Veranstaltungsprogramm

Eine Übersicht aller Sessions/Sitzungen dieser Veranstaltung.
Bitte wählen Sie einen Ort oder ein Datum aus, um nur die betreffenden Sitzungen anzuzeigen. Wählen Sie eine Sitzung aus, um zur Detailanzeige zu gelangen.

 
 
Sitzungsübersicht
Sitzung
Zwischen Fiktion und Realität: Verschiedene Perspektiven auf fiktionale Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs
Zeit:
Montag, 08.09.2025:
14:15 - 15:45

Ort: Kleiner Saal

Sitzungsthemen:
Kriminalpsychologie (Erscheinungsformen, Entstehung, Prävention und Vorhersage von Kriminalität)

Zeige Hilfe zu 'Vergrößern oder verkleinern Sie den Text der Zusammenfassung' an
Präsentationen
Symposium
Stichworte: Kindesmissbrauchsabbildungen, textbasierte Darstellungen, Darknet

Zwischen Fiktion und Realität: Verschiedene Perspektiven auf fiktionale Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs

Chair(s): Rebecca Reichel (Medical School Berlin, Deutschland)

 

Beiträge des Symposiums

 

Zwischen Fantasie und Risiko: Forschungslücke textbasierte Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs

Robert J. B. Lehmann
Medical School Berlin

Textbasierte Darstellungen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen (CSEAM) sind bislang ein wenig erforschtes und international oftmals rechtlich uneinheitlich geregeltes Phänomen. Dieser Vortrag gibt einen systematischen Überblick über die bisherige – stark begrenzte – Literatur zu diesem Thema. Dabei werden verschiedene Begrifflichkeiten, juristische Definitionsansätze sowie zentrale Herausforderungen dargestellt. Zudem werden auf Grundlage der bisherigen empirischen Befunde mögliche psychologische Risiken und Schutzfaktoren diskutiert, etwa in Bezug auf kognitive Verzerrungen, die Rolle von Fantasie und die potenzielle Normalisierung problematischer Narrative, aber auch die Verwendung von textbasiertem CSEAM als mögliche Ersatzhandlung. Ziel ist es, eine differenzierte Grundlage für die weitere Forschung und rechtliche Auseinandersetzung mit textbasiertem CSEAM zu schaffen.

 

Fiktionale vs. reale Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs: Risikoprofile von Darknet-Nutzern im Vergleich

Laura Quinten1, Abiraam Samithamby2, Kelly Babchishin2
1Medical School Berlin, 2Carleton University

Mit den Fortschritten der künstlichen Intelligenz ist fiktionales Material über sexuellen Kindesmissbrauch (CSEAM) immer leichter zugänglich geworden und hat neue Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen aufgeworfen. Es wird angenommen, dass Personen, die ausschließlich fiktionales CSEAM ansehen, ein geringeres Risiko haben, sexuelle Kontaktstraftaten zu begehen und ein weniger bedenkliches Gesamtrisikoprofil aufweisen als Personen, die reales CSEAM ansehen. In dieser Umfrage unter 2.837 männlichen Darknet-Nutzern berichteten 37 % ausschließlich Konsum von fiktionalem CSAM, 59 % berichteten Konsum von sowohl fiktionalem als auch realem CSEAM und 0,4 % berichteten ausschließlich Konsum von realem CSAM. Die Studie exploriert, inwieweit sich Personen, die ausschließlich fiktionales CSAM konsumieren, von Personen unterscheiden, die auch reales CSAM konsumieren – hinsichtlich ihrer selbstberichteten Neigung zu Sexualstraftaten und früherer Sexualstraftaten. Wir vergleichen die Gruppen auch im Hinblick auf risikorelevante Merkmale wie antisoziales Verhalten, Hypersexualität und sexuelles Interesse an Kindern. Die Ergebnisse sollen die Strafverfolgungsbehörden bei der Risiko-Priorisierung unterstützen und einen Beitrag zur laufenden Diskussion darüber leisten, ob fiktionales CSEAM in Präventions- und Interventionsstrategien unterschiedlich berücksichtigt werden sollte.

 

Inhaltsbeschreibung textbasierter Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs – ein erster qualitativer Ansatz

Rebecca Reichel
Medical School Berlin

Wovon erzählen Geschichten, die sexuellen Kindesmissbrauch explizit und detailliert beschreiben? Während die Debatte sich, sofern überhaupt vorhanden, oft auf die Wirkung solcher Texte konzentriert, ist über deren Inhalte selbst kaum etwas bekannt. Dabei weisen erste Befunde darauf hin, dass in textbasiertem CSEAM im Durchschnitt extremere Inhalte dargestellt werden als in visuellem CSEAM (z. B. Beschreibungen jüngerer Kinder oder penetrativer sexueller Handlungen). Zur Untersuchung dieses Themenfeldes wurde ein Kodiermanual zur Beschreibung textbasierten CSEAMs entwickelt und auf alle Erzählungen angewandt, die auf einem großen Darknet-Forum gefunden wurden. Die Studie soll einen Einblick in dieses Kodiermanual geben, die Inhalte der kodierten Erzählungen beschreiben und erste Ansätze zur inhaltlichen Gruppierung und Überarbeitung der kodierten Faktoren präsentieren. Abschließend werden die Ergebnisse im Hinblick darauf beleuchtet und diskutiert, ob der Konsum von textbasiertem CSEAM einen Risiko- oder Schutzfaktor darstellen kann.

 

Textbasierte Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs: Welche Arten gibt es und wie werden sie aufgenommen?

Frederic M. Gnielka
Medical School Berlin

In einschlägigen Darknet-Foren kursieren fiktionale Erzählungen, die explizit sexuelle Gewalt an Kindern beschreiben. Wir präsentieren eine Pilotstudie für einen Mixed-Methods-Ansatz, in dem Geschichten aus einem Darknet-Forum für den Austausch von CSEAM einer Topic Analyse unterzogen werden. Dabei werden die Stories durch ein modernes Embedding-Modell quantifiziert und durch eine Clusteranalyse inhaltlichen Gruppen zugeordnet, die semantisch und syntaktisch charakterisiert werden. Somit stellen wir dem vorangegangenen qualitativen Ansatz eine quantitative Methode entgegen. Diese Texte existieren jedoch nicht für sich allein: Sie sind eingebettet in soziale Kontexte, in denen Nutzer:innen nicht nur konsumieren, sondern kommentieren, bewerten und miteinander interagieren. Diese Kommentare durch andere werden einer qualitativen Analyse unterzogen und die dadurch herausgearbeiteten Inhalte mit den Topics in Verbindung gesetzt. Somit können sie als erster Indikator für die Rezeption von textbasiertem CSEAM durch Nutzer:innen einschlägiger Foren im Darknet dienen.