Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Digitale Infrastrukturen für Lernen, Offenheit und Beteiligung (deutsch)
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ID: 1169
/ D2-S1-T2: 1
Forschungsbeitrag Themen: Track - Partizipation in digitalen Bildungsprozessen Vom Chatbot zum KI-Professor: Ein empirisch begleitetes Stufenmodell der KI-gestützten Lernunterstützung im Fernstudium AKAD University, Deutschland <p>Fernstudienangebote stehen vor einer strukturellen Betreuungslücke, da asynchrone Lernprozesse häufig zeitunabhängige Unterstützungsangebote erfordern (Tinto, 1975; Hone & El Said, 2016). KI-basierte Systeme werden als Lösung diskutiert, doch bestehende Ansätze beschränken sich auf generische Chatbots. Wie KI als institutionell verankerte akademische Rolle konzipiert und empirisch begleitet werden kann, ist bislang nicht untersucht (Zawacki-Richter et al., 2019; Wollny et al., 2021).</p> <p>KI-basierte Lösungsansätze wurden an einer Hochschule exemplarisch in einem mehrstufigen Verfahren erprobt: Stufe 1 war die Entwicklung eines eigenen punktuell einsetzbaren KI-Chatbots (Rinn et.al. 2025). In der zweiten Stufe wurde ein RAG-basierter KI-Chatbot eines externen Anbieters genutzt. Stufe 3 ist ein KI-Professor, der Digital Twin eines realen Professors. Der Chatbot dient als generische Lernunterstützung. Der KI-Professor dient weiterführend als personalisierte akademische Instanz.</p> <p>Die Nutzung des Chatbots wurde über Systemlogs der externen Plattform ausgewertet. Dabei sind sowohl die Zugriffszahlen als auch die Zugriffszeiten auffällig. Diese liegen vielfach außerhalb regulärer Betreuungszeiten und regen zu einer tiefergehenden Analyse an, die sich auch mit der inhaltlichen Nutzung auseinandersetzen sollte.</p> <p>Die Evaluation des KI-Professors mit n = 32 (KI-Nutzungserfahrung Ø 3,44/5) durchgeführt erfasste drei Dimensionen: die wahrgenommene Nutzungsqualität des KI-Professors anhand des User Experience Questionnaire (UEQ-S; Schrepp et al., 2017) mit sieben Skalen von Bedienbarkeit bis Interaktionsgefühl, die individuelle Akzeptanz der Technologie über Items zu wahrgenommenem Nutzen und wahrgenommener Einfachheit (TAM; Davis, 1989) sowie die Nutzungsintention und institutionelle Akzeptanz auf Basis des UTAUT-Modells (Venkatesh et al., 2003), das soziale Einflüsse, Leistungserwartung und förderliche Rahmenbedingungen berücksichtigt.</p> <p>Die UX-Evaluation des KI-Professors ergibt einen Gesamtmittelwert von 3,94/5 (UEQ-S); die Offenheit für KI-Lehrformate liegt bei Ø 4,48/5. Klare Governance-Leitlinien erweisen sich als Akzeptanzbeschleuniger (Ø 3,90/5), während die eigenständige Ersetzung menschlicher Lehre abgelehnt wird (Ø 2,20/5). Hauptbedenken betreffen rechtliche (65%) und lehrqualitative Aspekte (65%).</p> <p>Die Studie liefert erstmalig empirische Evidenz für ein institutionell verankertes Stufenmodell aus KI-Chatbot und KI-Gastprofessur im Fernstudium. Sie zeigt, dass KI-Integration nicht nur als Hilfsmittel, sondern als akademische Rolle konzipiert werden kann. Limitationen der Studie sind die fehlende Generalisierbarkeit der Befunde. Im nächsten Schritt sollen weiterführende Auswertungen stattfinden, um evidenzbasiert entscheiden zu können, ob die Systeme in den Regelbetrieb der Hochschule überführt werden. Weitere Ansatzpunkte für Forschungen könnten in der Lernwirksamkeit beider Systeme, Anwendungsszenarien sowie den benannten lehrqualitativen Aspekten liegen.</p> ID: 1176
/ D2-S1-T2: 2
