21. Jahrestagung der
Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf)
18.-20. März 2026 | Universität Paderborn
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 09. März 2026 22:30:49 MEZ
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Sitzungsübersicht |
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Session 1.01: Demokratie und Demokratiebildung
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Der Hochschulzugang zwischen demokratischen Grundrechten, hoher Studienqualität und normativen Zwängen DZHW (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung), Deutschland In demokratischen Staatswesen haben freiheitliche Grundrechte einen hohen Stellenwert. So ist in Deutschland beispielsweise das Recht auf eine freie Wahl des Berufs, des Arbeitsplatzes und der Ausbildungsstätte in Art. 12 des Grundgesetzes normiert. Aus dieser Norm folgt gemäß der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts das Erfordernis der erschöpfenden Nutzung der vorhandenen Ausbildungskapazitäten an Hochschulen, ehe absolute Zulassungsbeschränkungen erlassen werden dürfen (BVerfGE 33, 303). Eine weitere normative Ausgestaltung hierzu ist im Kapazitätsrecht erfolgt. Mit dem erneuerten Staatsvertrag über die Vergabe von Studienplätzen aus dem Jahr 2006 ist der frühere Art. 7 Abs. 6 entfallen, nach dem die Vorschriften zur Kapazitätsermittlung in den Studiengängen der bundesweiten zentralen Vergabe entsprechend auch für Studiengänge mit örtlichen Zugangsbeschränkungen galten. Infolgedessen konnten die Länder individuelle Regelungen treffen, und seither haben sich die Modelle des Kapazitätsrechts partiell auseinanderentwickelt. Deutlich wird dies schon dadurch, dass ein Teil der Länder traditionell mit festen Curricularnormwerten arbeitet, während andere ein Bandbreitenmodell realisiert haben (vgl. Borgwardt 2017); die Unterschiede gehen aber noch deutlich darüber hinaus. Zugleich entwickeln viele Hochschulen im Rahmen ihrer Hochschulautonomie und zur eigenen Profilbildung in unterschiedlicher Weise ihre Studienqualität weiter, etwa indem sie beispielsweise neue Lehr/Lern-Formen in die Studienprogramme integrieren, mehr Wahlveranstaltungen anbieten und kleinere Lerngruppen anstreben. Der Vortrag untersucht, inwiefern in rechtlichen Normen zum Hochschulzugang einerseits und der Studienqualitätsentwicklung an den Hochschulen andererseits unterschiedliche Wertvorstellungen in ein Spannungsverhältnis treten (vgl. Haake 2023; Angelé 2023: 30-34) und an welchen Stellen in welcher Weise Flexibilitäten bestehen, zwischen widerstreitenden Werten zu vermitteln. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf Kapazitätsberechnungen als ein Steuerungsinstrument neben anderen gelegt und untersucht, wie hier auf aktuelle Entwicklungen im Hochschulbereich reagiert werden kann. Hierzu greift der Vortrag auf Ergebnisse eines Forschungsprojekts zurück, das von 10/2024 bis 12/2015 am DZHW unter Einbeziehung von Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaftsministerien sowie von Hochschulen aller Bundesländer realisiert wurde. „Indoktrination“ durch demokratische Hochschulbildung? – Sondierungen zum Verhältnis von Wissenschaft und Demokratie aus Perspektive von Wissenschaftsforschung und -geschichte Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland Das Hochschulrahmengesetz verpflichtet bundesdeutsche Hochschulen seit 1976 dazu, ihre Studierenden „zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat“ zu befähigen (§ 7 HRG). Ähnliches ist seit 2017 in der Musterrechtsverordnung in der Dimension der „Persönlichkeitsbildung“ verankert (§11 Abs. 1 MRVO). Jüngste empirische Befunde des Verbundprojekts „GesDimS – Gesellschaftlich-demokratische Teilhabe als Dimension des Studienerfolgs” legen allerdings nahe, dass die Umsetzung dieses Auftrags bislang kaum auf der Agenda der Hochschulen steht (z.B. Mauermeister & Maas 2025).