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Stichworte: child emotional maltreatment, child psychological abuse, risk factors, protective factors, meta-analysis
(1) Risk and Protective Factors for Child Emotional Maltreatment: A Systematic Review and Meta-Analysis
Meike Katharina Zell1, Anna-Luisa Sahlfeld1, Asne Senberg1, Jelena Zumbach-Basu2
1Psychologische Hochschule Berlin, Deutschland; 2Universität Basel, Schweiz
Of all forms of child maltreatment, child emotional maltreatment (CEM) has the highest prevalence rate, causes equal or greater harm compared to other forms, and has the longest lasting effects (Brassard et al., 2020; Hart et al., 2017). Nevertheless, CEM has received less consideration in research and literature than child physical and sexual abuse. For effective assessment, intervention, and prevention understanding risk and protective factors related to CEM is crucial. The aim of this systematic review and meta-analysis is, to identify and synthesize existing research on the risk and protective factors associated with CEM perpetrated by parents/primary caregivers. A series of meta-analyses are conducted to determine the influence of the risk and protective factors for CEM we found in the literature. Data from 86 studies from 27 countries examining risk factors on child, caretaker, and community level were analyzed. Three of these studies also examined protective factors on child, and caretaker level. Findings suggest that various factors, such as family conflict, parental stress, and socioeconomic conditions, are linked to the risk of emotional maltreatment. Protective factors, including social support and personal coping strategies, were also identified, though they have been less frequently studied. Our findings contribute to the existing literature by quantitatively integrating findings on risk and protective factors for CEM. This can help improve prevention and intervention strategies, as well as improve the quality of risk assessments regarding CEM. Our findings highlight the necessity for future research to bridge gaps particularly in exploring protective factors.
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Stichworte: CU-Traits, Diagnostik, limitierte prosoziale Emotionalität
(2) Callous Unemotional Traits bei Kindern und Jugendlichen Diagnostizieren: Zur Konstruktvalidität des Clinical Assessment of Prosocial Emotions (CAPE)
Felix A. Wolters, Anna Eichler, Katharina Louisa Göttlicher, Oliver Kratz
Uniklinikum Erlangen, Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland
Hintergrund:
Die Bestimmung von Callous Unemotional Traits (CU-Traits; u. a. Mangel an Reue und Schuldbewusstsein) ist maßgeblich für die Voraussage von schwerem, persistierendem antisozialem Verhalten in der Adoleszenz sowie Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Psychopathie im weiteren Entwicklungsverlauf (Frick et al., 2014; Squillaci & Benoit, 2021). Die Ausprägung von CU-Traits bei Kindern und Jugendlichen mit einer Störung des Sozialverhaltens findet sich im ICD-11 und DSM-5 als „limitierte prosoziale Emotionalität“ (LPE) wieder.
Fragestellung:
Bislang gibt es im deutschsprachigen Raum nur die Möglichkeit, CU-Traits über Fragebogenverfahren bei Eltern und Kind abzufragen. Ziel der Studie ist es, das im amerikanischen Sprachraum entwickelte halbstrukturierte, klinische Interview für LPE (Frick, 2013: Clinical Assessment of Prosocial Emotions, CAPE) im TRAPD-Schema zu übersetzen (European Social Survey, 2017) und an einer deutschen klinischen Stichprobe durchzuführen, um dessen Konstruktvalidität empirisch zu überprüfen.
Methodik:
Die Fragestellung wird in einer multizentrischen, querschnittlichen, klinischen Beobachtungsstudie überprüft (DRKS-ID: DRKS00035428). Es werden N = 120 Kinder und Jugendliche von 8 bis 18 Jahren mit einer Störung des Sozialverhaltens und deren Mütter eingeschlossen. LPE wird im Mutter-Interview diagnostiziert. Prosoziales und antisoziales Verhalten werden im Mutterurteil über Fragebögen erhoben. Proaktiv/reaktiv aggressives Verhalten, Empathie und Emotionserkennung werden im Kindurteil über Fragebögen erhoben. Die Konstruktvalidität des Interviews wird in allgemeinen linearen Modellen überprüft.