Forschungsbeitrag Themen: Track - Partizipative Forschung Stichworte: OER, OEP, attitude-behavior gap Quo vadis, OER? Das Open Educational Resources-Paradoxon: Die Kluft zwischen Einstellung und Verhalten bei OER-affinen Personen Universität Passau, Deutschland <p>Die Open Educational Resources-Bewegung (OER) hat sich zu einem Eckpfeiler der gegenwärtigen Bildungspolitik entwickelt, wenngleich der tatsächliche Einsatz von OER in der Lehre und im Unterricht nach wie vor gering ist. Ferner ist die OER-Bewegung von einer anhaltenden Einstellungs-Verhaltens-Lücke geprägt. Dieses als OER-Paradoxon bezeichnete Phänomen beschreibt einen Zustand, in dem Akteur*innen im Bildungsbereich, darunter auch solche, die tief in finanzierte Projekte der OER-Strategie des BMBFSFJ eingebunden sind, zwar ihre ideologische Unterstützung für die (gemeinsame) Erstellung, Nutzung, Bearbeitung, Remixen und das Teilen von Materialien bekunden, jedoch selbst nur eine vernachlässigbare Anzahl von Veröffentlichungen in dem zentralen Index OER Search Index (OERSI) vorweisen können. Das OER-Paradoxon stellt damit eine entscheidende Herausforderung für die nachhaltige Erweiterung digitaler Bildungsressourcen dar.</p> <p>Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Analyse dieses Paradoxons und fokussiert dabei folgende Forschungsbereiche: das messbare Ausmaß der Diskrepanz zwischen positiven Einstellungen und tatsächlichen Veröffentlichungsraten innerhalb des OERSI (1), die genauere Identifizierung von Hürden, wie Zeitmangel, Rechtsunsicherheit und technologische Barrieren (2) und die Modellierung von handlungsleitenden Einstellungskomponenten (3). Das Forschungsdesign verfolgt dabei einen dualen methodischen Ansatz. Um den objektiven Umfang der Veröffentlichungslücke zu ermitteln, wird durch eine quantitative Erhebung das Register der Personen, die an finanzierten Projekten der OER-Strategie des BMBFSFJ als Projektleitende und Projektmitarbeitende beteiligt sind, mit deren geteilten Artefakten im OERSI verglichen. Mit bewährten und neu konstruierten Instrumenten werden quantitative und qualitative Daten zu den affektiven, kognitiven und verhaltensbezogenen Komponenten der relevanten Einstellungen dieses Personenkreises erhoben. Der theoretische Rahmen basiert auf dem ABC-Modell der Einstellung sowie der Theorie des geplanten Verhaltens. Eine bereits bei Schullehrkräften durchgeführte Studie konnte zeigen, dass das affektive Engagement für eine Kultur des Teilens unter erfahrenen Pädagog*innen zwar außergewöhnlich hoch ist, die tatsächliche Veröffentlichung von OER jedoch insbesondere durch empfundene mangelnde Rechtssicherheit, wahrgenommene „Zeitknappheit“ und den Wunsch nach Reziprozität des Materialteilens eingeschränkt wird. Im Gegensatz zu bisherigen Studien verknüpft die vorliegende Arbeit, die messbare Anzahl an OER mit der Erhebung einer OER-affine Stichprobe.</p> <p>Durch die Identifizierung der kritischen Schwachstellen am Beispiel der vorliegenden Stichprobe erwarten die Autor*innen Ergebnisse, die Ausgangspunkt sein können, um gezielte Unterstützungsstrukturen weiterzuentwickeln, die notwendig sind, um die Lücke zwischen ideologischer Bereitschaft und tatsächlicher Bildungspraxis zu schließen.</p> ID: 1157
/ D2-S1-T2: 3
