Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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S2 Geochemische Prozesse im Untergrund als Herausforderung für die Grundwasserbewirtschaftung Ort: Weißer Saal, Kongresshalle am Zoo Chair der Sitzung: Andre Banning, Universität Greifswald Chair der Sitzung: Thomas Rüde | |
| Präsentation 5 | |
11:45 - 12:00
ID: 319 / Session 2: 5 Hydrogeochemische Mobilisierungspotentiale und gekoppelte Stoffkreisläufe in genutzten und wiedervernässten Mooren Universität Greifswald, Institut für Geographie und Geologie, Lehrstuhl für Angewandte Geologie Obwohl Moore lediglich rund 3 % der terrestrischen Landfläche bedecken, speichern sie etwa 10 % des globalen nichtglazialen Süßwassers und tragen bis zu 20 % des in die Ozeane eingetragenen gelösten organischen Kohlenstoffs (DOC) bei. Sie spielen eine zentrale Rolle für die Trinkwasserversorgung vieler Regionen – so sind in Irland etwa 80 % der Bevölkerung auf von Torfgebieten gespeiste Oberflächengewässer angewiesen. In Mecklenburg-Vorpommern bedecken Moore rund 13 % der Landesfläche; die Degradation von Torfen stellt hier die bedeutendste Quelle von Treibhausgasemissionen dar. Eine rasche und umfassende Wiedervernässung ist daher unabdingbar, um die regionalen Klimaziele zu erreichen. Moore beeinflussen weltweit aber auch die Qualität sowohl von Oberflächen- als auch von Grundwasser in abstromigen Einzugsgebieten. Sie gelten im Allgemeinen als Senken für zahlreiche gelöste chemische Substanzen und erbringen damit essenzielle Ökosystemdienstleistungen wie die natürliche Wasserfiltration. Ihre Rückhaltekapazität unterliegt jedoch saisonalen Schwankungen und wird durch Faktoren wie Wasserquelle und -sättigung, Redoxbedingungen, Sorptionsprozesse und mineralische Umsetzungen bestimmt. Anthropogene Einflüsse – etwa Entwässerung, landwirtschaftliche Nutzung oder Torfabbau – können diese Funktionen erheblich beeinträchtigen und dazu führen, dass Moore statt als Senken als Quellen unerwünschter Stoffe wirken. Dies birgt Risiken für abstromige Ökosysteme, Wasserressourcen und letztlich auch für die öffentliche Gesundheit. Während die zentrale Bedeutung der Kohlenstoffbilanz und des trophischen Zustands von Mooren weithin anerkannt ist und deren enge Verknüpfung mit der Landnutzung gut belegt wurde, besteht bislang nur begrenztes Wissen über den Einfluss dieser Faktoren auf die Kreisläufe und die Mobilisierung von Spurenelementen in Mooren. Viele Hochmoorgebiete entwässernde Bäche und Flüsse – etwa in Irland – weisen in den letzten Jahrzehnten einen rapiden Anstieg der DOC-Konzentrationen auf, der auf Torfdegradation zurückzuführen ist und sich durch den fortschreitenden Klimawandel sowie andere anthropogene Einflüsse weiter verstärken dürfte. Diese Entwicklung wird voraussichtlich zu einer weiteren Verschlechterung der abstromigen Wasserqualität führen, auch im Hinblick auf die Co-Mobilisierung von Spurenelementen. In einer laufenden Studie in einem entwässerten Niedermoor im Tal des Flusses Ryck (Vorpommern) werden hydrogeochemische und hydrogeologische Auswirkungen landwirtschaftlicher Nutzung, Drainage und Wiedervernässung untersucht. Im Fokus stehen dabei Stoffausträge aus degradiertem und intaktem Torf, Veränderungen der hydraulischen Durchlässigkeit sowie Nitrateinträge. Erste Ergebnisse aus Säulen- und Batchversuchen zeigen erhebliche Stofffreisetzungen, insbesondere bei degradierten Torfen: Sie setzen mehr als doppelt so viel organischen Kohlenstoff frei wie nicht degradierte Torfe. Zudem wurden für toxikologisch relevante (Spuren-)Elemente wie Eisen, Aluminium, Vanadium, Nickel, Arsen, Blei und Uran um den Faktor 4 bis 7 erhöhte Mobilisierungspotenziale beobachtet. Diese Befunde sollten bei der Planung und Umsetzung von Wiedervernässungs- und Nachnutzungskonzepten (Paludikultur) zwingend berücksichtigt werden. | |