Ergebnisse:
Erste Ergebnisse zur Konstruktvalidität der deutschen Übersetzung (Wolters & Schulte, 2023) des CAPE-Interviews (Frick, 2013) zur LPE-Bestimmung an einer klinischen Stichprobe werden präsentiert.
Schlussfolgerung:
Durch die Etablierung von CAPE-Interviews im deutschen Sprachraum steht dem Kliniker sowie Gutachter eine weitere Methode zur Diagnostik von CU-Traits zur Verfügung.
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Stichworte: Forensische Psychiatrie, Maßregelvollzug, Verweildauer, Entlassvorbereitung
(3) Strukturierte Erhebung von Entlasshindernissen bei Unterbringungen gem. § 63 StGB – Vorstellung des Forschungsprojekts SysIEfUS
Irina Verhülsdonk1,2, Peggy Walde1, Jan Querengässer1,3
1LVR-Institut für Forschung und Bildung; 2Universität Duisburg-Essen; 3FernUniversität in Hagen
Die Behandlung in der forensischen Psychiatrie gemäß § 63 StGB zielt darauf ab, Patient:innen zu einem straffreien Leben hinzuführen und diese, bei einer ausreichend positiven Legal- und Sozialprognose, in die Gesellschaft zu reintegrieren. Die Unterbringung schränkt das Freiheitsgrundrecht der Betroffenen ein und verursacht hohe Kosten. Es ist daher aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen geboten, diese zwar so lang wie nötig, aber auch so kurz wie möglich zu halten. In diversen Studien wurden Faktoren untersucht, die mit der Verweildauer der Patient:innen im Zusammenhang stehen. Es finden sich jedoch nur wenige Studien, in denen externe, also nicht personenbezogene Faktoren und deren Einflüsse auf die Verweildauer untersucht werden. Einige Ergebnisse deuten darauf hin, dass es bei der Entlassvorbereitung zusätzlich zu systemisch oder strukturell bedingten Verzögerungen kommen kann, die sich z.B. in den Bereichen Nachsorge, Wohnen, Arbeit und im juristischen Prozedere zeigen. Wie viele Patient:innen davon betroffen sind und wie lange Entlassungen durch derartige Hindernisse im Durchschnitt verzögert werden, wurde hingegen noch nicht strukturiert untersucht.
Das vorgestellte Forschungsprojekt „Systemische und strukturelle Integrations- und Entlasshemmnisse nach forensisch-psychiatrischen Unterbringungen gemäß Strafgesetzbuch“ (SysIEfUS) adressiert diese Forschungslücke. Dazu werden die Entlassverzögerungen bei den nach § 63 StGB untergebrachten Patient:innen der forensischen LVR Kliniken in Nordrhein-Westfahlen systematisch erhoben. Zudem werden die Erfahrungen von Patient:innen und Mitarbeiter:innen von nachsorgenden Einrichten in qualitativen Interviews untersucht. Das Poster soll den Projektablauf sowie den aktuellen Projektstand vorstellen.
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Stichworte: parenting capacity, family law, child protection
(4) Parenting capacity: An updated scoping review on definitions, indicators and assessment
Antonia Schubert1, Jelena Zumbach-Basu2
1Psychologische Hochschule Berlin, Deutschland; 2Universität Basel, Schweiz
Parenting capacity, which generally refers to a parent’s ability to meet children’s needs, plays a significant role in custody, visitation, and placement decisions. Despite the relevance of the construct as a factor influencing child development and its frequent assessment by professionals, there is little consensus in the psychological literature regarding the definition, operationalization, and assessment of this broadly defined construct. This scoping review is an update and extension of the review by Zumbach & Oster (2020). It analyzes the current scientific literature regarding definitions, indicators, and assessment of parenting capacity within the context of family law, child custody, visitation, and protection proceedings.
