Veranstaltungsprogramm
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Session 1.05: Open Track
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Wie frei sind private Hochschulen? Eine longitudinale Analyse des Wechselverhältnisses zwischen Träger-, Ressourcenbeziehungen und Studienfächern Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland Private Hochschulen finanzieren sich überwiegend durch Studiengebühren, Spenden, private Stiftungen oder Zuwendungen privatwirtschaftlicher Träger (Mitterle 2017). Sie verfügen in der Regel kaum über eigene Rücklagen und Ressourcen und sind abhängig von Entwicklungen der Studiennachfrage, eigenen Unternehmensentscheidungen oder jenen der Trägerorganisationen (Hansen et al. 2025). Zugleich unterliegt das akademische Personal an privaten Hochschulen besonderen grundgesetzlichen Schutzrechten: der Freiheit von Lehre und Forschung. Während sich im staatlichen Hochschulsektor das Verhältnis von Staatseingriff und akademischer Freiheit über Jahrhunderte in der Doppelstruktur von Körperschaft öffentlichen Rechts und staatlichen Einrichtungen institutionalisiert hat und in einer Reihe von Verfassungsgerichtsentscheidungen spezifiziert wurde, so ist dies im staatlich anerkannten privaten Hochschulsektor noch weitestgehend ungeklärt (Würtenberger 2020). Mit der Einführung von Akkreditierungsverfahren durch den Wissenschaftsrat existieren bundesweite Mindeststandards (ausreichende akademische Selbstverwaltung, unabhängige wissenschaftliche Kultur); allerdings ist die Anerkennung privater Hochschulen nicht an eine rechtsfähige [RB1] Körperschaft der Hochschule geknüpft, sondern an jene des Trägers: dieser trägt die finanzielle Verantwortung, nicht die Hochschule. Es lässt sich vermuten, dass der Fortbestand von Hochschulen im unmittelbaren Zusammenhang mit den sozialen Erwartungen des Trägers oder Förderers und/oder den ökonomischen Erfordernissen des Marktes steht, ihre Freiheit also an diese sozialen und ökonomischen Vorgaben geknüpft ist. Der Vortrag prüft, inwiefern sich Veränderungen in den Legitimations- und Ressourcenbeziehungen einer Hochschule auf deren Ausrichtung und das organisationsbezogene Überleben auswirken. Grundlage sind die Wandeltrajektorien aller seit 1945 staatlich anerkannten Hochschulen, d.h. alle relevanten Formveränderungen in den Lebensläufen privater Hochschulen. Für die Analyse werden Finanzierung und Eigentumsverhältnisse privater Hochschulen in Deutschland ab 2005 über Unternehmensregisterdaten, Geschäftsberichte und weitere historische Datensätze (idw-Meldungen, Destatis etc.) rekonstruiert und mit ausgewählten Umweltbeziehungen abgeglichen, die einerseits Veränderungen in der Studierendennachfrage (Studienfächer, Studierendenzahlen) und andererseits die Selbstwahrnehmung privater Hochschulen als höhere Bildungseinrichtungen betreffen (Akkreditierungsverfahren, Wettbewerbsdaten). Mithilfe von bildgebenden Verfahren werden die institutionellen Beziehungsstrukturen privater Hochschulen dargestellt, über Panelanalysen geprüft und die Ergebnisse mit qualitativen Fallanalysen kontrastiert. „Studium, Job & Familie im Einklang.“ – Welche Rolle spielen Vereinbarkeitsbedarfe von Studierenden für die Konzentration flexibler Studienformen im privaten Hochschulsektor? Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung GmbH (DZHW), Deutschland Die Möglichkeit zum zeitlich flexiblen und ortsunabhängigen Studieren ist eines der markantesten Merkmale des privaten Hochschulsektors in Deutschland. Während an staatlichen Hochschulen lediglich ein Viertel aller Bachelor- und Masterstudiengänge als Teilzeit-, Fern- oder berufsbegleitendes Studium konzipiert ist, trifft dies auf 60% der Studiengänge an privaten Hochschulen zu (Hochschulkompass, 2025). Flexible Studienformate gelten als Schlüssel für die Rekrutierung neuer Studierendengruppen, insbesondere Berufstätiger sowie Studieninteressierter mit Sorgeaufgaben (z.B. Buß, 2019). Unklar ist jedoch, ob die insbesondere an privaten Fachhochschulen bestehende Konzentration flexibler Studienformen tatsächlich mit einer besonderen Studierendenkomposition einhergeht. Der Beitrag untersucht daher, inwiefern der höhere Anteil flexibel Studierender an privaten Fachhochschulen mit den Vereinbarkeitsbedarfen ihrer Studierenden zusammenhängt, welche Bedarfe besonders relevant sind und ob flexible Formate darüber hinaus auch für andere Studierendengruppen ohne Vereinbarkeitsdruck attraktiv sind. Basierend auf einem aktuellen Querschnittsdatensatz von Studierenden in Deutschland (Becker et al., 2024) wird der Unterschied zwischen Studierenden privater und öffentlicher Fachhochschulen im Anteil flexibel Studierender (Teilzeit-, Fern-, berufsbegleitendes Studium) erklärt. Mithilfe von Dekompositionsanalysen (Fairlie, 2005) wird der Gruppenunterschied in einen durch die Studierendenkomposition (Vereinbarkeitsbedarfe wie Erwerbstätigkeit, Sorgeaufgaben) erklärten und einen unerklärten Anteil (Struktureffekt) zerlegt. Die Analyseergebnisse bestätigen, dass Studierende privater Hochschulen eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit (+52 Prozentpunkte) haben, in einem flexiblen Studienformat eingeschrieben zu sein. Etwa die Hälfte dieses Unterschieds lässt sich durch höhere Vereinbarkeitsbedarfe erklären, insbesondere durch parallele Erwerbstätigkeit im erlernten Beruf. Ein beachtlicher Restunterschied lässt sich jedoch nicht auf die modellierten Vereinbarkeitsbedarfe zurückführen. Dies verweist womöglich auf einen eigenständigen Effekt des Angebotsprofils privater Hochschulen, das offenbar auch Studierende ohne besonderen Vereinbarkeitsdruck in flexible Formate zieht. Die Befunde unterstreichen, dass flexible Studienmodelle zwar zur Öffnung der Hochschulen für neue Gruppen beitragen, zugleich aber auch ein allgemeines Attraktivitätsmerkmal im Wettbewerb der Hochschulen darstellen. Hochschulpolitisch stellt sich daher die Frage, wie öffentliche Hochschulen auf diese Nachfrage reagieren können, um Chancengleichheit und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Der (visuelle) Diskurs US-Amerikanischer Universitäten in US-Qualitätszeitschriften und Alt-Right-Medien seit der Inauguration Trumps 2025. INCHER, Universität Kassel, Deutschland Die Angriffe auf US-Universitäten haben spätestens seit der Inauguration von Donald Trump im Jahr 2025 massiv zugenommen. Das zeigen beispielsweise die Erlasse zu DEI-Initiativen (diversity, equity, inclusion), oder der Abbau des Bildungsministeriums unter Mithilfe von Musks DOGE. Diese Maßnahmen wurden nur durch die Trump-Administration selbst argumentativ vorbereitet (Project 2025), sondern auch durch unterschiedliche Medien vorweggenommen, aufgenommen, kommentiert, bebildert, gerahmt und auf diese Weise in die breitere Bevölkerung transportiert. | ||