Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Sitzungsübersicht |
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S3.2 Grundwassertemperaturen – Klimawandel und thermische Nutzungspotentiale
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15:15 - 15:30
ID: 274 / Session 3.2: 1 Bedeutung lokaler thermischer Nichtgleichgewichtseffekte für die Modellierung des Wärmetransports in sedimentären Aquiferen 1Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geowissenschaften und Geographie, Halle (Saale), Deutschland; 2Utrecht University, Department of Earth Sciences, Utrecht, The Netherlands; 3The University of Newcastle, School of Environmental and Life Sciences, Callaghan, NSW, Australia Um Aquifereigenschaften zu charakterisieren und oberflächennahe Geothermie effizient zu nutzen, ist ein vertieftes Verständnis des advektiven Wärmetransports in sedimentären Aquiferen entscheidend. Die Modellierung des Wärmetransports basiert dabei üblicherweise auf der Annahme eines lokalen thermischen Gleichgewichts (LTE) zwischen der festen und fluiden Phase des porösen Mediums. Diese Annahme ist jedoch bei schnellem oder präferentiellem Fließen häufig nicht erfüllt, wenn der Wärmeaustausch zwischen den Phasen verzögert erfolgt und somit ein lokales thermisches Nichtgleichgewicht (LTNE) entsteht, bei dem sich die Temperaturen von Fluid- und Festphase unterscheiden. Zwei grundlegende Modellierungsansätze können verwendet werden: der Einphasen-Ansatz nach dem LTE-Konzept, der durch Mittelung über ein repräsentatives Elementarvolumen ein sofortiges thermisches Gleichgewicht annimmt, sowie der Zweiphasen-Ansatz nach dem LTNE-Konzept, der unterschiedliche Temperaturfelder in Feststoff und Fluid berücksichtigt und diese über einen Wärmeübergangskoeffizienten koppelt. Wärmetransportmodelle, die Prozesse auf Feldskala abbilden, basieren typischerweise auf dem Einphasen-Ansatz. Gebhardt et al. (2025) zeigen jedoch, dass unter Anwendung dieses Ansatzes LTNE-ähnliche Effekte auftreten können, verursacht durch großräumige Variationen der hydraulischen Leitfähigkeit. Welche hydrogeologischen Bedingungen und Skalen eine Anwendung des Zweiphasen-Ansatzes in natürlichen Aquiferen erforderlich machen, ist bislang allerdings noch nicht vollständig geklärt. Zur Untersuchung der Relevanz porenskalenbedingter LTNE-Effekte auf der Feldskala wurde ein Zweiphasen-Ansatz zur Beschreibung des Wärmetransports implementiert und die Ausbreitung der Wärmefahne einer Erdwärmesonde (EWS) in dem Multiphysics-Framework MOOSE numerisch für sedimentäre Grundwasserleiter simuliert. In verschiedenen Simulationsszenarien wurde der Einfluss sowohl homogener als auch heterogener Verteilungen der hydraulischen Leitfähigkeit mit unterschiedlichen charakteristischen Längenskalen (Lx = 1, 10, 100 m), der Korngröße (0,002 m bis 0,15 m), der mittleren Fließgeschwindigkeit, sowie der Injektionstemperatur auf die Temperaturdifferenz zwischen fluider und fester Phase (ΔT = Tf −Ts) in Abhängigkeit von der Entfernung zur EWS untersucht. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass ΔT für die meisten untersuchten Fälle und Parameterkombinationen unterhalb von 10-3 K liegt. Angesichts der typischen Messgenauigkeit von Temperatursensoren sind Temperaturdifferenzen dieser Größenordnung vernachlässigbar. Dies weist darauf hin, dass der Einphasen-Ansatz in den meisten praxisrelevanten Szenarien ausreichend ist. Gleichzeitig ermöglichen die Ergebnisse auf Porenskala eine Abgrenzung der Skalen und Parameterbereiche, in denen der Zweiphasen-Ansatz erforderlich ist, um potenzielle LTNE-Effekte adäquat zu erfassen. Gebhardt, H., Zech, A., Rau, G. C., & Bayer, P. (2025). Effective thermal retardation in aquifers of heterogeneous hydraulic conductivity. Water Resources Research, 61, e2025WR040153. https://doi.org/10.1029/2025WR040153 15:30 - 15:45