A comprehensive literature search was conducted in several scientific databases (Psyndex, PsychInfo, PsyJournals, Web of Science, Scopus), based on our inclusion criteria (e.g., published in English language in a peer reviewed journal, contributing to the operationalization of the construct) and exclusion criteria (e.g., surveys with mental health professionals or family workers, judicial contributions). A total number of 83 studies were identified and analyzed in detail regarding eligibility. 17 studies were included in the narrative synthesis. Definitions and indicators of parenting capacity were derived from the literature, analyzed and systematized. In a second step, assessment tools and instruments were identified and evaluated regarding their specific scope and psychometric quality. In light of the vast heterogeneity of the individual studies and findings, we discuss the need for a higher consensus on definitions and indicators and a systematic approach to assess parenting capacity in the context of family law proceedings.
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Stichworte: Täuschung, Lügen, kognitive Prozesse, emotionale Prozesse
(5) Hinter den Kulissen des Lügens - ein behavioraler Einblick in kognitive und emotionale Prozesse
Tabea Wächtershäuser, Kristina Suchotzki
Philipps-Universität Marburg, Deutschland
Während sich Forschung und Praxis zur Lügendetektion lange auf emotionale Prozesse während des Lügens konzentriert haben, sind in der grundlagenwissenschaftlichen Forschung in den letzten Jahren vor allem kognitive Prozesse ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Beide Mechanismen wurden daher bisher vor allem isoliert und nur selten gemeinsam untersucht. Die vorliegende Studie adressiert diese Forschungslücke durch die simultane Untersuchung kognitiver und emotionaler Mechanismen des Lügens.
Hierzu wurde eine adaptierte Version des Sheffield-Lie-Tests eingesetzt, in dem Teilnehmende (n=49) in verschiedenen Blöcken entweder wahrheitsgemäß oder täuschend auf Fragen, die sich entweder auf ein zuvor durchgeführtes Scheinverbrechen bezogen oder auf Alltagsaktivitäten, antworteten. Zudem bewerteten sie nach jedem Block die wahrgenommene kognitive und emotionale Beanspruchung durch die vorherige Aufgabe.
Entsprechend der Hypothesen führten gelogene Antworten zu längeren Reaktionszeiten und höherer wahrgenommener kognitiver und emotionaler Beanspruchung als wahrheitsgemäße Antworten. Auch verbrechensbezogene Fragen gingen mit längeren Reaktionszeiten und höherer wahrgenommener Beanspruchung einher als neutrale Fragen. Eine erwartete Interaktion zwischen diesen Faktoren blieb jedoch aus: Es zeigten sich keine größeren Unterschiede zwischen gelogenen und wahrheitsgemäßen Antworten auf verbrechensbezogene als auf neutrale Fragen.
Explorative Analysen konnten eine Reihe spezifischer kognitiver (z. B. Inhibition, Strategiewahl) und emotionaler Prozesse (z. B. Nervosität, Angst) identifizieren, die beim Lügen stärker ausgeprägt waren als bei der Wahrheit und als gemeinsames Modell zur Erklärung der erhöhten Reaktionszeiten in der Lügenbedingung beitragen konnten.
Das Befundmuster konnte in einer zweiten Studie in einer diverseren Stichrobe (n=48) repliziert werden.
Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz kognitiver und emotionaler Prozesse während des Lügens und geben erste Einblicke in die weiteren Spezifikationen dieser.
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Stichworte: Strategische Nutzung von Evidenz, Vernehmung, Metakognition, Gedächtnis, unschuldige Verdächtigte
(6) Eingeschränkte Aussageoffenheit trotz Unschuld: Untersuchung des Zusammenhangs mit metakognitiven und situationsbezogenen Faktoren
Martina Buchli1, Helen Wyler2
1Universität Bern, Schweiz; 2Universität Luzern, Schweiz
Unschuldige Verdächtige legen in Studien zur Strategic-Use-of-Evidence-(SUE)-Technik, einer Befragungsstrategie für Einvernahmen, häufiger relevante Informationen offen und zeigen höhere Aussage-Evidenz-Konsistenz als schuldige Verdächtigte. Eine solche Aussageoffenheit setzt neben der Motivation zu wahrheitsgemäßen Aussagen auch das Vorliegen entsprechender Erinnerungen an relevante Details voraus. Besonders unter realitätsnahen Bedingungen, die oftmals keine ideale Erinnerungsgrundlage bieten, ist die Frage bedeutsam, inwiefern metakognitive und situationsbezogene Einflussfaktoren mit einer geringeren Aussageoffenheit in Zusammenhang stehen könnten.
