21. Jahrestagung der
Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf)
18.-20. März 2026 | Universität Paderborn
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 09. März 2026 23:59:22 MEZ
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Sitzungsübersicht |
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Session 2.04: Governance
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Steuerungsmodi im Third Space: Eine qualitativ-rekonstruktive Typologie der Projektkoordination in Hochschulentwicklungsprojekten Universität Bamberg, Deutschland Hintergrund und Forschungsfrage Während die Forschung zu Higher-Education-Managern Aufgabenprofile und Kompetenzen herausarbeitet (Hoelscher/Lauer, 2024; Kehm,2013; Krempkow/Höhle,2021; Rathke et al.,2023), bleibt das Steuerungshandeln von Projektkoordinator:innen unterbelichtet. Der Beitrag fragt daher, welches Rollenselbstverständnis Projektkoordinator:innen im Steuerungshandeln zeigen und welche idealtypischen Rollenmuster darin sichtbar werden. Methodik Analytisch leitend waren fünf aus Theorie und Kategoriensystem abgeleitete analytische Unterscheidungsmerkmale: Kommunikationspraktiken, Entscheidungsfindungsprozesse, Umgang mit Hierarchien und organisationalen Vorgaben sowie Rollenselbstverständnis. Die hieraus entwickelten Unterscheidungsdimensionen strukturieren die spätere Typologie, welche iterativ geprüft, präzisiert und mit Ankerbeispielen versehen wurde. Ergebnisse und Diskussion Sie zeigen, wie Koordinationslücken ohne formale Weisungsbefugnis geschlossen, Entscheidungshorizonte erzeugt und divergierende Logiken zwischen Wissenschaft und Verwaltung situativ verbunden werden können. In der Diskussion werden die Modi als praktische Antworten auf lose Kopplung und Third-Space-Konstellationen gedeutet, mit Implikationen für Professionalisierung und Organisationsgestaltung. Sichtbar werden Bedarfe nach institutioneller Verankerung von Koordinationsrollen, klaren Verantwortlichkeiten, angemessenen operativen Entscheidungsspielräumen und definierten Eskalationspfaden. Damit bietet der Beitrag eine empirisch fundierte Linse, das Steuerungshandeln in Hochschulentwicklungsprojekten systematisch zu erfassen und für Praxis und Forschung fruchtbar zu machen. Werte in der Hochschulgovernance Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Deutschland Der Diskurs in Hochschulforschung und -praxis zeigt, dass das New Public Management (NPM) seinen Zenit als Leitidee der Hochschulgovernance im deutschen Hochschulsystem zweifellos überschritten hat. Bislang gibt es jedoch keinen Konsens bezüglich der Frage, wie sich der aktuelle Entwicklungsstand der Hochschulgovernance treffend auf den Begriff bringen lässt [1]. Der theoretisch-konzeptionelle Beitrag formuliert in dieser Situation einen zeitdiagnostischen Vorschlag, der Veränderungen der inhärenten Normativität von Hochschulgovernance in den Mittelpunkt rückt. Grundlegend ist die These, dass sich in Abgrenzung zum NPM und im Zuge des gesellschaftlichen Wertewandels die Governance der deutschen Hochschulen durch ein verstärktes Eindringen gesellschaftlicher Werte umgeformt hat [2]. Werte werden dabei verstanden als hochgeneralisierte, in der Regel implizite, interpretations- und operationalisierungsbedürftige Gesichtspunkte des Vorzugswürdigen [3], die in gesellschaftlichen Diskursen verhandelt werden und zentrale Referenzpunkte sozialer Ordnungsvorstellungen sind. Während das NPM als ausdrückliches Reformmodell „instrumentelle“ Werte wie Effizienz, Effektivität, Subsidiarität oder Exzellenz betont hat, ist das neue Governanceregime im Hochschulbereich durch die verstärkte diskursive Thematisierung pluraler Werteerwartungen gekennzeichnet, die neben instrumentellen vor allem zahlreiche substanzielle Vorzugswürdigkeiten akzentuieren (z.B. Diversität, Nachhaltigkeit, wirtschaftliche Prosperität, Chancengleichheit, Demokratie u.v.a.m.). Die diskursive Verhandlung