[1] Expert:inneninterviews mit Leitungspersonal aus dem Qualitätsmanagement Studium und Lehre weisen dabei auf Probleme bei der Operationalisierung dieser Anforderungen hin, die besonders mit deren normativen Gehalten verbunden sind (Behm 2025b; vgl. ähnliche Problembefunde am Beispiel eines wissenschaftsbezogenen Rechtspopulismus/-extremismus an Hochschulen Haker & Otterspeer 2023a, b). In dem Vortrag sollen die Ergebnisse von „GesDimS“ grob skizziert werden. Angesetzt wird jedoch primär an der in einem der Interviews übermittelten Wahrnehmung des demokratisch orientierten Bildungsauftrags als „politische[…] Indoktrination“ (Behm 2025b, S. 151). Diese für die Interviewerin zunächst kaum nachvollziehbare Einordnung soll unter Rückgriff auf die von Hagner (2012) aus Sicht von Wissenschaftsforschung und -geschichte angebotenen drei Phasen des Verhältnisses von Wissenschaft und Demokratie im 20. Jahrhundert kontextualisiert und zugänglich gemacht werden. Kritisch an Hagner anknüpfend wird dabei die These einer spätestens in den 2020er Jahren begonnenen vierten Phase dieser Beziehung (Behm 2025a, S. 19–23) weiterentwickelt, auf aktuelle Debatten bezogen (z.B. Friedman 2023; Beyer & Schauer 2021) und zur Diskussion gestellt. Sondiert werden ausblickend insbesondere die normativen Rückwirkungen dieser Diagnostik auf den im HRG verankerten Auftrag zu einer demokratisch orientierten Hochschulbildung. [1] Das Verbundprojekt von Universität Potsdam und dem HoF Halle-Wittenberg wurde 2021–2024 aus Mitteln des BMBF gefördert (FKZ: 16PX21009A, 16PX21009B). Zukunft gestalten lernen: Die Zukunftswerkstatt als demokratieförderndes Lehr-Lern-Format in der Hochschulbildung FernUniversität in Hagen, Deutschland Die Frage, wie Menschen darauf vorbereitet werden können, vor dem Hintergrund von Polykrisen, der Klimakatastrophe, aber auch den aktuellen demokratiegefährenden Entwicklungen handlungsfähig zu werden und zu bleiben, gewinnt zunehmend an Dringlichkeit. Dieses Thema hat in den letzten Jahren insbesondere im Rahmen von hochschul- und bildungspolitischen Dokumenten (u.a. UNESCO, 2021) an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es immer wieder um das Erlangen einer sogenannten Futures Literacy, also einer Zukunftsgestaltungskompetenz, die das Neudenken, das Imaginieren, Antizipieren und Visionieren von Zukünften und das Berücksichtigen dieser Vorstellungen in der Gestaltung der Gegenwart ermöglichen soll (Miller, 2018; Sippl et al., 2023). Für die Hochschulbildung rückt damit die Frage in den Fokus, durch welche Lehr-Lern-Formate diese Zukunftsgestaltungskompetenz in die Hochschullehre integriert werden kann. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Zukunftswerkstatt als Methode, die in den 1970er Jahren über die Friedens- und Demokratiebewegung Eingang in den Bildungsbereich als „Veränderungen von unten“ (Müllert 2009, S. 271) gefunden und als Form der partizipativen Bildungsarbeit den Anspruch hat, zukunftsorientiert und demokratiefördernd zu wirken (Jungk & Müllert, 1981; Müllert, 2009). Sie wird in einem Modul zu Erwachsenen- und Weiterbildung im bildungswissenschaftlichen Masterstudium an einer FernUniversität eingesetzt: als partizipative Methode der Erwachsenenbildung und als Format der Selbstermächtigung und der Demokratisierung. Der Vortrag geht der Frage nach, inwiefern die Zukunftswerkstatt als Lernraum Prozesse der Selbstermächtigung anregen kann – verstanden als die Fähigkeit, gesellschaftliche Herausforderungen wahrzunehmen, kritisch zu reflektieren und daraus selbstbestimmt Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurden die von den Studierenden verfassten Methodenreflexionen sowie die im Rahmen des Moduls entwickelten Konzepte ausgewertet. Diese Materialien geben Aufschluss darüber, welche Reflexions- und Lernprozesse die Studierenden im Rahmen der Zukunftswerkstatt durchlaufen und inwiefern diese Erfahrungen dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen zu antizipieren und eigene Handlungsperspektiven zu entwickeln. | ||