Metakognitive Einschätzungen wie das subjektive Gefühl, wahrheitsgemäß ausgesagt zu haben, oder die Erinnerungssicherheit sowie die kognitive Anstrengung beim Abruf werden in der Forschung als potenziell relevante Prädiktoren für die Entscheidung betrachtet, eine bestimmte Information zu berichten. Unsichere Erinnerungen könnten zurückgehalten werden. Zudem stehen situationsbezogene Einflussfaktoren mit der späteren Erinnerungsleistung in Zusammenhang, etwa die bewusste Wahrnehmung zum Ereigniszeitpunkt (Intentionalität der Enkodierung), erlebter Stress während des Ereignisses, die Ungewöhnlichkeit der Situation (Distinktheit) sowie die Beschäftigung mit dem Geschehen zwischen Ereignis und Abruf (abrufbasiertes Lernen).
Ziel dieser Studie ist es, zu untersuchen, inwiefern die genannten Faktoren bei retrospektiver Erfassung im Anschluss an eine Einvernahme Varianz in der Aussageoffenheit unschuldiger Verdächtigter erklären können. Die Daten stammen aus einer Mock-Crime-Studie mit einem 2 (Abrufzeitpunkt: unmittelbar vs. verzögert) ×2 (Enkodierintentionalität: inzidentell vs. intentional) Between-Subjects-Design und einem anschließenden schriftlichen Interview. Die retrospektiven Einschätzungen wurden in allen Bedingungen erhoben, um potenzielle Einflussfaktoren kontextübergreifend untersuchen zu können. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, inwiefern die retrospektiv erfassten Faktoren mit der Aussageoffenheit unschuldiger Verdächtigter assoziiert sind und werden hinsichtlich ihrer möglichen praktischen Relevanz für die Vernehmungspraxis diskutiert.
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Stichworte: Radikalisierung, Islamismus, Antisemitismus, Prävention
(7) Wirksamkeit und Wirkfaktoren in der Prävention von Radikalisierung
Sophie Sailer1, Emily Kratsch1, Konstanze Arnoldussen1, Svenja Plannerer1, Lea Heß1,2, Mark Stemmler1
1Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; 2Universitäre Psychiatrische Dienste Bern
Radikalisierungsprozesse im Jugendalter stellen eine zunehmende gesellschaftliche Herausforderung dar. Ein zentrales Instrument zur Prävention extremistischer Tendenzen stellt dabei politische Bildungsarbeit dar. Allerdings mangelt es bislang an systematischen Erkenntnissen über deren konkrete Wirksamkeit und die zugrundeliegenden Wirkmechanismen. Vor diesem Hintergrund setzt das Projekt Dis_Ident an, welches auf die Prävention von israelbezogenem Antisemitismus und islamistisch geprägten Denkmustern bei Jugendlichen abzielt. Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
Das hier dargestellte Teilprojekt erforscht die Wirksamkeit und Wirkfaktoren präventiver Bildungsarbeit. Im Fokus der Untersuchung steht die systematische Evaluation der MIND-prevention-Workshops, die darauf abzielen, Vorurteile abzubauen und Veränderungen in der sozialen Wahrnehmung anzustoßen, um auf diese Weise zu einer nachhaltigen Radikalisierungsprävention beizutragen. Hierzu sollen Konstrukte wie didaktisches Wirken und Diskriminierungserfahrungen näher beleuchtet werden.
Das Projekt befindet sich aktuell in der Planungsphase, sodass zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine empirischen Ergebnisse vorliegen. Ziel der Projektvorstellung ist die Skizzierung des theoretisch-methodischen Vorgehens sowie die Erläuterung der forschungsleitenden Annahmen zu den Wirkfaktoren der Präventionsarbeit. Die zu erwartenden Erkenntnisse sollen eine evidenzbasierte Weiterentwicklung politischer Bildungsangebote und Radikalisierungsprävention ermöglichen.
