Veranstaltungsprogramm
Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
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Tagesübersicht |
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S2 Geochemische Prozesse im Untergrund als Herausforderung für die Grundwasserbewirtschaftung Ort: Weißer Saal, Kongresshalle am Zoo Chair der Sitzung: Andre Banning, Universität Greifswald Chair der Sitzung: Thomas Rüde | |
| Präsentation 1 | |
10:45 - 11:00
ID: 116 / Session 2: 1 Wie war die Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland vor 100 Jahren? Rekonstruktion von Hintergrundwerten aus historischen Daten BGR, Deutschland Viele hydrochemische Prozesse im Grundwasser verlaufen recht langsam. Landnutzungsänderungen prägen sich in der Regel nur langsam auf die Beschaffenheit von Grundwasserkörpern durch. Selbst die Auswirkungen einer relativ kurzfristigen anthropogenen Veränderung zu erfassen bedarf oft mehrjähriger bis jahrzehntelanger Beobachtungen anhand von regelmäßigen Beprobungen. Selbst die Effekte des „Sauren Regens“ der 1950er bis 1980er Jahre sind noch heute in vielen flachen Grundwasserleitern in Form von niedrigen pH-Werten und erhöhten Sulfat-Konzentrationen nachweisbar, obwohl die Einträge seit Ende der 1980er Jahre deutlich nachgelassen haben. Um die durch den Klimawandel bzw. anthropogene Eingriffe ausgelösten Veränderungen der hydrochemischen Beschaffenheit des Grundwassers bewerten zu können, wäre es wichtig zu wissen wie denn die Beschaffenheit ursprünglich, d.h. vor der Industrialisierung und der allgemeinen Verbreitung der Mineraldüngung und dem Übergang zur Intensivlandschaft gewesen ist. Während Grundwasserstände in Deutschland seit fast 150 Jahren mehr oder weniger durchgehend beobachtet werden, haben sich regelmäßige Untersuchungen der Wasserbeschaffenheit erst deutlich später etabliert. Messstellennetze zur regelmäßigen Überwachung der Wasserqualität wurden in Deutschland oft erst ab den 1980er Jahren eingerichtet. Diese Lücke können z.T. die Chemischen Wasserstatistiken des DVGW füllen, die einen fast flächendeckenden hydrochemischen Rückblick bis in eine Zeit von vor mehr als 110 Jahren erlauben. Es wurden mehrere solcher Statistiken erhoben, wobei der DVGW jeweils die Beschaffenheit des Trinkwassers von den Wasserwerken Deutschlands abfragte und kompilierte. Die erste Statistik von 1915 erfasste 309 meist größere städtische Wasserversorgungen (mit 335 Datensätzen) im Deutschen Reich in den Grenzen von 1914. Die zweite Statistik von 1929 erfasste schon 706 Wasserversorgungen (1076 Objekte), darunter nun auch viele kleinere und mittlere. Mit der dritten Statistik von 1941 wurden bereits 1300 Wasserversorgungen (2331 Objekte) erfasst, wobei hier auch Wasserversorgungen in Österreich und Tschechien (Sudetenland) miterfasst wurden. In die erste Statistik nach 1945, aus dem Jahr 1959, wurden 727 Wasserversorgungen (1066 Objekte) aus der Bundesrepublik und West-Berlin aufgenommen. Im Jahr 1968 wurden weitere 434 Reinwasser-Analysen ergänzt. Diese in Vergessenheit geratenen historischen Daten wurden digitalisiert, aufbereitet, in moderne Einheiten umgerechnet, Koordinaten zugeordnet, klassifiziert und einer orientierenden statistischen und kartographischen Auswertung unterzogen. Obwohl der Analyseumfang mit der Zeit zunahm, ist dieser aus heutiger Sicht recht beschränkt und erlaubt z.B. keine Ionenbilanz. Die häufigen Reinwasseranalysen erlauben nur einen begrenzten Einblick in die Konzentrationen des ursprünglichen Rohwassers. Nichtsdestotrotz zeigen einige Parameter in der Kartendarstellung klare regionale Trends, z.B. beim Gesamtlösungsinhalt, Kalzium und Eisen (im Rohwasser), die die hydrogeologischen Großräume Deutschlands widerspiegeln. Besonders interessant ist die Verteilung von Nitrat, die klar zeigt, dass die heute beobachteten hohen Konzentrationen erst mit der flächendeckenden Einführung der Intensivlandwirtschaft aufgetreten sind. | |

