Veranstaltungsprogramm
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ID: 173 / Session 16.1: 6
Ein Ansatz zur möglichen Beschleunigung einer Wasserwerksgenehmigung bei hohem Uferfilt-ratanteil durch kontinuierliche Grundwassermodellierung
1Berliner Wasserbetriebe, Berlin, Deutschland; 2GCI GmbH, Königs Wusterhausen, Deutschland; 3Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berlin, Deutschland
Im Jahr 2001 wurde nach einer 105-jährigen Betriebsphase das Wasserwerk (WW) Jungfernheide in Berlin vom Netz genommen. Das WW förderte > 75% Uferfiltrat aus der Spree und über künstliche Anreicherungsbecken. Die Entscheidung zur Schließung des WW resultierte aus dem damals über längere Zeit stark sinkenden Wasserverbrauch in der Hauptstadt. Da infolge der Schließung durch die wiederansteigenden Grundwasserpegel Nässeschäden an Gebäuden im Umfeld zu befürchten waren, wurde zwischen den Berliner Wasserbetrieben (BWB) und dem Land Berlin ein durch die BWB durchzuführendes Grundwassermanagement inkl. einer Grundwasserhaltung vereinbart. Die Grundwasserhaltung wurde später durch das Unternehmen Siemens in Kombination mit einer erforderlichen Altlastensanierung übernommen.
Seit 2010 steigen die Einwohnerzahlen in Berlin jedoch deutlich an. Ende 2024 lag die Zahl mit ca. 3,9 Mio. bereits ca. 500.000 und damit 15% höher als 2010. Aus diesem und einem vorläufig prognostizierten weiteren Anstieg ergibt sich ein entsprechend zusätzlicher Rohwasserbedarf. Der Bedarf nach Zusatzrohwasserkapazitäten wurde ebenfalls im Masterplan Wasser Berlin konstatiert. Für die Wiederinbetriebnahme des WW Jungfernheide, als naheliegende Maßnahme zur Erhöhung dieser Rohwasserkapazitäten, wurde in 2022 ein modellgestütztes Gutachten erstellt, dass sowohl mit einem hydraulischen und betrieblichen Blick als auch aus Sicht der Beschaffenheit und einer möglichst naturnahen Aufbereitung die maximal möglichen Entnahmemengen bestimmen sollte. Im Rahmen der Studie wurde aus Uferfiltrat- und GW-Bilanzanteilen die zu erwartende Rohwasserqualität für alle relevanten Stoffe unter Berücksichtigung von Minderungsfaktoren für die Bodenpassage und Abbauprozessen im Grundwasserleiter prognostiziert, darunter u.a. org. Spurenstoffe, Arzneimittel, LHKW, PFAS, und Sulfat. Die Ergebnisse zeigen, dass auch bei dominierendem Oberflächenwasseranteil grundsätzlich eine gute Wasserqualität zu erwarten ist. Das Grundwassermodell bezieht ebenfalls die benachbarten WW Tegel und Spandau sowie zwei Galerien des WW Tiefwerder ein.
Das WW-Gelände Jungfernheide liegt im stark urban geprägten Umfeld, eingebettet zwischen Siemensstadt und Spree. Entsprechend sind auch die unterschiedlichsten Belange der umliegenden Areale einzubeziehen, insbesondere der wachsende Bedarf nach einer geothermischen Nutzung des Grundwassers. In Abstimmung mit dem Berliner Senat wurden diesbezüglich weiterführende Modelluntersuchungen durchgeführt, mit dem Ziel ein geplantes Erdwärmesondenfeld im Einklang mit dem zukünftigen WW-Betrieb zu ermöglichen.
Aufgrund des anhaltenden Bevölkerungswachstums, Einschränkungen durch Altlasten sowie als Folge des Klimawandels (längere Trockenphasen mit einem Zusatzwasserbedarf und damit verbunden kürzere Intervalle für die Regenerierung der Förderbrunnen) erfahren die BWB bereits aktuell einen akuten Bedarf nach Zusatzkapazitäten. Da jedoch die Genehmigungsprozesse für Grundwasserentnahmen in der Regel einen langen und umfassenden Bearbeitungsprozess insbesondere bei Erfordernis einer UVU-Pflicht beanspruchen, wird derzeit das Grundwassermodell dazu eingesetzt, eine vereinfachte Bauweise des WW mit einer geringeren Entnahmemenge zur Verkürzung der Genehmigungsdauer zu untersuchen.
In dem Vortrag wird über die Geschichte des Wasserwerks Jungfernheide, die Entwicklung und Fortschreibung des Grundwassermodells und die zu erwartenden Uferfiltratsmengen berichtet.
Details zur Session:
S16.1 Grundwasser-Oberflächenwasser Interaktionen an Fließgewässern, Seen und Küste
Zeit: 12.03.2026: 10:45-12:15 · Ort: Bach-Saal, Kongresshalle am Zoo