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Stichworte: sexuelle Wahrnehmung, implizites Messinstrument, sexuelle Selbstkontrolle, sexuelle Erregung, prokriminelle Einstellungen
(8) Between desire and restraint: Ein Tastendesign zur impliziten Messung der sexuellen Selbstkontrolle sexuell erregter heterosexueller Männer in einem Konfliktszenario unter Berücksichtigung prokrimineller Einstellungen
Christin Zimmermanns
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Deutschland
Eine fehlerhafte sexuelle Wahrnehmung und Interpretation des sexuellen Interesses sowie eine defizitäre Fähigkeit zur Kontrolle von sexuellen Impulsen stellen wesentliche Risikofaktoren für sexuelle Übergriffe dar. Unter Verwendung eines eigens entwickelten und prävalidierten Stimulussets wurde eine sexuelle Selektionsaufgabe (Flirtingtask) konzipiert. Ziel dieser Arbeit war folglich die Entwicklung eines impliziten Messinstrumentes im Rahmen eines reinen Tastendesigns zur Erfassung sexueller Selbstkontrolle. Zwei zentrale Aspekte bei diesem Untersuchungsdesign waren einerseits verschiedene Messzeitpunkte und andererseits variierende Versuchsbedingungen. In einer Stichprobe von heterosexuellen Männern (N = 255) konnte festgestellt werden, dass experimentell induzierte sexuelle Erregung ein erhöhtes Level an sexueller Selbstkontrolle erfordert, um die entwickelte Entscheidungsaufgabe im sexuellen Kontext zu lösen. Hierbei erwiesen sich sowohl die gemessene Reaktionszeit als auch die beobachtete Fehlerrate im Rahmen der Entscheidungsaufgabe als geeignete Indikatoren für niedrige sexuelle Selbstkontrolle. Darüber hinaus wurde der mögliche Einfluss prokrimineller Einstellungen als Moderator für die Beziehung zwischen sexueller Erregung und sexueller Selbstkontrolle analysiert. Hierbei konnte jedoch kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden. Die Ergebnisse wurden darüber hinaus durch explorative Analysen erweitert. Abschließend erfolgt eine umfassende Diskussion der Untersuchung im Hinblick auf ihre praktische Anwendbarkeit in den Bereichen Diagnostik, Prävention und Intervention.
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Stichworte: Sexualisierte Gewalt, sexuelles Risikoverhalten, Sensation Seeking, Jugendalter
(9) The Sexual Triangle (SeTri): Der Zusammenhang zwischen sexualisierten Gewalterfahrungen, sexuellem Risikoverhalten und (sexuellem) Sensation Seeking bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Katharina Louisa Göttlicher, Felix A. Wolters, Oliver Kratz
Uniklinik Erlangen, Deutschland
Sexualisierte Gewalt an Kindern ist ein weltweites Problem, nicht nur im strafrechtlichen Sinne, sondern auch hinsichtlich psychischer und körperlicher gesundheitlicher Konsequenzen für das betroffene Kind sowie gesellschaftlicher Folgen. Mit dem langfristigen Ziel sexuelle Gesundheit im Sinne von Safer Sex in der Allgemeinbevölkerung, insbesondere bei Heranwachsenden, zu erhalten und sexuelles Risikoverhalten (z.B multiple Sexualpartner, ungeschützter Geschlechtsverkehr, Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten) zu vermindern, ist es wichtig Zusammenhänge bzw. Entstehungsmechanismen von sexuell riskanten Verhaltensweisen zu erforschen. Das Erleben sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend kann den normalen Entwicklungsverlauf stören, die sexuelle Entwicklung beeinträchtigen und zu sexuellem Risikoverhalten führen.
Methode
Die geplante Untersuchung soll als multizentrische Beobachtungsstudie im querschnittlichen Design im ambulanten, teil- und vollstationären Setting (Klinische Kohorte) sowie an Schulen (Kontrollkohorte) mithilfe einer Online-Befragung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 12-21 Jahren durchgeführt werden. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit sexualisierten Gewalterfahrungen und oder sexualisiertem Risikoverhalten werden – unter Berücksichtigung konfundierter Variablen – in Kovarianzanalysen (ANCOVA) mit Gleichaltrigen Jugendlichen ohne sexualisierte Gewalterfahrungen und oder sexualisiertem Risikoverhalten verglichen.