ID: 344 / Session 3.2: 2 Thermische Push-Pull-Tests zur Untersuchung temperaturabhängiger geochemischer Prozesse in Hochtemperatur-Aquiferwärmespeichern GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung Niedrigtemperatur-Aquiferwärmespeicher (Aquifer Thermal Energy Storage, ATES) mit Betriebstemperaturen um 30 °C haben sich in den letzten 10-15 Jahren, insbesondere in den Niederlanden, als eine effiziente Technologie etabliert. Doch in urbanen Gebieten variieren die Anforderungen an die Wärmeversorgung erheblich, da häufig weiterhin hohe Temperaturen von über 100 °C benötigt werden. Hochtemperatur-ATES ist eine vielversprechende Speichermöglichkeit, die bei geringem Flächenbedarf eine erhebliche Speicherkapazität bietet, jedoch geeignete geologische Bedingungen voraussetzt. Die dabei induzierten hohen Temperaturänderungen beeinflussen thermohydraulische, geochemische und mikrobiologische Prozesse sowie Fluid-Gestein-Interaktionen. Push-Pull-Tests, die im Sommer und Herbst 2025 am HT-ATES-Pilot- und Forschungsstandort Berlin Adlershof durchgeführt wurden, ermöglichten die gezielte Untersuchung dieser Prozesse im schwach verfestigten jurassischen Hettangsandstein (354 bis 399 m uGOK). Basierend auf den aus der Hydrogeologie bekannten Tracer-Push-Pull-Tests wurde das zuvor produzierte Formationswasser zunächst mit 21 °C und anschließend in weiteren fünf Zyklen mit 90 bis 105 °C injiziert. Die Reaktionszeit im Aquifer betrug zwischen 15 Stunden und mehreren Wochen. Bei jeder Injektion wurden Tracer zur hydraulischen Charakterisierung eingesetzt. Ein umfassendes hydrochemisches und mikrobiologisches Monitoringprogramm ermöglicht die Analyse der Wärme- und Stofftransportprozesse sowie der reaktiven Wechselwirkungen im Aquifer und an den obertägigen Anlagenteilen. Die hier gewonnenen Ergebnisse dienen als Grundlage für die Errichtung eines HT-ATES, der künftig in ein bestehendes Fernwärmenetz integriert werden soll. 15:45 - 16:00
ID: 367 / Session 3.2: 3 Karbonat-Aquifere für die Energiespeicherung - Hydrochemische Reaktionen in Aquifer Thermal Energy Storage Systemen 1TU Bergakademie Freiberg, Institut für Geologie, Lehrstuhl für Hydrogeologie und Hydrochemie; 2TU Berlin, Institut für Angewandte Geowissenschaften, Fachbereich Angewandte Geochemie Aquifer Thermal Energy Storage (ATES) Systeme ermöglichen die vorübergehenden Speicherung lokal und saisonal überschüssiger thermischer Energien in Grundwasserleitern. Der Erfolg von ATES ist hierbei nicht nur von den Eigenschaften des Grundwasserleiters (hydraulische Durchlässigkeit, Wärmeleiteigenschaften, Porosität), sondern auch vom Zustand der technischen Ausrüstung abhängig. Änderungen von Temperatur und Gaspartialdrücken können während des ATES-Betriebs Clogging- und Scaling-Prozesse initiieren, die unerwünschte hydrogeochemische Reaktionen, Auflösungs-, Ausfällungs- und Ausflockungsprozesse sowie mikrobielles Wachstum hervorrufen. Dies führt zu einer Reduktion der Reservoir-Permeabilität, erhöhten Reinigungs- und Instandhaltungskosten und damit zur verminderten Effizienz von ATES-Projekten. | ||