21. Jahrestagung der
Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf)
18.-20. März 2026 | Universität Paderborn
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Aug. 2026 02:46:18 MESZ
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Tagesübersicht |
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Session 1.02: Fremdheitserfahrungen bezogen auf Behinderungen Ort: Raum L1.202 Chair der Sitzung: Robert Aust, Macromedia University of Applied Sciences | |
| Präsentation 1 | |
Das Sprechen über Studierende mit Behinderungen. Ergebnisse einer europäisch-vergleichenden Diskursanalyse Macromedia University of Applied Sciences, Deutschland Behinderung ist längst nicht mehr auf ein einzelnes Land beschränkt, sondern wird durch transnationale Diskurse geprägt (vgl. Goodley, 2011). Damit geraten auch inklusive Praktiken im Hochschulbereich verstärkt in globale Deutungsraster (Allemann-Ghionda 2021). Obwohl das Thema Behinderung im Hochschulkontext durch die UN-BRK eine erhöhte politische Aufmerksamkeit erfahren hat, ist das wissenschaftliche Interesse daran vergleichsweise spät entstanden. Es herrscht nach wie vor ein Mangel an konzeptioneller Klarheit darüber, wie Behinderung in unterschiedlichen europäischen Kontexten sprachlich und kulturell konstruiert wird. Initiativen wie der Bologna-Prozess (Crosier & Parveva, 2013) oder die Europäische Behindertenstrategie (Aust 2016) betonen zwar die Notwendigkeit vergleichender Forschung zur Situation von Studierenden mit Behinderungen, doch umfassende länderübergreifende Analysen sind bislang selten (Allemann-Ghionda 2021; Powell & Solga 2010). Der Beitrag nutzt einen europäisch-vergleichenden Zugang und ist im Feld der Disability Studies verortet (Waldschmidt 2018, 2020). Diese verstehen Behinderung nicht als objektive Gegebenheit, sondern als sozial und kulturell hervorgebrachtes Phänomen. Die Analyse stützt sich methodisch auf diskurstheoretische Konzepte, insbesondere auf Foucaults Überlegungen zu Macht, Wissen und Subjektivierung (u.a. Foucault 1989, 2017) sowie auf Butlers Ansätze der Performativität und Iterabilität (Butler 2016a, 2016b). Im Rahmen der Untersuchung werden leitfadengestützte Interviews mit Mitarbeitenden an fünf europäischen Universitäten analysiert. Ziel ist die Rekonstruktion der Diskurse über Studierende mit Behinderungen sowie die Herausarbeitung der in diesen Diskursen wirksamen Normen und Machtverhältnisse. Die Ergebnisse (Aust 2025) zeigen, dass die Diskurse über Studierende mit Behinderungen zwischen normativen Regulierungsmechanismen und individueller Anerkennung oszillieren. Trotz politischer Bemühungen bleibt die Figur des „normalen“ Studierenden stark an nicht-behinderte Maßstäbe gekoppelt. Behinderung wird weiterhin als Abweichung von einer begehrten Normalität gefasst – eine Vorstellung, die auf tief verankerte medizinische und psychologische Paradigmen verweist. Rechtliche Maßnahmen erweisen sich unter diesen Bedingungen als unzureichend, um Inklusion umzusetzen. Ein grundlegender Perspektivwechsel ist erforderlich, in dessen Folge Behinderung Teil hochschulischer Praxis ist. | |