Ergebnisse
Erste Ergebnisse werden auf dem Kongress berichtet.
Schlussfolgerung
Um in Zukunft gezielter gegen sexuelle Gewalt vorgehen zu können, werden Dunkelfeldstudien benötigt. Es bedarf prospektiver Studien zur Prävalenz von sexualisierten Gewalterfahrungen und von sexualisiertem Risikoverhalten im Kindes- und Jugendalter, die neben den genannten Prävalenzen diese ebenfalls in einen Zusammenhang stellen. Aufgrund der bereits vorhandenen jedoch eingeschränkten Forschung besteht eine Notwendigkeit von Studien die über die Prävalenzforschung hinaus gehen und Zusammenhänge aufdecken, um Prävention und Intervention zu ermöglichen.
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Stichworte: Inhibitorische Kontrolle, Psychopathie, §64 StGB, Risikobeurteilung
(10) Kontrolle verloren – Risiko erkannt? Der Zusammenhang zwischen der cue-induzierten inhibitorischen Kontrolle und Faktor 2 Psychopathie bei forensischen Patienten mit Alkoholkonsumstörung
Helena Sophia Schmitt1, Jennifer Wernicke1, Cornelia Sindermann1,2, Ralf Wilhelm Wolf3, Christian Montag4
1Abteilung Persönlichkeitspsychologie, Institut für Psychologie und Pädagogik, Universität Ulm; 2Computational Digital Psychology, Interchange Forum for Reflecting on Intelligent Systems, Universität Stuttgart; 3Vitos Klinik für forensische Psychiatrie Hadamar; 4Centre for Cognitive and Brain Sciences, University of Macau
Das Ausmaß, in dem Personen auf die Exposition gegenüber suchtspezifischen Hinweisreizen (engl. Cues) reagieren (z.B. physiologisch, neurologisch, behavioral), wurde positiv mit Rückfällen in den Substanzkonsum in Verbindung gebracht. Erneuter Substanzkonsum gilt wiederum als wichtiger Risikofaktor für kriminelle Rezidive.
Vor diesem Hintergrund untersucht diese Studie den Zusammenhang zwischen der inhibitorischen Kontrolle bei der Darbietung von Alkohol-Cues und Indikatoren des kriminellen Rückfallrisikos in einer forensischen Stichprobe. Als Indikator des Rückfallrisikos wird der Faktor 2 der Psychopathy Checklist:Screening Version (PCL:SV) aufgrund seiner positiven Assoziation mit kriminellen Rückfällen sowie statischen Variablen der Risikoprognose herangezogen.
Die Stichprobe umfasste N=53 gegenwärtig abstinente männliche forensische Patienten (§64 StGB), von denen n=25 mit einer Alkoholkonsumstörung und n=28 mit einer anderen Substanzkonsumstörung diagnostiziert waren. Die Patienten absolvierten zwei Go/NoGo-Aufgaben, in denen einmal visuelle Alkoholreize („Craving-Bedingung“) und einmal neutrale Stimuli („Kontrollbedingung“) dargeboten wurden. Die inhibitorische Leistung wurde je Bedingung basierend auf „Hits“ und „False Alarms“ in Form von adjustierten d‘-Werten ermittelt. Diese wurden als Prädiktoren des Faktors 2 der PCL:SV in Regressionsanalysen für jede Teilstichprobe (Alkoholkonsumstörung: ja vs. nein) untersucht.
Eine schlechtere inhibitorische Leistung in der Craving-Bedingung war mit höheren Scores auf dem Faktor 2 der PCL:SV bei Patienten mit einer Alkoholkonsumstörung assoziiert. Hingegen zeigten sich weder Zusammenhänge mit der Leistung in der Kontrollbedingung, noch für die Teilstichprobe mit anderen Substanzkonsumstörungen.
