich aber in normativen Grauzonen operiert und den offiziell ausgehandelten Zugang, der forschungsethisch geboten und zudem geeignet ist, nachhaltige Forschungspartnerschaften aufzubauen, jedoch durch administrative Hürden, lange Bearbeitungszeiten und beschränkte Kapazitäten limitiert bleibt. Im Zentrum steht die Frage, wie Forschende zwischen wissenschaftlicher Neugier und institutioneller Datenhoheit integer navigieren sollen. Als analytische Kontrastfolie werden Beispiele ethnografischer Feldforschung in devianten Milieus herangezogen. Sie unterscheiden sich zwar methodisch deutlich von Big-Data-Analysen, lassen jedoch sichtbar werden, dass sich Fragen nach Legitimität, Verantwortung und Wagemut bei der Überwindung von Feldzugangsbarrieren in ähnlicher Weise stellen und kreativ beantworten lassen. Der Vergleich zeigt: Feldzugänge sind nie nur technisch-methodische, sondern immer auch normative Herausforderungen. | ||