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Sitzungsübersicht
Sitzung
Sozialtherapie im Jugendstrafvollzug: Ausgang oder Drehtür?
Zeit:
Mittwoch, 10.09.2025:
8:45 - 9:30

Ort: Max-Planck Saal

Sitzungsthemen:
Straftäterbehandlung

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Präsentationen
Positionsreferat
Stichworte: Jugendstrafvollzug, Sozialtherapie, Prognose, Desistance

Sozialtherapie im Jugendstrafvollzug: Ausgang oder Drehtür?

Joscha Hausam

Charité - Universitätsmedizin Berlin, Deutschland

Junge straffällige Männer stellen aufgrund ihrer häufig belasteten Biografien und sozial benachteiligten Lebensverhältnissen eine besondere Zielgruppe im Strafvollzug dar. Vor diesem Hintergrund erscheinen die hohen Rückfallquoten nach verbüßter Jugendstrafe wenig überraschend. Internationale Studien zeigen jedoch, dass therapeutisch ausgerichtete Maßnahmen bei dieser Klientel positive Effekte erzielen können. In Deutschland wurde im Zuge der Föderalismusreform die Sozialtherapie im Jugendstrafvollzug gesetzlich verankert – in der Hoffnung auf bessere Resozialisierungschancen für eine besonders rückfallgefährdete Klientel. Bislang fehlt es allerdings an hinreichender wissenschaftlicher Evidenz zur Wirksamkeit dieser Maßnahme im Jugendstrafvollzug. Auf Grundlage von zehn Jahren Forschung im Berliner Jugendstrafvollzug befasst sich der Beitrag zunächst mit den Besonderheiten der Prognose bei Jugendlichen. Es wird gezeigt, wie zuverlässig Prognoseinstrumente sind und ob tatsächlich die „Richtigen“ in die Sozialtherapie aufgenommen werden. Anschließend werden die Herausforderungen bei der Behandlung einer schwierigen Klientel thematisiert, insbesondere im Hinblick auf eine hohe Gewaltbereitschaft und geringe Therapiemotivation vieler Jugendlicher. Neben kurz- und mittelfristigen Effekten wird die rückfallreduzierende Wirksamkeit der Sozialtherapie anhand der Legalbewährung nach Entlassung untersucht. Abschließend werden Ergebnisse aus Nachbefragungen rund zehn Jahre nach Haftentlassung vorgestellt. Mit einem qualitativen Zugang werden die Perspektiven, Erfahrungen sowie subjektiven Erklärungs- und Deutungsmuster der jungen Männer in den Vordergrund gerückt. Der Fokus liegt auf Prozessen der Desistance. Ziel des Beitrags ist es, bestehende Ansätze kritisch zu beleuchten und Impulse für eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der Sozialtherapie im Jugendstrafvollzug zu geben.