Diese Befunde haben Implikationen für die (forensische) Risikobeurteilung und deuten darauf hin, dass die cue-induzierte inhibitorischen Leistung als Marker für die Rückfallwahrscheinlichkeit dienen könnte. Zukünftige Forschungsvorhaben sollten die substanzspezifische Cue-Exposition weiter untersuchen und deren Assoziation mit tatsächlichen Rückfallraten berücksichtigen.
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Stichworte: Vollzugslockerungen, Resozialisierung, Strafvollzug, Gefangenenmerkmale
(11) Vollzugslockerungen aus der Sicht von Bediensteten des bayerischen Strafvollzugs
Sabrina Terbrüggen, Johann Endres
Kriminologischer Dienst des Bayerischen Justizvollzugs
In einem auf Resozialisierung ausgerichteten Strafvollzug stellen Vollzugslockerungen eine zentrale Behandlungsmaßnahme dar. Sie dienen der Prävention von Haftschäden, der Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen, der Förderung von Motivation und Kooperation, dem Erlernen neuer Verhaltensweisen, der Diagnose von Behandlungsfortschritten („Erprobung“) sowie der Entlassungsvorbereitung. Trotz der großen Bedeutung, die Lockerungen für die Resozialisierung zugeschrieben wird, existieren bislang nur wenige empirische Erkenntnisse darüber, welche Merkmale Gefangene aufweisen, denen Lockerungen gewährt werden. Ebenso ist die Forschung zur Entscheidungsfindung multiprofessioneller Teams in den Anstalten in diesem Kontext begrenzt.
Zur Untersuchung relevanter Merkmale von Gefangenen und Funktionen von Lockerungen in der Praxis wurden 106 Bedienstete des bayerischen Strafvollzugs, die an Entscheidungen über Vollzugslockerungen beteiligt sind, im Rahmen einer Online-Befragung zu ihren persönlichen Einstellungen bezüglich der Merkmale und Funktionen befragt. Ergänzend wurde eine Vignette eingesetzt, in der potenziell entscheidungsrelevante Merkmale von Gefangenen systematisch variiert wurden. Zudem wurde analysiert, inwiefern sich die Einschätzungen und Bewertungen zwischen den beteiligten Berufsgruppen innerhalb der Anstalten (PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und -pädagogInnen, VollzugsinspektorInnen, LehrerInnen, AVD und Werkdienst) unterscheiden.
Das übergeordnete Ziel der Studie besteht darin, einen Beitrag zur Wirksamkeitsforschung von Vollzugslockerungen zu leisten, die bislang durch einen Mangel an Erkenntnissen über die Merkmale gelockerter Gefangener erschwert wird.
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Stichworte: Traditional Masculinity, Gender Role Conflict, Testosterone, Aggression
(12) Traditional Masculinity Ideologies, Testosteron, and Depression in Male Aggression
Flora Logoz, Andreas Walther
Universität Basel, Schweiz
Men engage more in direct forms of aggression than wome, often with more severe conseuqeces. Biological explanations for gender-differences in aggression have widely focused on testosterone (T) but have yielded mixed results. In contrast, research on the role of traditional masculinity ideologies (TMI) in men's externalizing depression symptoms suggests that gender role norms and gender role conflict (GRC) may provide a promising explanation for aggression in men.
The preset study compares the assoications of TMI and T with aggression in healthy and depressed men. In addition, a potential impact of GRC on the respective relationship of major depressive disorder (MDD) and T with aggression were assessed. The study used data from the baseline assessment of a longitudinal randomized controlled trial that evaluated a male-specific psychotherapeutic program for depression in men. 172 participants drawn from the general population of men in Switzerland completed self-report forms on TMI, GRC, depression and aggression. Venous blood samples were taken to assess serum testosterone.
Indeed, aggression was associated with T, MDD, and GRC, but not T. Moreover, T moderated the relationship between MDD and aggression. In this study, aggression is related to gender role expectations and gender role conflict but not baseline T levels in both healthy and depressed men. This undergirds the perspective that aggression is a gendered social script for the expression of negative affect, and may somethimes mask more classical depression symptoms (e.g., sadness). Based on these results, we encourage practitioners to address TMI, GRC, and MDD when working with aggressive men.
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