und durch verschiedene Goverancemechanismen forcierte Implementierung dieser Werte in den Hochschulen führt allerdings zu Konflikten: oft sind Werterwartungen (wie z.B. Wissenschaftsfreiheit und nachhaltiges Reisen) auf operativer Ebene inkompatibel, und in der akademischen Welt verankerte Diskurse (z.B. Gleichberechtigung der Geschlechter oder Internationalität) geraten in Konflikt mit antagonistischen Tendenzen in der gesellschaftlichen Umwelt (z.B. Autoritarismus, Nationalismus, Wissenschaftsfeindlichkeit u.a.m.). Anhand des Beispiels des Diskurses um Nachhaltigkeit in Hochschule und Wissenschaft formuliert der Beitrag auf differenzierungstheoretischer (Schimank) und organisationssoziologischer (Luhmann) Grundlage erste Antworten auf die Fragen, welche Ursprünge der wertebasierten Hochschulgovernance der Gegenwart zugrundeliegen, über welche Governancemechanismen sie erfolgt und – vor allem - welche strukturverändernden Wirkungen die wertefokussierte Governance auf das Hochschulsystem insgesamt und die Strukturen der Hochschulen als Organisationen ausübt. Wie prägen Organisationskulturen die Datennutzung in Hochschulen? Eine Untersuchung der Bedingungen und Mechanismen am Beispiel der Nachwuchsförderung Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Deutschland Der Anspruch evidenzinformierten Gestaltungshandelns sowie Diagnosen einer „Datafication“ von Hochschulen sind im internationalen Diskurs fest verankert (Beerkens 2018; Gagliardi/Johnson 2020; Zheng/Webber 2020). Zahlreiche Studien betonen die Bedeutung organisationaler Strukturen und Kulturen für erfolgreiche Datennutzungspraktiken, jedoch sind die zugrunde liegenden Mechanismen bislang nur unzureichend untersucht (Thiedig/Wegner 2024). Zudem stammt ein Großteil der bisherigen Erkenntnisse aus angelsächsischen Kontexten, wodurch ihre Generalisierbarkeit begrenzt ist. In unserem Beitrag untersuchen wir, mittels welcher Mechanismen hochschulspezifische Evidenzkulturen die Nutzung von Befragungs- und Prozessdaten im Handlungsfeld der Nachwuchsförderung ermöglichen oder einschränken. In unserer Analyse greifen wir auf das Konzept der Qualitätskulturen (Hildesheim/Sonntag 2020, Bendermacher et al. 2019) sowie Frameworks zur Evidenznutzung zurück (Rickinson et al., 2022). Wir verwenden einen fallbasierten Ansatz, um zu zeigen, welche Dimensionen und Elemente von Evidenzkulturen in konkreten Datennutzungssituationen an Hochschulen sichtbar werden, wie diese interagieren und inwiefern dadurch die Erschließung von Daten bzw. die Übersetzung in Gestaltungshandeln beeinflusst wird. Die Datenbasis bilden Fallstudien an 16 Universitäten in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Diese umfassten (1) Dokumentenanalysen (z.B. von Organigrammen, Selbstbeschreibungen, Satzungen) sowie (2) leitfadengestützte Expert*inneninterviews in Graduiertenakademien und Organisationseinheiten wie z.B. dem Qualitätsmanagement oder dem akademischen Controlling. Die fallübergreifenden Analysen verdeutlichen, dass Daten primär dann gestaltungswirksam werden, wenn die Evidenzkultur sowohl auf der formal-strukturellen Ebene als auch in den kollektiven und individuellen Praktiken der Hochschulleitung, einzelner Organisationseinheiten und deren Mitarbeitenden verankert ist. Eine ausgeprägte kollektive Evidenzkultur erweist sich als zentraler Treiber: Wurde die Erhebung und Nutzung von Daten frühzeitig seitens der Universitätsleitung unterstützt und priorisiert, verfügen diese Hochschulen über (1) geeignete Instrumente (wie Indikatoren oder Umfragen, qualitätsgesicherte Basisdaten), (2) klar definierte Zuständigkeiten für die Erhebung, Analyse und Kommunikation von Ergebnissen sowie (3) ein gemeinsames Verständnis der Verwendungszwecke ihrer Daten. Diese formalen strukturellen Elemente bilden die Grundlage dafür, dass Datenverwendungsprozesse nicht bereits in frühen Stadien aufgrund einer unzureichenden Datenbasis scheitern. | ||