Veranstaltungsprogramm
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Tagesübersicht |
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Responsive und inklusive Partizipation im KI-Zeitalter (deutsch) Ort: MS1.303 Seminarraum 2, Fr. ZooM-Login | |
| Präsentation 1 | |
ID: 1136
/ D2-S2-T2: 1
Forschungsbeitrag Themen: Track - Zukunft digitaler Partizipation, Track - Partizipation und Demokratie Stichworte: Responsive Demokratie, Broad Listening, Digitale Partizipation, Civic-AI, Politics of Care Responsive digitale Demokratie Ruhr-Universität-Bochum, Deutschland <p>Das Jevons-Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass technischer Fortschritt, der zu einer effizienteren Nutzung einer Ressource führt, den Gesamtverbrauch dieser Ressource langfristig erhöht anstatt senkt.¹ Überträgt man diese Logik auf digitale Kommunikationsinfrastrukturen, transformieren diese den Umgang mit grundlegenden Ressourcen politischer Interaktion wie Aufmerksamkeit, Verfügbarkeit und Reaktionsgeschwindigkeit und verändern so Erwartungen an die Responsivität unserer repräsentativen Institutionen.² </p> <p>Vor diesem dynamischen Hintergrund untersucht der Beitrag das sich verändernde Verhältnis zwischen Repräsentierenden und Repräsentierten. Im Zentrum steht die These, dass digitale Technologien bestehende Modelle repräsentativer Demokratie nicht nur herausfordern sondern zugleich auch neue Formen von Responsivität ermöglichen. </p> <p>Der Begriff der Responsivität wurde in der deutschsprachigen Diskussion insbesondere von H. Uppendahl weiterentwickelt. Responsivität bezeichnet demnach die Fähigkeit politischer Entscheidungsträger*innen, gesellschaftliche Bedürfnisse, Präferenzen und Wissensbestände systematisch in Entscheidungsprozesse zu integrieren. Uppendahl unterscheidet drei Ansatzpunkte zur Steigerung von Responsivität: (1) institutionelle Innovationen in Form neuer Kommunikations-, Kontroll- und Evaluationssysteme, (2) Sensibilisierung politischer Akteure für gesellschaftliche Bedürfnisse sowie (3) die Transformation politischer Rollenbilder hin zu hybriden Formen zwischen Delegation und Treuhänderschaft.³</p> <p>An diese theoretischen Überlegungen anschließend untersucht der Beitrag explorativ die Rolle KI-gestützter Anwendungen für eine responsive Demokratie. Im Fokus stehen zwei kontrastierende Fallbeispiele: Erstens sogenannte „attentive“ KI-Systeme, wie wie pol.is oder SenseMaker oder lokale KI-Systeme <em>Kami </em>sie im Umfeld von Audrey Tang in Taiwan entwickelt wurden.⁴ Zweitens möchte ich die Einsetzung einer KI-Minister*innen wie <em>Diella</em> in Albanien und ihren 83 ,,Assistenten“ im albanischen Parlament. Einerseits führt Diella Dialoge mit Bürgerinnen als Chat-Bot andererseits wurde sie auch zur Korruptionsbekämpfung eingesetzt. Gleichzeitig werden Fragen nach institutioneller Einbettung sowie Rollenbildern und dem Design von KI-Avataren aufgeworfen.⁵<br /></p> <p><em>„Man müsste unter geregelten Bedingungen und zu jedem Moment diejenigen befragen, die am ehesten als Opfer in Betracht kommen.“⁶</em><br /></p> <p>In Anlehnung an Judith Shklars Überlegungen zur Ungerechtigkeit lässt sich Responsivität normativ dahingehend zuspitzen, dass insbesondere die Perspektiven potenziell benachteiligter Gruppen systematisch und ihr lokales und situiertes Wissen berücksichtigt werden müssen. Kann eine stärker auf Zuhören und Fürsorge ausgerichtete Politik das Versprechen einer gerechteren responsiveren Demokratie einlösen? Eine Frage, die angesichts wachsender Vertrauenskrisen liberaler Demokratien und dramatischer politischer Ungleichheit besondere Relevanz gewinnt.⁷<br /></p> | |