Projektbeitrag (Work In Progress) Themen: Track - Partizipation in digitalen Bildungsprozessen Stichworte: Studentische Partizipation, Private Hochschulen, Organisationale Partizipation, Didaktisch-Curriculare Partizipation, Digitale Studienformate Systematische Analyse rechtlicher Grundlagen und institutioneller Strukturen studentischer Partizipation an privaten Hochschulen im Kontext digitaler Studienformate AKAD University of Applied Sciences <p>Studentische Partizipation gilt als konstitutives Element demokratischer Hochschulentwicklung. Empirisch zeigt sich jedoch ein paradoxes Bild. Während die formalen Beteiligungsrechte in den vergangenen Jahrzehnten formal deutlich ausgebaut wurden, sind die tatsächlichen Beteiligungsquoten dennoch rückläufig (Biehl, 2024). Ursachen liegen in beschleunigten Studienverläufen, ökonomischen Zwängen sowie in der zunehmenden Verbreitung digitaler, berufsbegleitender und hybrider Studienformate, welche wiederum fortwährend neue Anforderungen an partizipative Strukturen stellen. Obwohl private Hochschulen heute bereits rund 30 Prozent der deutschen Hochschullandschaft ausmachen und durch ihre typischerweise hohe Heterogenität in Trägerschaften, Governance-Strukturen und Studienmodellen eine entsprechend besondere Stellung in dieser Diskussion einnehmen, sind sie in der Hochschulforschung bislang jedoch deutlich unterrepräsentiert. </p> <p>Vor diesem Hintergrund adressiert das vom BMFTR geförderte Forschungsprojekt [BLINDED] eine doppelte Forschungslücke, da sowohl systematische empirische Kenntnis über rechtliche Grundlagen, institutionelle Strukturen und gelebte Beteiligungspraxis an privaten Hochschulen fehlt, als auch die Kombination organisationaler Partizipation und didaktisch-curricularer Partizipation bislang kaum untersucht ist (Ditzel & Bergt, 2013; Raffaele & Rediger, 2021). </p> <p>Methodisch steht im Mittelpunkt der laufenden Analysephase zunächst eine strukturierte komparative Dokumentenanalyse der öffentlich zugänglichen Quellen hochschulrechtlicher Grundlagen (v.a. Landeshochschulgesetze sowie Satzungen, Ordnungen und Gremienstrukturen), orientiert an den theoretischen Konzepten „Student Engagement" (Trowler, 2010) und „Students as Partners" (Healey et al., 2016). Ergänzend soll eine Sichtbarkeits- und Zugänglichkeitsanalyse den theoretischen und rechtlichen Rahmen um einen Abgleich zur gelebten Praxis aus studentischer Perspektive ergänzen und dabei aufzeigen, inwieweit relevante Informationen für Studierende (insbesondere im Fernstudium und hybriden Lernen) tatsächlich auffindbar und verständlich sind. </p> <p>Basierend auf dem bisherigen Forschungsstand ergeben sich die folgenden ersten Hypothesen. Die rechtliche Ausgestaltung studentischer Partizipation variiert demnach erheblich zwischen Hochschultypen und Trägerschaften. Da der gesetzliche Rahmen für private Hochschulen primär nur das Vorhandensein studentischer Beteiligung vorgibt, obliegt die tatsächliche Ausgestaltung den institutionellen Satzungen. Entsprechend ist anzunehmen, dass sich besonders im Vergleich der Satzungen und Ordnungen privater Hochschulen, eine äußerst divergente individuelle Nutzung des Gestaltungsspielraums zeigt, mit heterogenen Auswirkungen auf Sichtbarkeit und Zugänglichkeit, insbesondere in digitalen Formaten. Der Beitrag diskutiert diese Hypothesen im Kontext bestehender Partizipationstheorien und bereitet die nachfolgende empirische Erhebungsphase vor.</p> ID: 1116
/ D2-S1-T2: 4
Anwendungen in der Praxis Themen: Track - Zukunft digitaler Partizipation, Track - Partizipation und Demokratie, Track - Partizipation als Ko-Kreation Stichworte: Digitale Partizipation, Bürgerbeteiligung, Stadtplanung, 3D-Visualisierung, KI-Auswertung Niedrigschwellige digitale Bürgerbeteiligung in der Praxis. Erfahrungen mit einer 3D-basierten Plattform und KI-gestützter Auswertung Scenerii GmbH, Deutschland | ||
