21. Jahrestagung der
Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf)
18.-20. März 2026 | Universität Paderborn
Veranstaltungsprogramm
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Die momentane Konferenzzeit ist: 24. Aug. 2026 02:47:06 MESZ
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Tagesübersicht |
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Session 4.03: Theorien über Theorien Ort: Raum L2.201 Chair der Sitzung: Dr. Christian Schneijderberg, Universität Kassel | |
| Präsentation 1 | |
Epistemische Autorität im Wandel der Zeit: Selbstbeschreibungen der Wissenschaft im Zeichen epistemischer Krisen Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Deutschland In aktuellen Debatten um Wissenschaft und Gesellschaft verdichten sich Diagnosen einer „Krise der Faktizität“ (van Dyk 2017; Kaldewey 2025), einer Erosion epistemischer Autorität und einer gleichzeitigen Überdehnung wissenschaftlicher Geltungsansprüche (Vogelmann 2023; Strohschneider 2024). Phänomene wie der politische Umgang mit alternative facts (Kumkar 2022) verweisen dabei auf eine tiefgreifende Verschiebung epistemischer Ordnungen: Die Unterscheidung zwischen wissenschaftlicher Evidenz und Meinung, zwischen Expertise und Interessenbekundung, verliert an Selbstverständlichkeit. Zwischen Wissenschaftsverachtung und autoritärem Szientismus zeigt sich ein ambivalentes Verhältnis zur Normativität wissenschaftlicher Praxis: Einerseits wird Objektivität als Garant legitimer Erkenntnis verteidigt, andererseits wird wissenschaftliches Wissen zunehmend in politische und moralische Auseinandersetzungen hineingezogen. Der Beitrag argumentiert, dass diese Spannungen nicht bloß Vertrauenskrisen markieren, sondern Ausdruck einer tiefergehenden symbolischen Rekonfiguration epistemischer Autorität sind. Aufbauend auf Max Webers Entzauberungsdiagnose wird vorgeschlagen, gegenwärtige Umbrüche als Entzauberung dritter Ordnung zu verstehen – eine Entzauberung der Wissenschaft durch die Gesellschaft. Im Unterschied zur klassischen „Entzauberung der Welt“ (erste Ordnung) und zur reflexiven Selbstkritik der Wissenschaften (zweite Ordnung) verweist diese dritte Entzauberung auf Prozesse öffentlicher Aneignung, moralischer Aufladung und instrumenteller Überforderung wissenschaftlicher Rationalität. Analysiert wird, wie sich in diesen Prozessen neue normative Selbstbeschreibungen der Wissenschaft herausbilden: als letzte Orientierungsinstanz, als moralische Autorität oder als umkämpfter Akteur im politischen Diskurs. Die Untersuchung versteht diese Narrative als Ausdruck einer kollektiven Neuverhandlung des wissenschaftlichen Wahrheitsversprechens. Damit leistet der Beitrag einen Beitrag zur hochschul- und wissenschaftssoziologischen Debatte über die Normativität der Wissenschaft selbst: Er zeigt, dass die Frage nach Objektivität und Verantwortung nicht getrennt, sondern als integrale Dimension der gegenwärtigen epistemischen Ordnung verstanden werden muss – und dass die Universität heute gleichermaßen Ort wie Spiegel dieser Aushandlung ist. | |